Hallo zusammen,
ich bin gerade etwas am Hadern. Hier meine Situation:
Ich schreibe seit Dezember an meiner Jura-Dissertation. Bislang hat alles wunderbar geklappt, ich hab schnell ein eigenes Thema gefunden und konnte damit sehr umkompliziert einen sehr namhaften Doktorvater finden. Das Thema ist ein überschaubares im besonderen Verwaltungsrecht, letztlich ein Rechtsprechungsüberblick mit einigen eigenen Gedanken am Ende. Sicherlich ein leicht verdienter Doktor, wenn ich es denn schaffe. Nicht zu vergleichen mit vielen anderen Dissertationen. Mein Prof sieht das ähnlich, deshalb hat er nur ca. 12-14 Monate bis Abgabe angesetzt, was ich super fand. Ich finanziere mich selber und muss nebenher nichts anderes machen.
Mittlerweile hab ich knapp drei Leitz-Ordner an Literatur angesammelt und zwei, drei Thesen entwickelt, um die sich meine Arbeit drehen soll. Dazu ca. 20 Word-Seiten an Notizen. Ich könnte also langsam mit dem Schreiben anfangen. Mein Problem: Ich hab überhaupt keinen Bock. Ich würd zwar ganz gern einige Seiten zu meiner Kernthese schreiben, hab aber absolut keine Muße, die 100 Seiten davor zu verfassen und die ganze Entwicklung und den Stand der Rechtsprechung und Literatur darzustellen. Die Materie ist derart kompliziert, dass ich überhaupt keinen Antrieb habe, die ellenlangen und furztrockenen Urteile des Bundesverwaltungsgerichts wiederzugeben und zu kommentieren. Davon abgesehen, dass ich vieles gar nicht verstehe und auch nicht verstehen will, weil es überholt ist. Noch schaffe ich es zwar, morgens um halb sieben aufzustehen und ab 8 am Laptop zu sitzen, auf mehr als 3-5 Stunden irgendwie gearteter "Arbeit" rund um die Diss (lesen, Notizen machen, wieder lesen, nicht verstehen, etc.) netto an 4 Tagen die Woche bin ich aber noch nie gekommen.
Da sich auch jetzt, nach drei Wochen Urlaub in der Sonne, keine rechte Motivation einstellt, bin ich am Überlegen, den Mist hinzuwerfen und mir nen Job zu suchen. Richtig Spaß hats eh noch nie gemacht. Meine Entschluss zur Promotion hab ich auch aus wissenschaftlich nicht gerade lobenswerten Gründen gefasst: Ich gehöre von den Noten in beiden Examen zu den oberen Prozent der Juristen, wollte aber nie den Doktor machen. Leider wird aber gerade von den Doppel-VB-Leuten der Doktor erwartet, egal wohin man schaut. Da ich mich auch später nicht bei jedem promovierten 5-Punkte-Juristen zurückgesetzt fühlen will, hab ich mich dem Doktorwahn in der Juristerei doch gebeugt und auch angefangen. Arrogant, aber so isses.
Gibts hier im Forum - besonders unter den Juristen - vielleicht vergleichbare Situationen? Kann mir jemand sagen, wie wenig Spaß einem der Doktor machen darf, ohne hinzuwerfen? Wieviel Quälerei muss nach Jura-Studium und Referendariat überhaupt noch sein? Bin für jeden Hinweis, jede Anmerkung, jeden Ar***tritt dankbar.
Grüße,
simon
