von Angara am 04.09.2010, 21:14
Was ich beim Schreiben noch empfehle, ich glaube einige andere empfehlen das auch, ist das Schreiben "auf Halde". Grundsätzlich gilt - ein Gedanke, der nicht aufgeschrieben ist, ist weg und für die Diss verloren. Ich habe mir eine Datei angelegt, die nur nach Kapiteln strukturiert ist, wo ich alle möglichen Gedanken eintrage, die ich spontan nirgendwo unterbringen kann. Das kann eine gelungene Formulierung sein, ein Zusammenhang, der mir zwischen zwei Autoren aufgefallen ist, eine terminologische Inkonsistenz, die ich irgendwo bemerkt habe, eine Definition, die noch nicht gebraucht wird, etc. Wenn mir gar nichts Kreatives einfällt, gehe ich meine "Halde" durch und arbeite zwei, drei Punkte in die Diss ein.
Mir hilft es immer sehr, wenn man einen "Plan B" hat. Es kommt immer mal vor, daß man eine Diss-relevante Tätigkeit nicht ausführen kann. Manchmal kann man sich einfach nicht auf die Lektüre konzentrieren und ein anderes Mal bringt man keinen vernünftigen Satz zustande. Ich halte es für am besten, wenn man sich dann nicht festbeißt, sondern auf eine andere Tätigkeit ausweichen kann, ohne die Fassung zu verlieren oder ein schlechtes Gewissen zu haben. Und so eine "Halde" ist ganz gut um so Phasen, wo man einerseits wirklich arbeiten will, andererseits man aber nicht in der Stimmung ist, wirklich Bahnbrechendes zu schaffen und drittens aber auch nicht im absoluten Tief steckt, elegant zu überbrücken.
Grundsätzlich würde ich aber jedem raten, gerade am Anfang möglichst zu schreiben. Es kommt nämlich unweigerlich der Tag, wo Du den Kram nicht mehr sehen kannst und ihn zwei Wochen nicht mehr anrührst. In dem Fall hat man kein schlechtes Gewissen, wenn man schon eine Anzahl Seiten produziert hat - viel gelesen haben ist zwar gut, aber psychologisch zählt das weniger als "etwas getan haben" als wirklich vorhandene geschriebene Seiten.