Als FH'ler zum Doktortitel - ein paar Fragen

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Als FH'ler zum Doktortitel - ein paar Fragen

Beitragvon DrinfInf am 11.01.2009, 14:01

Hallo Community,

bin durch meine Recherchen auf dieses Forum hier aufmerksam geworden. Nach dem ersten Drüberschauen kann ich nur ein großes Lob für Struktur und Qualität der Inhalte aussprechen und hoffe nun, Ihr könnt mir in meiner derzeitigen Situation ebenfalls helfen.

Ich habe nach allgemeiner Hochschulereife und Berufsausbildung einen Studium der Wirtschaftsinformatik absolviert, dies "dummerweise" nur an einer Fachhochschule.
Jetzt spiele ich mit dem Gedanken, meinen Doktortitel zu machen...

Frage 1: Zur Sinnhaftigkeit.
Bringt das einem FH-Absolventen überhaupt etwas? Klar, abgesehen von dem angesehenen Titel und der eventuell besseren Karrierechancen...als FH-Absolvent darf man trotzdem selbst keine Vorlesungen halten, oder? D.h. die sind reinen Uni-Absolventen vorbehalten, oder? Ich meine, dies so mal gelesen zu haben...Ist das korrekt?

Frage 2: Zur Möglichkeit.
Die entsprechende Hochschule muss das Promotionsrecht haben, richtig? D.h. dies haben momentan nur Universitäten. Ich selbst komme aus Bayern, würde das hier auch durchziehen wollen und hätte somit grob 11 Universitäten zur Verfügung.
Laut Promotionsordnungen unterscheiden die sich doch gravierend. Manche wollen eine Eignungsprüfung, andere anscheinend nicht...
Ich hab gelesen, dass die Qualität des Doktortitels auch stark mit dem Renomee der Forschungseinrichtung zu tun hat, ist das korrekt?

Frage 3: Fächer-/Themenwahl.
Ich schließe vorraussichtlich mit einem 1,3er Diplom ab, dies dürfte demnach kein Hindernisgrund sein. Als WI'ler hängt man aber so bisschen zwischen
den Stühlen. Wirtschaftlich? Als rer.nat. in der Informatik?
Ich hab gesehen, man kann teilweise auch seinen Doktor direkt in WI machen, habe in Bayern allerdings noch keine Hochschule dazu gefunden.
Frage: Wie ist es mit der "Heimatnähe" während der Doktorarbeit? Wenn man zu seinem Doktorvater gute Connections hat, muss man dann unbedingt direkt
um die Ecke wohnen?

Soviel mal zum Anfang...würde mich freuen, wenn Ihr ein paar Hilfestellungen für mich hättet...

Vielen Dank.
DrinfInf
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Re: Als FH'ler zum Doktortitel - ein paar Fragen

Beitragvon Koenigsportal am 11.01.2009, 16:58

Hallo,

vielleicht hilft dir diese Diskussion schon ein bisschen weiter.

http://doktorandenforum.de/board/externe-doktoranden-f18/bei-doktorvater-um-kopf-und-kragen-geredet-t1142.html#p10916

Dort ging es darum, mit einem B.A.-Abschluss direkt zu promovieren, und ein FH-Diplom sollte dem ja wohlmindestens ebenbürtig sein.

Grüße, koenigsp.
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Re: Als FH'ler zum Doktortitel - ein paar Fragen

Beitragvon DrinfInf am 11.01.2009, 17:07

Danke schon mal, werd ich mir durchlesen
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Re: Als FH'ler zum Doktortitel - ein paar Fragen

Beitragvon hampton am 11.01.2009, 18:44

Hallo,
ich habe auch an einer FH studiert (Maschinenbau auf Diplom) und werde, wenn alles glatt geht, im April/Mai mit meiner Promotion beginnen.
Über die Möglichkeiten der direkten Promotion als FH-ler habe ich mich auch informiert und bin zu dem Schluss gekommen, dass das nicht ganz einfach ist. Man ist auf das Wohlwollen der DV und des Prüfungsausschusses angewiesen und muss oft entweder ein Promotionsstudium machen oder eine ganze Reihe von Prüfungen.

Letztendlich habe ich mich an einer Uni eingeschrieben, an der in 3 Semestern inkl. DA ein Uni-Abschluss auf das FH-Diplom zu bekommen ist. In dieser Variante sehe ich rückblickend mehrere Vorteile.

1. Man lernt die Uni, Leute und vorallem Professoren kennen. Ich denke, dass ich wenn ich da vorletztes Jahr einfach so dahergekommen wäre keine Chance auf eine Diss gehabt hätte und jetzt ist der Prof auf mich zugekommen. Während meiner Zeit an der Uni war ich noch Hiwi und da bekommt man dann schon mit wo, in jeder Beziehung, der Hase langläuft.

2. Das was ich in den drei zusätzlichen Semestern gelernt habe ist nicht unbedeutend, ich würde sogar soweit gehen, dass ohne diese Kenntisse eine Promotion schon ein sehr dicker Brocken ist. Das was einem in der Theorie fehlt (und das tut es einfach, egal wie gut die FH war. ich war an einer die als anspruchsvoll gilt...) muss man sich ja trotzdem irgendwie aneignen.

3. Die persönliche Entwicklung ist ein weiterer Punkt. Eine Diss ist schon ein anderes Kaliber als eine Diplomarbeit oder Bachelor-Thesis und da gehört einiges an Self-Management, Selbsständigkeit, Durchhaltevermögen und fachlichen Kenntnissen dazu. Ich kann nur für mich sprechen aber nach der FH würde ich mir rückblickend keine Promotion mehr zutrauen. Das weißt du aber selber am Besten.

