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qualitative Ergebnisse darstellen

Beitragvon Eleen am 01.09.2010, 09:45

Hallo liebes Forum,

ich melde mich leider nicht oft zu Wort, weil ich neben der Diss gerade Mama geworden bin und in meinem Job stundenweise arbeite. Aber ich schaue immer gern rein und hoffe, dass Ihr mir trotzdem paar Tipps geben mögt.

Ich bin dabei meine qualitativen Ergebnisse (aus narrativen Interviews) auszuarbeiten; jetzt habe ich einen sehr langes Kapitel mit vielen Zitaten und Interpretationen + Bezug zum theor./emp. Forschungsstand. Das alles ist aber auf "Materialebene" und muss doch sicher von den einzelnen Interviews etwas weg, oder? Wie geht Ihr vor, um die Ergebnisse eine Ebene höher zu hieven, also abstrahieren? Irgendwie habe ich da einen Hänger. Jetzt hatte ich mir meine zentralen Fragen vorgenommen, um alles zu lesen und Antworten darauf zu finden. Diese Anworten wären dann quasi mein Ergebnisteil. Geht das in die richtige Richtung? Ich frage mich gerade wieviel über einzelne Interviews und wieviele Zitate noch enthalten sein dürfen bzw. sollten?

Vielleicht hat jemand schon Erfahrungen mit diesem Arbeitsschritt in der qualitativen Sozialforschung?
viele Grüße, Eleen
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Re: qualitative Ergebnisse darstellen

Beitragvon Frl.Schröder am 01.09.2010, 10:01

Hi, ich hatte in meiner Diplomarbeit 30 Experteninterviews, also nicht rein narrativ, aber doch qualitativ.
Den Schritt, den Du jetzt gehen willst, bin ich damals nicht gegangen, da es den Rahmen gesprengt hätte. Dennoch habe ich mir damals darüber Gedanken gemacht:

Nach meiner Auffassung ist folgendes nicht möglich: Du kannst nicht quantitativ zusammen zählen und daraus ein Ergebnis ableiten. Jedes steht für sich. Du kannst nur darstellen, was es für eine Bandbreite gibt. Für die Darstellung der Tendenzen würde ich die Zitate mit einflechten.

Hm. Mal ein Beispiel: Du lässt Scheidungskinder erzählen, wie sie in der Zeit der Trennung zurecht kamen. Hast 20 Interviews. Jetzt kannst Du nicht zusammen zählen und das Mittelmaß errechnen und am Ende sagen: Im Durchschnitt kommen die Kinder gut zurecht.
Sondern die Bandbreite und Tendenzen abbilden und dies mit den jeweiligen Zitaten illustrieren.

Dies sind aber erstmal nur Gedanken, und noch nicht mit wissenschaftlicher Literatur hinterfüttert.
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Re: qualitative Ergebnisse darstellen

Beitragvon Eleen am 01.09.2010, 10:40

Hallo,

danke für die schnelle Einschätzung! Zusammenzählen geht gar nicht; stimme ich Dir voll und ganz zu. Wäre wohl albern bei der Anzahl der Interviews. Um Repräsentativität geht es dabei nicht; eher um Repräsentation und Exploration.

"Bandbreite" ist ein gutes Stichwort. Vielleicht bin ich mit meinem Teil doch gar nicht so weit vom Ziel weg?! Es sind nur viel zuviele Zitate und jeder Fall wird noch einzeln/nacheinander erwähnt; das muss ich wohl mehr zusammenfassen.

Was mich wirklich vor Schwierigkeiten stellt, ist die Abgrenzung bzw. die Wissenschaftlichkeit. Es sollen ja keine Behauptungen formuliert werden. Ab wann ist es eine Tendenz, wann reicht der Beleg durch Zitate aus und wann sind es sogar neu entwickelte Arbeitshypothesen?

Ist es normal, dass man die eigenen Schlußfolgerungen immer für banal hält? Geht es noch jemandem so?

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Re: qualitative Ergebnisse darstellen

Beitragvon Mathilda am 01.09.2010, 15:17

Mh, also für die Auswertung von qualitativen Interviews gibt es ja durchaus etablierte Methoden; z.B. die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring oder Grounded Theory. Vielleicht recherchierst Du mal in die Richtung? Oder hab ich was falsch verstanden?

