von Böhnchen am 13.11.2008, 10:07
Hallo Tina,
bei jemandem in meinem Umfeld habe ich zu meinen Studienzeiten gesehen, wie hart und kompliziert eine vom Job unabhängige externe Diss neben einem fordernden Vollzeit-Job sein kann. Doktorvater am anderen Ende Deutschlands, Schwierigkeiten Bücher zu bestellen und dann abzuholen, weil man vor Ort nicht unbedingt Zugriff auf die Fernleihe bekommt, die immense Doppelbelastung frisst jegliches Privatleben, mitunter auch die Beziehung, die Wochenenden und am Ende gabs für eine sehr gute Arbeit keine sehr gute Note, weil Externe dort aus Prinzip schlechter gestellt wurden als Interne. Muss nicht immer so sein, war in dem Fall wohl auch Extrem, weil der Job sehr fordernd, reise- und zeitintensiv war, kann aber auch bei anderen Parametern streckenweise hart werden.
Mit Promotionsstellen in den größeren Firmen kann man Glück haben, das ist aber auch nicht unbedingt gesagt, Teile dessen, was ich als Ergebnis solcher Mischstellen gesehen habe, haben mich auf der wissenschaftlichen Seite nicht überzeugt und wenn der Chef dort nicht zuweilen ein schützendes Händchen über Dich hält, damit Du nach stressigen Projektphasen wenigstens ein bisschen Ruhe zum schreiben hast, dann ähnelt auch so eine Stelle eher dem obigen Szenario, nur zum halben Geld eben.
In dem Bereich habe ich eine Weile meine Fühler ausgestreckt, letztlich aber nicht zugeschlagen, weil ich projekt- und führungstechnisch kein gutes Gefühl hatte.
Als es dann ernst wurde habe ich primär nach internen Stellen als Assi an einer Uni gesucht. Wobei ich dazu sagen muss, ich habe genügend auf dem Arbeiterfahrungs-Konto, sodass mir später keiner vorwerfen wird, ich hätte für mein Alter zu wenig Arbeitserfahrung außerhalb der Uni. Suchen und Finden einer Unistelle hat bei mir auch sehr problemlos funktioniert.
Inzwischen sehe ich das Dilemma der doppelten Abhängigkeit in einer solchen Stelle auch anders, bzw. kritischer, wenn Du auf einer Stelle danach landest, kommst Du auch an der Uni nicht wirklich en passent zur Diss, müsste ich wieder eine Stelle suchen, wäre ich da noch achtsamer und kritischer.
Ich habe letztlich trotzdem Glück gehabt. Ich habe hier zwar viel zu tun und dafür geht weit mehr Zeit drauf als das, wofür ich tatsächlich bezahlt werde, dennoch bleibt meist noch Zeit für die Diss und die Vorteile einer Uni-Infrastruktur helfen dabei, angefangen von Gleichgesinnten hinter den Türen nebenan, über Bibliothek, Hiwis, Diplomanden, Softwareausstattung, Zugriff auf Experten im Hause etc. Das ist es mir auch wert, nicht unbedingt ein volles Gehalt zu haben.
Böhnchens 5ct
und viele Grüße