Wann seid Ihr vom Lesen zum Schreiben übergegangen?

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Wann seid Ihr vom Lesen zum Schreiben übergegangen?

Beitragvon Garion am 04.09.2010, 19:06

Hallo zusammen,

ich muß nochmals etwas Grundsätzliches fragen: Mein Professor hat mir gestern empfohlen, doch möglichst früh mit dem Schreiben anzufangen, sonst hätte ich nach sechs Monaten wieder alles vergessen oder so ähnlich.

Wie habt Ihr das gehandhabt? Habt Ihr erst alles gelesen und Notizen gemacht und dann alles zusammengeschrieben oder war das ehe ein Hin- und Her?
Freundliche Grüße

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Re: Wann seid Ihr vom Lesen zum Schreiben übergegangen?

Beitragvon Eleen am 04.09.2010, 19:43

Hallo Garion,

den gleichen Rat hat mir mein DV auch gegeben. Denke, da ist was dran. Ich schreibe immer ein Exzerpt des Gelesenen in EndNote. Wichtige Punkte, Ideen oder Verweise auf weitere Literatur habe ich immer in die entsprechenden Gliederungspunkte geschrieben oder kopiert. Sortiert habe ich es jetzt erst nach der Datenanalyse, weil evtl. einiges wieder rausfällt. Deswegen wollte ich nicht viel Zeit verlieren durch Ausformulieren. Der Vorteil daran war für mich, dass in der Gliederung/Datei schon etwas stand und ich nicht vor einem leeren Blatt sitzen musste. So fiel mir der Einstieg nicht schwer und die Ideen konnten fließen. Strukturieren, streichen, perfekt formulieren etc. kann man immer noch und die Gliederung ändert sich bei mir auch häufiger mal.

viele Grüße,
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Re: Wann seid Ihr vom Lesen zum Schreiben übergegangen?

Beitragvon cine am 04.09.2010, 20:00

Hallo Garion,

ich habe (schon alleine wegen der Berichtspflicht an den Projektpartner) immer wieder Zwischenberichte erstellen müssen, war also dazu gezwungen, alle paar Monate Teile schriftlich festzuhalten. Das war lästig, aber im Nachhinein doch sehr hilfreich beim Zusammenschreiben. Die experimentellen Details und Besonderheiten hätte ich jetzt ohne Dokumentation nicht mehr zusammenbekommen.
Von daher empfehle ich dir, thematisch sortiert Texte vorzuschreiben - nicht perfekt, aber so, dass du nach mehr als einem Jahr noch etwas damit anfangen kannst. Ich habe mich beim Zusammenschreiben an diesen Bruchstücken orientiert und kam gut damit klar.

LG cine
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Re: Wann seid Ihr vom Lesen zum Schreiben übergegangen?

Beitragvon Wierus am 04.09.2010, 20:33

Hi

Ähnlich wie bei meiner Antwort auf deine Frage zur Literaturauswertung kann ich auch in diesem Punkt ein Arbeitsbuch bzw. Arbeitshefte empfehlen (oder eben wie bei Eleen ein Übertragen der Exzerpte in Endnote): wenn man bei den Exzerpten auch immer mal wieder seine eigenen Ideen/Anmerkungen reinbringt, dann hat man ja schon einigermaßen formulierte Punkte. Sowas ist einfach unschätzbar, denn es gibt Anstöße zum Weiterschreiben. Oft sitze ich beim Schreiben des eigentlichen Texts mit meinem Arbeitsbuch vorm PC und übertrage aus diesem die wichtigen Zitate und meine längeren Anmerkungen in das Textdokument, damit ist quasi schon die halbe Miete gewonnen und man muss dann im Prinzip nur noch ausformulieren.
Das sogenannte "wissenschaftliche Lesen" besteht ja eigentlich selbst schon aus viel Schreibarbeit, auf der man dann eben beim Niederlegen des Texts direkt aufbauen kann. Denn: nur Lesen und Markieren bringt tatsächlich wenig, weil das alles einfach viel zu viel Information ist um nach x gelesenen Texten aus seiner Erinnerung heraus noch irgendeine Struktur hinzubekommen.

