Überarbeitung nimmt kein Ende

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Ma89
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Überarbeitung nimmt kein Ende

Beitrag von Ma89 »

Hallöchen,

ich bin hier ganz neu im Forum und habe eine Frage. Vielleicht erst einmal kurz zu mir. Ich promoviere in den Geisteswissenschaften und habe vor circa 4 Jahren meine Doktorarbeit begonnen. Ich befinde mich in der Endphase meiner Doktorarbeit, möchte es nun aber auch wirklich gern zu Ende bringen. Leider konnte ich aufgrund von finanziellen Aspekten nie ins Ausland nach dem Studium, das wollte ich nun gern nachholen, allerdings denke ich, dass das mit der Diss am Bein nie etwas wird... Gestern habe ich meine erste vorläufige Fassung an meine Betreuer gesendet. Leider war die Antwort sehr niederschmetternd, ich soll alles gründlich und intensiv überarbeiten. Ein weiteres Problem ist, dass meine Zweitbetreuerin geht. Ich hab die ganze Zeit das Gefühl, dass diese Arbeit nie fertig wird und das zieht mich zur Zeit alles echt ganz schön runter, ich habe sogar über einen Abbruch nachgedacht, allerdings steckt da so viel Arbeit drin, dass ich das eigentlich nicht in Erwägung ziehen möchte. Meine Stelle an der Uni endete leider zum 31.12.20, sodass mir sowieso etwas die Zeit im Nacken sitzt. Außerdem fühle ich mich durch die Doktorarbeit sehr eingeschränkt, denn ein Auslandsjahr gestaltet sich schwierig, genauso wie eine Vollzeitstelle. Hat von euch jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir Tipps geben? :cry: Ich wäre wirklich sehr dankbar für jede(n) hilfreiche(n) Tipp oder Antwort!

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Sebastian
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Re: Überarbeitung nimmt kein Ende

Beitrag von Sebastian »

"Das Ende trägt die Last" meinte mein Vater, als ich gegen Ende meiner Promotionsphase unter Druck geriet, weil - ähnlich wie bei Dir - die Finanzierung ausgelaufen war und die nächste terminierte Aufgabe (bei mir: Rechtsreferendariat) schon vor der Tür stand.
Das war die unschöne Phase der Promotion und auch eine der unschönsten in meinem Leben. Ich habe mich dann wirklich sehr auf die Fertigstellung konzentriert, vielleicht auch etwas zu verbissen, aber eben so, dass ich formal abgeben konnte. Ich kann jetzt die Einzelheiten Deiner Arbeit natürlich nicht beurteilen, aber es klingt mir doch ähnlich. Sehr unspezifisches Feedback (alles gründlich überarbeiten" ist dabei natürlich wenig hilfreich - hier hilft es vielleicht, noch einmal nachzuhaken und konkretere Vorstellungen zu erfragen. Falls das ausscheidet, gib die Arbeit doch mal jemandem aus Deinem fachlichen Umfeld und hole Dir dort eine Rückmeldung.
"Kommen wir über'n Hund, kommen wir über'n Schwanz" war der zweite Spruch zum Thema!
Halte durch!
Sebastian
MelchiorC
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Re: Überarbeitung nimmt kein Ende

Beitrag von MelchiorC »

Ich muss sagen, mir gings eher anders: Ich war dankbar, dass ich mir selbst einen Termin für die "Vollendung" gesetzt hatte.
Klar, ohne Deadline ist das sicher entspannter. Aber mal ganz ehrlich: Ohne eine, hätte ich wahrscheinlich noch Jahre an dem Ding gearbeitet. Weil einem IMMER noch was einfällt. Und man IMMER noch einen Fehler findet. Und man IMMER noch was umschreiben kann.
Mein Dr.Vater hat mir den doch sehr einfachen Rat gegeben: Irgendwann musst Du zu Potte kommen.
Was ich sagen will: Seh das Ganze mal positiv: Deine Arbeit wird immer ein Fragment bleiben, an dem Leute was auszusetzen und zu kritisieren haben. Egal, wie lange Du dadran schuftest. Und Du wirst auch nie alle Fehler finden, selbst wenn Du die Arbeit tausendmal Korrektur liest. Hab den Mut, das Ding abzuschließen und in die Freiheit zu entlassen! Das kostet Überwindung und ist nicht einfach. Aber nur so wird man dich mal promovieren ;)
Btw: Ich hab mir damals einen unglaublichen Kopf gemacht, ob ich wirklich alle Fehler getilgt hab und alles richtig gemacht hab. Das Ende vom Lied war, dass durchaus einige Kritikpunkte hatten (gab auch ne nette Liste mit Corrigenda dazu). Aber an der Note hat das nichts geändert - und mit der war ich durchaus zufrieden :)
Ma89
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Re: Überarbeitung nimmt kein Ende

