kumulative Dissertation oder Monographie

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infalem
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kumulative Dissertation oder Monographie

Beitrag von infalem » 27.10.2008, 14:27

Hallo Miteinander,

ich bin bereits wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Uni und beschäftige mich nun mit der grundsätzlichen Architektur meiner Diss. Dabei stelle ich mir die Frage, ob ich eine "kumulative Dissertation" oder eine Monographie anstreben sollte. Beide Stossrichtungen haben Ihren Charme, aber auch Nachteile. Gerne würde ich, falls in diesem Forum nicht schon geschehen, dieses Thema mit Euch erläutern. Ich muss dieses Thema demnächst für mich erläutern, da sich ein späteres Umgestalten der Dissertation schwierig gestaltet.

Daher meine Frage: Was sind die Vor- und Nachteile beider Strategien?
Wer hat sich bspw. für eine kumulative Diss entschieden und warum? Haben sich die Erwartungen an eine kumulative Diss. erfüllt? Gab es unerwartete Probleme oder Hürden?


Ich freue mich auf Eure Meinungen und gerne auch Geschichten aus dem Nähkästchen....

Liebe Grüße
infalem

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Kuniko
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Re: kumulative Dissertation oder Monographie

Beitrag von Kuniko » 27.10.2008, 20:48

Hallo infalem,
erst mal herzlich Willkommen hier im Forum! Kannst du vielleicht kurz erläutern, was genau du mit 'kumulativer Dissertation' meinst? Ich persönlich kann mit demBegriff nämlich leider gar nix anfangen und oute mich also hiermit als Noob... :oops:

Liebe Grüße; Kuniko

P.S.: Aus welchem Fach kommst du denn? *Neugier* :D

infalem
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Re: kumulative Dissertation oder Monographie

Beitrag von infalem » 27.10.2008, 23:16

Hallo Kuniko,

erstmal vielen Dank für Deine Nachricht. Zur Erläuterung einer kumulativen Dissertation finde ich folgenden Abschnitt ganz gut:

Vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern wird des öfteren eine „kumulative Dissertation“ erstellt. Hierbei werden Teilaspekte der eigenen Forschungsarbeit in eigenständigen Manuskripten zusammengefasst und allein oder mit Koautoren in begutachteten Fachzeitschriften (Reviewed Papers) veröffentlicht. Die einzelnen Publikationen, die natürlich in einem Sinnzusammenhang stehen sollen, werden anschließend kumuliert, d. h. als einzelne Kapitel zusammengefasst und als Dissertation eingereicht. Die nötige Gesamtzahl der Manuskripte und der Anteil der bereits veröffentlichten Kapitel wird durch die jeweilige Promotionsordnung festgelegt.

Ich selbst tummele mich im Bereich Wirtschaftswissenschaften.

Da wenige am Lehrstuhl eine kumulative Diss anstreben, bin ich gerade dabei das Thema für mich abzuwägen. Es gibt bei der kumulativen Diss Vor- und Nachteile. Da würde mich gerne Eure Meinung interessieren.

Vorteil:
  • Im best-case wird man publiziert
    Breitere Betrachtung eines Themas, da man ja drei, vier... Journals darüber schreibt
    Zeitliche Teilprojektierung (statt 3 Jahre für eine Monographie, jeweils 1 Jahr für ein Journal) - wird einem ggf. das Thema nicht leidig
    ...
Nachteil:
  • Gefahr, dass man doch nicht publiziert wird.
    Gefahr, dass man den "roten Faden" verliert - da alle drei, vier Beiträge mit einem bestimmten Thema zu tun haben sollten
    ...
Also, Eure Meinung und Erfahrung ist gefragt... ich freu` mich.

Gruss
infalem

Sebastian
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Re: kumulative Dissertation oder Monographie

Beitrag von Sebastian » 27.10.2008, 23:22

Auch von mir ein herzliches Willkommen!
@Kuniko: Das andere Wort dafür heißt "publikationsbasierte Dissertation", http://doktorandenforum.de/anfangen/pub ... tation.htm, und dazu gibt es hier sogar einen angefangenen festen Artikel.
Am Ende ist es praktisch eine Meta-Arbeit über eine in der PromO vorgegebene Anzahl eigener, in (meist z.T. peer-reviewed) Fachzeitschriften veröffentlichter Artikel. Habe ich aber auch erst hier gelernt.

Ich würde meinen, dass das tatsächlich sehr von Deinem Fach, Deinem Thema und Deiner angestrebten Tätigkeit abhängt.
Eine publikationsbasierte Dissertation würde ich erwägen, wenn ich
  • ohnehin am Lehrstuhl arbeiten will oder (zB wegen Ressourcen) muß, weil ich dann die Veröffentlichungen besser hinbekomme.
  • ein besonders schnelllebiges Fach oder Thema habe, das eine umgehende Veröffentlichung auch von Teilergebnissen geradezu erfordert (Nobelpreiskandidaten eingeschlossen)
Ich würde sie nicht wählen,
  • wenn ich im Moment nur Klecker-Themen weiß, und hoffe, sie später irgendwie verbunden zu bekommen
  • schnell fertig werden will (peer-reviewed Publikationen könne ziemlich lange dauern - und zwar jede einzelne)

Etwas Ärger bei der kumulierten Dissertation beschreibt Marvin hier...