Am besten aber wird wohl die Methode sein, mit der du schon in deiner Diplom-, Master- oder Magisterarbeit gut gefahren bist, denn die hat ja schon einmal zum Erfolg geführt. :mrgreen:
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Re: Wann seid Ihr vom Lesen zum Schreiben übergegangen?

Beitragvon Angara am 04.09.2010, 20:34

Ich lese und schreibe parallel. Allerdings ist meine Arbeitsweise kein Musterbeispiel für systematisches Vorgehen. Ich schreibe mal hier, mal da, lese irgendwas und baue das an einer dritten Stelle ein, etc. Jetzt habe ich allerdings die erste Schreibphase hinter mir und ordne und systematisiere alles. Es kommt auch darauf an, was Du für ein Arbeitstyp bist. Ein Freund von mir geht ganz entgegengesetzt ran. Der liest drei Monate ausschließlich und schreibt dann einen ausschließlich. So könnte ich das aber nicht.
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Re: Wann seid Ihr vom Lesen zum Schreiben übergegangen?

Beitragvon Garion am 04.09.2010, 20:55

Wierus hat geschrieben:Denn: nur Lesen und Markieren bringt tatsächlich wenig, weil das alles einfach viel zu viel Information ist um nach x gelesenen Texten aus seiner Erinnerung heraus noch irgendeine Struktur hinzubekommen.

Am besten aber wird wohl die Methode sein, mit der du schon in deiner Diplom-, Master- oder Magisterarbeit gut gefahren bist, denn die hat ja schon einmal zum Erfolg geführt. :mrgreen:


Ja, genau das war mein Punkt bei der Frage nach dem Auswerten von Literatur. Man kann sich auch selbst betrügen beim Markieren. Ich muß ja irgendwie die Gedanken in eine schriftliche Form bringen, daß ich sie in meinen Text einbauen kann. Ich schreibe auch schon jetzt, weil ich viel exzerpiere. Was ich meinte, war natürlich das Schreiben am eigenen Text, nicht das Herausschreiben.

Meine Schreiberfahrungen an der Uni waren ebenso spärlich wie katastrophal. Ich habe mich immer davor gedrückt und dann bei der Diplomarbeit den Supergau erlebt. Das auch aus anderen Gründen, aber ich habe mich nach dem Verstreichen der Abgabefrist noch sechs Monate immer mal wieder krankschreiben lassen, weil ich nicht fertig geworden bin. Insgesamt hat es über ein Jahr gedauert. Deshalb gehe ich schon ein Risiko ein, wenn ich meine erste vernünftige Arbeit ausgerechnet mit der Diss abliefern will. :stressed:
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Re: Wann seid Ihr vom Lesen zum Schreiben übergegangen?

Beitragvon Garion am 04.09.2010, 20:58

cine hat geschrieben:ich habe (schon alleine wegen der Berichtspflicht an den Projektpartner) immer wieder Zwischenberichte erstellen müssen, war also dazu gezwungen, alle paar Monate Teile schriftlich festzuhalten.
Von daher empfehle ich dir, thematisch sortiert Texte vorzuschreiben - nicht perfekt, aber so, dass du nach mehr als einem Jahr noch etwas damit anfangen kannst. Ich habe mich beim Zusammenschreiben an diesen Bruchstücken orientiert und kam gut damit klar.


Hallo Cine,

wir müssen auch alle drei Monate einen Bericht abliefern. Einmal im Jahr dann auch an die Stiftung. Was meinst Du genau mit thematisch sortierten Texten? Schon Kapital der Diss oder erst mal nur Gedanken zu einem bestimmten Punkt irgendwo aufschreiben?
LG Garion
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Re: Wann seid Ihr vom Lesen zum Schreiben übergegangen?

