Stipendium schmeißen für Promotion neben Job??

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Stipendium schmeißen für Promotion neben Job?

Beitragvon Bridget am 01.07.2008, 14:11

Hallo zusammen,

ich brauche dringend Euren Rat!

Zuerst meine derzeitige Situation: Ich habe seit April 2008 ein Stipendium, das mir bis April 2010 die ausschließliche Arbeit an der Diss. ermöglicht. Ich habe etwa 2 Jahre Vorarbeit hinter mir und würde die Diss in der Stipendiumszeit definitiv beenden können. Ca. 1/4 ist schon geschrieben, der Rest sehr gründlich anrecherchiert. Ich bin im Moment 29, eine Uni-Karriere nach der Diss ist unwahrscheinlich, da ich keinerlei Lehrerfahrung habe und extern promoviere, und an meinem Promotionslehrstuhl die talentierten Frauen schon Schlange stehen. Ach ja, und ich bin verheiratet, mein Mann ist allerdings Künstler und verdient nicht viel.
Ich darf neben dem Stipendium auch ein bisschen Geld dazuverdienen, aber nicht mehr als 10 Stunden die Woche arbeiten. Diese 10 Stunden habe ich bis jetzt in einem Büro gearbeitet, das vom Themenfeld her direkt mit meinem Forschungsgegenstand zu tun hat, eigentlich untersuche ich schwerpunktmäßig sogar direkt die Entwicklung eines bestimmten Themenstranges innerhalb genau dieser Firma in den letzten 50 Jahren; den Chef muss ich auch für die Diss. noch interviewen. Die Atmosphäre dort ist super, Kollegen nett, Arbeit spannend, Bezahlung in Ordnung, außerdem ist es ein Feld, in das ich auch nach der Diss. gerne gehen würde, d.h. die Arbeitserfahrung bringt mir auch was.

Jetzt mein Problem: Gerade hat ein Mitarbeiter dort gekündigt, und es ist sicher, dass ich seinen Job angeboten bekomme. Ich habe schon viel in dem Bereich gearbeitet und wäre meinem Chef ganz klar die erste Wahl. Das wäre dann Vollzeit. Ich sehe mich in einer Zwickmühle, weil ich nicht einfach Nein sagen kann, ohne den Chef vor den Kopf zustoßen (der nicht nur einer der zentralen Interviewpartner der Diss, sondern auch mein Hauptarbeitgeber ist/war...), aber auch nicht einfach Ja sagen kann, ohne die Diss zu begraben.

Mir fallen folgende Möglichkeiten ein:
1. Job annehmen, Diss auf Eis legen.
2. Job absagen, Stipendium weitermachen, allerdings womöglich Interviewpartner weg.
3. Job annehmen unter der Voraussetzung, dass mir zugesichert wird, dass ich in der Arbeitszeit an der Diss weitermachen kann, z.B. 2/3 Job, 1/3 Diss oder ähnliches. Das würde meine Diss Zeit auf geschätzte 5 Jahre ausdehnen.
4. versuchen, zu erreichen, dass er für 1 Jahr jemand anders befristet einstellt, und danach den Job annehmen. (scheint mir allerdings selbst eine unwahrscheinliche Variante)

Fällt Euch noch was weiteres schlaues ein? Ich bin echt schwer verwirrt. Wenn die mir den Job in 2 Jahren angeboten hätten, hätte ich sofort Ja gesagt. Aber jetzt? Und ist Variante 3 realistisch, also würde man das schaffen, die Diss mit 2 Tagen die Woche zu schreiben? Irgendwie tendiere ich gerade dazu - was meint ihr, was spricht von außen betrachtet dafür bzw. dagegen?

Bin für jede Anregung dankbar!
Viele Grüße,
Bridget
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Re: Stipendium schmeißen für Promotion neben Job?

