Uni-Server und Print-on-demand: Wie wird man wahrgenommen?

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Lucy
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Uni-Server und Print-on-demand: Wie wird man wahrgenommen?

Beitrag von Lucy » 19.04.2015, 10:36

Gerade habe ich mich für die Veröffentlichung meiner Diss auf dem Uni Server entschieden. Ich denke, mehr kann man nicht tun, um die Fachkollegen und die wissenschaftliche Öffentlichkeit zu informieren. Aber in meinem erzkonservativen Fach sieht man das leider immer noch anders. Da es mir auch wichtig ist, ein "richtiges" (und ein schönes!) Buch in der Hand zu halten, möchte ich parallel bei einem Books on demand Verlag eines herstellen lassen. Dazu nun ein paar Fragen ans Forum:
- Sind diese Verlage mit der parallelen Open Access Veröffentlichung einverstanden?
- Werbung, Rezensionen etc. – wie geht das? Wo und wie kann man das lernen (unglaublich, was man außer seinem eigentlichen Fachgebiet noch alles lernen soll :roll: )
- Was kann ich tun, um eine möglichst weite Wahrnehmung zu erreichen (historisches, für mich natürlich hochinteressantes, für den Rest der Welt aber vermutlich eher abseitiges Thema)?
- Wie wendet man sich an Zeitschriften u.ä., von denen man sich Besprechungen wünscht?
Zuletzt geändert von Sebastian am 26.04.2015, 01:18, insgesamt 3-mal geändert.
Grund: Titel ergänzt, meinen eigenen Tippfehler wieder rausgenommen.

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Traudel
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Re: Wie wird man wahrgenommen?

Beitrag von Traudel » 19.04.2015, 12:09

Hello again Lucy :D

wie im "Prolog"-Thread beschrieben, habe ich mich für eine - teure - Verlagspublikation entschieden und haderte während des - mehrmonatigen - Korrektur-, Verhandlungs- und Publikationsprozesses immer wieder mit meinem Entschluss... daher erneut: Herzlichen Glückwunsch zu Deinem beherzten und befreiten Vorgehen! Da möchte ich doch gern ein ganz klein wenig meinen Senf dazugeben, um Dich zu unterstützen.

Frage(n): Musst Du für die Serverpublikation auch eine Art Klappentext schreiben? Wahrscheinlich ein Abstract, das in die Bibliothekskataloge (auch der DNB) eingetragen wird, gell? Und wirst Du ein Cover gestalten (mit Blick auf das Book-on-Demand-Vorhaben dann vermutlich schon, ne?)?
1. Vorschlag: Wie wäre es, wenn Du einen - idealiter professionell ge-layouteten - Flyer entwirfst mit Coverbild, Abstract und Autoreninfo + Weg zur Print-on-Demand-Bestellung (bzw. ISBN). Den sendest Du an Fachzeitschriften und/oder Online-Magazine, die für Dein Fach relevant sind. Bitte um Platzierung einer Anzeige oder um eine Aufführung in der Rubrik "Neuerscheinungen" o.ä. (kostet vermutlich, weil Werbung). Rufe vorab fröhlich souverän und selbstbewusst in den Redaktionen an und kündige Deine Post an, sonst landet das sicher im Müll ... böse Welt.
2. Vorschlag: Bestelle einige Printexemplare beim Book-on-Demand-Anbieter und sende sie als Rezensionsexemplare an Fachzeitschriften. Für Online-Magazine und Portale entsprechend einen Link zur Open-Access-Variante.
3. Vorschlag: Sende Printexemplare an einschlägige Lehrstühle anderer Hochschulen.
4. Vorschlag: Wegen des historischen Themas gleiches Prozedere bei thematisch affinen Museen, Archiven, Instituten, Vereinen, Freundeskreisen...
5. Vorschlag: Kontaktiere zuständige Berufsverbände bzw. Interessenvertretungen und bitte um Werbung in Mitgleiderzeitschriften oder/und um Postings in deren Social Media-Kanälen.
6. Vorschlag - aber dezent: ggf. Werbung/Info über eigene Social Media-Auftritte (also nicht auf privaten Seiten, sondern auf professionellen Plattformen/Netzwerken).

