E-Mails oder Chat als Interview?

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Re: wann ist es ein interview?

Beitragvon musicus am 22.07.2010, 21:23

Angara hat geschrieben:Unter einem Interview verstehe ich eine durch den Interviewer gelenkte Unterhaltung.

...mit dem Ziel, daß dieser eine Stellungnahme zu einem Sachverhalt abgibt. :P Ok, ich seh das wieder zu philosophisch, was ich aber sagen will ist, daß es eigentlich keinen Unterschied gibt zwischen Interview und … (?). Natürlich in der Methode (wer wird befragt, wann, wo, wie, offen, leitfadengestützt, usw.), aber am Ende hat man immer die Meinung des anderen eingeholt. Oder gibt es etwas anderes als Meinungen? :wink:
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Re: wann ist es ein interview?

Beitragvon Angara am 22.07.2010, 21:25

Kannst Du es nicht als "persönliche Stellungnahme von X gegenüber dem Autor" kennzeichnen?
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Re: wann ist es ein interview?

Beitragvon Mathilda am 23.07.2010, 07:12

Huhu,

sorry, war gestern gar nicht mehr hier.

musicus hat geschrieben:Wo siehst du den Unterschied zwischen "Expertenmeinung" und "Interview"?


Angara hat geschrieben:Unter einer Expertenmeinung verstehe ich eine Stellungnahme, die der Experte zu einem Sachverhalt abgibt. Unter einem Interview verstehe ich eine durch den Interviewer gelenkte Unterhaltung.


Danke :) - so sehe ich es auch.

Meiner Ansicht nach liegt der Knackpunkt hier in der Methodik, denn der Begriff Befragung/Interview ist nun mal in der emp. Forschung belegt und bezeichnet eben nicht jede Form von Frage-Antwort-Spiel, sondern es gibt gewisse Standards, an die man sich halten muss. [EDIT: Und auch für Experteninterviews gibt es eine Menge Empfehlungen.] Und deshalb fragte ( :wink: ) ich auch, wie das genau aussah und habe mich da wohl etwas ungeschickt ausgedrückt - ExpertenMEINUNG war wohl das falsche Wort, sorry.

Ich mache das vielleicht mal konkreter mit einem Beispiel aus meiner ( :P ) Diss: Meine Diss "spielt" in einem Umfeld, zu dem es kaum öffentlich zugängliche Infos gibt. Ich habe einen Praxispartner aus der Branche, und wenn ich Fragen hatte - z.B. dazu, wie bestimmte Verträge geregelt sind, oder wie sie die weitere Entwicklung von Konkurrent xyz einschätzen etc. (Randbemerkung: Ersteres würde ich nicht als Meinung bezeichnen, obwohl sicher auch subjektive Aspekte eine Rolle spielen für die Antwort) - hab ich da den ein oder anderen Mitarbeiter angerufen (oder eine Mail geschrieben) und gefragt. Das war "irgendwie" eine Befragung und ja, Rückfragen stellen durfte ich auch :wink: . Ich hab mir das Datum notiert und setze in meine Fußnoten jeweils "Telefonische Auskunft von xyz am [Datum]" oder "Auskunft per E-Mail von xyz vom [Datum]". Das als Interview zu deklarieren käme mir wie Hochstapelei vor. Ich komme ja aus dem Bereich Marktforschung, und der Begriff "Interview" ist dort ganz einfach mit einer bestimmten Methodik belegt (z.B. muss die Güte sichergestellt werden - ist das hier geschehen? War es standardisiert oder nicht? Eher nicht, vermute ich, also daher: Wurde vorher ein qual. Leitfaden entwickelt? Nach welcher Methodik wurde ausgewertet? Wurde nur eine einzige Person befragt? Etc. pp.).

Hoffe, so wird meine Meinung :wink: klarer. Ich glaube - jetzt kommt die super-pragmatisch-Lösung - ich würde einfach mal den DV fragen, wie er das gerne hätte.

Viel Erfolg weiterhin
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Re: E-Mails oder Chat als Interview?

Beitragvon snoozyandre am 23.07.2010, 10:39

tja, ich merke schon, es gibt divergierende meinungen dazu. die einen sehen es streng, die anderen lax. vielleicht sollte man das ganze auch je nach fall bewerten. wie wirkt das geschriebene auf einen...eher durchdacht oder eher "hingeschludert".
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Re: E-Mails oder Chat als Interview?

Beitragvon musicus am 23.07.2010, 18:13

Auf die "Wirkung" der Antworten kommt es m.E. überhaupt nicht an, das kannst du ja noch schwerer operationalisieren als die Fragen. Frage ich mal andersherum: wie würdest du (und auch die anderen) es denn nennen wollen, wenn du es nicht "Interview" nennst? Der Begriff fiel ja noch gar nicht.

