in welchem Fach promovieren? (Germanistik od. Geschichte?)

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in welchem Fach promovieren? (Germanistik od. Geschichte?)

Beitragvon Nika am 21.09.2008, 20:10

Hallo!

Ich habe gerade in Germanistik (Neuere Deutsche Literatur) meine Examensarbeit geschrieben, worauf hin mein Prof mich gefragt hat, ob ich nicht in NDL promovieren möchte. Ich habe mich zwar sehr über dieses Angebot gefreut, da es ja auch eine große Leistungsanerkennung ist, aber eigentlicht hatte ich vorgehabt, in Geschichte zu promovieren...

[zum Hintergrund, damit meine Situation etwas klarer wird:
Ich mache zwei Abschlüsse (weil ich gemerkt habe, dass ich doch nicht nach dem Studium zurück in die Schule möchte)
1) Lehramt, Germanistik und Geschichte (fertig Mai 2009)
2) Magister, Neuere Geschichte (HF), VWL und Friedens- und Konfliktforschung (Beginn der Mag-Arbeit Juni 2009]

Mein ursprünglicher Plan: Ich wollte mein Mag-Thema so wählen, dass es im direkten Zusammenhang mit der zukünftigen Diss steht - da ich zu diesem Zeitpunkt ja auch schon examiniert sein werde, würde ich auch versuchen, meinen Prof unmittelbar in dieses Vorhaben einzubinden, sodass ich die Formalitäten für den Promotionsausschuss und Vorbereitung für Stipendienbewerbung soweit vorantreiben kann, dass ich dann am Ende des Magisterabschluss direkt in die Promotion starten kann (dabei geht's mir vor allem um den formalen Status: Unterhalt, Semesterticket, Studentenstatus etc.)
In Geschichte wollte ich promovieren, weil ich bereits während eines Forschungsseminars gemerkt habe, dass ich die Arbeit und Recherche in Archiven sehr spannend finde.
In Germanistik wollte ich nicht promovieren, weil ich für mich persönlich mittlerweile den wissenschaftlichen Nutzen nicht mehr erkenne - gerade die NDL scheint imho sehr weit oben im Elfenbeinturm zu agieren... (alle anwesenden Germanisten mögen mir dieses Urteil nicht übel nehmen... :) )

...und nun die "Promotionseinladung" aus der NDL...
ich könnte meine Pläne dieser Möglichkeit anpassen und mein Mag-Thema in Geschichte auf mein potenzielles NDL-Promotionsthema hin verändern

was für mich persönlich dafür spricht
- mein Prof ist (zumindest im Moment) recht bemüht um mich
- er ist thematisch sehr flexibel
- eigentlich interessiert mich die NDL schon und mein Prof hat (versucht) mir Wege aufzuzeigen, auf denen ich auch für die NDL in Archiven arbeiten kann
- ich weiß natürlich nicht, ob meine Geschichtspromotionspläne wirklich aufgehen würde - hier hätte ich jetzt schon mal 'was "sicher"

EDIT: die NDL ist für mich vor allem aus Schulzeiten eine "Herzensangelegenheit", deshalb wollte ich auch unbedingt noch einmal in NDL Examensarbeit schreiben (ich hätte mir auch die Geschichts-Mag.Arbeit komplett fürs Staatsexamen anerkennen lassen können). Nach dem Abitur war Deutsch für mich die kontinuierlich 1. Wahl, Geschichte ist hingegen erst im 3. "Anlauf" zu meinem Studienfach geworden. D.h. eigentlich besteht eine Passion u. auch Intuition für NDL, aber das Studium hat mich davon etwas abgebracht...


was für mich persönlich dagegen spricht
- ich habe mich in den letzten Jahren eher als Historikerin betrachtet
- das NDL-Institut ist mir nicht sehr sympathisch
- ich habe die NDL seit dem Grundstudium gemieden (wg. überfüllter, langweiliger und ineffektiver Seminare), auch weil ich bei einem Auslandssemester an der Uni Wien gesehen habe, dass NDL-LVs auch ganz anders ablaufen können
- mein Prof ist maximal zwei Tage in der Woche (im Semester) an der Uni - wohnt 500km entfernt...
- mein Prof ist etwas "unaufmerksam" (er hat mir Themenvorschläge gemacht, die er aus meiner Examensarbeit abgeleitet hat, aber tatsächlich nur mit einer sehr großen Toleranz tatsächlich etwas damit zu tun haben; soll heißen, ich habe das Gefühl, er weiß jetzt schon nicht einmal mehr genau, worüber ich eigentlich geschrieben habe - wie soll das dann bei einer mehrjährigen Arbeit werden?)
- mein Prof ist menschlich etwas anstrengend, Gespräche sind selten konstruktiv (das hat sich ein wenig geändert, seitdem er mich von einer NDL-Promotion überzeugen will) - in Geschichte wäre dieser menschliche Aspekt positiver

