Vorwort: Danksagung und Widmung?

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Christian
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Vorwort: Danksagung und Widmung?

Beitrag von Christian » 01.04.2009, 18:12

Hallo zusammen,

endlich bin ich in der glücklichen Lage, ernsthaft am Vorwort herumfeilen zu können, denn alle Prüfungen sind überstanden, der Verlagsvertrag ist unterschrieben und die Druckfreigabe wurde erteilt.

Auch wenn es verrückt klingen mag: Mit dem Vorwort plage ich mich schon recht lange herum. Einerseits möchte ich gerne meinem DV sowie dem Zweitgutachter danken und die Arbeit meinen Eltern und den jüngst verstorbenen Großeltern widmen (was inhaltlich sogar passte, denn es gibt Paralellen zwischen meinem Untersuchungsgegenstand und deren Lebensläufen).

Andererseits möchte ich mir eventuelle Peinlichkeiten ersparen und es soll ja auch nicht zu dick aufgetragen wirken usw.

Daher meine Frage an Euch: Wie schätzt Ihr das ein? Kann das Vorwort ruhigen Gewissens auch sowas enthalten, ohne gleich zu persönlich/merkwürdig auszufallen?

Und wie sieht es mit Politik(er)schelte aus: Zu Beginn des Vorworts wollte ich - zumindest in einer Fußnote - noch meine Bedauern über das erneute Vor-die-Wand-Fahrens eines Umweltgesetzbuches zum Ausdruck bringen. Auch dabei bin ich mir nicht ganz sicher: Verdient wäre der leichte Rüffel allemal - andererseits ist das kurzfristige/-lebige Alltagspolitik, auf die man vielleicht nicht in hoffentlich etwas länger in den Regalen stehenden Dissertationen eingehen sollte - oder?

Wäre für Eure Meinungen bzw. Euren Rat sehr dankbar!

Viele Grüße
Christian

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nK
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Re: Vorwort: Danksagung und Widmung?

Beitrag von nK » 01.04.2009, 18:36

Das habe ich noch nirgendwo besser gelesen als bei Prof. Rieble vom ZAAR in München:
Vorwortkrankheit
  • Vorworte und Widmungen in Dissertationen sind nicht nötig, aber üblich. Der Leser liest häufig das Vorwort als erstes - also ist das Vorwort Ihre Visitenkarte. Das ist sie auch noch in zwanzig Jahren.
  • Das urheberrechtliche Rückrufrecht wegen gewandelter Überzeugung (§ 42 UrhG) gibt es hier nicht.
  • Vermeiden Sie also schwülstige Danksagungen - insbesondere an den Lebensabschnittspartner, dessen Hilfe bei den Schreibarbeiten (!) unentbehrlich gewesen, religiöse Beteuerungen etwa dahin, daß die Arbeit mit Hilfe des Herrn entstanden ist. In zwanzig Jahren kann das abgestanden oder spätpubertär wirken. Danken Sie Professoren nicht überschwenglich für die Erfüllung der Dienstpflichten, etwa dem Zweitgutachter dafür, daß er das Zweitgutachten überhaupt erstellt hat. Suchen Sie einen schlichten Ausdruck. Überschäumende Freude über die Vollendung der Arbeit oder die Beendigung der Schreibqualen gehört nicht hierher. Auch das Selbstlob hat zu unterbleiben.
In Anwendung dieser Grundsätze würde ich die Politikerschelte unterlassen, das ist immer sehr wohlfeil. Bei Deinen Großeltern wäre ich entsprechend schlicht. Eine Widmung kann man übrigens auch schön auf einer separaten Seite anbringen. Da steht dann nur "Für xyz". So habe ich das gemacht und die Arbeit meinem Sohn gewidmet.

wirtschaftswissen
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Re: Vorwort: Danksagung und Widmung?

Beitrag von wirtschaftswissen » 01.04.2009, 21:36

Glücklicherweise war ich mir mit meinem DV sofort einig, dass wir diese Vorwörter beide nur lustig und abstrus finden. Selbstverständlich lesen auch ich Vorwörter immer als erstes (wie oben zitiert) und bin immer wieder erstaunt, wie man sich so bloßstellen kann?!

Meine Lösung: Mein DV hat das Vorwort geschrieben und ich habe damit völlig darauf verzichten können. Ich habe viel lieber mein Buch an viele Leute verschickt und denen im Anschreiben persönlich gedankt!

Koenigsportal
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Re: Vorwort: Danksagung und Widmung?

Beitrag von Koenigsportal » 01.04.2009, 21:46

Ehrlich gesagt: mir geht dieses ganze Gedanke und Gewidme grundsätzlich auf die Nerven. Ich will nicht verschweigen, dass ich das immer wieder mal ganz neugierig lese, aber es nimmt doch zuweilen profilneurotische Züge an. Grundsätzlich nervt diese ewige Namedropping. Es ist doch armselig, dass die Qualität des Werks udn die Fähigkeiten des Autors nicht für sich stehen können/dürfen, sondern darüber belegt werden sollen, mit wem er sich so 'rumtreibt. Optimal ist natürlich, wenn dann möglichst viele bekannte Namen auftauchen. Von einem meiner Ex-Profs kann ich mir ein prima Bild über sein soziales Umfeld verschaffen. Muss das sein? Unangenhem finde ich vor allem, dass man sich schon fast genötigt sieht, es so zu machen. Was ist, wenn ich ganz darauf verzichte. Schwerer Fauxpas? Ich dachte eigentlich mal, Wissenschaft hätte auch was mit Freiheit zu tun. Aber mehr und mehr begreife ich, wie weit sie - zumindest auf den unteren - Ebenen doch davon entfernt ist.
wirtschaftswissen hat geschrieben:Meine Lösung: Mein DV hat das Vorwort geschrieben und ich habe damit völlig darauf verzichten können. Ich habe viel lieber mein Buch an viele Leute verschickt und denen im Anschreiben persönlich gedankt!
Das verstehe ich nicht. Hattest du ein vom Prof geschriebenes Vorwort?
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Re: Vorwort: Danksagung und Widmung?