@Mathilda: Du hast natürlich recht, daß es so stehende Begriffe je nach Fach gibt und wenn man sich daran hält, das dann auch der Verständlichkeit dient. Das lustige ist aber, daß ich grade vor ein paar Tagen darüber nachgedacht habe, was denn genau die Unterschiede zwischen wissenschaftlicher und journalistischer Arbeit sind, zwischen Nicht-Wissenschaftler und Wissenschaftler oder zwischen Experten und Nicht-Experten. Sooo einfach ist das gar nicht, finde ich.
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Re: E-Mails oder Chat als Interview?

Beitragvon Angara am 23.07.2010, 19:48

@snoozyandre: Vielleicht solltest Du beim "Interviewpartner" mal nachhaken, als was der diesen Austausch denn wahrgenommen hat bzw. was er meint, in welcher Form er sich geäußert hat. Nicht, daß es da zu Verwirrungen kommt. Es kann ja durchaus vorkommen, wenn das vorher nicht geklärt wird, daß der eine glaubt, eine offizielle Stellungnahme zu bekommen und der andere meint, er hätte lediglich privat und unverbindlich seine Meinung mitgeteilt.
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Re: E-Mails oder Chat als Interview?

Beitragvon Mathilda am 24.07.2010, 06:11

@musicus, mir scheint aber doch, dass es weniger fachbedingt ist, ob ich ein Interview nach wissenschaftlichem Standard führe oder nicht?! Da ist doch eher die Frage, für welchen Zweck man so ein Interview führt. Hier soll es ja in eine Diss und damit in eine wiss. Arbeit, insofern ist klar, dass es nur dann auch ein Interview ist, wenn es nach wiss. Kriterien geführt ist.

@snoozyandre,
snoozyandre hat geschrieben:vielleicht sollte man das ganze auch je nach fall bewerten. wie wirkt das geschriebene auf einen...eher durchdacht oder eher "hingeschludert".

Die Aussage verstehe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht. Ich bin natürlich davon ausgegangen, dass Du, wenn Du auswertest und die Ergebnisse berichtest, diese so objektiv wie möglich schildern wirst ("schludern" ist schon mal kein objektives Herangehen). Ich gehe immer noch davon aus, dass es sich um eine qualitative Befragung (?) handelt, daher mal ein Lit-Tipp: Bortz/Döring, Forschungsmethoden und Evaluation, Kapitel "Qualitative Methoden" (in der vierten Auflage geht das auf S. 295 los). Ich sags ehrlich, auch wenn es klugschei*erisch klingt: Für mich hört sich das ein bisschen an, als hättest Du irgendwie Kontakt mit jemandem gehabt, der sich in Deinem Bereich auskennt und dem mal ein paar Fragen gestellt, und das möchtest Du jetzt für die Diss nutzen. Aus meiner Sicht machst Du Dich damit sehr angreifbar, wenn Du das als "Interview" deklarierst - außer, Du erfüllst die Regeln, die an wiss. Erhebungen zu erfüllen sind. Wenn nicht, würde ich es lieber anders nennen (Aussage/Stellungnahme/per Mail geäußerte Meinung oder wie auch immer).

Nur meine Meinung :wink:

Viel Erfolg
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Re: E-Mails oder Chat als Interview?

Beitragvon snoozyandre am 24.07.2010, 14:34

danke für die äußerungen. tja, mir ist doch völlilg bewusst, dass das im grenzbereich der ordentlichen wissenschaftlichen arbeit anzusiedeln ist, deswegen habe ich den thread ja gestartet. wenn ich es nicht interview nennen würde, wie wäre es mit "Expertenbefragung via E-Mail" oder "internetgestützte Expertenbefragung"?
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Re: E-Mails oder Chat als Interview?

Beitragvon Angara am 24.07.2010, 18:40

snoozyandre hat geschrieben:danke für die äußerungen. tja, mir ist doch völlilg bewusst, dass das im grenzbereich der ordentlichen wissenschaftlichen arbeit anzusiedeln ist, deswegen habe ich den thread ja gestartet. wenn ich es nicht interview nennen würde, wie wäre es mit "Expertenbefragung via E-Mail" oder "internetgestützte Expertenbefragung"?

Ich glaube die Geschichte würde einen etwas wissenschaftlicheren Anstrich bekommen, wenn Du die Meinung eines zweiten Experten per E-Mail einholen würdest. Nur einen zu befragen wirkt immer seltsam, in der Wissenschaft genauso wie im Journalismus.
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Re: E-Mails oder Chat als Interview?

Beitragvon snoozyandre am 25.07.2010, 10:23

ja, ich befrage insgesamt 50 experten, aber auch persönlich.
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