(Ko-)Autoren: Wer soll auf Publikationen draufstehen?

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(Ko-)Autoren: Wer soll auf Publikationen draufstehen?

Beitragvon AGH am 13.08.2010, 17:39

Einige von uns wissen ja, dass es Insitute gibt, an denen standardmäßig alle AssistentInnen des Instituts auf allen Publikationen (Artikel, Buchkapitel, Poster etc.) draufstehen, egal, ob sie jemals etwas dazu beigetragen haben oder nicht. Manche von uns können und wollen damit leben, anderen, wie mir, fällt das sehr sehr schwer.

Nun möchte ich in diesem Zusammenhang fragen, was aus Eurer Sicht richtig ist oder wäre (unabhängig davon, wie es bei Euch Usus ist!).
- Sollen Eurer Meinung nach all jene draufstehen, die inhaltlich etwas (was auch immer "etwas" heißt...) dazu beigetragen haben, auch im Vorfeld, egal, ob sie dann am eigentlichen "Werkstück" mitgeschrieben haben?
- Oder sollen nur jene draufstehen, die tatsächlich am Werkstück gebastelt haben (also Teile geschrieben haben und/oder Feedback darüber gegeben haben).

Wie seht Ihr das dann, wenn eine Person ausschließlich die Datenauswertung geliefert hat? Wenn also die Fragestellungen vorgegeben wurden, die Personen diese "nur" beantwortet hat? Dann hat sie ja eigentlich nichts Inhaltliches dazu beigetragen; ohne sie wäre das Werkstück aber niemals entstanden.

Wie seht Ihr dieses Thema?

Vielleicht ganz kurz der aktuelle Auslöser meiner Frage:
A. arbeitet wissenschaftlich. Und er schreibt grundsätzlich B. als Ko-Autor drauf, auch wenn B. nichts dazu beiträgt. Ich habe A. darauf angesprochen und gemeint, dass das doch unfair sei. A. war total perplex ob meiner Anmerkung und meinte: "Wieso denn? Dafür stehe ich dann auf seinen Publikationen drauf, ohne dafür etwas tun zu müssen!" (Aaaaah! Da wird mir so schlecht! Ich habe in solchen Momenten echt das Gefühl, ich muss gleich ko**en!).
Demnächst wird mich A. fragen, ob ich mit ihm gemeinsam etwas schreiben möchte (was er alleine nicht kann, er braucht auf jeden Fall jemanden dazu). Und ich fürchte, er wird automatisch B. mitdraufschreiben. Und ich sehe das nicht ein! Erstens empfinde ich das als falsch. Und zweitens ist es auch mir gegenüber ungerecht! Ich überlege nun, aus diesem Grund nicht mitzuarbeiten. Und ich frage mich echt, ob ich mir überhaupt den Wissenschaftsbetrieb langfristig "antun" will. Ich leide einfach unter solchen (und einigen anderen) Situationen... :-(


Liebe, traurige Grüße...
AGH
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Re: (Ko-)Autoren: Wer soll auf Publikationen draufstehen?

Beitragvon cine am 13.08.2010, 18:48

Hallo AGH,

bei uns ist der Erstautor derjenige, der fürs Zusammenfrickeln verantwortlich ist. Sonst stehen alle drauf, die einen nennenswerten Beitrag geleistet haben. Bei kleineren Beiträgen (Datenauswertung kann ja viel oder wenig sein) gibts teilweise auch nur eine Erwähnung in den Acknowledgements. Der Übergang dazwischen ist fließend, da kann ich dir nicht wirklich eine Grenze nennen.

LG cine
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Re: (Ko-)Autoren: Wer soll auf Publikationen draufstehen?

Beitragvon AGH am 13.08.2010, 19:13

Danke für Deine Antwort, cine!
"Nennenswerter Beitrag"...Jetzt nur auf den eigentlichen Artikel (als Beispiel jetzt) bezogen? Oder auf die ganze Vorarbeit bezogen?
AGH
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Re: (Ko-)Autoren: Wer soll auf Publikationen draufstehen?