ach ja, was für mich generell für die Promotion entscheidend ist:
- dass ich persönlich von dem Thema überzeugt bin und unbedingt daran arbeiten möchte (die wissenschaftliche Relevanz ist mir dabei nicht ganz so wichtig... ;) )
- dass mein Prof bereit ist, mich bei Krisen vor allem mental zu unterstützen (indem er sich die Probleme einfach anhört und interessiert ist), die fachliche Unterstützung sehe ich dann eher als Kür an...


So, das ist die Situation. Ich bin wirklich hin- und hergerissen und daher für jeden Hinweis dankbar, was ich bei dieser Entscheidung vielleicht noch berücksichtigen sollte, oder ob ihr, die ihr euch ja alle bereits für ein Promotionsthema entschieden habt, evtl. andere Gewichtungen meiner Argumente vornehmen würdet.

Auf jeden Fall schon mal vielen Dank an alle, die sich die Mühe gemacht haben, meinen Beitrag bis hierhin zu lesen! :)
Zuletzt geändert von Nika am 21.09.2008, 20:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: in welchem Fach promovieren? (Germanistik od. Geschichte?)

Beitragvon Kuniko am 21.09.2008, 20:32

Hallo,
also ich als Germanistin (und leidenschaftliche NDLerin :wink:) würde sagen - mach's in Geschichte. Dein Post liest sich finde ich sowieso schon sehr entschieden und ich merke selbst, wie wichtig ein Thema ist, an das man auch sein Herz hängen kann. Ich würde vielleicht, wenn das menschlich bei Euch funzt, einfach mal den potentiellen Geschichts-DV fragen, wie das so aussieht oder weißt du da schon was? So wie ichs verstanden habe willst du im Mai nächsten Jahres damit loslegen? Ich finde, dann kann man schon mal grob anfragen.
Ich kann mir allerdings auch vorstellen, dass in der NDL prinzipiell immer eine Mischung möglich wäre, so nach dem Motto: Die historischen Entwicklungen von xy in der zeitgenössischen literarischen Rezeption. Aber da müsste dann natürlich der Schwerpunkt auf dem Literarischen liegen und um die Lit.-Theorie kommst du da auch nicht bei rum.
Was du sicher auch überlegen musst, ist, wie du die Promotion finanzieren willst. Schließt das Angebot am NDL-Lehrstuhl eine Stelle mit ein? Wäre das in der Geschichte dann auch möglich oder müsstest du die Diss. dann anders finanzieren? Oder willst du sowieso extern schreiben und das wäre egal?

Liebe Grüße, Kuniko
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Re: in welchem Fach promovieren? (Germanistik od. Geschichte?)

Beitragvon Nika am 21.09.2008, 21:24

Hallo Kuniko,

faszinierend, dass sich mein Beitrag für dich schon sehr entschieden anhört - das bin ich doch gar nicht ;) Habe auch gerade noch mal ergänzt: eigentlich liegt auch mir die NDL am Herzen (thematisch), während mir die Geschichte eher methodisch am Herzen liegt. Ich denke, das sind die beiden Pole, zwischen denen ich hin- und herschwanke.

Ich plane, wie erwähnt, eine externe, stipendienfinanzierte Promotion (weil ich keine sechs Jahre dafür verwenden möchte, was in Geschichte als WiMa wohl üblich ist... :shock: ) - und mein Prof hat auch nichts im Hinblick auf eine mögliche Stelle erwähnt. Die äußeren Umstände würden sich also nicht ändern.

