Hallo Zusammen,
ich möchte gerne in intensiveren Kontakt mit dem Forschungszentrum meiner Wahl treten, fürchte mich aber davor, Fehler zu begehen. Mit Bewerbungen in der Industrie bin ich wohl vertraut, und habe meist sehr erfolgreiche Gespräche geführt.
Ich befürchte allerdings, dass es sich mit Doktoren und Professoren anders verhält, als mit Geschäftsmännern der IT Branche.
Deshalb möchte ich vor weiteren Handlungen hier noch ein paar Meinungen einholen.
Ich bestreite derzeit während der Vollzeitarbeitsstelle ein Fernstudium in England.
In vorraussichtlich 2 Jahren werde ich den Bachelor Honours erhalten, in England ist dieser in etwa vergleichbar mit dem deutschen Diplom, 4 Jahre Regelstudienzeit, anders als der kürzere deutsche Bachelor, und eher vergleichbar mit dem amerikanischen.
Lange Rede kurzer Sinn: In England befähigt ein Bachelor Honours Abschluss zur Promotion, ist die übliche Zugangsvorraussetzung. Und das, obwohl der Bachelor Honours im Normalfall _keine_ Thesis (Diplomarbeit) beinhaltet.
An englischen Universitäten wäre ich sicherlich wilkommen, aber ich habe vor, in Deutschland zu bleiben. Und an deutschen Universitäten halte ich eine Promotion für ausgeschlossen, hier wird generell Diplom oder Master verlangt.
Das zum Hintergrund. Ich habe mich jetzt in ein ganz bestimmtes Forschungszentrum, nicht allzu weit von meinem derzeitigen Wohnort, verliebt. Da es mich völlig wahnsinnig macht, nicht zu wissen, was in 2 Jahren mit mir ist, habe ich Erstkontakt hergestellt, und versucht zu klären, ob eine Promotion an einer ausländischen Universität generell unmöglich ist.
Ich habe Kontakt mit dem Leiter des Institutes meiner Wahl aufgenommen, und er hat mir sehr schnell und sehr ausführlich geantwortet. Er hat mir geraten, mich mit meiner Anfrage an den Doktorandenausschuss zu wenden.
In derselben e-Mail hat er mir allerdings noch eine Projektgruppe genannt, in der Doktorprogramme vergeben werden, zusammen mit der e-Mail Adresse des möglichen Betreuers.
Nach kurzer Absprache mit dem Doktorandenausschuss wurde klar, dass meine Konstellation möglich ist. Grundvorraussetzung für mich ist, dass ich einen Betreuer finde, der einen Antrag für mich stellt. Zusammen mit ihm muss ich ein Arbeitsprogramm einreichen. Dann wird der Ausschuss entscheiden, ob eine Promotion innerhalb von 3 Jahren möglich ist, dies ist Vorraussertzung am FZ.
Interne Promotionsprogramme an englischen Universitäten sind auf eine Laufzeit von 3 Jahren angelegt, oft auch auf eine Laufzeit von maximal 4 Jahren beschränkt. Ich denke, ich kann davon ausgehen, dass 3 Jahre intern in Vollzeit hier in etwa 3 Jahren extern in Vollzeit entsprechen, diese Bedingung also von Seiten der Universität erfüllt ist.
Ich muss also einen Betreuer im Forschungszentrum finden, und die Wachsen nicht an Bäumen. Es gibt derzeit keine ausgeschriebenen Doktorstellen, noch sind mögliche Betreuer aufgelistet. Der einzige Anhaltspunkt ist der Betreuer, den der Institutsleiter mir nannte. Dieser hingegen ist Professor an einer deutschen Universität, und seine Projektgruppe gehört quasi zu dieser Uni.
Zu welchem weiteren Vorgehen würdet ihr mir jetzt raten?
Ich könnte den Institutsleiter bitten, mir weitere mögliche Doktorplätze zu nennen, und mit ein paar Betreuern Kontakt aufnehmen.
Ich könnte mich auch an den Betreuer wenden, den er mir bereits nannte.
In beiden Fällen hätte ich aber vermutlich wenig sinnvolles zu sagen, immerhin werde ich noch 2 Jahre lang studieren, und kann mich noch nicht bewerben.
Soll ich den Kontakt jetzt erstmal für ein Jahr brachliegen lassen?
Und wenn ich jetzt erst einmal abwarte, sollte ich das dem Institutsleiter in irgendeiner Form kommunizieren?
Eine Danke-für-Ihre-Antwort e-Mail halte ich zwar für sinnlos, aber freundlich.
Wie lange sollte ich vor dem nächsten Kontakt warten? Sollte es sich da dann direkt um eine formelle Bewerbung handeln, oder eine informelle e-Mail?
Hinzu kommt, dass ich mit der Arbeit des Instituts nicht vertraut bin, und sehr gerne mehr darüber erfahren würde. Die 2 Jahre solle nicht ungenutzt ins Land gehen, ich erhoffe mir durch besseres Vorwissen erhöhte Chancen beim ersten ernsten Gespräch.
Am Forschungszentrum werden Werktags verschiedene Kurse angeboten, aber mein Resturlaub auf der Arbeit bietet nicht mehr besonders viel Spielraum, und ich hätte deshalb nur noch einen Tag dieses Jahr Zeit.
Sollte ich versuchen, im weiteren Dialog ins Institut eingeladen zu werden, oder einfach initiativ und annonym den Kurs meiner Wahl besuchen?
Ein Master ist für mich leider nicht im Bereich des möglichen, der finanzielle Engpass während der Promotion muss wohl kalkuliert sein, und dass das Forschungszentrum nach 3 Jahren den Hahn zudreht, stört mich nicht weiter - ohne vernünftiges Einkommen kann es nicht ewig gehn. Würde ich diesen Engpass jetzt durch einen Master um 1-2 Jahre verlängern, käme ich in die Bredoullie. Dies werde ich erst tun, wenn mir nichts anderes übrig bleibt.
Kann ich eurer Meinung nach irgendetwas tun, um meine fehlende Erfahrung in wissenschaftlicher Arbeit zu kompensieren, die ich bei einer Diplomarbeit erlangt hätte?
Es sind viele Fragen geworden, aber ich freue mich auf eure Antworten. Toll ist es natürlich, wenn jemand mit Bewerbungserfahrung mir sagen könnte, worauf ich im Gegensatz zu Bewerbungen und Dialogen in der freien Wirtschaft (Bereich IT) besonders achten muss.