Beitrag von wirtschaftswissen » 01.04.2009, 22:05

Ja, mein DV hat das Vorwort geschrieben.

Christian
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Re: Vorwort: Danksagung und Widmung?

Beitrag von Christian » 02.04.2009, 15:03

Moin,

erstmal vielen Dank für Eure schnellen Antworten.

Klingt alles sehr plausibel, d. h. für mich folgt daraus, dass ich das Vorwort kurz und halbwegs sachlich-nüchtern halte.

Ganz weglassen möchte ich es aber nicht: Mein Zweitgutachter z. B. ist eigentlich mein "heimlicher" DV und hat mich weit über die üblichen Zweitgutachterpflichten hinaus betreut. Zudem hatte er an sich als Unipräsident auch so schon genug zu tun, so dass ich ihm erst recht dankbar dafür bin, dass er sich trotz aller sonstigen Verpflichtungen immer Zeit für mich und meine Ideen genommen hat - ist sicher nicht selbstverständlich, wie auch das tolle Verhältnis zu meinem DV. Das darf man dann sicher auch mal erwähnen - oder?

Die Danksagungen halte ich ansonsten eher knapp: Lebensabschnittsgefährtinnen müssen ohnehin nicht genannt werden, da sich die letzte 2006 verabschiedet hatte und ich die aktuelle erst nach Einreichen der Arbeit kennengelernt habe ;)...

Und mit der Politik(er)schelte lasse ich mir was einfallen - verdient hätten sie es aber wirklich (wenn auch vielleicht nicht gerade im Vorwort...).

@nk: Die Widmung werde ich wohl auch seperat auf der Rückseite des Vorworts unterbringen. Da die Arbeit sehr gut bewertet wurde, darf man sie auch ruhigen Gewissens Eltern usw. widmen - und ehrlich gesagt: Ich weiss genau, wie sehr sich meine Eltern darüber freuen würden. Wenn das dann noch jemand lächerlich findet: Soll er, das nehme ich dann billigend in Kauf...

Beste Grüße
Christian

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Re: Vorwort: Danksagung und Widmung?

Beitrag von Koenigsportal » 02.04.2009, 16:43

Christian hat geschrieben: Und mit der Politik(er)schelte lasse ich mir was einfallen - verdient hätten sie es aber wirklich (wenn auch vielleicht nicht gerade im Vorwort...).
Also, ich persönlich fände das ganz interessant (wenn es halbwegs 'elegant' daherkommt). Ich halte es aber auch grundsätzlich für einen Trugschluss zu glauben, dass eine Arbeit außerhalb von Zeit und Raum steht und alles objektiv ist. Es ist deine Arbeit und sie ist in einer bestimmten Zeit entstanden. Ich habe in meiner Arbeit auch ein paar kleine zeitgenössische halb-politische Bezüge hergestellt, und ich denke, dass meine Gutachter das eher spannend und scharf beobachtet/geschlossen finden.
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musicus
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Re: Vorwort: Danksagung und Widmung?

Beitrag von musicus » 03.04.2009, 08:11

Also ich möchte in meiner ganzen Arbeit Bezug nehmen auf aktuell(ste) politische Entwicklungen, habe mir aber auch schon gedacht, ob das nicht in Kürze sich alles ziemlich überholt anhören wird. Aber eine Arbeit entsteht doch immer in der Zeit und aus einem subjektiven Standpunkt heraus (auch wenn alle so tun wollen, als sei dies nicht der Fall). Da ich ohnehin normativ arbeite, scheint mir das aber vertretbar. Im Vorwort finde ich einen aktuellen Bezug durchaus passend, ganau wie Danksagungen, dazu ist es doch (auch) da und darum lese ich es meistens nicht :P Obwohl: gerade eben habe ich ein Buch zur Hand, in dem der Autor meinem (hoffentlich) Zweitkorrektor für seine Anregungen dankt, das hilft mir doch enorm weiter in der Verortung seiner Ansichten :wink:

nK
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Re: Vorwort: Danksagung und Widmung?

Beitrag von nK » 03.04.2009, 20:49

Aktueller Bezug ist etwas anderes als Politikerschelte. Die ist nämlich mal gar nicht aktuell, sondern das gab es schon mindestens seit Weimarer Zeiten ständig (so wie ja auch angeblich schon bei den alten Römern über die Jugend geschimpft wurde).

Doc Holiday
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Re: Vorwort: Danksagung und Widmung?

Beitrag von Doc Holiday » 29.04.2009, 23:55

Ich kann mich dem weiter oben Geschriebenen nur anschließen. Ich halte ein Vorwort und eine Widmung in einer Dissertation für entbehrlich. Mein DV vertritt diese Ansicht zum Glück ebenfalls.

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