Jo, und dann abwarten :?

Ach so, und zu Deiner Frage: Intuitiv hätte in Print-on-Demand-Anbietern eine größere Offenheit hinsichtlich der gleichzeitigen Open Access-Publikation zugesprochen. Allerdings beim näheren Nachdenken komme ich zu folgender Überlegung: Interessenten für ein Printexemplar geben eventuell Deine ISBN ein. Dann sehen sie: "Aha, gibbet auch für umme aufm Bib-Server! Wieso dann kostenpflichtig bestellen?" Es handelt sich bei dieser Interessentengruppe ja möglicherweise per se um technikaffinere Personen als bei Leuten, die ein Buch physisch im Laden kaufen.
Will sagen: Ich weiß et nich. Musste bei einzelnen Anbietern mal über Kontaktformular oder telefonisch erfragen.

Liebe Lucy, ich hoffe, ich konnte einen klitzekleinen Beitrag leisten.
Viel Erfolg und halte uns auf dem Laufenden - Selbstmarketing ist mit Sicherheit ein zunehmend wichtigeres Thema für uns Nachwuchswissenschaftler, insbesondere im digitalen Zeitalter.

LG Traudel

Lucy
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Re: Wie wird man wahrgenommen?

Beitrag von Lucy » 19.04.2015, 12:43

Gute Vorschläge, vielen Dank! Ich mach mich dann ma gleich an die Arbeit (ich bin ja net faul, wasn Glück...)

Koenigsportal
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Re: Wie wird man wahrgenommen?

Beitrag von Koenigsportal » 19.04.2015, 14:52

Du kannst auf dem Cover der Server-Publ. angeben, dass die Arbeit demnächst bei Verlag xy unter der ISBN 123 erscheinen wird. Es empfiehlt sich, den Titel etwas abzuändern, dann wird das Buch u.U. besser separat wahrgenommen. Den VK würde ich so anstreben, dass es attraktiver ist, das Buch zu kaufen, statt es auszudrucken. Ich habe mich für Verlagspubl. incl. Ebook entschieden mit Open-Access/Server-Publ.-Option. Bei der Preisgestaltung war mir wichtig, dass das auch für Studis erschwinglich ist.
Eine ISBN kann man sich bei BoD relativ einfach sichern. Wenn Du keine hast, kannst Du ja trotzdem auf dem Server-Cover drauf hinweisen, dass es das Buch im Handel geben wird.
"Do what you can, with what you've got, where you are." (Th. Roosevelt)

myfunnyvalentine
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Re: Wie wird man wahrgenommen?

Beitrag von myfunnyvalentine » 19.04.2015, 21:18

In diesem Zusammenhang vielleicht ganz lesenwert ist ein Blogeintrag von Markus Neuschäfer:

http://www.markusneuschaefer.com/2014/1 ... gsbericht/

U.a. weil es einen Abschnitt zu "Rezen­sio­nen und Online-Sichtbarkeit" gibt!

Lucy
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Re: Uni-Server und Print-on-demand: Wie wird man wahrgenomme

Beitrag von Lucy » 20.04.2015, 09:14

Habe gerade den Eintrag von Markus Neuschäfer gelesen: sehr, sehr informativ und hilfreich!!!
@ Sebastian: könntest du den Titel bitte ohne Tippfehler ergänzen?

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Re: Uni-Server und Print-on-demand: Wie wird man wahrgenomme

