Hallo Isabelle,
... dass meine Erläuterungen nicht ausführlich, meine Beispiele nicht aussagekräftig und meine Schlussfolgerungen nicht stringent genug sind
Das sind tatsächlich die Bestandteile der Arbeit, die man am besten selbst hinbekommt. Dazu braucht es aber auf jeden Fall etwas Abstand vom eigenen Text, denn ich zumindest könnte manche Absätze beim Lesen mehr oder weniger auswendig mitsprechen... Andererseits geht es dabei auch ums Sich-Verständlich-Machen und das kann natürlich auch eine zweite Person beurteilen.
Meine drei Korrekturleser sind ein geniales Trio: Einer ist Deutsch- u. Geschichtelehrer und drin im Thema der Diss (sowie fit in Rechtschreibung und Grammatik

), der zweite ist promovierter Mathematiker, hat also vom Thema keine Ahnung, dafür Sinn für Logik (

) und allgemein für wissenschaftliche Texte, der dritte ist Psychologe - der ist so mein Gradmesser für Allgemein-Verständlichkeit (d.h. wieviel bekommt ein intelligenter, aber fachfremder Mensch mit guter Allgemeinbildung von meiner Argumentation mit). Mein Vorteil ist natürlich, dass ich in Geschichte schreibe, das versteht man inhaltlich auch ohne das Fach selbst studiert zu haben. Ich wäre umgekehrt bei ner Mathe-Diss völlig aufgeschmissen gewesen!
Ich habe aber selbst auch schon einige (geisteswissenschaftliche) Arbeiten für andere Korrektur gelesen (von der Seminar- bis zur Diplom-/Magisterarbeit) und finde, dass man auch bei fachfremden Texten ganz brauchbare Anregungen geben kann, wenn man einen Blick für die Struktur von Texten und den Aufbau einer Argumentationskette hat. Ich nehme mal an, dass die meisten Diss-Betreuer auch nicht wirklich fit im Thema der jeweiligen Diss sind, d.h. das sind genau die Aspekte, auf die auch ein Prof bei seiner Bewertung der Arbeit achten wird.
Was die Ausführlichkeit von Argumenten und Beispielen angeht: Das kann einem eigentlich jeder andere Leser sagen, man merkt nämlich schnell, wo man gerne mehr Erläuterung gehabt hätte. Dieser Art sind oft die Rückmeldungen, die ich von meinem Trio bekomme (wenns nur einer sagt, denke ich mir manchmal, muss nicht an der Diss liegen

, wenns aber von allen dreien kommt, sollte ich doch besser noch ein paar mehr Wörter investieren...). Kommt natürlich davon, dass man selbst irgendwann so im Thema und in den eigenen Gedankengängen gefangen ist, dass einem eh klar ist, was man sagen will, inclusive aller Anspielungen und mitgedachten Erläuterungen. Das kommt aber schnell auf, also keine Sorge. Dafür ist ein guter Korrekturleser da!
Wir können uns gern weiter austauschen, so als Leidensgenossinnen...

Ach ja, meine Korrekturleser bekommen jeweils die ganze Arbeit von mir, diese aber häppchenweise in Kapiteln.