von Bear am 02.07.2009, 08:01
Erst mal danke sozusagen, dass ich hier nicht total eins aufn Deckel bekomme...!
Ja, man muss auch noch recherchieren. Meistens bekommt man nur einen Arbeitstitel, beipielslweise, Strategien der Arbeitsnehmermotivation, Theorievergleich zwischen zwei Philosophieströmungen oder dergleichen. Dann muss man sich auf die schnelle eine Fragestellung überlegen, Literatur zusammensuchen und die Arbeit schreiben. Zeit ist höchstens eine halbe Woche. Meistens handelt es sich um Seminararbeiten von Leuten, die berufsbegleitend an Fernunis studieren und somit natürlich Geld haben, ihre Arbeit schreiben zu lassen. Es sind auch Diplomarbeiten und Teile von Doktorarbeiten von nicht so schlauen Leuten dabei. Es lohnt sich finanziell logischerweise gar nicht, da sehr hoher aufwand für sehr wenig Geld.
Ich habe das auch gar nicht wegen dem Geld gemacht, sondern aus der Notsituation sozusagen heraus, dass ich wegen meinem Job in eine andere Stadt gezogen bin. Ich kann diese Stadt nicht ausstehen, es ist furchtbar hier, aber meine Heimatstadt ist nur 75 km entfernt, weswegen ich am Wochenende meistens in der Heimat bin. Leider habe ich in meiner Heimatstadt keine Wohnung mehr gehabt (jetzt habe ich mir eine zusätzliche Wohnung genommen, weil ich es mir leisten kann) und dadurch, dass nicht alle meine Freunde den ganzen Tag Zeit haben/hatten und ich nicht bei meinen Eltern tagsüber sein wollte, habe ich mich halt in die Unibücherei gesetzt und man muss sich dort ja irgendwie beschäftigen.
Jetzt bin ich kein Ghostwriter mehr, weil ich jetzt ja promoviere und das Geld vom Ghostwriting sowieso nicht brauche, weil ich ja einen Job habe. Ich war sehr froh, als ich die Promotion angefangen habe, weil ich immer Angst hatte, dass mich jemand in dieser Bücherei fragt, was ich da mache. Das Ghostwriting war für mich, obwohl ich es ja nicht so geplant hatte, die perfekte Vorbereitung auf die Promotion. Ohne diese Art von Arbeitserfahrung müsste ich mindestens die doppelte Zeit für die Promotion einrechnen.
Ab und zu bin ich in meinem Kolloquium innerlich am lachen, wenn ich daran denke, warum ich promoviere bzw. das angefangen habe. Oft schau ich mir aber auch die Mitsreiter an und weiss z. T. sehr genau oder bilde mir das zumindest ein, welche von denen mal Agenturen in Anspruch nimmt, erst für Datenauswertungen, dann Korrekturlesen...meistens wird das immer mehr, was die Leute dann nicht mehr selber machen. Oder auch die Variante von Leuten, die es psychisch nicht mehr packen und dann outsourcen. Das sind aber wenige, die meisten sind sehr interessiert, zum Glück und ich bin froh, dass ich nun eine normale Tätigkeit in meiner Bücherei in meiner Heimat am Wochenende habe.