Große Zwickmühle... Verzweifelung.... Bitte Hilfe!

Fragen aus der laufenden Arbeit an der Dissertation.
Literatursuche, Motivationsprobleme, Lehrtätigkeit, Ärger mit dem Prof u.v.m.
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Große Zwickmühle... Verzweifelung.... Bitte Hilfe!

Beitragvon Christian P. am 07.04.2008, 00:03

Hallo,
Ich weiß gar nicht, ob mir wirklich jemand helfen kann, aber ich muss meinen Frust einfach mal niederschreiben und vielleicht gibt es ja doch noch ein wenig Input von Euch.

Ich heiße Christian und will/wollte eigentlich an der Uni Köln promovieren. Es hat auch alles super geklappt und ich habe sogar ein Stipendium der Uni erhalten. Die Freude war riesig. Nun kam das erste Problem: Das Stipendium gab es zu einem gewissen Thema (Geisteswissenschaften), von dem ich eigentlich wenig Ahnung hatte. Da ich aber echt vielseitig interessiert bin und mich nicht für blöd halte, hab ich angenommen, ich könnte mich reinarbeiten. Das war zwar auch richtig, aber die Zeit läuft und läuft, so dass schon so ein halbes Jahr bis zur Grobgliederung des Themas durch ist. Für mich war die Zeit zwar nicht angenehm, aber es ging und ich fühlte mich zum Schluss gerade auf einem aufsteigendem Weg (mit sicherlich noch vielen, vielen Hindernissen, aber immerhin war mal ein Anfang da).
Nun kommt es: Von Anfang an habe ich kleinere Sachen für meinen Doktorvater erledigt, die eigentlich (bzw. definitiv!) nicht zu meinem Promotionsvorhaben gehören. Im Klartext: Ich habe für ihn gearbeitet - trotz Stipendium und eigentlich damit einhergehender externer Promotion! Fand ich eigentlich schon immer irgendwie daneben, aber es hielt sich in Grenzen. Jetzt der Hammer: gestern bekomm ich einen Anruf und er erzählt mir, dass ich eine Lehrverstaltung geben soll und an einem Forschungsprojekt mitarbeiten soll (bei letzterem wirklich nur Aushilfs-Drecksarbeit). Ich würde den Zeitumfang der kleinen und jetzt größeren neuen Verpflichtungen auf ca. 2 1/2 - 4 Monate (!) schätzen. Da das Stipendium aus irgendwelchen Gründen nur bei 900 Euro im Monat liegt (ich habe gehört, eigentlich sind es meisten 1200?!), habe ich direkt am Anfang meines Studiums abgesprochen, dass ich mir noch einen kleinen Nebenjob für 1 Tag die Woche (Callcenter) suche, um Überleben zu können. D.h. auch hier geht nochmal einiges an Diss-Zeit verloren...
Nun meine Verzweifelung (wie ihr sie schon wahrscheinlich erahnen könnt ;) ): So bekomm ich dir Arbeit niemals fertig! Ich habe noch nicht mal ein totsicheres Thema, 1/4 der vom Stipendium geförderten Zeit ist schon um... Ich müsste mich jetzt ausschließlich um die Diss kümmern, aber anstatt dass ich dies auch kann, bekomm ich immer mehr arbeiten zugeschustert... Wenn das Stipendium ausläuft, dann kann ich mich vielleicht noch 1 Jahr selbstständig finanzieren, dann ist Schluss. Dieser 3 Jahreszeitraum war schon immer recht knapp kalkuliert (zeitlich), mit den Zusatzaufgaben bekomm ich das nie hin - vorallem, weil der Prof. sogar noch recht anspruchsvoll ist. Aber ich kann es mir nicht leisten (bzw. will es eigentlich auch nicht) mal eben dann 5-6 Jahre oder so draus zu machen....
Bin total verzweifelt und überlege sogar alles deswegen hinzuschmeißen, weil es mir nicht mehr machbar erscheint.... Am Freitag habe ich einen Termin bei meinem Prof. Dort wollte ich eigentlich meine neue Grobgliederung besprechen. Nun möchte er mir aber (ggf. noch mit einem anderen Mitarbeiter zusammen) die neuen Aufgaben erläutern. Ich habe vor, ihm meine Bedenken nahezulegen, bin aber fest davon überzeugt, dass ihm das wurscht sein wird bzw. er sie als "normal" abtun wird...

