Also auch wenn man von der ursprünglichen Fragestellung des Threads etwas abgekommen ist, so möchte ich doch sagen, dass der von Spöttern immer wieder vorgebrachte Ausspruch Wilson Minzers
"Aus einem Buch abschreiben = Plagiat;
aus zwei Büchern abschreiben = Essay;
aus drei = Kompilation;
aus vier = Dissertation"
im Kern leider der Wahrheit bzw. der -zumindest von mir- beobachteten akademischen Praxis entspricht. Quer durch die Bank lautet bei Profs die Losung "publish or perish". Da wird Ideen-, Struktur- und Werkraub betrieben das die Heide wackelt!
Und bei Studenten sieht das nicht anders aus. Ein paar Passagen von Hausarbeiten.de und Co., ein paar aus ner passenden verstaubten Diss. aus der Bibliothek, das ganze paraphrasiert und in einen Guss gebracht und fertig ist die Seminararbeit. Wer Geld hat, lässt sich halt was schreiben. Bei ner Diss. läuft das imho nicht anders ab, natürlich auf etwas gehobenem Niveau. Ich möchte das ganze nicht bewerten, aber der Student/Doktorand/Prof., der in seinem Kämmerlein monatelang über Werken brütet und im Schweiße seines Angesichts Zeile um Zeile zu Papier bringt, ist heutzutage eine rara avis in terris. Man schaue sich nur einmal die Publikationslisten mancher Lehrstuhlinhaber an... da kann teilweise ein Stephen King oder Konsalik nicht mal mehr mithalten, und hier geht es um wissenschaftliche Facharbeiten, nicht leicht verfasste Unterhaltungsliteratur; nicht falsch verstehen, möchte den King- und Konsalik-Fans nicht zu nahe treten

EDIT: Ich selbst habe einen riesen Spaß mit meinen Thema und nehme die Mühen die mit Recherche, Auswertung und Niederschrift verbunden sind gerne in Kauf. Wenn es einem jedoch weniger um den Weg, sondern vielmehr um den Dr.-Zusatz im Perso geht ist klar, dass er sich nicht die Mühe machen wird, das Rad neu zu erfinden. Bedauerlicherweise geht es, um gleich mal etwas Zeitkritik zu üben

, heutzutage nur noch darum, alles mit besten Noten und schnellstmöglich "durchzuziehen". Bologna tut sein übriges. Das man sich dabei immer weniger als idealistischer Bücherwurm mit Freude an Wissenschaft und Forschung versteht, sondern vielmehr versucht auf Kosten der Substanz seinen sich durch Alter, Noten und Titel bestimmenden Marktwert zum Zwecke des wirtschaftlichen Wettbewerbsvorteils zu erhöhen, ist traurig, aber gesellschaftliche Realität und letztlich nachvollziehbar. En passant wir dabei natürlich der gesamte Wissenschaftsbegriff pervertiert. Es geht leider kaum noch um wirkliche Bildung und die Fähigkeit in großen Zusammenhängen denken zu können, sondern nur noch darum, eine Prüfungsleistung zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erbringen. Danach kann der ganze Scheiß ja wieder vergessen werden... und das wird er auch!
Selbst die Uni versteht sich zunehmend weniger als dem Ideal der Bildung verpflichtete Institution, sondern als in Konkurenz zu andren stehendes Unternehmen und wird auch dementsprechend geführt; Leistungspunkte und Drittmitteleinwerbung bestimmen das Bild. Aber nicht zum Zwecke der verbesserten Lehre, sondern um die Reputation zu steigern, geradezu schizophren.
Alles Schall und Rauch. Over and out.
Zuletzt geändert von wolf am 02.07.2009, 14:21, insgesamt 1-mal geändert.