Beitragvon acoma am 01.07.2008, 19:28

Daß mit 2/3 oder 1/3 ist zwar vom Ideal her schön, aus Deiner Sicht, und objektiv, aber normal nicht aus Sicht eines Arbeitsgebers. Diese mißverstehen so einen Reduktionswunsch oft als fehlendes Engagement, indirekt signaliesrt Du damit, daß Dir die Diss. wichtiger ist, als das Engagement am Arbeitsplatz, was Arbeitgeber überhaupt nicht mögen.
Ich kenn mich mit Stipendien nicht aus: Sind die gleich verwirkt, wenn man eine Vollzeittätigkeit aufnimmt? Ich glaub doch nicht. Und kannst Du nicht auf Probe die Vollzeit machen, probier es aus, 3 Monate oder 6 Monate, ob es geht, und Du glz. mit der Diss. weitermachen kannst, und halt Dir solange das Stipendium offen. Dann, nach dieser Probezeit, kann ja vielleicht auch nur 6 Wochen oder so gehen, entscheidest Du: Vollzeit arbeiten mit Diss. nebenbei, Teilzeit mit Diss. (wenn der Arbeitsgeber, nachdem Du Dich unentbehrlich gemacht hast, einverstanden ist, und das unterstützt), oder eben den Job ganz wieder weggeben, weil es, als Du dann richtig voll drin warst, sich zu einer Enttäuschung entwickelt hatte, und, wenn Du das Stipendium noch hast, dann klüger geworden, in der übrig gegebliebenen Zeit die Diss. klar noch fertigbringst.
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Re: Stipendium schmeißen für Promotion neben Job?

Beitragvon Bridget am 01.07.2008, 20:37

Hallo acoma,

meinst Du, Diss. schreiben neben Vollzeitjob geht? Ich meine, ich weiß, dass das manche machen, aber ich stell es mir unglaublich schwierig vor, weil abends nach dem Arbeiten bin ich erst einmal platt, und dann bliebe ja nur das Wochenende, ich weiß nicht, wie lange man das produktiv durchhält?
Und wenn ich den Job annehme, wäre das Stipendium definitiv weg. Da darf man nur wegen Krankheit oder Katastrophen pausieren...
Den Test, den Du vorschlägst, habe ich allerdings eigentlich schon mal gemacht: Ich bin bevor ich das Stipendium hatte mal 3 Monate für denjenigen eingesprungen, der jetzt kündigt, und dachte mir in Vorfeld "klar geht da was für die Diss nebenher" - aber es hat sich als Illusion rausgestellt. Ich neige halt dazu, den Job dann auch 100 Prozentig zu machen, zumal er sehr spannend ist, wenn man sich ein bisschen den eigenen Interessen nach engagiert, und da blieb irgendwie dann gar keine Zeit mehr übrig... (Deswegen dachte ich, es ist vielleicht möglich, die Diss zum Teil des Jobs zu machen, dass man da nicht mehr in Diskussionen mit sich selbst kommt.)
Das gute daran ist: Ich habe mich sozusagen schon soweit "unentbehrlich gemacht", wie das so geht, auf jeden Fall meinte der Chef, er wüsste gar nicht, wen er sonst fragen soll. Was ja eine nicht so blöde Ausgangslage für die Mischformen wären, die ich mir gerade zusammenphantasiere...
Zudem untersuche ich die Arbeitsergebnisse seiner Firma zu großen Teilen als Beispiele, da sie Vorreiter in dem untersuchten Gebiet waren, also könnte man optimistisch betrachtet meinen, dass sie auch was davon haben. Auch wenn Du Recht hast, dass das Arbeitgeber meist anders sehen...
Ich schätze die Chance so 50/50 ein, dass er sich auf 2/3 1/3 oder sowas einlassen könnte - die Frage bleibt: Ist das eine bessere Perspektive als das Stipendium?
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Re: Stipendium schmeißen für Promotion neben Job?

Beitragvon Schtudinki am 01.07.2008, 21:21

Hallo Bridget,

als Vollzeitangestellte kann ich Dir meine Erfahrungen berichten - die allerdings sicher nicht einfach so auf Dich und Deine Situation übertragbar sind.

Vollzeit + Promotion geht definitiv, erfordert allerdings ein hohes Maß an Disziplin und ein mindestens ebenso großes Maß Realismus. Wer dazu neigt, Dinge gerne 200%tig zu machen wird hier sicher bald an seine Grenzen stoßen. Auch ist meiner Meinung nach die eigene charakterliche Disposition zu berücksichtigen. Ich bspw. brauche Aktion und Abwechslung und bin bei zu viel Zeitangebot definitiv deutlich weniger produktiv als bei normaler Arbeitsbelastung durch den Job. Mein Job ist allerdings nichts "Besonderes", ich übersetze, schreibe Briefe etc., geh aus der Firma und verliere keinen Gedanken mehr daran. Wenn ich Leerlauf habe, dann kann ich auch mal was für die Diss recherchieren oder einen Artikel lesen.

An Deiner Stelle würde ich versuchen Teilzeit durchzusetzen. Er könnte Dich für 30 Stunden einstellen + dazu eine 400 Euro Kraft.

