Promovieren als Externer

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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engineer
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Promovieren als Externer

Beitrag von engineer »

Hallo zusammen,
ich stelle mir kurz vor. Ich arbeitete als Wissenschaftlicher Mitarbeiter für 5 Jahre. In dieser Zeit sollte ich promovieren. Es kappte leider nicht. Danach arbeitete ich in Industrie. Ich bin teilweise zufrieden aber ich habe manchmal das Gefühl, dass ich eine Promotion verliere.
Es sieht wie sinnlos aus. Man muss rational sein. Aber es gibt auch für mich einige professionelle Vorteile, wenn ich promoviere. Ich denke, ich kann ein Thema auswählen, das ich mit meiner Arbeit in Industrie verbinden kann. Ich weiß, dass es schwierig ist, eine Promotion als Extern zu machen, wenn man Vollzeit arbeitet aber in manchen Fälle hat es geklappt.
Ich habe für euch ein paar Fragen. Für Promovierende, die extern waren(sind) und gleichzeitig Vollzeit arbeiten, wie ist eure Erfahrung? Wie findet ihr die Erfahrung? Lohnt es sich, solcher Aufwand und Stress zu haben?
Noch eine Frage. Wie stellt man sich in einer Bewerbung? Was soll man dem Doktorvater schreiben? Wie kann man sein Ziel beschreiben? Es gibt immer Entwicklungsziel aber denkt ihr, dass dieses Ziel für Doktorvater ausreichend wäre?
Ich schreibe unorganisiert aber ich denke laut mit euch. Danke für eure Zeit.
Zuletzt geändert von Sebastian am 27.09.2021, 20:40, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Typo im Betreff entfernt.

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Florina
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Re: Promovieren als Extren

Beitrag von Florina »

Guten Morgen,

hier hattest du ja schon mal gefragt:
viewtopic.php?f=56&t=7256

Ich bin fest angestellt als WiMi und dennoch hapert es manchmal einfach mit der Motivation neben Lehre, Betreuung, sonstigen Tätigkeiten am Lehrstuhl. Wenn du doch eigentlich zufrieden bist mit deinem Job, konzentrier dich darauf und mach das beste draus!
Wir haben mehrere Externe, die Vollzeit arbeiten und einfach so eingespannt sind, dass sie sich noch nicht einmal in ihr Thema einarbeiten können oder es beenden. Es kommt sicherlich auch auf das Fach an, aber so "nebenbei" eine Diss zu schreiben, geht nicht.
Für mich wäre es keine gute Motivation, etwas zu tun, nur weil ich etwas verpasst habe. Wenn das, was ich verpasse, so toll ist, dass ich dafür alles stehen und liegen lasse, dann will ich das aus anderen Gründen - Spaß am Forschen, Wissen anhäufen, seine Frustration immer wieder neu überwinden und doch auch scheitern und nach Hilfe fragen, gemeinsam auf das Thema gucken und fasziniert sein. Es ist möglich ja, aber ohne die richtige und vor allem eigene Motivation lass es sein.
Warum willst du etwas machen, was du schon fünf Jahre lang gemacht hast und nicht beendet? Ist es nicht Zeit, etwas neues zu machen und darin richtig gut zu werden?
Was du einer möglcihen DM oder einem möglichen DV schreibst, muss von dir kommen und ehrlich sein. Das Ziel kannst nur du definieren.

Viel Glück!
engineer
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Re: Promovieren als Externer

Beitrag von engineer »

Danke für die Antwort. Vielleicht habe ich nicht so gut erklärt. Es gibt doch wichtige Gründe außer das Gefühl, das ich etwas vermisse. Die Arbeit in meiner Arbeitsfeld konnte beim Thema in Promotion ergänzt werden. In Industrie (Meine Fach) konzentriert man sich um nur ein Thema aber wenn man einen neuen Job in Industrie sucht, muss man verschiedene "Fächer und Aufgaben" beherrschen.
Was ist das Problem wenn ich eine ähnliche Frage früher gestellt habe? Ist es verboten? Tut man im "echtem Leben" das oft. Warum sind manche offensiv und finden manche es schwierig, Empathie zu haben? Wenn man fragt, braucht man Unterstützung und ich kann nicht sehen, wo das Problem gibt, wenn man "einen ähnlichen Beitrag" vor drei Jahren hatte. Die Situation ändert sich und es geht niemanden nicht um, wie viele Beiträge mache ich.
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Re: Promovieren als Externer

