Wie finanziert Ihr Euch die Promotion?

Finanzplanung, Stipendien incl. und Muster-Gutachten für eine Stipendienbewerbung, Krankenversicherung als Doktorand
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Re: Wie finanziert Ihr Euch die Promotion?

Beitragvon nK am 14.11.2008, 07:31

Hallo Tina,

ich habe mit Stipendium (FES) promoviert. Da jedoch zu Beginn noch nicht klar war, ob das klappt, hatte ich - wie kuniko völlig zu Recht empfiehlt - mehrgleisig geplant. D.h. ich hatte einen "Plan B", der darin bestanden hätte, das eine Jahr mit vom Gehalt meiner Frau zu leben.

Aber mit Stipendium ist das natürlich sehr viel besser, weil:
- der finanzielle Aspekt nicht zu verachten ist :wink:
- man sehr viele gute Kontakte bekommt und in Seminaren viel lernt
- die Stiftung zusätzlich diszipliniert, weil man bereits für die Bewerbung ein Exposé machen muss, vor dem man sich sonst vielleicht drücken würde
- ein Stipendium immer auch eine Auszeichnung ist
- die Stiftung bei schwierigen Problemen mit Deinem DV ein guter Ansprechpartner sein kann, da sie beraten, aber notfalls auch ihre Autorität gegenüber dem Prof. ausüben kann

Also falls Du irgendwo einen Anknüpfungspunkt zu einer Stiftung siehst, würde ich es auf jeden Fall versuchen!

Viel Erfolg!
Martin
nK
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Re: Wie finanziert Ihr Euch die Promotion?

Beitragvon Mathilda am 14.11.2008, 12:52

Hallo Tina,

meine Finanzierung ergibt sich durch meine WiMi-Tätigkeit. Bei uns sind volle Stellen unüblich, es schwankt zwischen 75% und 50%. Beides geht einigermaßen, 50% sind schon ein wenig knapp (Du kriegst ungefähr 1.000 Euro dabei raus, je nach Versicherungen und so), mit 75% kommt man gut klar. Dazu kommen noch Projekttätigkeiten, die ganz ok bezahlt sind (das ist aber natürlich Verhandlungssache mit dem Prof und dem Projektpartner). Bitte beachten: Es gibt sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen an den Lehrstühlen, ich kann natürlich nur aus meiner Erfahrung berichten.

Vorteile sind
    -Nähe zum DV
    -es ist interessant, mal die "andere" Seite an der Uni kennen zu lernen
    -Lehre etc. sind schon eine spezielle Erfahrung und sicherlich sehr wertvoll für den weiteren Berufsweg, man trainiert z.B. Reden vor vielen Menschen und so
    -man lernt insgesamt super-viel

Nachteile sind
    -ganz vorn: Doppelte Abhängigkeit vom DV, unter Umständen wird das sehr ausgenutzt - man hat wenig in der Hand, um sich "ihm" entgegenzustellen
    -je nach Fach erheblicher Arbeitsaufwand an der Uni, Wochenarbeitszeiten von 60-70 Stunden OHNE Diss - und das bei halbem bis dreiviertel Gehalt
    >> hoher Frustfaktor
    -sehr viele administrative Tätigkeiten, die weit entfernt von Forschung sind

Unterm Strich muss ich sagen - ein LS-Job ist dann ok, wenn man ihn wirklich aus Spaß an diesem Job macht. Wenn es darum geht, schnell die Diss zu schreiben und sich v.a. auf Forschung zu konzentrieren, ist man falsch. Ich bin mittlerweile schon ein wenig desillusioniert (bin 5 Jahre dabei, aber ein Ende zeichnet sich ab, juhu), deshalb musst Du wahrscheinlich bei meinen Schilderungen Abstriche machen :wink: Im Rückblick muss ich auch sagen - so widersprüchlich es klingt - ich würde es wieder machen. Ich habe viel gelernt, sowohl fachlich als auch im Bereich Durchsetzungsvermögen/Rhetorik, als auch über Menschen und über mich. Es ist aber ein Job mit einem recht hohen Frustfaktor, und ich kennen niemanden, der nicht ein paar Mal kurz davor stand, alles hinzuschmeißen vor lauter Frust und Wut. Ich glaube, als Studi macht man sich häufig etwas falsche Vorstellungen von der WiMi-Tätigkeit.

Sorry, wenn das etwas durcheinander klingt.
Ich wünsche Dir jedenfalls die richtige Entscheidung und viel Spaß bei der Diss!
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Re: Wie finanziert Ihr Euch die Promotion?