Tja und dann? Ich weiß echt nicht weiter und könnte nur noch heulen...

Grüße aus Köln,
Christian
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Re: Große Zwickmühle... Verzweifelung.... Bitte Hilfe!

Beitragvon nK am 07.04.2008, 08:44

Ach herrje, Dich hat es voll erwischt...

So etwas lässt sich aus der Ferne schwer beurteilen. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass Motivation in Bezug auf das Thema sehr wichtig ist, um das ganze durchzuhalten. Da hast Du also in der Tat schlechte Karten. Ich würde vorschlagen, dass Du offen (aber gefasst) mit Deinem Prof am Freitag über diese Probleme sprichst, so wie Du sie uns geschildert hast (Naja, das mit der geringen Lust auf das Thema würde ich mir dort vielleicht verkneifen). Stößt Du dabei auf Verständnis, könnt ihr sicherlich gemeinsame Lösungen finden. Bügelt er das ab nach dem Motto: Ja, ja, das geht jedem mal so, Sie schaffen das schon, kommen wir lieber mal zu Ihrer Lehrveranstaltung... Dann solltest Du in der Tat ernsthaft über einen Abbruch oder einen Wechsel zu einer anderen Uni nachdenken. Denn Du hast Recht: 5-6 Jahre Promotion sind kein erstrebenswertes Ziel. Du hast zwar jetzt 6 Monate investiert, aber man muss dieser schlechten Zeit nicht auch noch gute hinterherwerfen, wenn man den Eindruck hat, dass es nicht möglich ist. Aber warte erstmal das Treffen ab. Vielleicht ist der Prof ja doch verständnisvoll. Im Übrigen: Wenn Du eine Lehrveranstaltung halten sollst, dann kannst Du dafür auch eine Vergütung verlangen. Damit sparst Du Dir wenigstens den Tag im Callcenter. Schau vorher nochmal genau in Deine Stipendiums-Vereinbarung. Nicht dass Dein Prof dann behauptet, mit diesem Uni-Stipendium wären auch Frondienste für ihn verbunden!

Toi, toi, toi und viele Grüße!
Martin
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Re: Große Zwickmühle... Verzweifelung.... Bitte Hilfe!

Beitragvon Dani am 07.04.2008, 10:42

Die Situation ist wircklich nicht schön...
Ich würde dir vorschlagen dein Stipendium Vertrag sehr detaliert zu lesen um sicher zu sein, was deine Verpflichtungen sind und was nicht. Ich glaube, dass dein Doktorvater nichts mit Stipendium zu tun hat, oder? Wenn das so ist, würde ich am Freitag für ALLES was er von dir haben will (Arbeit an Forschungsprojekt, Lehrveranstaltungen etc.) wenn du es nicht ablehnen kannst (aber das wäre dir am liebsten!) Geld verlangen! Wenn das kein Bestandteil deines Stipendiums ist, dann -bitte zahlen. Vielleicht hat er damit gar nicht gerechnet und kann dir kein Geld anbieten und dann ist die Situation gelöst. Oder für alles NEIN sagen und gucken was passiert dann. Dir bleibt immer noch die Möglichkeit, einen anderen Doktorvater zu suchen oder sich an Promotionsassuss zu wenden, die sollten dir auch helfen können.
ich drücke dir die Daumen, dass Freitag gut verläuft und dass der Prof doch einsieht dass er zu viel von dir verlangt. aber, falls das nicht der Fall ist, solltest du vorbereitet sein...
Lass uns wissen, wie es gelaufen ist..
Gruß, Dani
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Re: Große Zwickmühle... Verzweifelung.... Bitte Hilfe!

