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Beitragvon devilsadvocate am 03.09.2010, 10:45

Hallo,

ich schreibe gerade an meiner Diss. und habe jetzt festgestellt, dass ein Teil meiner Diss, vll. 50-60% schon mal in einem wissenschaftlichen Buch von einem Prof behandelt worden ist. Meine Ausführungen sind aber teilweise auch ausführlicher, aber da es sich um ein geschichtliches Thema handelt, haben wir grundsätzlich das Gleiche.

Kann das zu einem Problem führen?
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Re: Gleiches thema gefunden

Beitragvon AGH am 03.09.2010, 11:18

Ich kenne mich mit historischen Arbeiten nicht aus, aber bei uns koennte Deine Situation tatsaechlich zu einem Problem fuehren... . Ein Kriterium bei der Bewertung der Arbeit bei uns ist, in wiefern die Arbeit etwas Wesentliches zum Wissensstand der Forschung beitraegt, wie gut die Arbeit die beruehmte Luecke zu schliessen vermag. Wenn jetzt tatsaechlich 50-60% (das finde ich viel!) Deiner Arbeit bereits abgehandelt ist (noch dazu in einem Buch, nicht in irgend einem kaum zu findenden Artikel tief unten vergraben irgendwo), dann scheint mir der "Mehrwert" Deiner Arbeit recht gering (=die Luecke, die Du schliesst, sehr klein), weil eben wenig neues dabei ist.
Wie gesagt, ich kann nur von meinem Fachgebiet sprechen! Vielleicht melden sich auch ein paar Historiker noch! Von dem, wie Du es ganz kurz beschrieben hast, wuerde ich versuchen, irgendwie doch einen anderen Schwerpunkt/einen anderen Aspekt etc. reinzubringen, um mich deutlich von der bereits bestehenden Arbeit zu entfernen.

Vielleicht noch kurz eine Frage:
Wird in diesem Buch wirklich Deine Forschungsfrage (teilweise) beantwortet? Oder gibt es einfach "Ueberschneidungen", "Aehnlichkeiten", "Anknuepfungspunkte"?

Liebe Gruesse!
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Re: Gleiches thema gefunden

Beitragvon cine am 03.09.2010, 11:30

:shock: nicht schön, sowas.
Für meine Einschätzung kommt es darauf an, wie exakt seine und deine Arbeit übereinstimmen. Schreibst du ganz genau das Gleiche wie er? Oder hast du eine andere Perspektive, argumentierst in eine andere Denkrichtung, beleuchtest du das Thema aus einem neuen Blickwinkel,... da gilts jetzt, einen guten Grund zu finden, dass es eben doch deine eigenständig entwickelte Arbeit ist.
Ansonsten würde ich mir mal Gedanken machen, wie du deine Arbeit erweitern kannst... :(

LG cine
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Re: Gleiches thema gefunden

Beitragvon Wierus am 03.09.2010, 11:50

Also ich war geschockt, als ich vor zwei Monaten eine ziemlich aktuelle Diss gefunden hab, die im Titel so ziemlich mein Thema zu sein schien. Als ich sie dann aber durchgelesen habe, ist mir aufgefallen, dass das Thema (a) nur oberflächlich behandelt, (b) von meiner theoretischen Herangehensweise ganz verschieden bearbeitet und (c) an einem mir ungenügend erscheinenden Beispiel aufgezeigt wurde. Diese Diss verspricht mMn also sehr viel ohne es eigentlich einzuhalten. Nach Rücksprache mit meinem Prof ist das daher auch kein Problem, ich muss die Arbeit nur "verwerten"- also im Text explizit aufzeigen, was sie von meiner unterscheidet.

Wenn ich mir das genau überlege, sind fremde Diss die nahe am eigenen Thema liegen eigentlich etwas Positives: erstens zeigt das an, dass das bearbeitete Thema von größerem innerdisziplinärem Belang ist, zweitens ermöglicht es die Präzisierung bestimmter eigener Punkte.

Außerdem dürfte es heutzutage (v.a. in den GeistesWiss) ohnehin ziemlich schwer sein, eine völlig neue, einzigartige und bahnbrechende Diss ohne bestehende Vorarbeiten zu schreiben, d.h. man muss sich immer mit konkurrierenden Positionen rumschlagen.

Und noch etwas: man sollte sich natürlich immer sagen, dass man ja eine Dissertation schreibt und daher außerordentlichen Aufwand in Themenwahl und Durchführung betreiben muss. Das ist ohne Frage gut, aber man muss auch die Grenzen abschätzen können und sich ab einem Punkt irgendwann auch sagen: es ist "nur" eine Dissertation - eine wissenschaftliche Qualifikationsarbeit, kein Geniestreich, kein Opus Magnum eines Lehrstuhlinhabers.