Beitragvon cine am 13.08.2010, 21:52

Genau das ist der Graubereich, in dem ich mich nicht festlegen wollte ;-)
ich würde nicht nach Vorarbeit oder "taucht direkt im Paper auf" trennen, für mich kommts eher darauf an, wie viel Denkleistung in den Arbeiten steckt, würde ich sagen...
Wenn A zu B sagt "da hast du deinen Messplan, mach", B macht und gibt dann die Ergebnisse so, wie sie aus dem Gerät rauskommen zurück => Acknowledgements.
Wenn B die Daten hübsch aufbereitet und A das fertige Diagramm in die Hand drückt => würde man wohl nen Koautor daraus machen.
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Re: (Ko-)Autoren: Wer soll auf Publikationen draufstehen?

Beitragvon claudine am 14.08.2010, 03:18

das hängt imho nicht unbedingt von der denkleistung, sondern vom arbeitseinsatz ab.
beispiel von mir: ich stehe auf einer publikation drauf, von der ich null ahnung habe, ABER ich habe ca. 20 stunden arbeit in den datensatz gesteckt, der in der publikation genutzt wird (und nur dort, das war kein abfallprodukt von meinen eigenen daten), da empfinde ich es schon als fair das ich mit draufstehe. bei 3 minuten arbeit um irgendwelche matlabskripte anzuwerfen sieht das ganze natürlich etwas anders aus.
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Re: (Ko-)Autoren: Wer soll auf Publikationen draufstehen?

Beitragvon AGH am 14.08.2010, 10:31

Auch ein interessanter Ansatz! Danke Dir, Claudine!
So gesehen würden dann auch Personen draufstehen, die (nach Auftrag) Literaturrecherche gemacht haben und die Literatur dann organisiert haben, oder?

Liebe Grüße!
AGH
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Re: (Ko-)Autoren: Wer soll auf Publikationen draufstehen?

Beitragvon claudine am 15.08.2010, 19:45

So gesehen würden dann auch Personen draufstehen, die (nach Auftrag) Literaturrecherche gemacht haben und die Literatur dann organisiert haben, oder?


hängt davon ab, was "nach Auftrag" bedeutet. bei uns ist das so: wenn ein Hiwi einen Auftrag für die Literaturrecherche bekommt, kann man ihn als Ko-Autor draufschreiben, muss aber nicht (der Hiwi wurde ja für die X Stunden der Literaturrecherche bezahlt). Nimmt man aber die Ausarbeitung, die z.B. ein Student für seine Masterarbeit verfasst hat, dann muss der Student auf jeden Falls aufs Paper als Koautor.
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Re: (Ko-)Autoren: Wer soll auf Publikationen draufstehen?

Beitragvon oclock am 16.08.2010, 00:02

Laut DFG ist es ein wissenschaftliches Fehlverhalten, wenn jemand als "Ehrenauthor" mit auf einem Paper steht. Darunter fallen auch Professoren, die häufig als letztes auf dem paper mit drauf stehen. Das der Prof. das Geld an Land gezogen hat etc. interessiert nicht. Auch nicht, daß es ohne ihn euere Forschung gar nicht gäbe.

Mit anderen Worten: Entweder hat jemand etwas signifikantes beigetragen, oder nicht.

Ich höre dazu immer auf meine innere Stimme:

-Paper auf Basis einer Master-/Bachelor-Arbeit: Student steht mit drauf (als 2. Autor).
-Diskutiere ich mit Kollegen viel über meine Arbeit: Waren signifikante Anmerkungen dabei, die mir weitergeholfen haben, dann steht er auch auf dem Paper drauf.
-Gebe ich mein finales Paper Kollgen zum lesen: Sie gehen leer aus. Auch wenn ich Super Feedback bekomme.
-HiWis stehen mit drauf, wenn sie mir mit ihrer Arbeit viel Zeit erspart haben.
-Mein Prof./Betreuer steht eigentl. nie mit drauf (zum Glück will er das auch nicht).
-Wenn ich "copy&paste" von den Arbeiten meiner Kollgen mache (und sie den Text nochmal überarbeiten lasse), stehen sie mit drauf. Wenn ich das nicht will, dann fasse ich ihre Arbeiten in eigenen Worten zusammen und referenziere ihre Arbeiten

Allerdings habe ich im Hinterkopf auch immer "Leben und leben lassen". Der Wissenschaftsbetrieb ist Knallhart und die Anzahl der Publikationen ist wichtig. Ein Ego-Trip hilft auch niemandem. Andere mogeln permanent und wenn man dieses Spiel nicht mitspielt, kann man zwar stolz auf sich sein, findet dann aber keine Anerkennung mehr ;-)
Bei mir bedeutet das konkret, daß ich und meine Kollegin (mit der ich mir ein Büro teile) uns immer gegenseitig als Ko-Autoren nennen. Wir diskutieren allerdings auch städig über unsere Arbeiten, so daß ich das problemlos mit meinem Gewissen vereinbaren kann.

