Fremdsprachige Zitate in den Geisteswissenschaften

Das Unterforum zur Diskussion um die aus fremden Textpassagen zusammengesetzten Dissertationen Prominenter.
Taavi
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Fremdsprachige Zitate in den Geisteswissenschaften

Beitrag von Taavi » 18.02.2011, 12:47

Hallo liebes Forum,

ich bearbeite ein interdisziplinäres Thema, indem ich auch viele historische (zeitgenössische) Zitate einbringen werde. Diese sind nun teils auf Französisch, teils auf Italienisch und natürlich auf Englisch. Jetzt kenne ich aus den Geisteswissenschaften viele Dissertationen, die ihre Zitate im Original belassen haben und würde es eigentlich auch gerne so handhaben. Habt ihr diese Entscheidung von euren Betreuern abhängig gemacht, wie fit die in den Fremdsprachen sind, oder nach welchen Richtlinien seid ihr vorgegangen?

Danke euch!

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mezarif
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Re: Fremdsprachige Zitate in den Geisteswissenschaften

Beitrag von mezarif » 18.02.2011, 13:05

Bei Sekundärliteratur bin ich der Ansicht, dass in den Geisteswissenschaften Englisch und Französisch vorausgesetzt werden können - bei Italienisch wäre ich da schon unsicherer und ich würde da wohl eine Übersetzung mit abdrucken (ausserdem man arbeitet z.B. gerade zu einem Thema der italienischen Geschichte o.ä.).
Allerdings geht es bei deiner Frage ja nicht um Literatur-, sondern um Quellenzitate - und da würde ich es auch ein bisschen vom Fachbereich und vom Zielpublikum abhängig machen. Bei Zitaten von älteren Sprachstufen des Englischen, Französischen und Italienischen kommt es m.E. auch etwas darauf an, wie nahe die dortige Sprache der heutigen ist.
Ich stelle mir gerade auch die gleiche Frage: Meine Arbeit z.B. richtet sich vordergründig an Germanisten, wird neben mittelhochdeutschen auch diverse lateinische Zitate enthalten. Die mittelhochdeutschen Zitate werde ich keinesfalls übersetzen, beim Latein bin ich auch so ein bisschen hin und hergerissen. Einerseits muss ein Mediävist Latein 'können', andererseits möchte ich es meinem Publikum auch so leicht wie möglich machen und da denke ich mir, dass es sicher nicht schaden kann, eine Übersetzung in die Fussnote zu verpacken für allfälligen Gebrauch. Aber ganz entschieden habe ich mich noch nicht.

Rosa
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Re: Fremdsprachige Zitate in den Geisteswissenschaften

Beitrag von Rosa » 18.02.2011, 13:09

Kleiner Tipp fürs Publizieren am Ende (nicht entscheidend für das wiss. begründete Vorgehen): Verlage bewerten Arbeiten mit langen, mehrsprachigen, unübersetzten Zitaten als noch unlesbarer, daher noch schwerer verkäuflich, und daher berechnen sie tendenziell noch hörere Zuschüsse. Durch Übersetzungen vergrößert sich aber der Umfang der Arbeit. Das könntest Du auch mit einbeziehen in die Abwägung.

Rosa
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Re: Fremdsprachige Zitate in den Geisteswissenschaften

Beitrag von Rosa » 18.02.2011, 13:16

Sinnvoll kann es sein, nach einem längeren (wie auch immer sprachigen) Quellenzitat noch mal in ein oder zwei Sätzen zu paraphrasieren, was für Dich die relevante Kernaussage ist; dadurch wird auch deutlich, warum Du so ausführlich zitierst an dieser Stelle. Es geht immer um die Einbettung des Zitates in die Argumentation. So halte ich es in meiner Arbeit auch (wo es nicht mehrsprachig, aber quellenreich zugeht).

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Re: Fremdsprachige Zitate in den Geisteswissenschaften

Beitrag von algol » 18.02.2011, 15:17

Was sagt denn Dein Prof?

