Hallo Andre,
ich finde es gerade etwas schwierig dir zu helfen bzw. irgendwie zu beraten. Zu einer Promotion gehören unheimlich viele Faktoren und Umstände, die über ein Gelingen und Nicht-Gelingen entscheiden können. In meinem Umfeld haben ein paar Leute ihre Diss doch beendet (und wollen nie wieder an die Uni und ihr System) oder den DV gewechselt haben. Beides erfordert sehr viel Mut und ich habe wirklich Respekt vor solch einer Entscheidung.
Was ich wichtig finde: man muss ehrlich zu sich sein. Warum will man die Diss machen? Wegen sich oder wegen den Erwartungen anderer z.B. Eltern, Freunde, Partner etc. Letzteres ist ein sehr, sehr schlechter Ausgangspunkt. Man baut sich einen enorm hohen innerlichen Druck auf, hat ständig Angst zu versagen, hat ständig Angst jmd. zu enttäuschen. An sich und seine Bedürfnisse denkt man eher selten... was früher oder später wirklich gefährlich werden kann.
Ich würde es auch nicht "Stöhnen auf hohem Niveau" nennen, sondern einfach nur eine normale menschliche Reaktion. Bei 60 Stunden der Woche kann dein Privatleben nicht wirklich gut funktionieren. Wo bleibt die Zeit für Freunde, Familie, den Partner?
Wenn du unkonzentriert bist, dann werden Zweifel in dir sein. Du wirst dir wohl viele Fragen (privat wie beruflich) stellen und die sollten gelöst werden. Ansonsten wirst du wirklich Probleme mit der Entspannung bekommen.
Zu deinen Fragen, ob du kündigen oder deinen Prof fragen sollst, wird dir niemand eine Antwort geben können. Es wäre auch nicht klug, weil du allein für dein Handeln verantwortlich sein solltest und Ratschläge von Anderen immer eine gute Entschuldigung für Misserfolge sind.
Was ich mache und was mir sehr hilft, wenn ich Hänger habe:
1) Zielplan erstellen (es geht also in den Coaching-Bereich

). Setze dir kleine und realistische Ziele, die du erfüllen kannst. Das motiviert und hilft, den inneren Schweinehund zu besiegen. Die Ziele müssen so formuliert sein, dass sie keine Hintertürchen zu lassen (Also nicht sowas wie: "Ich werde das Kapitel 5 formulieren", sondern "Ich formuliere das Kapitel 5"). Wenn du das Ziel dann erreicht hast, belohne dich! Du hast es dir dann verdient.
2) Wenn du Menschen hast, denen du vertraust, dann rede mit diesen. Über all (!) deine Ängste, Bedenken und Gefühle. Du musst das auch nicht unbedingt aussprechen, du kannst es auch aufschreiben. Aber auch hier gilt wieder: sei ehrlich zu dir. Es sind deine Gedanken, lass sie raus. Deinen ganzen Ärger, deine ganze Verzweiflung, deine Wünsche belasten dich viel mehr, wenn du versuchst sie zu vergraben.
3) Das Schwierigste ist, dass du dir Zeit für dich nimmst. Allerdings klappt das nur, wenn dein Kopf frei ist. Vielleicht können dir einfache Entspannungsübungen helfen.
Ich wünsche dir viel Kraft für die nächste Zeit!