Promotion BWL in einem Jahr?

Fragen aus der laufenden Arbeit an der Dissertation.
Literatursuche, Motivationsprobleme, Lehrtätigkeit, Ärger mit dem Prof u.v.m.
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Promotion BWL in einem Jahr?

Beitragvon AniraX am 22.10.2008, 20:14

Hallo zusammen,

bei meiner Recherche zur Frage bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass man mit 1,5-2 Jahren in BWL ganz gut mit dabei ist, drunter ist eher schwierig. Haltet ihr trotzdem es für möglich in einem Jahr zu promovieren (bis zur Abgabe der Arbeit)? Ich würde Vollzeit promovieren (Freistellung durch den Arbeitgeber). Länger als 1 Jahr ist nicht drin.

Eine Themenidee habe ich schon seit meiner Diplomarbeit, es betrifft sie aber nur am Rande, so dass ich wohl wenig darauf aufbauen kann. Allerdings müsste ich mir noch einen Doktorvater/-mutter suchen, da der Prof, bei dem ich die DA geschrieben habe, bereits emeritiert ist.

Viele Grüße,

Anira
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Re: Promotion BWL in einem Jahr?

Beitragvon Mathilda am 23.10.2008, 13:40

Hallo Anira,

aus meiner Erfahrung würde ich leider mal sagen: Ein Jahr ist definitiv nicht drin. Ich will Dich aber nicht abschrecken; möglicherweise findest Du eine Möglichkeit. Ich hörte z.B., dass es in Süddeutschland schneller geht (nur vom Hören-Sagen, weiß nicht, ob es stimmt!). Ich promoviere auch im BWL-Bereich, und der Schnitt, den ich so mitbekomme, liegt auch weit über dem von Dir genannten; aber möglicherweise kenne ich die weniger günstigen Fälle. Ich würde mal eher von einem Schnitt von 3 bis 4 Jahren ab Startschuss ausgehen. Wenn Du natürlich ein Jahr "nur" Diss machst, ist es sicher noch etwas anders zu sehen, aber: In den meisten Fällen brauchst Du was Empirisches. Und wenn nicht, dann brauchst Du eine sehr, sehr breite theoretische Basis. Beides kostet schon mal einfach nur durch die Orga viel Zeit, da nützt es Dir gar nichts, wenn Du "nur" Diss machst. Bei der Empirie musst Du Dir den Datenzugang beschaffen und die Daten erheben; bei der nicht-empirischen Arbeit musst Du sehr lange recherchieren, Literatur bestellen, auf Lieferungen warten etc.

Wie war´s bei mir?
>> Datenzugang fiel "vom Himmel", da hab ich echt Glück gehabt, das war also der Startschuss

>> Vorbereitung der Datenerhebung (explorativer Teil, Erhebungskonzeption, Koordination mit dem Praxispartner) >> hat alles in allem 5-6 Monate gedauert und dann musste ich noch mal 4 Monate warten, bis wir wirklich einsteigen konnten (war gerade saisonal bedingt ungünstig). In der Zeit habe ich vor allem Literatur recherchiert und besorgt.

>> Datenerhebung+Auswertung >> hat insgesamt ungefähr 4 Monate gedauert (erste Erhebung)

>> dann habe ich innerhalb von 3 Monaten den ersten Theorie-Teil geschrieben und die zweite Erhebung - die vorher nicht abzusehen war, sondern sich aus der ersten ergeben hat - vorbereitet

>> Zweite Datenerhebung+Auswertung >> nochmal ungefähr 4 Monate

>> dann waren wir schon im Juni 2008 gelandet, im Juni/Juli habe ich den zweiten Theorie-Teil fast fertig bekommen und jetzt muss ich noch den gesamten empirischen Teil schreiben.

>> Konsequenz: Ich sitze jetzt ziemlich genau seit 2 Jahren "so richtig" an der Arbeit, wobei ich allerdings am Lehrstuhl arbeite - täte ich das nicht, hätte ich aber erst jetzt, nach der Datenerhebung, wirkliche Zeitersparnis. Die restliche Dauer kam einfach durch zig Verzögerungen wegen der Empirie, Abklärungsbedarf mit dem Projektpartner, Kurzfrist-Umschmeiß-Aktionen von Seiten des DV etc. pp.

Also, wenn Du das "wirklich willst": Möglicherweise könntest Du das freie Jahr eher nach hinten legen. So hat´s eine Kollegin von mir gemacht: Die ganze Konzeptions- und Erhebungsphase hat sie auf einer 3/4-Stelle gearbeitet und sich DANN ein Jahr Auszeit zum Schreiben genommen. Das hat im Wesentlichen geklappt, sie war immerhin fast fertig nach dem Jahr. Oder Du schaust, wie weit Du in dem Jahr kommst und dann machst Du hinterher extern weiter?