Taavi
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Re: Fremdsprachige Zitate in den Geisteswissenschaften

Beitrag von Taavi » 18.02.2011, 15:35

Noch gar nichts (-:
Aber ich rechne mit baldiger Antwort und werde es dann natürlich auch davon abhängig machen.

barbershop
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Re: Fremdsprachige Zitate in den Geisteswissenschaften

Beitrag von barbershop » 18.02.2011, 15:57

Also ich habe schon oft in geisteswissenschaftlichen Dissertationen englische, französische und sogar italienische Zitate gesehen!
Allerdings ging es mir persönlich bei letzteren schon so, dass ich mir dachte "na toll, und was genau soll das bedeuten?"
Mein "Restaurant-Italienisch" reichte leider nicht:-)
Vielleicht wichtige und mglw. "schwierige" Zitate (sei es wegen spezieller Ausdrücke, nicht mehr gebräuchlicher Formen etc) doch übersetzt im Anhang?

Taavi
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Re: Fremdsprachige Zitate in den Geisteswissenschaften

Beitrag von Taavi » 19.02.2011, 10:53

Erst einmal Danke für eure Antworten!
Prof. sagt, es ist tatsächlich ok, wenn Zitate in der Originalsprache bleiben. Scheint auch so
ein Geisteswissenschaftler Ding zu sein, gerade in den Sprachen spricht ja anscheinend jeder alles... :wink:

In diesem Sinne, euch allen noch ein schönes Wochenende!

Angara
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Re: Fremdsprachige Zitate in den Geisteswissenschaften

Beitrag von Angara » 19.02.2011, 13:20

Ich habe es so gehandhabt: Englische Zitate belasse ich im Original, kursiviere sie aber, damit die Fremdsprache typographisch abgesetzt ist. Sprachen, die der DV nicht spricht (Bei mir Russisch und etwas Chinesisch) habe ich übersetzt im Text gebracht und in der Fußnote dann in der Originalsprache.

Dr. Natalie Struve
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Re: Fremdsprachige Zitate in den Geisteswissenschaften

Beitrag von Dr. Natalie Struve » 22.08.2011, 14:59

Will das Thema nochmal aufgreifen, weil es immer wieder und durchaus auch außerhalb der Geisteswissenschaften wichtig wird:

Spätestens mit der Dissertation wird man zum eigenständigen und eigenverantwortlichen Wissenschaftler. Entsprechend sollte man zwar wahrnehmen, wie andere solche Fragen handhaben, letztlich aber so vorgehen, wie man selbst es als sinnvoll erachtet. Und dabei hilft die kritische Reflexion all dessen, was einem so begegnet: Seid Ihr damit glücklich, wenn Euch Zitate nur übersetzt oder gar nicht übersetzt begegnen?

Wenn man anderen ermöglichen will, sich selbst eine fundierte Meinung zu bilden, dann müssen entsprechend zitierte Quellen wohl im Original wiedergegeben werden. Und da es selbst in den Geisteswissenschaften wohl an den Realitäten vorbeigeht, heutzutage von jedem Leser Englisch, Französisch und Italienisch auf wissenschaftstauglichem, sprich: höchstem Niveau zu erwarten, gilt für die Übersetzung ähnliches: Eigentlich gehört sie dazu. Was man nun in den eigentlichen Text nimmt und was in die Fußnote, hängt sicher auch vom Schwerpunkt der jeweiligen Auseinandersetzung ab. Ich rate grundsätzlich zum Original im Text und zur Übersetzung in der Fußnote: So macht man klar, daß maßgeblich der Originaltext ist, und erlaubt den entsprechend Sprachkundigen, sich gut zu fühlen; trotzdem ist niemand durch mangelnde Sprachkenntnisse von der geistigen Diskussion ausgeschlossen.

Kein Argument sollte hier sein, daß dadurch Umfang und Druckkosten steigen können: Denn das kann eine Voraussetzung wissenschaftlichen Diskurses nicht entfallen lassen.

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