Richtige Organisation - Selbstzweifel am Anfang

Anfangen mit der Diss: Abgeschlossene Diskussionen (Doktorvatersuche, Expose...)
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Richtige Organisation - Selbstzweifel am Anfang

Beitragvon gunna am 01.10.2008, 21:43

Hallo,

ich stehe am Anfang meiner Diss und bin jetzt schon sehr durcheinander weil ich einfach im Moment noch im kalten wasser stehe. Ich promoviere in Informatik habe aber einen starken Bezug zur Mathematik. Meine Selbstzweifel lassen mich etwas verunsichern:

1) Ich habe das Gefühl das ich zu wenig Mathe kann und büffele jetzt Literatur die Grundwissen schafft. Leider weiß ich dass ich die gesamte Mathematik nie nachholen werden kann weil es einfach viel zu viel Zeit frisst. Ich fühle mich einfach mit zu wenig Wissen angereichert. Ich glaube ständig ich müsste als Doktorand viel viel mehr wissen. Ich stelle mir vor irgendeine Übung halten zu müssen und dann käme eine triviale frage und ich könnte die nicht beantworten. Das wäre mir schon sehr peinlich. Geht es euch genauso oder wie geht ihr damit um?

2) In der Bücherflut die ich mir angeschafft habe versinke ich und sehe mich erst davor mehrere Monate mir Grundlagen zu schaffen, dann weitere Monate erst die sekundärliteratur und erst nach 1-2 Jahren dann zur Primärliteratur zu kommen. Das kann ich mir aber wohl kaum leisten - so wäre ich nie fertig wenn ich erst nach 2 Jahen beginne meine innovativen Konzepte zu überdenken. Geht es euch ähnlich?

3) Ich würde mich gerne organisieren und sagen können: Aha - das heute gemachte gehört in schublade A, das hier in Schublade B so dass ich perfekte Datenzuordnung habe. Nur weiß ich absolut nicht wie ich es machen soll. Ich kann doch nicht Literatur bezüglich Grundwissen sortieren. Oder wie sortiert ihr überhaupt eure Literatur? Lest ihr nur Texte die spezifisch für eure Diss in Frage kommen oder seid ihr auch der Meinung ein Dr. muss einfach eine geballte Ladung an wissen haben...?
Ich rede mir zwanghaft ständig ein ein Dr. müsse einfach das meiste was gelehrt wird an der Uni verstehen bzw. anwenden können...im Bereich der Mathematik ist das ein Riesengroßer und unüberschaubarer Berg der dem Himalaya gleicht.

4) Ich weiß auch absolut nicht wie ich vorgehen soll wie ich eine Diss schreiben soll bzw. wie ich forschen soll? Das Erkennen von Schwächen bestimmter Gebiete ist das finde ich schwierigste in Zusammenhang mit einer Lösung dann natürlich. Es kann ja sein das es Probleme gibt bei welchen bewiesen ist dass keine bessere Lösung möglich sein wird.

5) WIe habt ihr angefangen - wie habt ihr euch organisiert?

Danke euch :(
gunna
 
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Re: RIchtige Organisation - selbstzweifel am Anfang

Beitragvon Meggy am 01.10.2008, 21:58

Hallo Gunna :D

Ich als Informatikerin grüße Dich erstmal ganz herzlich hier im Forum ;-)
Also ich denke grundsätzlich stehen die meisten Doktoranden erstmal vor nem riesigen, und wie man meint unbezwingbaren Berg, also schonmal nicht verrückt machen deswegen.
Das Hauptproblem bei Dir scheint ja die Mathematik zu sein. Ich persönlich halte es für evtl etwas gewagter, in einem nicht-Hauptfach-Gebiet zu promovieren, andererseits wenn das Interesse da ist (und wie Du schreibst scheint Dein Herz ja sehr stark Richtung Mathe zu schlagen) ist das denk ich durchaus machbar. Dass Du nun nicht alle die Grundlagen parat hast wie ein Diplom-MAthematiker finde ich auch durchaus normal.
Und oft geht es einem doch acuh so, selbst wenn man in seinem Hauptfach (aus dem Stuidum) promoviert, dass man die speziellen Feinaspekte des eigtl Diss-Themas auch immer erst recherchieren/lernen/erarbeiten muss. Ich würde Dir einfach raten, nicht zu versuchen "die GANZE Mathematik" auf einmal aufholen zu wollen, sondern zunächst wirklich mit dem wichtigen, Diss-spezifischen (falls man das klar abgrenzen kann) und den dafür notwendigen Grundlagen anzufangen.

Zur Sortierung und Organisation der Literatur: in vielen Literaturverwaltungs-Programmen kann man Anmerkungen eintragen oder sogar neue Eintragsfelder (zB ein Feld "Typ" anlegen --> könnte man dann Grundlage, primär, sekundär eintragen) definieren. Das nutze ich so ähnlich auch, oder auch ein anderes selbstdefiniertes Feld, in dem ich die Wichitgkeit des Literatureintrags für meine Diss kategorisiere (1=superwichitg ode rinteressant, 3=brauch ich wohl eher nicht)... und dann wirklich penibel ALLES was man liest eintragen - da muss ich auch noch genauer werden *seufz*.