Beitragvon Schtudinki am 07.04.2008, 10:59

Lieber Christian,

es tut mir sehr leid für Dich, dass Du mit den Promotionsbedingungen so unzurieden bist. Das schlägt wirklich aufs Gemüt. Aber ich würde Dir gerne mal noch eine andere Perspektive aufzeigen, man kann die Dinge ja auch positiv sehen.

Lehrerfahrung gehört wohl zu dem, was man für den wissenschaftlichen Nachwuchs als Schlüsselkompetenz bezeichnet. Du kannst den Lehrauftrag Deines Profs doch genau als das verbuchen und sammelst so Erfahrungen, die Dir nach der Promotion sehr nützlich sein können.
Gleiches gilt für die Mitarbeit im Forschungsprojekt. Die "Scheißarbeit" ist natürlich nicht wirklich schön - aber die schreibst Du doch nicht in Deinen Lebenslauf. Da schreibst Du rein, dass Du über Deine Mitarbeit in Projekt xyz Kenntnisse in xyz erworben hast und verschaffst Dir darüber eventuell einen weiteren Wettbewerbsvorteil.

Seh die Sachen nicht so schwarz, mit ein bisschen Organisation wirst Du Deine Promotion sicher innerhalb des angesetzten Zeitraums trotzdem schaffen! Ein halbes Jahr bis zur endgültigen Themenfindung ist völlig in Ordnung! Keine Panik!

Ich halte es - aber das ist eine sehr persönliche Meinung - für deutlich vorteilhafter nicht nur mit einem Stipendium im stillen Kämmerlein zu sitzen, sondern sich im Hinblick auf die relativ angespannte Arbeitsmarktlage im Wissenschaftsbetrieb weiterzuqualifizieren. In dieser Beziehung halte ich die Voraussetzungen bei Dir für ideal. Du wirst es Dir auch später nicht leisten können, Dich voll und ganz nur auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Da wird immer jemand kommen und Ansprüche an Dich stellen, was für mich wieder bedeutet, dass Du Deine Berufswahl hier gleich mal auf den Prüfstand stellen kannst.

Ich schließe mich allerdings meinen Vorrednern insofern an, als das eine solche Mitarbeit nicht ohne Bezahlung verlangt werden sollte. Als Lehrbeauftragter verdienst Du nicht die Welt - aber Du verdienst was!

Lass Dich nicht unterkriegen, versuch es doch erst einmal, vielleicht hört sich alles schlimmer an als es ist. Wenn Du mit dem Prof sprichst, würde ich Dir empfehlen nicht nur das Negative zur Sprache zu bringen, sondern auch die Chancen, die Du in seinem Angebot erkennst. Solltest Du allerdings tatsächlich auch weiterhin der Sache nichts Positives abgewinnen können, dann würde ich tatsächlich darüber nachdenken, ob das Berufsziel "Wissenschaft" für mich geeignet ist.

Und abschließend: Solltest Du garnicht in die Wissenschaft wollen, dann müsstest Du Dir während der Promotion ja auch Berufserfahrung aneignen, um nachher im Wettbewerb bestehen zu können. Eine Promotion alleine reicht da nicht aus. In jedem Fall hättest Du also Engagements über das Schreiben an der Dissertation hinaus, die Zeit und Energie ziehen - sich aber im Nachhinein sicher auszahlen!

Vielleicht konnte ich Dir mit dieser etwas anderen Sichtweise ja etwas Mut machen?!
Liebe Grüße,
Schtudinki
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Re: Große Zwickmühle... Verzweifelung.... Bitte Hilfe!

Beitragvon acoma am 07.04.2008, 11:15

Ich weiß nicht, die Arbeiten für den Prof.,.

aber der eine Tag im Call-Center? Ist das wirklich nötig. 900 bekommst Du, und
wieviel hast Du mit dem einen Tag im Call-Center dazu. Der bringt Dich wohl auch
mehr raus, als was Du an der Uni machen mußt (oder erwartet wird.) Call-Center
schlaucht doch total. Ich würde versuchen, mit den 900 durchzukommen.

