Werkzeuge/Tools für das Zeit- und Projektmanagement der Dissertation/Promotion

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SzenarioWhy
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Werkzeuge/Tools für das Zeit- und Projektmanagement der Dissertation/Promotion

Beitrag von SzenarioWhy » 12.10.2020, 09:18

Guten Tag zusammen,

Ich beabsichtige nebenberuflich eine Dissertation anzufertigen, was eine präzise Planung voraussetzt. Könnt ihr mir sagen, welches Werkzeug ihr für euer "Zeit- und Projektmanagement" verwendet? Bzw. ich habe für mich folgende Idee (bislang hat "Projektmanagement" in meinem Alltag kaum Anwendung gefunden bzw. ich bekam bisher alles auch so unter einen Hut, vermutlich wird es aber für so ein langes Projekt nicht mehr ausreichen, genauso war es bislang für mich nicht erforderlich E-Mails zu strukturieren, hat alles wunderbar so geklappt...) Aber jetzt wird es wohl an der Zeit meine 24h zu strukturieren.

Ich beabsichtige folgende Struktur für mich zu verwenden. Könnt ihr mir bitte sagen, ob es aus eurer Sicht/Erfahrung praktikabel ist oder habt ihr möglicherweise andere Tipps, wie man das Ganze noch besser/effizienter/einfacher strukturieren kann?

1. Makro-Planung mithilfe von MS Project: Ich möchte mit MS Project anhand von Gantt-Charts alle wichtigen Phasen abbilden und grobe "Arbeitspakete" visualisieren, damit ich immer weiß, zu welcher Zeit ich welche Maßnahme umsetzen muss, damit ich zur geplanten Zeit an mein Ziel komme.

2. Mikro-Planung mithilfe von Trello: Mit Trello möchte ich die in MS Project abgebildeten "groben" Arbeitspakete/Phasen konkretisieren und in kleine Teilschritte unterteilen. So ähnlich wie in dem nachfolgenden YouTube-Video. Ich finde diese Struktur, die diese Frau mithilfe von Trello erstellt hat großartig, allerdings fehlt mir hier die "Zeitleiste". Ich kann nicht genau sehen, wo ich mich momentan auf dem Zeitstrahl aufhalte, das wäre mir aber doch sehr wichtig.

https://www.youtube.com/watch?v=po0_hO2 ... e=emb_logo



Ich wäre euch für eure Rückmeldungen wirklich sehr dankbar, weil das Thema "Zeitmanagement" bzw. "Projektmanagement" noch nie wirklich Relevanz in meinem Leben hatte, bzw. kein Erfordernis darstellte. Jetzt wird es aber höchste Zeit.


Danke euch im Voraus!!!

VG, SzenarioWhy

flip
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Re: Werkzeuge/Tools für das Zeit- und Projektmanagement der Dissertation/Promotion

Beitrag von flip » 12.10.2020, 16:30

Hi Anton,
ich vermute mal ganz stark, dass MS-Projekt ebenfalls Kanban-Boards integriert hat und damit brauchst du Trello nicht. Auf der anderen Seite hat Trello diese Implementierung sicherlich auch, dort heißt sie aber einfach nur anders. "Timeline", "Milestones" oder so. Die Programme sind alle gleich aufgebaut.
Grundsätzlich ist es beim Projektmanagement so, dass man nur ein Software verwenden sollte, zumindest aber eine Plattform um sich nicht zu verzetteln. Dass du dir Gedanken um die Strukturierung machst ist okay. Man sollte man nicht zu viel verwalten. Die Diss ist schließlich das Hauptziel.
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Re: Werkzeuge/Tools für das Zeit- und Projektmanagement der Dissertation/Promotion

Beitrag von FerdiFuchs » 13.10.2020, 10:23

Auf der einen Seite hab ich zwei Werkzeuge gewinnbringend genutzt:
  • Um unproduktive Phasen durch mehr Struktur zu überwinden: Pomodoro-Technik
  • Für den Endspurt der Diss (letzte sechs Monate, rückwärts gezählt vom gewünschten Verteidigungstermin): Gantt-Chart
Auf der anderen Seite möchte ich auf das Risiko hinweisen, dass man sich in Prozessmanagement "verlieren" kann. Einen Prozess zu haben ist kein Wert an sich, sondern kann im Zweifel auch die Illusion von Produktivität erzeugen, weil die Todo-Liste ja wenigstens abgehakt ist.

Mir hat stattdessen eine ergebnisorientierte Haltung gut getan. Alle Energie und Aufmerksamkeit richtet sich auf das nächste objektiv messbare Ergebnis. In meinem Fall waren das Konferenzpapiere, aus denen sich dann am Schluss meine Diss mehr oder weniger zusammengesetzt hat.
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Re: Werkzeuge/Tools für das Zeit- und Projektmanagement der Dissertation/Promotion

Beitrag von Nomen Nescio » 13.10.2020, 14:21

Ich schließe mich den Warnungen meiner Vorposter an, was "Überplanung" betrifft. Sorg erst einmal dafür, dass du eine ausreichende Basis schaffst, auf der du planen kannst.
Vieles an Planung einer Diss ist fachspezifisch, bei uns heisst es in Anlehnung an v. Moltke: "Keine Planung übersteht das erste fehlgelaufene Laborexperiment/die erste 'überraschende' Modellrechnung." ;)
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Re: Werkzeuge/Tools für das Zeit- und Projektmanagement der Dissertation/Promotion

