Ich habe gerade in Germanistik (Neuere Deutsche Literatur) meine Examensarbeit geschrieben, worauf hin mein Prof mich gefragt hat, ob ich nicht in NDL promovieren möchte. Ich habe mich zwar sehr über dieses Angebot gefreut, da es ja auch eine große Leistungsanerkennung ist, aber eigentlicht hatte ich vorgehabt, in Geschichte zu promovieren...
[zum Hintergrund, damit meine Situation etwas klarer wird:
Ich mache zwei Abschlüsse (weil ich gemerkt habe, dass ich doch nicht nach dem Studium zurück in die Schule möchte)
1) Lehramt, Germanistik und Geschichte (fertig Mai 2009)
2) Magister, Neuere Geschichte (HF), VWL und Friedens- und Konfliktforschung (Beginn der Mag-Arbeit Juni 2009]
Mein ursprünglicher Plan: Ich wollte mein Mag-Thema so wählen, dass es im direkten Zusammenhang mit der zukünftigen Diss steht - da ich zu diesem Zeitpunkt ja auch schon examiniert sein werde, würde ich auch versuchen, meinen Prof unmittelbar in dieses Vorhaben einzubinden, sodass ich die Formalitäten für den Promotionsausschuss und Vorbereitung für Stipendienbewerbung soweit vorantreiben kann, dass ich dann am Ende des Magisterabschluss direkt in die Promotion starten kann (dabei geht's mir vor allem um den formalen Status: Unterhalt, Semesterticket, Studentenstatus etc.)
In Geschichte wollte ich promovieren, weil ich bereits während eines Forschungsseminars gemerkt habe, dass ich die Arbeit und Recherche in Archiven sehr spannend finde.
In Germanistik wollte ich nicht promovieren, weil ich für mich persönlich mittlerweile den wissenschaftlichen Nutzen nicht mehr erkenne - gerade die NDL scheint imho sehr weit oben im Elfenbeinturm zu agieren... (alle anwesenden Germanisten mögen mir dieses Urteil nicht übel nehmen...
...und nun die "Promotionseinladung" aus der NDL...
ich könnte meine Pläne dieser Möglichkeit anpassen und mein Mag-Thema in Geschichte auf mein potenzielles NDL-Promotionsthema hin verändern
was für mich persönlich dafür spricht
- mein Prof ist (zumindest im Moment) recht bemüht um mich
- er ist thematisch sehr flexibel
- eigentlich interessiert mich die NDL schon und mein Prof hat (versucht) mir Wege aufzuzeigen, auf denen ich auch für die NDL in Archiven arbeiten kann
- ich weiß natürlich nicht, ob meine Geschichtspromotionspläne wirklich aufgehen würde - hier hätte ich jetzt schon mal 'was "sicher"
EDIT: die NDL ist für mich vor allem aus Schulzeiten eine "Herzensangelegenheit", deshalb wollte ich auch unbedingt noch einmal in NDL Examensarbeit schreiben (ich hätte mir auch die Geschichts-Mag.Arbeit komplett fürs Staatsexamen anerkennen lassen können). Nach dem Abitur war Deutsch für mich die kontinuierlich 1. Wahl, Geschichte ist hingegen erst im 3. "Anlauf" zu meinem Studienfach geworden. D.h. eigentlich besteht eine Passion u. auch Intuition für NDL, aber das Studium hat mich davon etwas abgebracht...
was für mich persönlich dagegen spricht
- ich habe mich in den letzten Jahren eher als Historikerin betrachtet
- das NDL-Institut ist mir nicht sehr sympathisch
- ich habe die NDL seit dem Grundstudium gemieden (wg. überfüllter, langweiliger und ineffektiver Seminare), auch weil ich bei einem Auslandssemester an der Uni Wien gesehen habe, dass NDL-LVs auch ganz anders ablaufen können
- mein Prof ist maximal zwei Tage in der Woche (im Semester) an der Uni - wohnt 500km entfernt...
- mein Prof ist etwas "unaufmerksam" (er hat mir Themenvorschläge gemacht, die er aus meiner Examensarbeit abgeleitet hat, aber tatsächlich nur mit einer sehr großen Toleranz tatsächlich etwas damit zu tun haben; soll heißen, ich habe das Gefühl, er weiß jetzt schon nicht einmal mehr genau, worüber ich eigentlich geschrieben habe - wie soll das dann bei einer mehrjährigen Arbeit werden?)
- mein Prof ist menschlich etwas anstrengend, Gespräche sind selten konstruktiv (das hat sich ein wenig geändert, seitdem er mich von einer NDL-Promotion überzeugen will) - in Geschichte wäre dieser menschliche Aspekt positiver
ach ja, was für mich generell für die Promotion entscheidend ist:
- dass ich persönlich von dem Thema überzeugt bin und unbedingt daran arbeiten möchte (die wissenschaftliche Relevanz ist mir dabei nicht ganz so wichtig...
- dass mein Prof bereit ist, mich bei Krisen vor allem mental zu unterstützen (indem er sich die Probleme einfach anhört und interessiert ist), die fachliche Unterstützung sehe ich dann eher als Kür an...
So, das ist die Situation. Ich bin wirklich hin- und hergerissen und daher für jeden Hinweis dankbar, was ich bei dieser Entscheidung vielleicht noch berücksichtigen sollte, oder ob ihr, die ihr euch ja alle bereits für ein Promotionsthema entschieden habt, evtl. andere Gewichtungen meiner Argumente vornehmen würdet.
Auf jeden Fall schon mal vielen Dank an alle, die sich die Mühe gemacht haben, meinen Beitrag bis hierhin zu lesen!