Beitragvon swm am 15.11.2008, 13:04

Hallo Tina,

Also ich gehe nebenher "normal" arbeiten, d. h. ich schreibe eine externe Promotion, die aber nichts mit meinem jetzigen Job zu tun hat.
Ich würde Dir empfehlen, wenn du Bedenken hast, den Job und die Promotion zeitlich nicht hinzubekommen, einfach Teilzeit in einem grösseren Unternehmen zu arbeiten, z. B. in den Bereichen PR oder Marketing. Grössere Unternehmen haben meistens den Vorteil, dass Du Deine Arbeit dort erledigst und nicht viele Überstunden absolvieren musst (wegen den Gewerkschaften gibt es meistens Arbeitszeiterfassungen)
Das "normale" Arbeiten hat den immensen Vorteil, dass man im Vergleich zum Uni Job und zu den Stipendien um einiges mehr verdient. eine Freundin von mir hat so ein Stipendium und erhält unter 1500 Euro im Montat...und in diesem Stipemdium ist keine Arbeitslosenversicherung und Rentenanspruch enthalten, d. h. sie muss sich selber noch absichern...
Viele Grüsse
swm
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Re: Wie finanziert Ihr Euch die Promotion?

Beitragvon Tina am 17.11.2008, 12:07

Vielen Dank für Eure interessanten Schilderungen, die alle sehr hilfreich sind!
Mir scheint, dass es alles sehr davon abhängt, was man für ein Typ ist. Mir ist wichtig, dass ich nebenbei
noch eine regelmässige Tätigkeit habe. Und angenehm wäre es, wenn sie thematisch nicht völlig fern von meiner Diss ist
und ich dabei noch etwas Geld verdiene (muss nicht viel sein, aber sollte nicht unter 1000Euro liegen).
Auch wenn eine WiMi-Stelle nicht nur Vor-, sondern auch jede Menge Nachteile hat (vielen Dank @Mathilda für die übersichtliche Auflistung und Deine ausführlichen Schilderungen!), scheint es mir doch keine schlechte Idee, so eine Stelle anzunehmen (sofern ich überhaupt eine bekäme). Aber sicherlich macht es Sinn, mich parallel für ein Stipendium zu bewerben um nicht letztlich mit leeren Händen dazustehen. Um noch "mehrgleisiger" :D zu fahren, kann ich mich ja auch noch nach anderen Stellenanzeigen umschauen, vielleicht hat plötzlich das Umweltministerium eine halbe Stelle zu vergeben...
Obwohl es mich anfangs eher verwirrt hat, bin ich inzwischen eher beruhigt in Anbetracht der verschiedenen Möglichkeiten sich eine Promotion zu finanzieren. Vor- und Nachteile scheint es (wie immer) überall zu geben und sofern mir mehrere Möglichkeiten offen stehen sollten (was ja auch nicht immer gesagt ist), muss ich die wohl nach persönlichen Interessen abwägen.
Der Punkt, dass ein Stipendium zumeist weder Arbeitslosenversicherung noch Rentenversicherung enthält und höchstens für drei Jahre vergeben wird, scheint mir z.B. relevant. Allerdings hat man dann mehr Zeit für die Diss.... Für ein Kinderwunsch während der Promotionszeit scheint es mir wieder sinnvoll, angestellt zu sein...
Und schon bin ich mitten im Abwägungsprozess :P
Nochmal herzlichen Dank für alle Antworten und ich freue mich schon auf weitere Schilderungen!
Liebe Grüsse
Tina
Tina
 
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Re: Wie finanziert Ihr Euch die Promotion?

Beitragvon Raziel am 17.11.2008, 13:35

Also ich habe bis heute Probleme damit, meine Promo, aus der ich zumindest offiziell aussteigen musste, zu finanzieren. Ich bewerbe mich um Jobs und Stipendien, habe aber beides bislang noch nicht erhalten. :(
Mein DV hält weiter zu mir und unterstützt mich bei meinen Stipendiumsanträgen, wofür ich mich bei ihm auch immer wieder bedanke. Aber bislang sind schon zwei Stipendien abgeschmettert worden.
Ich überlege jetzt, ob ich eine ehrenamtliche Mitarbeit im Stadtarchiv beginne und so irgendwann an eine TZ-Stelle dort rankomme. Mal schauen.
Raziel
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Re: Wie finanziert Ihr Euch die Promotion?

Beitragvon Lestat am 25.11.2008, 09:26

Dann auch von mir in der geboteten Kürze ein Erfahrungsbericht:

Habe von Anfang an gearbeitet (Rechtsanwalt), allerdings das erste Jahr nur mit einer drei-Tage-Stelle, dann Vollzeit, und Dissertation an den übrigen Tagen der Woche. Im Ergebnis bedeutet dies keine, oder zumindest nur sehr wenige, Wochenenden in einem Zeitraum von ca. 1,5-2 Jahren und ein Minimum an Urlaub.

Für mich war es allerdings optimal, da es der willkommene Ausgleich zum Kanzleialltag war und für mich als Berufsanfänger ein stufenweiser Einstieg. Würde ich jederzeit wieder so machen.

Beste Grüße
L.
Lestat
 
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