Beitragvon Angara am 04.09.2010, 21:14

Was ich beim Schreiben noch empfehle, ich glaube einige andere empfehlen das auch, ist das Schreiben "auf Halde". Grundsätzlich gilt - ein Gedanke, der nicht aufgeschrieben ist, ist weg und für die Diss verloren. Ich habe mir eine Datei angelegt, die nur nach Kapiteln strukturiert ist, wo ich alle möglichen Gedanken eintrage, die ich spontan nirgendwo unterbringen kann. Das kann eine gelungene Formulierung sein, ein Zusammenhang, der mir zwischen zwei Autoren aufgefallen ist, eine terminologische Inkonsistenz, die ich irgendwo bemerkt habe, eine Definition, die noch nicht gebraucht wird, etc. Wenn mir gar nichts Kreatives einfällt, gehe ich meine "Halde" durch und arbeite zwei, drei Punkte in die Diss ein.

Mir hilft es immer sehr, wenn man einen "Plan B" hat. Es kommt immer mal vor, daß man eine Diss-relevante Tätigkeit nicht ausführen kann. Manchmal kann man sich einfach nicht auf die Lektüre konzentrieren und ein anderes Mal bringt man keinen vernünftigen Satz zustande. Ich halte es für am besten, wenn man sich dann nicht festbeißt, sondern auf eine andere Tätigkeit ausweichen kann, ohne die Fassung zu verlieren oder ein schlechtes Gewissen zu haben. Und so eine "Halde" ist ganz gut um so Phasen, wo man einerseits wirklich arbeiten will, andererseits man aber nicht in der Stimmung ist, wirklich Bahnbrechendes zu schaffen und drittens aber auch nicht im absoluten Tief steckt, elegant zu überbrücken.

Grundsätzlich würde ich aber jedem raten, gerade am Anfang möglichst zu schreiben. Es kommt nämlich unweigerlich der Tag, wo Du den Kram nicht mehr sehen kannst und ihn zwei Wochen nicht mehr anrührst. In dem Fall hat man kein schlechtes Gewissen, wenn man schon eine Anzahl Seiten produziert hat - viel gelesen haben ist zwar gut, aber psychologisch zählt das weniger als "etwas getan haben" als wirklich vorhandene geschriebene Seiten.
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Re: Wann seid Ihr vom Lesen zum Schreiben übergegangen?

Beitragvon cine am 05.09.2010, 12:15

Garion hat geschrieben:
cine hat geschrieben:Von daher empfehle ich dir, thematisch sortiert Texte vorzuschreiben - nicht perfekt, aber so, dass du nach mehr als einem Jahr noch etwas damit anfangen kannst. Ich habe mich beim Zusammenschreiben an diesen Bruchstücken orientiert und kam gut damit klar.

Was meinst Du genau mit thematisch sortierten Texten? Schon Kapital der Diss oder erst mal nur Gedanken zu einem bestimmten Punkt irgendwo aufschreiben?

Ein Zwischending ;-) Ich habe verschiedene Probentypen untersucht und von jedem Typ nochmal mehrere Proben, daran jeweils einige Aspekte. Meine frühen Texte bezogen sich immer auf eine oder zwei Proben, an denen ich aber alle Aspekte untersucht hatte. Die habe ich in meiner Diss anders zusammengefasst, primär nach Aspekten und nicht nach Proben, aber die Informationen waren eben schon gut sortiert vorhanden.
Es ist sicher auch sinnvoll, "nur" Gedanken zu sammeln. Die oben erwähnten "Bruchstücke" waren aber schon mehr als das.
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Re: Wann seid Ihr vom Lesen zum Schreiben übergegangen?

Beitragvon nK am 05.09.2010, 17:31

Angara hat geschrieben:Ich lese und schreibe parallel. Allerdings ist meine Arbeitsweise kein Musterbeispiel für systematisches Vorgehen. Ich schreibe mal hier, mal da, lese irgendwas und baue das an einer dritten Stelle ein, etc. Jetzt habe ich allerdings die erste Schreibphase hinter mir und ordne und systematisiere alles.


Ich finde das ganz im Gegenteil ein Musterbeispiel für systematisches Vorgehen. Vielleicht deshalb, weil ich es genauso gemacht habe :wink: Aber im Ernst: Wer schreibt, der bleibt. Am Ende muss etwas dastehen. Und damit die Angst vor dem leeren Blatt schnell vergeht, empfehle ich jedem, direkt von Beginn an auch anzufangen, zu schreiben. Zum Beispiel eine Einleitung, auch wenn ich die am Ende nochmal völlig umformulieren musste.
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