Beitrag von teilchenphysik196 » 13.10.2020, 15:42

Ich möchte mich den Vorrednern anschließen. Eine Diss ist kein Projekt, was man verwalten könnte. Ich habe den Prozess als etwas sehr Formbares erlebt, etwas nicht Planbares mit hoher Eigendynamik. Wenn man so will: Ein Abenteuer! Wandern im Dschungel. Eine Seefahrt ins Ungewisse. Amerika statt Indien. Ich glaube, es ist fast besser, zu Beginn eine Phase des Chaos und der Unsicherheit zu akzeptieren statt zu erwarten, dass man mit MS Projekt Meilensteine definieren und erreichen kann. Eine Diss ist auch nicht planbar in dem Sinne, dass ich in einer Woche 5 Seiten schreibe und demnach in 5 Wochen 25 Seiten. Mal klappt einfach gar nichts (das Forum ist voll von solchen Berichten), und plötzlich habe ich in 30 min viele tolle Ideen, die nur so aus dem Füller fließen. Auch das muss man irgendwie akzeptieren. Es ist nämlich nicht nur schlecht, das Chaos und die Unsicherheit. Ich fand es sehr beglückend, wenn diese Geistesblitzmomente einsetzten: Plötzlich passt alles zueinander! - Wenn man zu viel plant, wird schnell Frust draus: "Ich sollte doch laut Plan bereits dies und das geschafft haben."

Sehr viel Sorgfalt habe ich auf die Formulierung der Forschungsfragen verwendet. An denen richtet sich ja die ganze Arbeit aus. Ich habe viel nachgedacht, warum ich so frage und ob meine Frage sinnvoll, neuartig und spannend für den Leser ist. Das ist die halbe Miete. Auch zwischendrin habe ich immer wieder drauf geachtet, ob ich noch eng genug an meinem Kompass bin, den Forschungsfragen. Was muss ich methodisch tun, um meine Fragen zu beantworten? Wonach suche ich?

Wo ansatzweise Planung hilft, ist die Phase zwischen Disputation und Druckreife. Ich musste da viele Wünsche meiner Gutachter erfüllen. Die wurden mündlich oder in ellenlangen Mails geäußert. Daraus habe ich Listen gemacht, pro Zeile eine kleine Aufgabe. Ich habe mir notiert, welche Bücher ich noch mal ausleihen muss, was ich in dem Buch genau suche/brauche und welche formalen Arbeiten noch zu tun sind, ein letzter Check bei Jahreszahlen usw. Das hat mir sehr geholfen, mich in dem Wirrwarr von Gutachterwünschen zurechtzufinden und einen Überblick zu behalten.
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Re: Werkzeuge/Tools für das Zeit- und Projektmanagement der Dissertation/Promotion

Beitrag von Eva » 14.10.2020, 09:25

Auch wenn ich dem, was die übrigen schon schrieben, nicht völlig widersprechen möchte, will ich dir doch Mut machen, deine Diss gut durchzuplanen. Ich selbst habe das nicht getan und mich mehr vom Erkenntnisprozess leiten lassen, habe so aber rückwirkend einzelnen Phasen zu viel Raum eingeräumt, wodurch die Diss am Ende statt 3-4 Jahre sieben Jahre gedauert hat. :roll: Am Beispiel: Ich bin so lange zur Recherche in Archive gefahren, bis ich nur noch Dokumente fand, die ich schon aus anderen Archiven kannte. Das war zwar gründlich, hat aber auch zwei Jahre gedauert. Im Nachhinein hätte ich es besser gefunden, mir für z.B. die Phase der Archivrecherche einen konkreten Zeitraum X zu setzen (eher 1 Jahr) und zwischendrin regelmäßig zu überprüfen, wo ich stehe und ob der gesetzte Zeitrahmen zu halten ist. Zu Beginn fand ich es zwar sehr schwer, abzuschätzen, wie lange einzelne Schritte dauern würden, aber es ist ja in Ordnung, den eigenen Zeitplan zu korrigieren, wenn z.B. doch noch ein Bestand in einem Archiv auftaucht, von dem man zu Beginn nichts wusste. Ganz ohne Plan würde ich aber wie gesagt nicht nochmal starten. Während der Schreibphase hat mir geholfen, meinen Fortschritt nicht in geschriebenen Seiten zu messen, sondern in investierten Stunden. Man kann die Werkzeuge also durchaus variieren, aber einen groben Plan zu haben finde ich zur Orientierung sinnvoll. Viel Erfolg! :blume:

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Re: Werkzeuge/Tools für das Zeit- und Projektmanagement der Dissertation/Promotion

Beitrag von daherrdoggda » 14.10.2020, 09:55

Bei mir war es vorteilhaft, nur einen sehr groben Plan zu haben, weil sich eh vieles mit jedem Versuch veraendert hat, je nach Ergebnis und Erfolg ;)

drrerpol
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Re: Werkzeuge/Tools für das Zeit- und Projektmanagement der Dissertation/Promotion

Beitrag von drrerpol » 17.10.2020, 20:33

Ich würde ein (Open Source) Ticketing System vorschlagen, bspw. ((OTRS)) Community Edition.

Da kannst du verschiedene Kategorien erstellen und deine Tasks mittels Tickets einstellen und Dauer (Minuten, Stunden, Tage) und Art (Open, Processing, Waiting for Feedback, Closed, etc.) mittracken.

Im Nachhinein würde ich es so handhaben, hätte mir während meiner Promotionszeit geholfen.

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