Für mich zählen übrigens auch alle Vorarbeiten. Das Paper schreibe ich meistens alleine.
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Re: (Ko-)Autoren: Wer soll auf Publikationen draufstehen?

Beitragvon saxomanix am 16.08.2010, 08:44

@ocklock:
handhabt aber auch wirklich jeder unterschiedlich! Zu Punkt 1 stimmt ich dir zu, mach ich auch so, Kollegen, die mir mit Diskussionen weiterhelfen usw pack ich in die Acknowledgement (Es sei denn derjenige hat quasi mit mir zusammen die Theorie entworfen und ich habs nur noch zu Papier gebracht - siehe Denkleistung und Arbeitseinsatz oben). Mein Prof steht immer als letzter drauf, auch wenn er teilweise nur den Wisch auf inhaltlichen Schwachsinn durchgeguckt hat...ich glaube, ich wuerde gevierteilt, wenn ich das nicht machen wuerde...
auf meiner aktuellen Arbeit steht zum Beispiel eine Kollegin mit drauf, weil die mich mit Material versorgt hat, dass sie nur fuer meine Versuche extra hergestellt hat und diesen Herstellungsprozess auch zu Papier gebracht hat...(mit den eigentlichen Ergebnissen hat das ja nix zu tun, jedoch hätte ich diese ohne sie auch nicht)
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Re: (Ko-)Autoren: Wer soll auf Publikationen draufstehen?

Beitragvon AGH am 16.08.2010, 10:53

Vielen Dank für Eure Beiträge!

Ich finde es einfach so schwierig; ich will einfach nicht dabei mitmachen, dass automatisch bestimmte Personen des Instituts (Profs, zum Beispiel, aber auch Assistentinnen) auf jeder Publikation mitdraufstehen, auch wenn sie gar (!) nichts dazu beigetragen haben. (Vor allem denke ich mir, gerade die Profs brauchen die Publikationen eh noch am wenigsten! Nicht, dass sie sie überhaupt nicht brauchen, aber sie haben ihre Habil ja eh schon!) Und auch umgekehrt kommt es für mich absolut nicht in Frage, wo draufzustehen, woran ich nicht gearbeitet haben. Aber wie weit komme ich dann in der Wissenschaft?

Als Erstautor habe ich da vielleicht auch noch recht gute Karten und kann am ehesten bestimmten, wer mitdraufsteht.
Aber was mache ich, wenn ich (brav arbeitender, viel dazu beitragender!) Ko-Autor bin und der Erstautor einen Freund von ihm und einen Prof mitdraufschreiben möchte, wobei beide nichts beitragen? So eine Situation steht mir bevor, fürchte ich, und ich weiß nicht, was ich dann tun soll. Ich habe versucht und werde es noch einmal versuchen, den Erstautor dazu zu bringen, beiden etwas zu tun zu geben (also dass sie etwas beizutragen haben), weiß aber nicht, ob das klappen wird. Einfach damit abfinden könnte ich mich maximal für diese konkrete Situation (ich habe schon so viel investiert, ich will jetzt nicht mehr abspringen), um dann mit dieser Person nicht mehr zusammenzuarbeiten. Aber dann ist wieder die Frage: wie weit komme ich dann in der Wissenschaft? Gibt es nicht irgendwie einen Weg, bei diesen Spielchen nicht mitzumachen und dennoch in der Wissenschaft voranzukommen?

Meine DM war super: Ich habe sie gefragt, ob es ihr "eh recht ist", wenn ich sie als Ko-Autorin auf einen Beitrag (Poster) draufschreibe. Ihre Antwort war "Nein, vielen Dank, aber das ist Ihre Arbeit, und ich habe noch nicht genug dazu beigetragen!" Woooow, war ich hinundweg! Ich hätte sie umarmen können!

Ach, liebes Forum, danke, dass ich jammern darf.
Bin einfach gerade in der Sinnkrise... .

Liebe Grüße!
AGH
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