ärgs, überschnitten, aber ich poste jetzt einfach :wink:

Mathilda
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Re: kumulative Dissertation oder Monographie

Beitrag von Mathilda » 28.10.2008, 09:41

Hi infalem,

da ich selbst eine Monographie schreibe, kann ich Dir aus eigener Erfahrung nur davon berichten. Am Nachbar-Lehrstuhl ist aber die kumulative Diss Usus und ich will Dir gerne berichten, was man von dort so hört.

Persönlich würde ich mich auf jeden Fall wieder für eine Monographie entscheiden. Der Hauptgrund ist, dass man dort weniger abhängig ist vom Wohlwollen anderer Personen und/oder Glück. Klar ist es etwas nervig, wenn man so lange daran sitzt und zwischendrin gar keine Erfolgserlebnisse hat, also niemand - außer den Doktorandenkollegen - was vom eigenen Fortschritt mitbekommt. Aber ich glaube, eine kum. Diss. hört sich häufig besonders verlockend an, weil man denkt, es sei einfacher, ein paar Aufsätze zu schreiben als ein Ganzes. Und das ist ein böser Trugschluss. Mit der Komplett-Variante schreibt man natürlich lange allein im stillen Kämmerlein (mehr oder weniger), aber wenn sie fertig ist, bekommen sie die zwei-drei Gutachter, sie wird veröffentlicht und fertig. Je nach PromO wird bei der kum. Diss aber vorausgesetzt, dass x Artikel in referierten Fachzeitschriften veröffentlicht sind. Das dauert erstens ewig, bis die mal drin sind und zweitens ist es extrem schwierig, in diese Zeitschriften reinzukommen. Ich denke, es ist (auch) fachabhängig; im Bereich unseres LS (auch WiWi) kann man das getrost vergessen. Die A- oder B gerateten Journals sind fast alle us-amerikanisch; dort als deutscher Autor OHNE Dr.-Titel oder Prof.-Titel reinzukommen, ist so gut wie unmöglich bzw. ein echter Glückstreffer. Unser Nachbar-LS, wo kumulativ geschrieben wird (anderer Bereich, auch WiWi), hat auch nicht die besten Erfahrungen gemacht und mittlerweile wurden sogar die Anforderungen in der PromO heruntergeschraubt, weil es nicht gelang, in ausreichender Menge die Journals zu kommen. Um mal den Einwand vorwegzunehmen, dass das vielleicht an der Qualität der Aufsätze liegt: Das glaub ich nicht, es handelt sich um einen sehr renommierten LS. Aber je Doktorand mehrere Aufsätze zu veröffentlichen, und das in einem möglichst kurzen Zeitrahmen, hat sich einfach als völlig unrealistisch erwiesen.

Also, ich tendiere eher zur Monographie - es gibt aber bestimmt auch Bereiche, wo es anders besser ist.

Viele Grüße
Mathilda

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Re: kumulative Dissertation oder Monographie

Beitrag von Koenigsportal » 29.10.2008, 14:40

Hi infalem,

dieser link könnte von Interesse sein:

http://www.hochschulkarriere.de/hk-wiki ... ssertation

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Re: kumulative Dissertation oder Monographie

Beitrag von Sebastian » 30.10.2008, 22:59

Also um das "ewig" beim Veröffentlichen von Artikeln mal etwas zu konkretisieren:
Als Jurist habe ich mit einem Artikel, der zeitgleich zu einer Gesetzesänderung eingereicht wurde und ebendiese zum Thema hatte, in einer sehr speziellen deutschen Zeitschrift (= geringer Autorenandrang, nicht begutachtet o.ä.) ziemlich genau ein Jahr auf die Veröffentlichung gewartet. Da war die Vorschrift schon fast wieder überholt.
Ich würde meinen, dass es bei einer A-Zeitschrift auch wohl leicht zwei Jahre hätten werden können, bei Themen ohne aktuellen Bezug vielleicht auch länger - und wenn es internationalen Andrang gibt, dann braucht man bestimmt einen sehr guten Fürsprecher, um die Veröffentlichung überhaupt noch zu erleben :?
Vielleicht horchst Du mal bei den Kollegen Deines Faches, wie lange die so auf ihre Veröffentlichungen warten (und ob evtl. die schlichte Annahme durch die Zeitschrift ausreichen könnte)?

Mich hat das Ganze jedenfalls so angenervt, dass ich keine weiteren Verlagsveröffentlichungen versucht habe, sondern meine Sachen in einem anderen Projekt einfach direkt ins Netz stelle. Das ist zwar bei weitem nicht so wissenschaftlich, bringt einem unter Praktikern wegen der Aktualität aber auch eine gewisse Reputation.

la_potranca
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Re: kumulative Dissertation oder Monographie

Beitrag von la_potranca » 31.10.2008, 11:38

mir persönlich wäre die Planungssicherheit zu gering.
Ok, ich schreib 2 gute Artikel, die werden veröffentlicht.
Ich schreib den 3., hab die Einleitung fertig, such mir nen Job... das alles in der Erwartung, dass auch Nr. 3 veröffentlicht wird. Und wenn das nicht eintritt? Zurück an die Uni?

infalem
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Re: kumulative Dissertation oder Monographie

Beitrag von infalem » 05.11.2008, 12:28

Hallo

vielen Dank für Eure Meinung und Erfahrungen. Ich bin zwar immer noch unsicher, wie ich vorgehen soll, kann mir aber jetzt auf jeden Fall ein besseres Bild davon machen.

Werde Euch auf dem laufenden halten :-)

Gruss
infalem

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