Beitrag von Eva » 21.04.2015, 12:38

@Lucy: Du hast zwar schon einige Antworten bekommen, da ich aber genau deine Lösung gewählt habe (Uni-Server und Print-on-Demand) hier auch noch meine Erfahrungen und Ideen:
- Sind diese Verlage mit der parallelen Open Access Veröffentlichung einverstanden?
Ja, sind sie, zumindest wenn es sich um Dissertationen handelt. Nicht immer enthält der Standardvertrag den entsprechenden Passus, dass die parallele OA-Veröffentlichung erlaubt ist, wenn du aber konkret für eine Dissertation anfragst, ist das nach meiner Erfahrung möglich.
Werbung, Rezensionen etc. – wie geht das?
Wie wendet man sich an Zeitschriften u.ä., von denen man sich Besprechungen wünscht?
Was kann ich tun, um eine möglichst weite Wahrnehmung zu erreichen?
Rezensionswesen: Wissenschaftliche Zeitschriften haben Redaktionen, die in der Regel aus Wissenschaftlern bestehen, die das als Vollzeitjob machen (Redakteure) oder ehrenamtlich neben der Forschung. Du als Autor (oder sonst dein Verlag) fragst dort nach Erscheinen deines Buches mit einer kurzen Email an, ob du ihnen ein Rezensionsexemplar deines Buches zukommen lassen könntest. Dazu schickst du ein kurzes Abstract und/oder andere Informationen, die der Redaktion helfen, dein Buch thematisch einzuschätzen (wie relevant für ihre Zeitschrift? Haben sie einen geeigneten Rezensenten für dieses Thema?), z.B auch das Inhaltsverzeichnis (aber nicht zu viel! Erwarte nicht, dass die seitenlange Texte lesen). Ich habe vorab die Möglichkeit genutzt, mein Buch mit seinen Kernthesen, Metadaten und dem Inhaltsverzeichnis auf einer Onlineplattform für mein Fach zu präsentieren (http://www.recensio.net - für Historiker) und diesen Link in den Emails an die Redaktionen mitgeschickt, so dass sie sich bei Interesse gleich umfassender informieren konnten. Gut ist auch, die beiden Gutachter mit anzugeben, damit die nicht ggf. als Rezensenten angefragt werden.
Die meisten (s.u.) haben um ein Rezensionsexemplar gebeten und sich dann auf die Suche nach einem Rezensenten gemacht. Je nach Zeitschrift kann es auch sein, dass sie einen festen Stamm an Rezensenten haben und das Buch dort frei zu Rezension anbieten. Wenn du Glück hast, greift jemand zu, wenn du Pech hast, hast du ein Exemplar vergeblich verschickt. Eine Garantie hast du in keinem Fall, dass eine Zeitschrift, die an deinem Buch interessiert ist, letztlich auch eine Rezension veröffentlichen wird, meine Trefferquote war aber ziemlich hoch (s.u.). Die Rezensenten sind idR Wissenschaftler, die das unentgeltlich machen (sie dürfen aber das Rezensionsexemplar behalten, insofern wäre ich auch bei Online-Plattformen/Zeitschriften nicht geizig und würde nur den Link zum PDF schicken!). Es kann sich ziemlich lange hinziehen, bis eine Rezension tatsächlich erscheint, je nach Erscheinungsrhythmus der Zeitschrift und der Bearbeitungszeit des Rezensenten.
Ein paar Zahlen zur Einschätzung: Mein Buch ist vor knapp zwei Jahren erscheinen, Ende Mai 2013. Im Juli 2013 habe ich die ersten Rezensionsanfragen verschickt, dann nochmal einen Schwung im November 2013. Insgesamt habe ich 12 Redaktionen kontaktiert (von Zeitschriften, die allgemein Rezensionen zu meinem Fach veröffentlichen, und solchen mit einschlägiger Spezialisierung auf das engere Thema der Diss), wovon 9 ein Rezensionsexemplar angefordert haben (die anderen drei haben nicht geantwortet). Veröffentlicht wurden bislang 5 Rezensionen, davon die erste im Februar 2014 (also circa ein halbes Jahr nach der Anfrage bei der Redaktion) und die aktuellste jetzt im März 2015. Da ging meine Anfrage im Nov 2013 raus, die Redaktion antwortete im März 2014, dass sie am Buch intereressiert sind (was ich umgehend geschickt habe) und von da hat es nochmal ein Jahr gebraucht, einen Rezensenten zu finden (Redaktion), die Rezension zu schreiben (Rezensent), und dann eben die Rezension zu veröffentlichen (Redaktion). Das ist also eine Sache, für die man einen längeren Atem haben muss. :wink:
Ob die übrigen 4 Zeitschriften, an die ein Exemplar ging, auch noch Rezensionen veröffentlichen werden, wird sich zeigen, ist aber nicht ausgeschlossen. Ich bin aber auch mit den fünf Rezensionen schon sehr zufrieden und glaube kaum, dass ein Wissenschaftsverlag das besser hinbekommen hätte. 8)