In meiner Examensarbeit habe ich den Aspekt der Zeiterfahrung in autobiografischen Texten über den NS analysiert [mein Themenwunsch]. Also ein kulturwissenschaftlicher Zugang, bei dem ich mir mein kleines textanalytisches Modell entwickelt und entsprechend angewendet habe. Der Schwerpunkt lag dabei vor allem auf der Textanalyse, weniger auf der theoretischen Fundierung (Beschränkung, die dem Umfang der Examensarbeit geschuldet werden musste).
Mein Prof hat mir nun vorgeschlagen etwas im Bereich Literarizität vs. Faktizität in der "NS-Lit" zu machen... hier könnte ich also die NDL schon mit historischer Methodik verbinden...
Hast du dir dein Diss-Thema denn selbst ausgesucht oder war die NDL-Begeisterung groß genug, um auch ein vorgeschlagenes Thema zu bearbeiten?

Bevor ich mich an meinen potenziellen DV in Geschichte mit einer konkreten Promotionsanfrage wende, wollte ich mich erst einmal von einem anderen Gesch-Prof, der mich ganz gut kennt, "beraten" lassen... :D
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Re: in welchem Fach promovieren? (Germanistik od. Geschichte?)

Beitragvon Eva am 22.09.2008, 09:14

Hallo Nika,

und hier die Sicht der Historikerin: :wink: Machs in Geschichte!

Deine Geschichte erinnert mich total an meine eigenen Promotionsanfänge. Ich hatte in einem interdisziplinären Studiengang studiert und mich im Verlauf des Hauptstudiums innerlich für die Geschichte entschieden, wo ich im Anschluss promovieren wollte. Parallel kam ein neuer NDL-Prof an die Uni, der sehr spannende Sachen zum NS-Film angeboten hat. Ich hatte dort sehr viel Spaß, habe viel gemacht und bekam am Ende von dem Prof das Angebot, bei ihm in Germanistik zu promovieren. Wie nun du habe ich mich auch über die Anerkennung gefreut und es vor allem als Bestätigung genommen, dass mich auch andere für geeignet halten (nicht nur ich :wink: ). Anders als bei dir stand für mich aber relativ schnell fest, dass ich das Angebot nicht annehmen werde, obwohl es durchaus Vorteile gehabt hätte (in der Stadt und an der bekannten Uni bleiben, wo ich mich sehr wohl gefühlt habe, einen Betreuer haben, mit dem ich auf jeden Fall gut klar komme). Bei Geschichte dagegen war alles offen: Es war klar, dass ich dafür die Uni wechseln werde, Betreuer und Thema waren da noch nicht in Sicht; trotzdem: Mein Herz schlug für die Geschichte (ums mal pathetisch auszudrücken). Ich fand NDL immer nett, so nebenbei, aber für mich nicht relevant genug, um mehrere Jahre an einem NDL-Thema zu sitzen und: nachher ein Leben lang als Germanist rumzulaufen. Ich persönlich sehe die beruflichen Möglichkeiten für Historiker günstiger als für Germanisten - das kommt aber auch daher, dass mich das meiste, was Germanisten offen steht, nicht interessiert... Vielleicht solltest du das auch in deine Überlegungen miteinbeziehen, die Zeit nach der Diss, deine beruflichen Ziele?

Beide Fächer sind nur was für Enthusiasten (sonst hätten wir längst auch BWL oder Jura studiert :wink: ), also halte ich es für sinnvoll, das eigene Brennen für ein Fach/Thema zur Richtschnur zu machen - mehr jedenfalls, als nur materielle Aspekte

Wenn du eh für dich schon lange entschieden hast, dass du lieber Historiker und nicht Germanist sein willst, muss dich das NDL-Angebot davon nicht abbringen. Nimms als schöne Anerkennung, und lass dich davon nicht weiter beeinflussen!

Alles Gute für die Entscheidung
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Re: in welchem Fach promovieren? (Germanistik od. Geschichte?)

Beitragvon Aguti am 22.09.2008, 13:05

Hallo Nika,

ich finde auch, dass es sich so anhört, als ob du innerlich sowieso schon zu Geschichte tendierst - dann würd ich es auch machen.
Was Eva angesprochen hat, finde ich auch wichtig: Was möchtest du später mal machen? Kannst du dir evtl. sogar eine Uni-Karriere vorstellen, und wenn ja, als Germanistin oder Historikerin?

Schöne Grüße und alles Gute für die Entscheidung
Aguti
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