Solange es daher offensichtlich ist, dass die Diss aus eigenem Antrieb, mit eigener wiss. Zielsetzung und mit eigenen Ideen angefertigt wurde, dürfte einem nicht gleich der Kopf abgerissen werden, wenn es eine oder mehrere Diss mit gleicher Zielrichting gibt.
Wissenschaft ist wesentlich auch Diskussion - und zu Diskussionen gehört immer mehr als nur ein einziger Beitrag.
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Re: Gleiches thema gefunden

Beitragvon devilsadvocate am 03.09.2010, 11:52

Naja, also die geschichtlichen Ereignisse lassen sich ja leider nicht umschreiben und auch die Quellen sind bei diesem Thema relaitv begrenzt.
Ich hoffe, dass es ausreicht, dass wenn ich weitere Aspekte hinzufüge, die der prof nicht hat, dass ich damit durchkomme.

Wie gründlich wird denn nachgeschaut, ob es das Thema schon gibt? Mir wurde dieses Thema im Übrigen auch von der Prüfungskommission gegeben.

P.S.: Wieviel Word (Times Schrfitgröße 12) Seiten sollte man denn ùngefähr schreiben? Wollte so ungefähr 200 Seiten schreiben...
Zuletzt geändert von devilsadvocate am 29.09.2010, 12:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Gleiches thema gefunden

Beitragvon cine am 03.09.2010, 12:05

Wie gründlich wird denn nachgeschaut, ob es das Thema schon gibt?
Darauf würde ichs nicht ankommen lassen.
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Re: Gleiches thema gefunden

Beitragvon Wierus am 03.09.2010, 12:26

devilsadvocate hat geschrieben:Naja, also die geschichtlichen Ereignisse lassen sich ja leider nicht umschreiben und auch die Quellen sind bei diesem Thema relaitv begrenzt (meist nur Gesprächsprotokolle aus dem Reichs/Bundestag).

Du scheinst nicht in Geschichtwissenschaft zu schreiben, denn sonst könntest du so eine Aussage eigentlich garnicht treffen. Geschichtliche Ereignisse sind interpretationsabhängig. Man kann zB Brandts Kniefall aus zig Perspektiven betrachten/bewerten, dazu muss man das Ereignis als solches nicht umschreiben. Ebenso sind Quellen interpretationsbedürftig, same case here...
Ich vermute du schreibst deine historisch orientierte Diss in einem anderen Fach als Geschichte, oder?
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Re: Gleiches thema gefunden

Beitragvon AGH am 03.09.2010, 12:28

devilsadvocate hat geschrieben:P.S.: Wieviel Word (Times Schrfitgröße 12) Seiten sollte man denn ùngefähr schreiben? Wollte so ungefähr 200 Seiten schreiben..


So viel, wie es noetig ist, um Deine Frage zu beantworten!

Vergiss Seitenzahlen, sofern sie nicht vorgegeben sind. Es geht nicht darum, 200 oder wieviele Seiten auch immer abzuarbeiten, sondern darum, einen roten Faden zu haben, der am Ende zur Beantwortung einer Frage fuehrt. Nimm rein, was auch immer Du dazu brauchst, lass weg, was nicht dazu gehoert. Dann ergibt sich die Seitenzahl von selbst.

Liebe Gruesse!
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Re: Gleiches thema gefunden

Beitragvon Wierus am 03.09.2010, 12:34

AGH hat geschrieben:Vergiss Seitenzahlen, sofern sie nicht vorgegeben sind. Es geht nicht darum, 200 oder wieviele Seiten auch immer abzuarbeiten, sondern darum, einen roten Faden zu haben, der am Ende zur Beantwortung einer Frage fuehrt. Nimm rein, was auch immer Du dazu brauchst, lass weg, was nicht dazu gehoert. Dann ergibt sich die Seitenzahl von selbst.

Eine Mindestzahl sollte man aber schon anpeilen, denn mit unter 200 Seiten kommt man in GeistesWiss wohl selten davon. :wink:
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Re: Gleiches thema gefunden

Beitragvon AGH am 03.09.2010, 13:15

Wenn man deswegen mit weniger als 200 Seiten nicht durchkommt, weil die Themen einfach immer mehr Umfang ergeben, dann sind wir ja wieder dabei, dass das Thema bzw. die Arbeit die Seitenzahl ergibt.
Wenn man deswegen mit weniger als 200 Seiten nicht durchkommt, weil in dem Fachbereich Arbeiten mit weniger 200 Seiten nicht angenommen werden, dann faellt das fuer mich unter "sofern nicht vorgegeben".

Allerdings rate ich dazu, diesbezueglich Dokumente der Uni durchzuschauen, und wenn Du dort nichts findest, den Betreuer zu fragen, ob es eine Mindest- oder auch Maximalgrenze (!) gibt! Auf Erfahrungswerte wuerde ich nicht allzu viel geben, da es auch innerhalb des gleichen Faches (zum Teil nicht unerhebliche) Unterschiede gibt, was die Seitenzahl betrifft.

Liebe Gruesse!
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