Freiexemplar an Bibliotheken: Du willst ja vor allem, dass dein Buch von anderen Forschern gefunden wird, wenn die z.B. thematisch in einem Bibliothekskatalog suchen. Eine Möglichkeit, im OPAC zu landen, ist, großen Bibliotheken ein Freiexemplar deines Buches zu schicken (idR haben die großen Bibliotheken dafür eine eigene Stelle, sonst bekommt es der Fachreferent für dein Fach). Mein Book-on-Demand-Verlag hat sein Pflichtexemplar an die Landesbibliothek seines Standorts abgeliefert sowie an die Deutsche Nationalbibliothek, ich habe darüber hinaus noch die beiden Staatsbibliotheken in Berlin und München auf meine Kosten mit einem Exemplar versorgt. (Fachreferenten an UBs kaufen Dissertationen übrigens oft auf Basis von Rezensionen in wissenschaftlichen Zeitschriften, deshalb bringt es m.E. mehr, Rezensionen einzuwerben als zu viele Bücher an Bibliotheken zu verschenken.)

(Wissenschaftliche) Onlineplattformen: Ich habe mir einen Account bei http://www.academia.edu zugelegt und dort u.a. auf die PDF des Hochschulservers verlinkt sowie die Buchausgabe aufgeführt. Dazu wie gesagt die Buchpräsentation auf http://www.recensio.net, sowie ein Eintrag auf dem Portal der Gerda Henkel-Stiftung (http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/beitraege).
Aktuell überlege ich, zu meinem Thema einen Wissenschaftsblog zu starten (z.B. hier: http://de.hypotheses.org/), in dem ich natürlich auch wieder auf die Veröffentlichung(en) hinweisen könnte, aber darüberhinaus das Thema selbst weiter verfolgen kann.

Postkarte: Ich habe bei einer Online-Druckerei Werbepostkarten für das Buch drucken lassen (hätte auch der Book-on-Demand-Anbieter angeboten, aber für einen deutlich höheren Preis; Vorbedingung für die Alternative: Du hast das Cover selbst gestaltet und kein fertiges vom Book-on-Demand-Anbieter übernommen, denn dann hast du weder die Rechte daran noch die Druckdatei), mit dem Cover des Buches auf der Vorderseite und auf der Rückseite den wichtigsten Metadaten (Autor, Titel, Verlag, Ort, Jahr, ISBN, Preis). Die habe ich dort, wo es sich angeboten hat, verteilt oder einem Brief beigelegt. Ich habe noch sehr viele übrig, es war aber auch keine große Investition.

Artikel in nicht-wissenschaftlichem Publikationsorgan: Bietet sich bei historischen Themen an, da viele Tages-/Wochenzeitungen z.B. eine feste Seite für Historisches haben. Da könntest du anfragen und einen Artikel zu deinem Thema anbieten. Im Idealfall kannst du am Ende des Artikels auf deine Veröffentlichung hinweisen.

Vorträge: Je nach Thema gibt es bereits ein einschlägiges potenzielles Publikum bzw. eine Institution, wo man einen Vortrag zum Thema anbieten kann (und dort dann z.B. die Postkarten auslegt und das Buch dabei hat). Evtl. wäre auch die VHS oder die Vortragsreihe eines Museums o.ä. eine Anlaufstelle.

Listen bei amazon: Das hat mein Book-on-Demand-Verlag gegen Aufpreis (20 Euro?) als Zusatzservice angeboten. Keine Ahnung, wie viel das bringt, aber schaden kann es nicht.

Wikipedia: Gibt es einschlägige wikipedia-Artikel rund um dein Thema, in deren Literaturliste deine Diss passen würde? Dann dort eintragen!

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