Ich wünsch Dir viel Spaß beim Entscheiden... :wink:
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Re: Stipendium schmeißen für Promotion neben Job?

Beitragvon Eva am 01.07.2008, 21:28

Hallo Bridget,

da stellt sich für mich die Frage: Wie einzigartig ist dieses Job-Angebot? und: Wie schwierig ist es, in Deinem Bereich einen Deinen Interessen und Deiner Qualifikation entsprechenden Job zu finden? (Eventuell gibts da noch andere Kriterien zu beachten, z.B. Ortsgebundenheit etc.)
Ist es generell eher schwer, irgendwo reinzukommen, würde ich das Angebot nutzen - wer weiß, ob nochmal eines kommt. Ist aber absehbar, dass du nach der Diss eh gut unterkommst, würde ich die Gelegenheit verstreichen lassen im Vertrauen auf weitere Job-Angebote zu einem passenderen Zeitpunkt.

Außerdem: Warum promovierst du? Wo willst du beruflich hin?
Wenn du promovierst, um an bestimmte Jobs zu kommen, die du ohne Titel nicht bekämst, solltest du dem Abschluss der Diss alles andere unterordnen. Wenn aber der angebotene Job schon dem entspricht, was du dir grundsätzlich vorstellst, ist eben die Frage, ob du dann nicht jetzt schon dort angekommen wärst, wo dich eigentlich erst die Diss hinbringen sollte. Die könnte dann entsprechend auf der Prioritätenliste etwas nach unten rutschen.

Wenn es irgend geht, würde ich aber versuchen, beides zu verbinden, ich sehe da die Chancen auch nicht so schlecht, schließlich sollte etwas Verständnis für deine Situation in der Firma doch vorhanden sein.
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Re: Stipendium schmeißen für Promotion neben Job?

Beitragvon Bridget am 01.07.2008, 22:50

@Schtudinki
Erst mal danke für die Ermunterung! Gut zu hören, dass es bei Dir klappt! Ich neigte im Job zwar bisher eher zu der 200 % Variante, aber bin der Hoffnung, dass ich das für den guten Zweck zurückschrauben könnte. Und eigentlich habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass ich besser voran komme, wenn ein bisschen Druck von der anderen Seite kommt, und nicht alle Zeit der Welt vorhanden ist, die verbummelt man dann auch schnell mal unbewusst... 5 Jahre scheint mir halt eine lange Zeit, wie Du sagst, Disziplin und Realismus :?

@Eva
Du triffst den Nagel auf den Kopf!
Also...
Es ist schon relativ schwierig, in meinem Bereich einen Job zu bekommen, zumindest festangestellt. Ich arbeite schon seit Jahren als Freie für die Firma und fühle mich da auch sehr wohl.
Ich promoviere nicht direkt auf einen bestimmten Job hin, könnte mir für die Zukunft aber schon Bereiche vorstellen, die mich interessieren, in denen eine Promotion definitiv von Vorteil wäre bei der Bewerbung (z.B. Museum). Das Thema selber ist eher ein Liebhaberthema, wäre jetzt (außer für die Firma, die mir den Job angeboten hat, haha) also nicht direkt ein Grund mich anzustellen.
Der angebotene Job entspricht nicht 1:1 meinem Idealjob, aber ist schon ziemlich nah dran, da er in dem Bereich ist, in den ich möchte, und ich neben einem festgelegten, eher pragmatischen Aufgabenfeld ziemlich viele Freiheiten hätte, mich in allen Bereichen der Firma mit einzubringen, wie ich möchte. Zudem bestände womöglich die Chance, in der Hierarchie in Richtung meines Idealjobs aufzurücken, wenn wohl auch nicht innerhalb der nächsten 5-10 Jahre (da müsste schon jemand in Rente gehen...).

Fazit? Vor allem, nachdem ihr meint, das geht prinzipiell, kommt mir die - wie auch immer realisierte - Teilzeitvariante immer besser vor. Ich verstehe mich sehr gut mir dem Chef, von daher kann ich mir schon vorstellen, dass er mir zumindest 1 Tag die Woche für die Diss zusagt.
Ich hab noch ein wenig Bedenken wegen des Durchhaltevermögens, das man dann für die Diss braucht, aber wie Eva sagte, die könnte ja dann entsprechend auf der Prioritätenliste etwas nach unten rutschen.

Ohne Euch von weiteren guten Ratschlägen abhalten zu wolllen erstmal ein großes DANKE!
Langsam werden die Dinge zumindest ein bisschen klarer...
Bridget
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