Beitrag von Wierus »

Also eines ist absolut sicher: Um in Deutschland erfolgreich zu promovieren, muss man Deutsch oder Englisch perfekt beherrschen. Bist du imstande, eine Dissertation in wissenschaftsfähigem Englisch zu verfassen? Könntest du uns evtl. eine Kostprobe deiner Englischkenntnisse geben?
engineer
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Re: Promovieren als Externer

Beitrag von engineer »

Wierus hat geschrieben: 28.09.2021, 12:42 Also eines ist absolut sicher: Um in Deutschland erfolgreich zu promovieren, muss man Deutsch oder Englisch perfekt beherrschen. Bist du imstande, eine Dissertation in wissenschaftsfähigem Englisch zu verfassen? Könntest du uns evtl. eine Kostprobe deiner Englischkenntnisse geben?
Wer bist du? Ich kann sehr gut Englisch schreiben weil ich meinen Abschluss in GB gemacht habe. Warum möchtest du mich testen? Hast du ein Problem, die Frage zu verstehen?
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Re: Promovieren als Externer

Beitrag von Cybarb »

Wierus hat geschrieben: 28.09.2021, 12:42 Also eines ist absolut sicher: Um in Deutschland erfolgreich zu promovieren, muss man Deutsch oder Englisch perfekt beherrschen. Bist du imstande, eine Dissertation in wissenschaftsfähigem Englisch zu verfassen? Könntest du uns evtl. eine Kostprobe deiner Englischkenntnisse geben?
Hallo,

hier möchte ich doch widersprechen, wenngleich nur aufgrund des Wörtchens "perfekt".

Gerade in den Naturwissenschaften findet man doch Muttersprachler des Deutschen, die ebenjene Sprache bei weitem nicht perfekt beherrschen. Auch ihr Englisch würde ich eher als "zweckmäßig" beschreiben. Natürlich müssen sich Dissertationen - egal ob auf Deutsch oder auf Englisch - auf einem gehobenen Sprachniveau bewegen, aber Perfektion würde ich nicht erwarten.
Auch in den Geisteswissenschaften findet man m. E. englische Fachartikel, die von Deutschen verfasst wurden, von angesehenen Journals publiziert wurden, und zumindest von Muttersprachlern des Englischen als Artikel von Fremdsprachlern zu erkennen sind.

Das Wort "wissenschaftsfähig", das du ja später verwendest, finde ich deutlich treffender.

So viel dazu, um das es hier ja eigentlich gar nicht geht.

@engineer: Der Antwort von Florina kann ich mich im Wesentlichen anschließen.

Als externer Bewerber musst du einen potentiellen Betreuer davon überzeugen, dass sowohl du als Person als auch dein Thema es wert sind, dass der Betreuer künftig Zeit und Mühe in dich investiert. Klingt hart, ist aber so, denn er hat ja auch wissenschaftliche Mitarbeiter und vielleicht Stipendiaten, die betreut werden wollen. Als Externer dürftest du das schwächste Glied in der Kette sein, wenn er nicht gerade Interesse an einer Kooperation mit deinem Arbeitgeber hat.
Bei der Kontaktaufnahme empfehle ich, entweder ein Exposé mitzuschicken oder glaubhaft zu vermitteln, dass es versandfertig ist und auf Wunsch gerne geschickt wird.

Und nun noch mal zum Thema Sprache und Selbstpräsentation: Wenn der potentielle Betreuer auf Englisch publiziert hat, dann sehe ich kein Problem darin, dass du ihn auch auf Englisch kontaktierst, sofern du dich damit wohler fühlst. Dein Deutsch ist verständlich, aber schon recht holprig. Das mag manch einem Betreuer egal sein, manch anderem nicht - kann man vorher nicht wissen.