Zu deinen Fragen:

1. Ich denke mal Dr. ist Dr.. Da gibt es keinen Unterschied auf welchem Weg man den bekommen hat. (mal abgesehen von gekauft etc.)

2. Promotionsrecht haben nur Universitäten. Ich habe mal gehört, dass es FHs gibt die eine Kooperation mit Universitäten haben. Da wäre dann der DF ein Uni-Prof und der Zweitprüfer ein FH-Prof. Die Arbeit selber kann dann an der FH gemacht werden. Keine Ahnung wo es das gibt und ob sowas eine gute Lösung ist.

3. Ich bin der Meinung, dass eine örtliche Nähe zum DV schon sehr hilfreich ist, im Idealfall im Büro nebenan.

Wieso muss es eigentlich Bayern sein? Ich bin auch einer aber im Gegensatz zum Abi ist das Niveau der Universitäten etc. in Bayern bestimmt nicht höher. Oder was hast du für Gründe?
hampton
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Re: Als FH'ler zum Doktortitel - ein paar Fragen

Beitragvon Böhnchen am 11.01.2009, 23:00

Hallo!


Zu Deinen Fragen:
1. Vorlesungen darfst Du an der Uni nur als Prof. halten, streng genommen. Aber Seminare, Proseminare etc. hält ja auch schon der gemeine Assi ansich, der Habilitand im Rahmen der Lehreignung oder der Ergänzung des Angebots. Was später zählt ist der höchste ak. Grad, und das ist dann der Dr. Das ist dann z.B. spannend, wenn Du in den öffentlichen Dienst gehst.

In Winfo macht der Dr. weniger bei den Karrierechancen und beim Gehalt als anderswo. In einer der großen Unternehmensberatungen hast Du damit ggf. Vorteile, aber riiiiesig sind die auch nicht. Ein Dr. in Deinem Fach ist eher Freude am Forschen oder Wunsch nach 2 Buchstaben mehr auf der Visitenkarte. Sinn? Musst Du Deine Motivation prüfen.

2. Universitäten haben das Promotionsrecht. Ein FH-Mitarbeiter arbeitet an der FH und läuft an einer Uni als externer Doktorand mit. Mitunter gibt es Kontakte zwischen Prof. und Prof. FH, da schiebt der FH-Prof. seinen Mitarbeiter beim alten Doktorvater unter. Die FH kann mitbetreuen und versuchen mitzureden, offiziell liegen Gutachten und Zweitgutachten bei der Uni.
Qualität des Doktortitels... bist Du bei einem Guru der Disziplin ist das sicherlich ein Türöffner - oder Schließer, je nachdem. :wink:
Aber das ist eher vom DV als von der ganzen Uni abhängig und selbst das sehe ich nicht so gravierend. Gutes Projekt, spannendes Thema, kreativ bearbeitet und gut wissenschaftlich bearbeitet kann besser sein als eine lasche langweilige Diss bei einem bekannten DV.

3.
Ob Du zugelassen wirst ist, wie Du schon geschrieben hast, von der Promotionsordnung und vom DV abhängig.
Ergänzend: In manchen POs gibt es sehr strikte Formulierungen (zu den besten 10% des Jahrgangs), erfüllst Du die nicht, kann der Ausschuss/der DV auch nichts machen. In manchen sind Schwammklauseln "nach Ermessen/nach Prüfung durch den Ausschuss". Da brauchst Du Deinen Doktorvater im Rücken und der ein entsprechendes Standing in der Fakultät.
Nähe ist nie schlecht, aber nicht zwingend notwendig, wenn der Arbeitsinhalt Dich nicht dazu zwingt.

Dr.-Art: Wirtschaftsinfo ist nirgends als Fakultät etabliert, zu kleiner Ausschnitt bzw. Zwischenglied zwischen den beiden anderen Fächern, insofern wirst Du Dich entscheiden müssen, in welcher Fakultät (BWL oder Info) Du die Prüfung machst. Oder andersrum, je nachdem, wie Dein Thema gewählt ist, wird man Dir die Anmeldung empfehlen, denn der Ausschuss, der frageberechtigt ist, sollte auch in der Lage sein, Fragen zu stellen. :wink:
Ich schließe aus dem letzten Satz, dass Du nicht als Mitarbeiter an eine Uni willst, sondern parallel zum Beruf die Promotion machen willst? Dann hast Du natürlich auch weniger Möglichkeiten, das, was an der Uni anders ist en passent mitzunehmen, das wäre fast schade, finde ich.
Schau Dich doch mal gezielt nach Promotionsstellen bei Unternehmen um..... die haben gute Kontakte zu den Unis, das erhöht die Chance auf Betreuung.

Ich würde in dem Fall aber parallel arbeiten, wenn Du wirklich promovieren willst. Exposé anfangen und Lehstühle klappern - und einen Master in Vorbereitung halten, denn mit dem bist Du bei entsprechenden Noten dann überall berechtigt und nicht nur dort, wo man ein Herz für gute FHler hat und das, was Du an Zusatzwissen mitnimmst ist auch nicht zu verachten und es erhöht einfach Deine Chancen, angenommen zu werden.
All das unter der Voraussetzung, dass wir von einem FH-Diplom sprechen. Mit einem BA halte ich es für nahezu aussichtslos, direkt mit der Diss zu starten.

Grüße
vom Böhnchen
Böhnchen
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