Liebe EllyP,
ich kann Dir ganz kurz von meinen "Erfahrungen" berichten:
An meiner Uni gehörte ich zu den ersten BA Absolventinnen. Der große Vorteil daran war, dass die Studiengänge noch nicht wirklich definiert waren. Bis auf 2 Scheine haben wir damals das komplette Magisterprogramm durchgezogen. Ich maße mir also an, zu behaupten, dass ich nach meinem Bachelor auf einem TOP Stand war

Meine Bachelorarbeit hatte damals 120 Seiten, basierte auf einer eigenen Studie inklusive Feldforschung und stand (das sehr ich natürlich jetzt erst) meiner Masterarbeit in nichts nach. Das mag aber u.U. auch an meinem Ergeiz, dem Interesse am Thema und den eigenen Ansprüchen gelegen haben. Andererseits empfand das Lehrpersonal alles unterhalb dieses Levels damals noch als wissenschaftlich unzumutbar...
Nach dem BA habe ich meine Dozentinnen direkt auf die Möglichkeit einer Promotion angesprochen, zumal ich mein Studium nicht besser hätte abschließen können. Die Antwort war damals, dass das nicht zu empfehlen wäre und auch an unserer Fakultät nicht realisierbar sei.
Ich habe dann den Master drangehängt - und es war die HÖLLE. Die Umstellung begann richtig anzulaufen, niemand wusste mehr so richtig was, wie und wann. Leider wurde bei uns zu dieser Zeit auch extrem abgebaut, das Lehrangebot war MISERABEL, ich habe z.T. Seminare, die ich während des BA Studiums schon besucht hatte, wiederholt - weil einfach nichts angeboten wurde.
Pro Semester gab es ein Hauptseminar und das wars.
Das führte letztendlich dazu, dass ich nach dem Master definitiv nicht schlauer, methodisch nicht weiter, nicht breiter aufgestellt und auch nicht sicherer war. Im Gegenteil, ich würde behaupten, ich habe während des Masterstudiums einige bereits erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten wieder verloren.
Wenn ich mir heute die BA Studiengänge anschaue, dann hat sich viel verändert. Das Programm ist reduzierter, die Abschlussarbeiten umfassen nur noch ca. 40 Seiten etc. (Natürlich kann ich hier nur für meine Uni sprechen!) und sind mehr auf dem Niveau von (unseren) Hauptseminarhausarbeiten.
Heute würde ich sagen, nach dem BA direkt zu promovieren ist nahe an einer Utopie. Aber es mag sicher Ausnahmen geben, die das leisten könnten.
Ein Argument würde ich gerne noch anführen: Das eigene Selbstbewusstsein.
Ich persönlich war (und bin es manchmal noch) sehr genervt, weil viele Menschen Vorurteile gegen die neuen Studiengänge haben und die Kompetenz der Absolventen anzweifeln. Jemand, der direkt nach dem BA mit einer Promotion beginnt, wird sich sicherlich häufig mit leistungsschmälernden Kommentaren auseinandersetzen müssen. Wer das nicht aushält oder an wem sowas nagt, der sollte erst recht lieber den Umweg über den Master gehen.
Viele Grüße,
schtudinki