Noch ein Eindruck: Du wirkst auf mich schnell persönlich angegriffen, sowohl durch die Bemerkung von @Florina als auch die Frage von @Wierus. Sowohl die Bemerkung als auch die Frage finde ich jedoch völlig sachgerecht, daher kann ich deine Reaktionen darauf nicht nachvollziehen. Du solltest dich darauf gefasst machen, dass dir im Promotionsprozess noch deutlich "härtere" Aussagen begegnen können, und dich fragen, inwieweit du damit umgehen kannst.

Gruß
Cyb
Florina
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Re: Promovieren als Externer

Beitrag von Florina »

engineer hat geschrieben: 28.09.2021, 06:55 Was ist das Problem wenn ich eine ähnliche Frage früher gestellt habe? Ist es verboten? Tut man im "echtem Leben" das oft. Warum sind manche offensiv und finden manche es schwierig, Empathie zu haben? Wenn man fragt, braucht man Unterstützung und ich kann nicht sehen, wo das Problem gibt, wenn man "einen ähnlichen Beitrag" vor drei Jahren hatte. Die Situation ändert sich und es geht niemanden nicht um, wie viele Beiträge mache ich.
Hi, ich persönlich vergesse schon mal etwas und erwarte nicht, dass jeder sich immer an alles erinnert. Das dazu.

Inwiefern hat sich deine Situation verändert? Ich verstehe es so, dass du dir Aufstiegschancen erhoffst bzw. diese erwartest. In dem Fall wäre es doch auch für deinen Arbeitgeber vorteilhaft, dich bei deinem Vorhaben zu unterstützen. Das kann zum Beispiel eine bezahlte Freistellung sein, oder die Erlaubnis, einen Nebenjob (50/25%) an der Uni zu haben und den Rest im Büro zu arbeiten. So kannst du auch weiterhin ohne Gehaltseinbußen oder nur geringen leben. Doktorandenstelle ist auch nicht gleich Doktorandenstelle. Du könntest dich auf ein Stipendiatenprogramm bewerben oder eine Projektstelle (finanziert über deinen Arbeitgeber) selbst aufbauen. Da gibt es ganz viele Konzepte. Eine Haushaltsstelle wäre wahrscheinlich unmöglich. Projekt- und Stipendienstellen sind soweit ich weiß unabhängig vom WiZeitVG.

Schau dir doch verschiedene Lehrstühle an. Lies in Fachzeitschriften und wenn du ein Thema entdeckst, was zu dir passt, guck, ob ein Professor/eine Professorin involviert ist und ruf die Person einfach an. Mehr als ein nein und ein interessantes Gespräch über den Artikel kann dir nicht passieren. Habe ich auch gemacht und auch Absagen erhalten, aber allein, dass du aufgrund einer Veröffentlichung dort anrufst und dich dafür interessierst...

Viel Erfolg
andreas_w
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Re: Promovieren als Externer

Beitrag von andreas_w »

Ich kenne deine Situation und Dich auch nicht wirklich, deshalb kann ich auch komplett falsch liegen und das wünsche ich dir auch! Aber es wird definitiv schwieriger/intensiver als du es vorher am Lehrstuhl hattest und da muss man sich selber die Frage stellen, ob man dafür bereit ist und auch in der Lage ist viele Stunden seiner eigenen geringen Freizeit opfern zu können oder auch zu wollen.
Ich selber befinde mich gerade im Letzten 1/3 (so meine Einschätzung) und muss mich jeden Tag aufs neue motivieren. Beruflich musste ich auch gute Angebote ablehnen, da ich gewisse Verpflichtungen gegenüber meinem Arbeitgeber aufgrund der Diss. habe, sodass ich finanziell und inhaltlich dadurch bisher eher Nachteile hatte. Das muss dir auch bewusst sein, dass sowas auch passieren kann.
Montrey
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Re: Promovieren als Externer