Und bei dem Stipendium würde ich klären, das sind wohl zwei Jahre, ob es da eine
Verlängerung geben könnte. Und dann hast Du noch Reserven für ein weiteres Jahr,
bzw. kannst am Schluß noch ein Kredit oder was, also 4 Jahre zusammen, das
müßte doch gehen.
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Re: Große Zwickmühle... Verzweifelung.... Bitte Hilfe!

Beitragvon Meggy am 07.04.2008, 12:34

Hallo Christian,

ich sehe die Sache in etwa so wie SChtudinki - die Möglichkeit, Lehrerfahrung zu sammeln, oder Projektmitarbeit für eine spätere Aufwertung des Lebenslaufs vorweisen zu können, ist grundsätzlich eine sehr gute Sache! Ebenfalls stimme ich aber auch den Vorrednern zu, dass Du für diese Mitarbeit durchaus Vergütung verlangen solltest (außer, es wären wirklich nur Kleinigkeiten zu erledigen, aber das ist ja nun nicht der Fall).
Sollte seitens Deines Profs Einverständnis bestehen, dass Du für "seine" Aufträge bezahlt wirst, würde ich diese Möglichkeit der Call-Center Sache auf jeden Fall vorziehen, da Du später (Lebenslauf) dann etwas fachbezogeneres vorzuweisen hast! Grundsätzlich wie die anderen schon sagten: nochmal ausführlich über das Stipendium informieren, nicht dass es da doch eine Mitarbeits-Klausel gibt. Weiterhin die Verlängerungs-Möglichkeit in Betracht ziehen / informieren. Die meisten Stipendien, soewit ich informiert bin, bieten durchaus die Möglichkeit, ein 3. Jahr zu finanzieren, auch wenn sie von vorneherein auf erstmal 2 Jahre begrenzt ausgeschrieben sind! Ansonsten mach Dir bereits klare Gedanken, was Du - in jedem der möglichen Fälle - Deinem Prof sagen wirst. Beispielsweise für den Fall, dass er auf die unvergütete Mitarbeit besteht. Sollte dies gar keine Option für Dich sein, solltest Du ihm das genauso klar sagen. Generell finde ich ein halbes Jahr für Themendefinition auch noch nicht außergewöhnlich. Selber arbeite ich momentan im 4. Monat an der Themenfindung, habe hoffentlich bald (ca in 2 wochen ist geplant) das Proposal soweit fertig und kann es vorlegen. Allerdings rechne ich schon damit, dass das ein oder andere nochmal angepasst / genauer definiert wird. Das ist doch relativ normal denke ich. Solltest Du Dich allerdings mit Deinem Prof nicht einigen können, würde ich Dir auch raten, Dich nach einer anderen Möglichkeit umzuschauen. Lieber ein halbes jahr verloren und eine "passende" Promotionsmöglichkeit finden (und dann schnell abschließen) als ewig unzufrieden mehrere Jahre nur schleppend vorankommen und sei es nur wegen der fehlenden Motivation wegen der Situation.

Ich selber würde gerne an der Uni mitarbeiten, was aber derzeit aufgrund eines extremen Doktoranden-/Assistenten-/Hiwi-Überschusses an den in Frage kommenden Lehrstühlen nicht möglich ist. Trotzdem habe ich gegenüber dem Betreuer mehrfach betont (und werde es auch weiterhin tun :) ) dass ich sehr gerne die ein oder andere Aufgabe übernehme, sobald Bedarf ist, und er hat mich diesbezüglich sozusagen "vorgemerkt" - wenn eben etwas frei wird. So habe ich zumindest hier schonmal nen halben Fuß in der Tür ;)
Abgesehen von der Lehr-/Projekterfahrung die solche Aufgaben mit sich bringen, finde ich persönlich einen wichtigen Aspekt, dass man viele Lehrstuhl-/Unimitarbeiter nochmal ganz anders kennenlernt, wenn man "Arbeitskollege" ist, evtl das ein oder andere mal gemeinsam in die Mensa geht etc.... Das macht einfach viele Dinge, die evtl mal zu klären sind, ein ganzes Stück einfacher als wenn man "nur" der fremde, externe Promovend ist (überspitzt ausgedrückt)
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