Einstieg in die Welt der Wissenschaft

Anfangen mit der Diss: Abgeschlossene Diskussionen (Doktorvatersuche, Expose...)
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Einstieg in die Welt der Wissenschaft

Beitragvon futlib am 28.08.2008, 13:52

Hallo,

ich möchte in absehbarer Zeit mit meiner Dissertation beginnen, bald kommt die Bewerbungsphase. Ich habe zuvor allerdings noch ein Problem zu lösen.

Ich studiere Informatik an einer Fernuniversität, und arbeite währenddessen in Vollzeit als Software-Entwickler. Bisher bin ich immer sehr glücklich mit dieser Kombination gewesen, da ich Theorie und Praxis gleichzeitig erlebe, ausserdem fehlt es bei der Konstellation nicht am Geld, und die Familie lässt sich bequem finanzieren - einer der Hauptgründe.

Der Nachteil der Fernuniversität ist es meiner Meinung nach, dass der Smalltalk im akademischen Umfeld ausbleibt. Bei meinen Kommilitonen handelt es sich hauptsächlich um arbeitstätige, pragmatische Menschen, die sich nicht in besonderem Masfür Forschung interessieren, auch mit den Professoren finden Unterhaltungen eher selten, und wenn, sehr pragmatisch statt.

Demzufolge habe ich, obgleich es schon immer mein Traum war, in die Wissenschaft zu gehen, nur eine sehr grobe Ahnung, wie die Dinge dort funktionieren. Bevor ich mich auf die Kostenfalle Dissertation stürze, würde ich diesen Umstand gerne ändern.

Darüber hinaus möchte ich nicht in ein Bewerbungsgespräch mit einem Professor gehen, und nicht die Spur einer Ahnung haben, was aktuell interessante Forschungsbereiche in meinem Fach sind, und in welche Richtung es sich bewegt. Es wäre schon schön, wenn ein möglicher Doktorvater mich in dieser Beziehung an die Hand nehmen würde, aber wie bei einem Bewerbungsgespräch in der Industrie, möchte ich nicht ganz ungeschliffen durchstarten.

Deshalb bitte ich euch um Hilfe, besonders jene, von meinem Fach:
- Wie verfolgt ihr aktuelle Forschung, gerade in Hinblick auf eurer Wunschthema?
- Wo bezieht ihr wissenschaftliche Veröffentlichungen? Lest ihr diese regelmässig?

Und kann mir gar jemand mit Fernuni Erfahrungen einen Rat geben, wie ich mich auf die, für mich
ganz neue "Forschungswelt zum Anfassen" vorbereite? Ich halte meine praktische Arbeitserfahrung
für sinnvoll, aber nicht ausreichend.

Und aus Interesse: Fühlten sich alljene von euch, die an einer Anwesenheitsuniversität studieren haben, in dieser Hinsicht ausreichend an die Hand genommen? Oder fühlten sich auch einige von euch an einem Punkt ins kalte Wasser geworfen?

Für Links, Tipps und Hinweise wäre ich sehr dankbar!
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Re: Einstieg in die Welt der Wissenschaft

Beitragvon gunna am 28.08.2008, 17:55

Hi,

ich bin bereits Informatik-absolvent und fange jetzt an zu promovieren. Vielleicht kann ich ein wenig schildern bzw. auf deine fragen eingehen: (auch wenn das meine persönliche Meinung ist)
Wie verfolgt ihr aktuelle Forschung, gerade in Hinblick auf eurer Wunschthema?


Gute Frage - ich tue mich da noch schwer weil ich erst komplett am Anfang stehe. Naja nicht ganz - ich setze auf meiner Diplomarbeit auf. Ich weiß wo der Stand der Forschung da ist. Trotzdem ist eien Diss viel mehr - ich will mich weiterbilden. Ich habe durch den wissenschaftlichen Austausch am Lehrstuhl schon mehrere Bücher empfohlen bekommen. Die werde ich versuchen zu schlingen. Gleichzeitig melde ich mich für Workshops an die ausgeschrieben werden. Ich kann auch jederzeit zum Doktorvater gehen und fragen - schließlich ist er jemand der bescheid wissen sollte. Ich werde auch versuchen Publikationen zum Themengebiet zu finden und zu verstehen, zu lesen, mich inspirieren lassen wo ich vielleicht einen weiteren sinnvollen Ansatz fände bzw. wo ich mein Thema hinlenken könnte.
Mir persönlich war der wissenschaftliche Austausch wichtig bei der Diss aber da ist jeder anders. Wenn ich jetzt. z.B. eine Frage zu einem mathematischen Problem habe kann ich natürlich einfach mal einen Mathematiker am Lehrstuhl fragen - dauert vielleicht kürzer als erst mal ein Buch zu wälzen...

