Eigenes Thema verheimlichen?

Fragen aus der laufenden Arbeit an der Dissertation.
Literatursuche, Motivationsprobleme, Lehrtätigkeit, Ärger mit dem Prof u.v.m.
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Eigenes Thema verheimlichen?

Beitragvon Kuniko am 30.09.2008, 18:42

Hallo ihr Lieben,

das Thema kam gerade in einem anderen Thread auf und mich würde interessieren, wie ihr damit umgeht, wenn euch jemand nach dem Thema der Diss. fragt. Ich bin da nämlich immer in einem ziemlichen Konflikt. Einerseits finde ich es toll, dass Leute Interesse zeigen und dann auch genauer nachfragen, worum es geht (mein Thema hört sich im ersten Moment relativ spannend an, deshalb gibt's da oft Interesse), und ich rede natürlich auch gerne darüber und bin auf die Meinungen anderer gespannt. Andererseits ist dann natürlich immer die unterschwellige Panik da, dass dann doch jemand anderes mir das Thema 'wegnimmt'. Das ist natürlich gerade in den Geisteswissenschaften eher unwahrscheinlich (andere Schwerpunktsetzung), trotzdem ist mir nicht ganz wohl dabei.
Dass man hier im Forum v. a. im öffentlichen Bereich noch mal eine Nummer bewusster damit umgeht, ist denke ich logisch, aber wie ist das zum Beispiel bei euch im erweiterten (Uni-) Bekanntenkreis, bei Doktorandenkollegen oder sonstigen Gelegenheiten (gab bei mir letztens die Situation einer Party eines Studienkollegen, bei der ich niemanden außer den Gastgeber kannte. Die Leute haben smalltalkmäßig natürlich gefragt, was ich mache und was mein Thema ist und ich hab - so vom Bauchgefühl her - mal wieder viel zu viel 'verraten'.)

Bin gespannt auf eure Meinungen,
Kuniko
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Re: Eigenes Thema verheimlichen?

Beitragvon Nick am 30.09.2008, 18:49

Hallo Kuniko,

diese Befürchtungen habe ich auch.
Mittlerweile handhabe ich das so: Leuten, die nie im Leben was mit einer Diss zutun haben oder haben werden, erläutere ich gerne mein Thema. Die verstehen aber leider meist nicht das Spannende daran :wink: . Bei anderen bin ich auch vorsichtig. Nicht unbedingt bei Leuten, die selber auch gerade an einer Diss schreiben, aber hier schreibe ich auch nicht gerne über mein Thema. Man weiß nie, wer so alles mitliest :lol:

LG Nick
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Re: Eigenes Thema verheimlichen?

Beitragvon Mr. Wood am 30.09.2008, 19:20

Hallo zusammen,

im Grunde kann ich Eure Zurückhaltung ja gut nachvollziehen. Aber ist dieses weit verbreitete "vorsichtig umgehen mit dem Verbreiten von eigenen Erkenntnissen, Ergebnissen sowie eigenem Wissen und Know-How" nicht eigentlich traurig? Blockiert sich eine Gesellschaft nicht im Grunde selbst, wenn jeder versucht, sein Wissen für sich zu behalten, es sei denn er sieht keine "Kopier-Gefahr" mehr? Verpasst man so nicht Chancen, sich duch Input von Anderen und Kooperationen etc. weiterzuentwickeln? Das gilt natürlich nicht nur für Dissertationen, aber durchaus auch hier, denke ich: Nur wer sein Wissen teilt, kann neues Wissen erlangen!

Habt Ihr nicht manchmal das Bedürfnis, Euch viel offener mit anderen Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit über Euer Thema austauschen zu können? Ist es nicht ärgerlich, wenn vielleicht mehrere Forscher an ähnlichen Themen forschen, ohne miteinander zu kommunizieren?

Ging mir so durch den Kopf :)

Gruß
Mr. Wood
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Re: Eigenes Thema verheimlichen?

Beitragvon Eva am 30.09.2008, 19:28

Ich habe eigentlich immer recht offen über mein Thema erzählt und hatte auch nie die Befürchtung, damit zu viel zu verraten. (Zugegeben, Internet ist was anderes). Ich konnte mir aber auch ziemlich sicher sein, dass niemand das Gleiche bearbeiten würde, sonst sähe die Sache vielleicht anders aus?