Beitrag von Ma89 »

Vielen lieben Dank für die Antworten!! Also ich überarbeite jetzt schon seit Herbst (September) 2020 und von meiner Seite aus wäre die Arbeit so in Ordnung. Also ich bin da nicht so sehr perfektionistisch. Aber die Doktormutter will halt ständig weitere Überarbeitungen. Bei manchen Kapiteln ist das jetzt schon die 8. Version und das ist halt echt nervig und frustrierend, weil irgendwie kein Ende in Sicht ist. Wenn es nach mir geht würde ich die Arbeit am liebsten gleich einreichen, um es endlich weg zu haben. Ich will auch ungern, diesen Herbst pausieren, weil ich ins Ausland kann oder einen tollen Job bekomme. Aber ich kann auch nicht mehr für die Doktorarbeit alles einschränken und aufgeben. Ich hab seit den 4 Jahren so viele Einschränkungen in Kauf genommen egal ob privat, finanziell oder beruflich. Aber ja das Ende einer Doktorarbeit ist wohl die schlimmste Phase.
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Re: Überarbeitung nimmt kein Ende

Beitrag von johndoe »

Ma89 hat geschrieben: 20.02.2021, 11:48 Aber ja das Ende einer Doktorarbeit ist wohl die schlimmste Phase.
Daher kommt wohl das Sprichwort: besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. :wink: im Sinne von: siehs positiv, du bist immerhin kurz vor Abgabe.
Eva
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Re: Überarbeitung nimmt kein Ende

Beitrag von Eva »

Könntest du die Arbeit nicht einfach einreichen? Was denkst du, würde dann passieren?

Oder - vermutlich besser - du suchst zuerst das Gespräch mit deiner Doktormutter und signalisierst ganz klar, dass deine Bereitschaft zu weiteren Überarbeitungsschleifen erschöpft ist und du alternativ über einen Abbruch nachdenkst. Muss ja nicht wirklich deine Absicht sein, aber ich denke, das Betreuungsverhältnis einer Promotion erfordert manchmal (immer?) auch die Emanzipation dessen, der/die zu Beginn der Arbeit noch tatsächlich betreut werden musste und sich im Lauf der Forschungsarbeit von seinen/ihren Betreuer*innen längst frei geschwommen hat.

Ich kann deinen Frust übrigens gut nachvollziehen. Ich musste NACH der Disputation noch drei Bearbeitungsrunden der Gutachter ertragen. :roll: Nach meiner Erfahrung nutzen manche Profs das, um ein letztes Mal ihre Macht auszuspielen und dem kleinen Studentlein dessen Abhängigkeit aufzuzeigen - kurz bevor man dann als promovierter Wissenschaftler seiner Wege zieht. Aber weil es eben so kurz vor dem Erreichen der Unabhängigkeit passiert, ist es umso schwerer zu ertragen.
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Re: Überarbeitung nimmt kein Ende

Beitrag von Wierus »

Ma89 hat geschrieben: 20.02.2021, 11:48 die Doktormutter will halt ständig weitere Überarbeitungen. Bei manchen Kapiteln ist das jetzt schon die 8. Version
Ich muss zugeben, das klingt schon etwas seltsam. Für mich hört sich das nach einem Wink mit dem Zaunpfahl an. Entweder ist deine Doktormutter wirklich unzufrieden mit dem Inhalt deiner Kapitel, dann läuft in eurer Kommunikation aber grundlegend etwas schief. Oder du bist ihr ihr nicht selbständig genug und möchtest mehr Betreuungsaufwand als in ihren Augen erforderlich. Dann dürfte die Situation, wenn es so weitergeht, mit der Zeit eher schlimmer, als besser werden.

Hast du schon einmal einen Hinweis auf eigenständigeres Arbeiten bekommen? Habt ihr mal darüber gesprochen, wie deine DM sich die Betreuung vorstellt? Acht Korrekturen nur eines Kapitels sehe ich als großen -zu großen- Arbeitsaufwand für einen im Regelfall überlasteten Lehrstuhlinhaber.
Ma89
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Re: Überarbeitung nimmt kein Ende

Beitrag von Ma89 »

Lieben Dank für die Antworten!! :blume: Also ich versuche mal in einem Beitrag darauf zu antworten. Zum Thema einfach einreichen, also das denke ich ist keine gute Idee. Ich weiß von einer Promovierenden, die lediglich nicht alle Änderungswünsche beachtet hat und dann dafür kritisiert wurde. Ich hätte Sorge, dass sich die Situation dann nur noch verschlimmern würde, weil ich einfach über den Kopf der Erstbetreuerin hinweg entscheiden würde. Mein Plan ist jetzt eigentlich, es noch einmal komplett zu überarbeiten und dann noch einmal abzugeben. Und falls ich dann nochmal alles überarbeiten soll, würde ich definitiv das Gespräch suchen und es so ähnlich erklären (Überarbeitungsschleifen usw.).