Wo bezieht ihr wissenschaftliche Veröffentlichungen? Lest ihr diese regelmässig?


Noch von nirgendwo - ich bin auch gerade auf der suche...aber der doktorvater wäre schonmal eine richtige anlaufstelle denke ich. Oder mal Lehrstuhlmitarbeiter fragen....

Fühlten sich alljene von euch, die an einer Anwesenheitsuniversität studieren haben, in dieser Hinsicht ausreichend an die Hand genommen? Oder fühlten sich auch einige von euch an einem Punkt ins kalte Wasser geworfen?


Ich habe an einer Anwesenheitsuni studiert - habe aber zu 90% alles selbst zu Hause gemacht. So war ich schneller und die Vorlesungen fand ich verlorene Zeit weil ich sowieso 95% selbst wiederholen musste. Also von dem Aspekt finde ich eine Fernuni IM BEREICH Informatik nicht unbedingt "schlechter". Die meiste Zeit sitzt man eh vorm coden oder Infos aus dem Netz ziehen.

Ich an Deiner Stelle würde schauen mit was sich der Lehrstuhl beschäftigt bzw. in welche Richtung Du forschen wirst. Da gibt es auf Lehrstuhlseiten auch oft Downloadbare ehemalige Dissertationen oder Paper und da gibt es haufen Referenzliteratur herauszufiltern aus den dokumenten. Oder Vorlesungsfolien oder einfach den DV anschreiben.
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Re: Einstieg in die Welt der Wissenschaft

Beitragvon Anyway am 29.08.2008, 09:07

Hi futlib,

ich denke vor dem Problem "woher krieg ich meine Infos" stehen auch fast alle "Anwesenheitsuni-Absolventen".
Gerade in der Informatik ist Google Dein Freund, insbes. Google Scholar. Auch Springerlink, IEEE und ACM bieten sehr viele Infos und Artikel zum runterladen, wenn man denn darauf Zugriff hat (ACM und IEEE muss man "nur" Mitglied werden, das kostet nicht die Welt und ist steuerlich absetzbar, Springerlink geht idR nur ueber die Uni). Auch Citeseer ist eine super Sache, wobei ich immer per Google gesucht und dann bei Citeseer runtergeladen habe, da die Suche von Citeseer eher mittelmaessig ist; dafuer kann man Verlinkungen in der Bibliographie absurfen usw. Sehr empfehlenswert!

An die Hand genommen werden glaube ich die wenigsten Promovierenden. Man muss sich seine Literatur, Infos usw. im wesentlichen selbst zusammensuchen. Ich habe uebrigens nur ein einziges Buch zu meinem "groben Thema" gekauft und den Rest der benoetigten / interessanten Artikel aus dem Internet gezogen. In der Informatik (bin Wirtsch.informatikerin) ist die aktuellste Forschungsarbeit eh nicht in Buchform verfuegbar...

Viele Gruesse
Anyway

Edit Sebastian: Links aufgenommen.
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Re: Einstieg in die Welt der Wissenschaft

Beitragvon Meggy am 29.08.2008, 09:35

hallo futlib

ich stimme generell Anyway in allem Gesagten zu - einzig das Mitglied werden bei ACM ist nicht immer unbedingt nötig. Ich bin nämlich bei meiner Uni mittlerweile nicht mehr eingeschrieben, trotzdem aber bei der Bib als Benutzer registriert (das geht auch extern und ohne Kosten bei uns) und habe daher kostenlos Zugriff auf ACM bzw allg viele elektronische Zeitschriften und Artikel.
Abgesehen davon wird man auch bei uns nicht "an die Hand genommen" (und ich finde, gerade das, dass man die Promo allein auf die Beine stellen muss, macht ja grad die Qualifiaktion an der Sache aus!). Zwar kenne ich meinen Betreuer aus Studien- und Diplomarbeitszeiten, und kann jederzeit bei Fragen zu ihm kommen (bzw mailen etc) ABER das heißt nicht, dass er mich durch die Promo führt ;-) Als wir Anfang des Jahres über mögliche Themen nachdachten meinte er lediglich "mach Dich mal zu Themenbereich XY schlau" - und das wars ;-)
Da ich als Externe promoviere, dh ohne Stelle am LSt, bin ich auch nicht so eingebunden und vertraut mit den "wissenschafltlichen Abläufen". Aber da kann man sich schon reinfinden ;-). Fachdiskussionen finden daher momentan auch meist nur zwischen meinem Betreuer und mir statt, und eher selten mit anderen LSt Mitarbeitern, was aber völlig logisch ist da ich max einmal die Woche an der Uni auftauche ;-)