Etwas verlagert kenne ich das Problem aber auch: Man trifft ja im Laufe der Promotion auch den einen oder anderen "Kollegen", der an einem ähnlichen Thema bzw mit Überschneidungen arbeitet. Dabei ergibt sich dann oft die Frage eines gewissen Erkenntnis- (oder sogar Material-)Austauschs. Was das betrifft, bin ich auch manchmal unsicher. Einerseits freue ich mich, wenn jemand mir unerwartet umfangreich hilft, andererseits möchte ich im Gegenzug nicht meine Rechercheergebnisse einfach so an andere weiterreichen (solche Anfragen zu beantworten kostet allein schon viel mehr Zeit, als ich bereit bin, aufzubringen).

@Mr Wood: Das klingt schon schön, wie du es dir vorstellst. Gegen einen grundsätzlichen Austausch ist auch nichts einzuwenden und es wäre vermutlich tatsächlich wünschenswert, wenn der viel häufiger stattfände. Trotzdem sehe ich nicht ein, warum ich z.B. mehrere Stunden investieren soll, um einem anderen Historiker meine Archivkopien passgenau für sein Thema zusammenzustellen, so dass er sich den Archivbesuch sparen kann (bei Archiven unterschreibt man im übrigen, genau das nicht zu tun). In so einem Fall ziehe ich es vor, mit allgemeinen Angaben zu dienen, welche Archive mit welchen Beständen für dessen Thema relevant sein könnten, mehr aber auch nicht.
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Re: Eigenes Thema verheimlichen?

Beitragvon Sebastian am 30.09.2008, 22:30

Nick hat schon ziemlich genau beschrieben, wie ich es mit meiner Diss gehalten hatte. "Das Verbot von Weltanschauungs- und Religionsgemeinschaften" war damals am Rande eines Trends, weil die Furcht vor Scientology ordentlich durch die Medien ging und dabei auch ein Verbot immer mal diskutiert wurde.
Ich habe damals die Newsgroup de.soc.weltanschauung.scientology mitgelesen und jemanden bemerkt, der auch etwas juristischer fragte und argumentierte. Getroffen oder gesprochen habe ich ihn nie, obwohl eine Mailadresse dabei war, aber ich war lange in Sorge, er könne eher fertig sein als ich. Und dann wäre es nur ein schwacher Trost gewesen, wenn ich "nur ein bißchen den Schwerpunkt" hätte verschieben müssen.
Der Deutsche Bundestag hat hinterher aber trotzdem nicht auf mich gehört, obwohl ich mit meinem Thema Erster geblieben bin :wink:
Und man muß auch sagen: Die Diss ist regelmäßig eine ganz individuelle Leistung - und das ist aus meiner Sicht eben doch etwas anderes als Teamwork. Wenn es nicht um solche Einzelleistungen geht, teile ich Wissen außerordentlich gern in dem von Mr. Wood beschriebenen Sinne, wie man vermutlich an meinen Internetprojekten unschwer erkennen kann und fühle mich deshalb über Egoismus-Vorwürfe erhaben :) Wissenschaftliche Anerkennung haben mir diese Projekte allerdings keine gebracht.
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Re: Eigenes Thema verheimlichen?

Beitragvon Böhnchen am 01.10.2008, 03:26

Hallo zusammen,

auf der gröberen Ebene, bei Verortung, Grobstruktur und Forschungsfragen bin ich gesprächig, das muss ich aufgrund meiner Datenerhebung auch sein. Ich würde aber z.B. keine Unterlagen herausgeben. Auch auf meinem Diss-Citavi sitze ich wie die Henne auf dem Ei.

Wenn ich Euch so lese bin ich ein wenig froh. Mein Thema selbst ist nicht klaubar zwecks Feldzugang, das Feinkonzept per se schon, daher meine Zurückhaltung, aber selbst das wird in der Ausprägung gerade niemand parallel aufbauen. Zu speziell.

Grüße vom
Böhnchen
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