Viele Grüße
Mathilda
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Re: Promotion BWL in einem Jahr?

Beitragvon Böhnchen am 23.10.2008, 18:36

Hallo,

meine Erfahrung deckt sich mit der von Mathilda, 3 Jahre sind realistisch, 1 Jahr: puh.
In manchen Fächern geht das ohne Verlust. In der BWL? Mein Qualitätsanspruch an eine Diss sagt dazu nein.
Empirie in vernünftigem Umfang und einer ordentlichen Qualität in einem Jahr planen, machen, zu 300 Seiten zu verarbeiten halte ich für ausgeschlossen. Man kann in einem Jahr eine Theoriearbeit in BWL gerade so hinklatschen, aber selbst das würde ich kritisch sehen. Zum einen von der Qualität her, zum anderen von der Außenwirkung her.

Je nach Art der Datenerhebung kann es auch Sinn machen, die Freistellung dafür herzunehmen, d.h. ab Erhebungsbeginn in Freistellung zu gehen und möglichst weit mit dem schreiben zu kommen. Finales Layout am Wochenende und letzte Fußnoten suchen und einpflegen ist lästig, aber machbar. Aus dem Job heraus Interviewtermine durchführen oder beobachten ist aber u.U. nicht mehr möglich.

Grüße
vom Böhnchen
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Re: Promotion BWL in einem Jahr?

Beitragvon AniraX am 24.10.2008, 10:11

Vielen Dank für eure Antworten. Sowas hatte ich fast schon befürchtet....

Ich hatte mein Promotionsvorhaben eigentlich nur vage und erstens später und zweitens länger geplant (und teilweise neben dem Job) - allerdings ist mein "Traumthema" gerade sehr aktuell und ich würde es auch gerne jetzt schreiben (spätestens im Frühjahr/Sommer beginnen). Irgendwie habe ich gerade Angst, dass es mir jemand wegschnappt :stressed:

Doofe Frage: Stimmt das Gerücht eigentlich, dass eine Promotion in Österreich deutlich schneller realisierbar ist als in Deutschland? Ich hatte mir mal die Wirtschaftsuni Wien angesehen und dort gibt es ein Doktorratsstudium, dass allerdings länger dauert. Ob man auch ohne dieses Studium promoviere kann, habe ich noch nicht rausgefunden. Ist hier im Forum zufällig jemand der in Österreich promoviert und das bestätigen oder widerlegen kann?

Viele Grüße,

AniraX
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Re: Promotion BWL in einem Jahr?

Beitragvon Roger am 24.10.2008, 21:32

Ich denke, man muss zuerst einmal klar definieren, wass man mit "in einem Jahr" meint. An vielen (u.a. auch meiner) Uni dauert allein die Kursphase mindestens ein Jahr (BWL-Fakultät). Dann wird die Vorstudie erstellt, die erst einmal genehmigt werden muss (allein Korrekturzeit mind. 2-3 Monate). Erst anschliessend kann man ernsthaft mit dem fabrizieren der Diss beginnen (ausser man spielt gerne Russisches Roulette...).
Wenn man aber diese Klippen genommen hat und man neben den Kursen bereits fleissig Literatur gelessen hat, könnte es in einem Jahr klappen. Bedingung dafür ist aber wohl, dass man wirklich Vollzeit dran bleiben kann und - wie bereits erwähnt wurde - keine umfangreichen Feldstudien vorzunehmen sind. Mindestdauer bei normalen Gegebenheiten dürfte somit bis zur Abgabe bei ca. 2.5 Jahren liegen.
z.Thema "schnelles" Österreich: Halte ich für ein Gerücht - auch dort muss man meines Wissens zuerst mal Seminare belegen :wink: Quelle: Kollegin an der Uni Wien, die da bereits seit Jahren an der Vorstudie herumlaboriert (in BWL!).
Roger
 
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Re: Promotion BWL in einem Jahr?

Beitragvon AniraX am 25.10.2008, 13:52

Zum Thema Österreich. Nachdem ich mich durch ein paar Unis geklickt habe, bin ich auch zum Ergebnis gekommen, dass das wohl nur ein Gerücht ist bzw. früher vielleicht mal so war aber inzwischen auch nicht mehr geht (haben alle dieses Doktorratsstudium, das für mich nicht in Frage kommt).

Werde noch etwas weitersuchen, aber es sieht leider so aus, als könnte ich das mit der Diss vergessen :(.

VG

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