Beitrag von Montrey »

engineer hat geschrieben:
> Hallo zusammen,
> ich stelle mir kurz vor. Ich arbeitete als Wissenschaftlicher Mitarbeiter
> für 5 Jahre. In dieser Zeit sollte ich promovieren. Es kappte leider nicht.
> Danach arbeitete ich in Industrie. Ich bin teilweise zufrieden aber ich
> habe manchmal das Gefühl, dass ich eine Promotion verliere.
> Es sieht wie sinnlos aus. Man muss rational sein. Aber es gibt auch für
> mich einige professionelle Vorteile, wenn ich promoviere. Ich denke, ich
> kann ein Thema auswählen, das ich mit meiner Arbeit in Industrie verbinden
> kann. Ich weiß, dass es schwierig ist, eine Promotion als Extern zu machen,
> wenn man Vollzeit arbeitet aber in manchen Fälle hat es geklappt.
> Ich habe für euch ein paar Fragen. Für Promovierende, die extern
> waren(sind) und gleichzeitig Vollzeit arbeiten, wie ist eure Erfahrung? Wie
> findet ihr die Erfahrung? Lohnt es sich, solcher Aufwand und Stress zu
> haben?
> Noch eine Frage. Wie stellt man sich in einer Bewerbung? Was soll man dem
> Doktorvater schreiben? Wie kann man sein Ziel beschreiben? Es gibt immer
> Entwicklungsziel aber denkt ihr, dass dieses Ziel für Doktorvater
> ausreichend wäre?
> Ich schreibe unorganisiert aber ich denke laut mit euch. Danke für eure
> Zeit.


Hallo, ich bin ebenfalls Externer an einer großen TU. Ich arbeite parallel Vollzeit in einem sehr großen Konzern und habe innerhalb meiner Tätigkeit Schnittpunkte zu meiner Dissertation. Grundsätzlich möchte ich dir aber sagen das es hart ist, sehr sehr hart. Glücklicherweise liebe ich was ich tue und das gibt die Kraft immer weiter zu machen. Ich musste bereits sogar schon bessere Job Angebote ablehnen, weil ich mir dann aber sicher war nicht mehr genug Zeit für mein Thema zu haben.

Ich habe nach meinem Studium ca. 2 Jahre gebraucht ein Thema zu finden das mich brennend interessiert. Als ich ein interessantes Thema gefunden habe, habe ich mir selbst auferlegt mich damit erstmal "privat" ein Jahr zu beschäftigen und schauen ob es mich nach 365 Tagen immer noch interessiert. Nach 365 Tagen war die Faszination für das Thema noch größer als am Anfang, so entschied ich mich ein Exposee zu schreiben. Anschließend habe ich dieses an einen Professor meiner ersten Wahl geschickt und wurde als erster Externer Doktorand am Lehrstuhl angenommen. Ich bin sehr glücklich darüber das es geklappt hat und ein bisschen Glück braucht man natürlich auch. :)
Always discover your vision and the rest will follow.
teilchenphysik196
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Re: Promovieren als Externer

Beitrag von teilchenphysik196 »

Hallo Engineer,

ich habe auch als Externe promoviert, während ich in einem Konzern arbeitete. Ich habe damals auf 4-Tage-Woche reduziert, alles andere wäre illusorisch gewesen. Vollzeit würde ich mir das nie antun! Job plus Diss bedeutet auch für Deine Augen, Wirbelsäule, Hände, mehr als 8h am Tag am Computer zu hocken. Das ist auf Dauer nicht gesund. Als Thema hatte ich mir etwas gewählt, was sehr nahe an meinem aktuellen Aufgabenfeld ist. Das hat das ganze enorm beschleunigt, weil ich schon viele Jahre Berufspraxis hatte und mich dementsprechend nicht erst aufwändig einarbeiten musste. Meinen Doktorvater kannte ich schon, da man vorab eine Promotionsberechtigung erwerben musste. Überleg es Dir gut. Aber am Ende hast Du Deinen Titel und das macht ganz schön stolz.

Zum Thema Sprache: Ich bin der Meinung, ohne profunde Deutschkenntnisse geht es nicht. Zumindest muss dann immer jemand Korrektur lesen, bevor Du Zwischenstände abgibst, bei der Endfassung natürlich auch. Stelle ich mir mühsam vor. Ich hatte eine Mit-Promovendin, die keine Muttersprachlerin war, die hat aufgegeben bzw. wurde vom Prof erst gar nicht angenommen. Man muss dazu sagen, geisteswissenschaftliches Fach, wo es auf perfektes Formulieren ankommt.
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