Promotion BWL in einem Jahr?

Fragen aus der laufenden Arbeit an der Dissertation.
Literatursuche, Motivationsprobleme, Lehrtätigkeit, Ärger mit dem Prof u.v.m.
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Re: Promotion BWL in einem Jahr?

Beitragvon Doc Holiday am 14.11.2008, 01:28

Hi Anirax,

wieviel Zeit man benötigt lässt sich auch in der BWL nicht allgemein sagen, sondern hängt m.E. stark vom Thema und vom DV ab. Ich hab extern promoviert und bis zur Abgabe der Arbeit ca. 1,5 Jahre gebraucht. In dieser Zeit war ich 6 Monate von meinem Job freigestellt, in der übrigen Zeit habe ich Vollzeit gearbeitet. Hab die Arbeit zu 80 % in den 6 Monaten der Freistellung erstellt. Zu Beginn der Freistellungsphase hatte ich ca. 30 Seiten geschrieben, die Gliederung mit meinem DV abgestimmt und wesentliche Teile der Literatur zusammen.

Ich hatte ein dankbares, praxisbezogenes Literaturthema mit einem kleinen empirischen Teil. Außerdem hatte ich Rahmenbedingungen, die für ein schnelles Durchkommen hilfreich waren:

- Ich hatte mich mit dem Thema schon grob beschäftigt

- Die Fragebögen für den empirischen Teil habe ich vorher im Rahmen meines Jobs verschickt. Eigentlich sollte da eine Studie draus werden, ich konnte die Antworten dann aber exklusiv für meine Arbeit nutzen

- Mein DV hat eine sehr pragmatische Einstellung: Keine Betreuung (hab nur die Gliederung mit ihm abgestimmt) aber dafür hatte ich inhaltlich weitgehend freie Hand.

- Bei mir selbst lag der Fokus eher auf der Zeit- als auf der Qualitätskomponente. Wollte natürlich keinen Schmu abgeben, aber ich strebe keine wissenschaftliche Laufbahn an. Die Note ist mir deshalb nicht so wichtig. Hatte Lust auf Abwechslung vom Job und will die zwei Buchstaben in erster Linie für die Visitenkarte.

Als Noten habe ich eine 2,0 vom DV und eine 3,0 vom Zweitgutachter bekommen. Damit kann ich sehr gut leben. Das Rigorosum steht in den nächsten Tagen an, so dass ich nach nunmehr 2 Jahren komplett durch sein werde (sofern auf den letzten Metern alles gut geht....). Kurse oder Vorstudien wurden an meiner Uni nicht verlangt. Auf jeden Fall vorher in die PO schauen, jede Uni hat ihr eigenes Prozedere.

Also, gehen tut das, es hängt aber stark vom Thema, den Rahmenbedingungen, Deinem Anspruch an die Arbeit bzw. Note und von Deiner Arbeitsintensität während der Freistellung ab. Wenn das einigermaßen passt dann würde ich schon sagen, dass Du in einem Jahr Freistellung sehr weit kommen kannst.

Viele Grüße und viel Erfolg!
Doc Holiday
 
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Re: Promotion BWL in einem Jahr?

Beitragvon Ethnoschnecke am 17.11.2008, 15:47

Hallo!
In meinem Umfeld brauchen die Leute auch im Schnitt drei Jahre für die Promotion (in Bayern). Ich kenne nur eine Person, die die Diss in 1,5 Jahren geschrieben hat (in Jura). Wie das ging, ist mir ein Rätsel.
Vor allem, wenn man noch Scheine machen muss und zu Pflichtveranstaltungen in der Uni geht, wird das knapp. Außerdem, so mußte ich leider feststellen, ist vieles nicht in deiner Macht: DV wieder mal auf Forschungsreise oder nicht erreichbar, bürokratische Hürden, Literatur, die nicht zugänglich ist, Interviewpartner sagen ab etc. All das kostet Zeit und Nerven.
Und zu Österreich: Leider geht es dort auch nicht schneller. In Wien ist inzwischen eine hohe Semesterstundenzahl für das Doktoratsstudium vorgeschrieben (zumindest an der Hauptuni; wie das bei den Wiwis ist, weiß ich nicht).
Ich finde den Vorschlag gut, zunächst die Recherchen für Literatur und Material neben dem Job zu erledigen und dann das letzte Jahr nur noch zu schreiben. Das ist machbar. Aber definitiv nicht in einem Jahr insgesamt.
Außerdem finde ich es schade, wenn man die Diss nur so herunterreißt. Das Niveau leidet mit Sicherheit. Es gehört doch auch dazu, dass man sich in eine Thematik vertiefen und nicht nur möglichst schnell den Titel einsacken will, oder?
Liebe Grüße
Ethnoschnecke
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Re: Promotion BWL in einem Jahr?