Generell würde ich Dir raten, mit google anfangen, grase alles mal ab was so grob in Richtung Deines (Wunsch)Themas geht. Meist finden sich hier schon erste Anzeichen, wer so DIE Fachleute für Dein Gebiet sind. Die dann auf jeden Fall weiter untersuchen (andere Veröffentlichungen, deren Website mal anschauen etc). Ansonsten über ACM oder Citeseer suchen, und wenn Du so ne grobe Idee bekommst, was so die relevanten Zeitschriften bei Dir sind (wenn man ein paar Artikel gelesen hat, weiß man nach und nach auch, wo die veröffentlciht wurden ;-) ) auch die mal durchgehen, entweder online, die meisten stellen zumindest Inhaltsverzeichnis und Abstracts online, oder schauen ob die in Deiner Uni Bib verfügbar sind, oder über die elektronische Zeitschriftenbibliothek Deiner Bib... Mach Dich in den Grundzügen Deines Themas (oder auch nah verwandten, da sollte man evtl am Anfang nicht gleich versteifen finde ich, denn manchmal ergeben sich die richitg interessanten Fragen auch erst aus der Diskussion mit dem DV) vertraut und dann VIEL GLÜCK beim Bewerbungsgespräch :D

Evtl magst Du uns ja zu gegebener Zeit berichten, wie es gelaufen ist? :)
Liebe Grüße,
Meggy

(Final Spurt 2012)

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Re: Einstieg in die Welt der Wissenschaft

Beitragvon futlib am 01.09.2008, 15:02

Danke für eure vielen Antworten!

Es ist schon ermutigend, zu lesen, dass es normal ist, vor ner hohen Mauer zu stehen :)

"In absehbarer Zeit" wurde von mir etwas gedehnt, genauer genommen fernstudiere ich noch ca. 2 Jahre, möchte diese Zeit aber gerne nebenbei auch nutzen, um ein bisschen reinzukommen. Auf Anhieb würde mir derzeit keinesfalls ein halbwegs sinnvolles Thema einfallen, nicht einmal ein Themenbereich.

Ich habe mit dem Forschungszentrum meiner Wahl bereits Kontakt, und bringe in Erfahrung, ob die mich mit meinem englischen Bachelor Honours nehmen, sieht gut aus.

Zur Problematik: Deutsche Universitäten setzen in der Regel deutsche Master oder Diplome vorraus. Studiert man im Ausland, so hat man Ärger. In meinem Fall ist der Bachelor Honours nicht mit dem deutschen Bachelor zu verwechseln, in England hat der eine Studienzeit von 4 Jahren, und ist mit dem Diplom vergleichbar. Lediglich eine thesis (Diplomarbeit) gibt es bei mir in Computing nicht - diese, und _nur_ diese wäre dann der Master. Allerdings ist es in UK üblich, ENTWEDER den Master ODER den Bachelor zu machen.

Und das muss man halt jedem, der einem in der deutschen akademischen Landschaft so begegnet erklären. Ich sehe es nicht unbedingt ein, einen Master für eine deutsche 08/15 Uni zu machen, wo mein Abschluss mich doch zum Promovieren an den angesehensten englischen Universitäten befähigt.

Daher setze ich mich mit dem Forschungszentrum auseinander, um zu prüfen, ob ich extern an einer englischen Universität promovieren kann, aber im FZ arbeiten kann.
Sieht soweit auch gut aus, abgesehen davon, dass ich natürlich aus meinem Studium keinen potentiellen Betreuer habe, sondern mir selbst im Zentrum einen suchen müsste. Diese sind wiederum alle Professoren an einer Universität in der Nähe, und die Doktoren promovieren auch generell gleich an dieser Uni. Da kommt es dann wohl nur darauf an, dass ich überzeugen kann.

Ich werde einen potentiellen Betreuer jetzt bald mal anschreiben, und erfragen, in welche Richtung bei denen die Forschung in den nächsten Jahren geht, und wie ich mich schon jetzt gemächlich vorbereiten könnte.
Nicht nur der Antworten wegen, sondern einfach um mal einen Erstkontakt herzustellen.

Naja, und wenn die ganze Geschichte bei mir konkreter wird, werde ich bestimmt noch ein paar weinerliche Threads eröffnen :)
futlib
 
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