Tja, zum forschen an sich: entweder weiß man schon lange, in welche Richtung die INteressen liegen, was es da evtl für offene Probleme gibt, was man angehen könnte. Das ist der einfachere Fall ;-) Ansonsten kann man einen Rundumschlag versuchen: das grobe Interessengebiet hernehmen, und aktuelle Literatur durchgehen. Schauen ob in aktuellen Artikeln was heraussticht was noch "ungelöst" ist, odder man bekommt nen Anstoß a la "das würd eich aber anders machen"...

Also nur Mut und ran an die DIss ;-)
Liebe Grüße,
Meggy

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Re: RIchtige Organisation - selbstzweifel am Anfang

Beitragvon Kuniko am 01.10.2008, 22:03

Hallo gunna,
zunächst einmal, lass dich beruhigen, diese Überforderung ist größtenteils absolut normal - mir ist es am Anfang auch so gegangen.
Ich schreib einfach mal ein paar Gedanken zu deinen Punkten auf:
1) Genau das hatte ich am Anfang auch - habe erst mal angefangen, mich durch diverse Literaturgeschichten zu kämpfen und habe irgendwann gemerkt, dass das relativ sinnlos ist. Klar brauchst du Grundlagen - aber auch da gibt es relevante und weniger relevante. Und es reicht absolut, dich mit den relevanten auszukennen. Dir wird in der weiteren Forschung ziemlcih schnell bewusst werden, wo du noch nacharbeiten musst und automatisch sehr viel in andere Theorien reinschnuppern - die 'fachspezifische Allgemeinbildung' ergibt sich also quasi nebenbei. :D Und es ist absolut keine Schande, in einer Übung zu sagen 'sorry, das weiß ich gerade auch nicht, ich sag'sd euch das nächste Mal.' Und ein bißchen Ahnung mkusst du von Mathe ja haben, schließlich hast du ja dein Studium so erfolgreich bestanden, dass du jetzt promovierst.

2) Ich würde ruhig schon anfangen, mich direkt mit der Diss.Thematik auseinanderzusetzen - gerade da wirst du sehen, was dir noch fehlt und was überhaupt wichtig ist (s.o.).

3) Organisation ist in der Tat sehr wichtig - viele arbeiten hier mit kostenlosen Literaturverwaltungsprogrammen, wie citavi oder EndNote (oder auch Bibtex oder so, weil Latech-kompatibel) - schau einfach mal über die Forensuche, da findest du einiges. Mit diesen programmen kannst du den Überblick über die Literaturflut behalten und an das 'Aktuell-Halten' gewöhnt man sich relativ schnell. Ansonsten hilft es mir persönlich sehr, mir Strukturen zu schaffen - mit dem Forum hast du sozusagen einen guten Anfang gefunden. Du musst für diech schauen, wie du am besten arbeitest. Und sorge für den Austausch mit anderen Doktoranden z. B. über Graduiertenkollegs oder am Lehrstuhl o. ä. (auch hier bei uns gibt es Informatiker :D).

4) Hier kann ich aufgrund Fachfremdheit leider nix zu sagen. Hast du denn überhaupt schon ein thema und Betreuer oder willst du dich noch bewerben? Ansonsten hast du da ja schon bestimmte Vorgaben oder?

5) Es gibt natürlich verschiedene Bereiche, die man abklären muss: Betreuer, Thema, Finanzierung etc. Wenn das erst mal geklärt ist, ergibt sich das meiste irgendwie von selbst.

Fazit also: Nur Mut! Das wird schon. Wenn duextern promovieren willst oder auch einfach von deinen Fortschritten/Erlebnissen berichten möchtest oder 'nur' Motivation brauchst, kannst du dich auch für den Schreibtreff freischalten lassen - da treffen wir uns jeden Tag, um nicht als Einzelkämpfer am Schreibtisch sitzen zu müssen und es ist da echt gemütlich.

Hoffe, ich konnte dir ein bißchen weiterhelfen, lG,
Kuniko

EDIT: ...und mal wieder war die Meggy fixer! :wink:
Zuletzt geändert von Kuniko am 01.10.2008, 22:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: RIchtige Organisation - selbstzweifel am Anfang

Beitragvon Kuniko am 01.10.2008, 22:06

Ach ja, gab's hier noch mal irgendwann als Tipp:

Als erstes (aktuelle) Dissertationen mit ähnlich gelagerten Schwerpunkten lesen - und zwar vor allem das Literaturverzeichnis, Doktoranden sollen bei sowas immer sehr umfangreich und genau sein. (Und da das sogar mein DV so macht, glaub ich das einfach mal so...)
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Re: RIchtige Organisation - selbstzweifel am Anfang

Beitragvon SAH am 02.10.2008, 10:47

Hallo Gunna,

ich kann dir keine Tipps geben, weil ich auch erst ganz am Anfang stehe. Aber es tröstet mich, dass andere Leute exakt die gleichen Sorgen und Probleme wie man selbst hat.
Vor allem das: ich kann doch überhaupt nichts! hat mich ziemlich frustriert. Gut, ich kann zwar immer noch nicht alles - aber ein wenig Ahnung hab ich dann doch und darauf kann man zumindest aufbauen. Und Unterstützung von Freunden tut auch unheimlich gut. Wenn alles gut läuft bekomme ich noch einen extra Betreuer (ist ein neues Programm der Uni) und zumindest das finde ich sehr sinnvoll.
Und ohne jetzt Werbung machen zu wollen: das Forum hilft ausgezeichnet die Motivationskurve wieder nach oben zu bekommen :wink:

Ich wünsche dir viel Erfolg!
SAH
 
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