Zum Thema Betreuung... Also die Erstbetreuerin hat mir zu den Kapiteln Rückmeldungen gegeben, zwar nicht zu allen, aber den meisten. Ansonsten haben wir einmal telefoniert und ich habe sehr selbstständig gearbeitet. Zu Beginn wurde gemeinsam festgelegt, wie Methode, Erhebung usw. vonstattengehen soll. Oftmals ist mir unklar, was sie genau möchte. Denn ich überarbeite die Kapitel zu einem Großteil so, wie es die Erstbetreuerin möchte. Bei den letzten Rückmeldungen gab es fast gar keine inhaltliche Kritik. Es ging vermehrt um sprachliche, strukturelle und analytische Überarbeitungen und zu viele Wiederholungen. Lediglich eine Ergänzung, die mir aber auch sinnvoll erscheint, wurde beanstandet.
Casinchen
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Re: Überarbeitung nimmt kein Ende

Beitrag von Casinchen »

Guten Tag in die Runde,

zunächst einmal herzlichen Glückwunsch, dass du es geschafft hast, deine Diss. vorläufig fertigzustellen. Das ist eine große Leistung und dafür kannst du sehr stolz auf dich sein :)

Allerdings sehe ich ein paar Herausforderungen in der Überarbeitungsschleife. Du wirst nie eine perfekte Dissertation schreiben. Wie oft willst du überarbeiten? So lange bis deine Doktormutter zufrieden ist? Ist das der Sinn der Sache? Ist es nicht wichtiger, dass du zufrieden bist? Du musst am Ende das Ergebnis verteidigen. Es wird immer Kritikpunkte geben, unabhängig davon, wie oft du deine Dissertation überarbeitest. Kannst du es denn verteidigen? Das ist doch die wichtigste Frage. Vielleicht will sie dich auch testen? Selbst wenn nicht: Als Wissenschaftlerin geht es doch nicht darum, deine Arbeit so lange nach den Wünschen anderer anzupassen, bis sie zufrieden sind. Vielmehr musst du in der Lage sein, sie zu verteidigen? Wo bleibt dein Selbstbewusstsein?

Du kennst dein Thema doch besser als deine Doktormutter. Kannst du nicht versuchen, ihr auch Paroli zu bieten? Zu sagen: Danke für die Kritik, aber aus xyz Gründen sehe ich das anders. Das ist doch eine ganz wichtige Kompetenz. Also Kopf hoch, selbstbewusst zu den Ergebnissen stehen, sie auch vor der Doktormutter verteidigen, einreichen :)
teilchenphysik196
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Re: Überarbeitung nimmt kein Ende

Beitrag von teilchenphysik196 »

Hallo Ma,

Du hast eingangs geschrieben, dass Du "alles intensiv überarbeiten" sollst. Mit so einem diffusen Feedback würde ich mich auf keinen Fall zufrieden geben. Zumal Du ja auch schreibst, dass manche Textpassagen schon acht mal überarbeitet wurden. Hole Dir Rückmeldung so konkret wie möglich, schreibe darüber ein Protokoll und erfrage genau, was zu tun ist. Du hast ja nicht irgendeinen halbgaren Zwischenstand eingereicht, sondern die vorläufige Endfassung. Jetzt sollte es doch eher um Details gehen als um "intensive Überarbeitung". Trete da ruhig selbstbewusst auf! Bei mir lief das ähnlich. Kein Ende in Sicht, nach der Disputation nahezu täglich neue Mails mit neuen, stichwortartig skizzierten Ideen, wie ich meine Diss erweitern könnte. Argument: Das macht die Sache nur besser (meine Arbeit war im Vorfeld mit 1,0 bewertet worden). - Nun ja. Allerdings war mein Doktorvater auch aufgeschlossen gegenüber ARgumenten, wieso ich manches eben nicht umsetzen wollte. Wie oben schon geraten wurde, trete hier ruhig selbstbewusst auf. Nach 4 Jahren bist Du fachlich so fit, dass Du das verargumentieren kannst. :wink: Gutes Gelingen!
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