Schönen Gruß und viel Erfolg
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Re: qualitative Ergebnisse darstellen

Beitragvon AGH am 01.09.2010, 16:27

Schließe mich Mathilda an! Habe an die gleichen Dinge gedacht (Mayring, Grounded Theory) und frage mich auch, ob ich etwas falsch verstanden habe?

Liebe Grüße!
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Re: qualitative Ergebnisse darstellen

Beitragvon Frl.Schröder am 02.09.2010, 07:19

Stimmt *hand vor den kopf schlag*
Mayring: Einführung in die qualitative Sozialforschung (Link zu Amazon.de) , sowie Qualitative Inhaltsanalyse (Link zu Amazon.de) .

Ich muss zugeben, ich tat mich damit schwer, weil es mir "unwissenschaftlich" vorkam. Diese heuristische Herangehensweise erinnert mich an graue Vorzeiten im Deutsch-LK, als wir ein Gedicht interpretieren mussten. Und das wiederum weckt in mir jene Assoziationen, die Eleen als "banal" bezeichnet.

Aber es mag auch daher rühren, dass ich in meinem Studium ausschließlich quantitative Methoden vermittelt bekam. Oder ich hab es einfach nicht verstanden...
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Re: qualitative Ergebnisse darstellen

Beitragvon Mathilda am 02.09.2010, 09:13

@Frl. Schröder, ich verstehe, was Du meinst :wink: - habe eine exploratorische Vorstudie und diese nach Mayring ausgewertet. Es kam mir tw. auch merkwürdig vor, ich glaube, das liegt daran, dass es eben einfach "nur" ein systematisches Zusammenfassen/Umstrukturieren ist. Aber genau das ist es ja, was man bei der Analyse narrativer Interviews machen will. Oder man wählt eben die GT.
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Re: qualitative Ergebnisse darstellen

Beitragvon ThomasR am 02.09.2010, 10:41

Noch eine Bemerkung:
Mayring o.a. Verfahren machen bei der Auswertung qualitativer Daten nicht nur Sinn, sondern sind auch notwendige Voraussetzung für ein sauberes methodisches Arbeiten. Empirische Forschung besteht - egal ob qualit. oder quantit. - immer aus zwei Schritten: Der Datenerhebung und der Datenauswertung. Und die transkribierten Interviews sind eben mal "nur" die erhobenen (Text-)Daten.
Bei einer Diss sollte der folgende Schritt daher nicht fehlen, ansonsten läuft man Gefahr sich wegen mangelnder Wissenschaftlichkeit angreifbar zu machen.
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Re: qualitative Ergebnisse darstellen

Beitragvon AGH am 02.09.2010, 12:10

Guter Punkt, Thomas!

Ich glaube irgendwie immer noch, ich habe etwas falsch verstanden, Eleen. Du wirst da ja vor der Datenerhebung Gedanken über die Auswertung gemacht haben. Was war denn Dein Plan?

Liebe Grüße!
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Re: qualitative Ergebnisse darstellen

Beitragvon annabelle am 03.09.2010, 09:40

Liebe Frl. Schröder
Ich bin genau am gleichen Punkt wie du. Habe 26 narrative Interviews gemacht und komme jetzt zum Kapitel, in dem ich die Ergebnisse aufschreiben muss. Ich mache die Analyse nicht nach Mayring, weil ich denke, dass qualitative Inhaltsanalyse dann geeignet ist, wenn du relativ präzise Fragen gestellt hast. Wenn du die Interviews offen geführt hast, ist wohl Grounded Theory besser geeignet. Aber letztlich ist es ja nie eine ganz reine Form der Auswertung - du musst halt einfach erklären, was du genau machst. Ein Ansatz, der bei mir ebenfalls reinspielen wird, ist die Typenbildung nach Kelle Kluge. Mir hilft das, die Vielfalt der Themen, die da auftauchen etwas zu bündeln.
In diesem Sinne ist bei mir theoretisch alles klar - nur wie es dann aussehen wird mit dem Verfassen des Kapitels- da muss ich mich in den nächsten Wochen überraschen lassen.
Deshalb interessiert es mich auch zu hören, worauf du kommst.
:wink: Annabel
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