Beitragvon Bremen am 18.11.2008, 12:21

Hallo DocHoliday!

Ich interessiere mich mich sehr für die Uni und den Fachbereich an dem Du geschrieben hast! (Zumindest die uni!) da ich gerade auf der suche nach einem DV bin der eine schnelle Diss. in BWL mit dankbaren themen möglich macht!

Dank dir sehr für eine Antwort!

lg
Bremen
 
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Re: Promotion BWL in einem Jahr?

Beitragvon Doc Holiday am 21.11.2008, 14:13

@ Bremen und @ Anirax (Deine PN):

Sorry, aber ich halte das nicht für den richtigen Weg. Mein DV nützt euch gar nichts, wenn euer Thema keinen Bezug zu seinem Forschungsgebiet hat. Wenn ihr schnell fertig werden wollt, dann kann ich euch folgendes Vorgehen beim Finden eines DV's empfehlen:

- Überlegt euch grob einen Themenkomplex der euch interessiert (!) und mit dem ihr euch ggf. schon mal beschäftigt habt (z.B. während des Studiums oder im Job)
- Versucht ein oder zwei Themen zu konkretisieren, z.B. durch die Lektüre einschlägiger wissenschaftlicher Zeitschriften (wo besteht aktuell Forschungsbedarf?)
- Prüft, ob zu diesen Themen schon Dissertationen veröffentlicht wurden
- Entscheidet euch für ein Thema und schreibt dazu ein grobes Exposé (ca. eine Seite)
- JETZT (!) kann die Suche nach einem DV beginnen: Geht die Internetseiten der Unis durch und schaut welche Lehrstühle in Frage kommen (welche Forschungsfelder/Veröffentlichungen haben die Lehrstühle?)
- Da wo es passt, schickt ihr das Expose zusammen mit Examenszeugnis, Lebenslauf und kurzem Anschreiben hin. Ich habe damals auch noch das Gutachten meiner Diplomarbeit beigefügt.

In meinem Fall hatte ich sieben Lehrstühle angeschrieben und drei Zusagen erhalten. Ich war damals selbst von der hohen Erfolgsquote überrascht. Aber es zahlt sich offenbar aus, wenn man sich vorher Gedanken macht und ganz gezielt Lehrstühle anschreibt. Mir hat gestern mein Zweitgutachter erzählt, dass er pro Woche ca. 4-5 Anfragen für Dissertationen bekommt. 80 % davon nach dem Motto: " Ich würde gerne promovieren, hätten Sie vielleicht ein Thema für mich?" Andere haben zwar ganz konkrete Vorstellungen über ihr Thema, aber meistens passen diese nicht zu den Forschungsfeldern des Lehrstuhls. Es versteht sich von selbst, dass Anfragen dieser Art in der Regel negativ beantwortet werden.

Wenn ihr das Glück habt mehrere Zusagen zu bekommen, dann schaut Euch die PO's der in Frage kommenden Unis an. Manche PO's sehen z.B. vor, dass mehrere Seminarscheine in Form von Präsenzveranstaltungen an der Uni zu machen sind. Zudem wird an manchen Unis zunehmend eine kumulative Promotion (statt einem Buch mehrere Paper in best. Zeitschriften veröffentlichen) vorgezogen. Beides ist für einen externen Doktoranden und für ein schnelles Durchkommen von Nachteil. Hilfreich ist sicher auch einen Blick auf die Bewertungen des potenziellen DV`s bei http://www.meinprof.de zu werfen. Falls er gute Noten in den Bereichen "Fairness" und "Note/Aufwand" bekommen hat, dürfte das auch bei einer Promotion von Vorteil sein .


@ Ethnoschnecke:

Ich geb Dir Recht, es macht bestimmt mehr Spaß sich sehr intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen und dafür auch die notwendige Zeit zu investieren. Aber wenn man beruftstätig ist und "nebenbei" promovieren möchte, dann ist die Zeit ein sehr knappes Gut. Ich hab mich gefreut, dass ich überhaupt 6 Monate Freistellung bei meinem Chef rausschlagen konnte. Die 6 Monate waren unbezahlt, d.h. mit jedem Monat geht ein entsprechender Einkommensverzicht einher und man muss ja von irgendwas leben. Also sind Kompromisse notwendig oder man lässt es eben ganz bleiben.

Dass das Bundesland der Uni bei der Zeitdauer der Promotion eine Rolle spielt glaube ich nicht. Meine Uni befindet sich z.B. auch in Bayern. Die Fachrichtung (BWL, Jura etc.) wirkt sich schon eher aus.



Viele Grüße
Doc Holiday

PS. Ich hab gestern übrigens das Rigorosum hinter mich gebracht und kann mich insgesamt über ein "magna" freuen.... :D
Doc Holiday
 
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