Wie wichtig ist der Schreibstil?

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Re: Wie wichtig ist der Schreibstil?

Beitragvon roggentoast am 28.07.2010, 15:05

Hi liebe Forengemeinde!

War jetzt länger nicht in der Lage mal wieder reinzuschauen. Freut mich, dass ich mit meiner eigenen Meinung fast vollständig den euren nahe komme.
Was mir aber kaum einer sagen konnte: Ob es hilfreiche Software (egal ob on- oder offline) gibt, die mir auf die Sprünge hilft und mich etwas "überwacht", bzw. die mir beim Korrekturlesen eine kleine Hilfestellung gibt?
Habe zwar was von einer Dudensoftware im Kopf, bei der ich aber nur zum größten Teil die Grammatik analysieren lassen kann. Bin auch schon ewig auf der Suche nach sowas... aber bisher konnte mein Durst danach nicht gestillt werden. ;)

Würde mich freuen, wenn da einer vllt einen hilfreichen Tipp für mich hätte. Ebenso bin ich sofort an der Tastatur, wenn ich was interessantes finden sollte.

Euer
r.toast ;)
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Re: Wie wichtig ist der Schreibstil?

Beitragvon Angara am 28.07.2010, 15:43

Eine Software, die Deinen Stil überprüft? Ich kann mir nicht vorstellen, wie sowas funktionieren soll. Die Grammatik zu überprüfen ist (wenigstens bei flektierenden und agglutinierenden Sprachen) wesentlich einfacher, weil sich die grammatische Struktur noch relativ gut formalisieren läßt. Und trotzdem hat die Entwicklung solcher Software Jahre gedauert und ist immer noch weit davon entfernt, bei nichttrivialen Texten konsequent richtige Ergebnisse zu liefern.

Der "Stil" in dem geschrieben wird ist weitaus schwerer zu formalisieren, wenn überhaupt. Daher würde ich mir in dem Bereich von einer Software nichts versprechen. Wenn es die überhaupt gibt, dann wird die weit entfernt davon sein, durchgängig einen Stil auf dem hohen Niveau sicherzustellen, das von einer Dissertation erwartet werden muß.

Übrigens verfällt man mit so einer Software leicht der Versuchung so zu schreiben, daß man den Computer zufrieden stellt. Das ist aber falsch. Dissertationen, wie alle wissenschaftlichen Arbeiten, werden von Menschen für menschliche Leser geschrieben. Und Menschen werden bis auf weiteres einfach besser darin sein, einen für andere Menschen angenehmen Stil zu schreiben und das Ergebnis zu beurteilen.
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Re: Wie wichtig ist der Schreibstil?

Beitragvon Peter2010 am 28.07.2010, 17:43

roggentoast hat geschrieben: Dabei wäre die Frage, muss ein Text, der sowieso schon ein schwieriges Thema aufweist auch schwierig und komplex geschrieben sein?


Liebe Gemeinde,

diese Diskussion nötigt mich, eine Anekdote zu erzaählen, die am Institut für Asien- und Afrikawissenschaften der Humboldt-Universität spielte. Als Doktorand, der von einer anderen Hochschule kam, wurde ich doch tatsächlich verpflichtet, noch einmal an Seminaren teilzunehmen, in denen Studenten des Grund- und Hauptstudiums bunt gemischt waren. Noch erschwerender kam hinzu, dass das Leistungsprinzip dort wohl keine Anwendung fand. Jedenfalls referierte ich zum Thema Vorausstezungen der Demokratisierung in einem asiatischen Land. Die Kritik anschließend war verheerend: Ein Teilnehmer sagte, meine Berarbeitung hätte für eine dortige Marktfrau keinen praktischen Wert, sie könnte mein Referat ja noch nicht einmal verstehen.

Ich will nur sagen: Es gibt an Universitäten so viele Menschen, die selbst die irrwitzigsten Attacken nicht scheuen, um die Forschungsarbeit eines Dritten zu desavouieren. Egal, wie man schreibt, man wird es manchen Kollegen nie recht machen können. Die Kombination aus Fachautorität und komplexer Sprache (zahllose Fremdwörter und Schachtelsätze) führt aber dazu, dass man sich mit Sprache schützen kann. Das ist manchmal auch ganz hilfreich, denn es geht an deutschen Universitäten nicht nur um Wissenschaft und Forschung, sondern auch um Geld, Macht und Karrieren. Das ist bedauerlich, aber leider nicht zu ändern.

Beste Grüße,
Peter
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Re: Wie wichtig ist der Schreibstil?

Beitragvon oclock am 29.07.2010, 02:36

Software, die den (englischen) Schreibstil bewertet und Korrekturen verschlägt etc. : "Whitesmoke" (erster Treffer, wenn das Wort bei Google eingibt). Benutze ich seit einiger Zeit und habe damit mach einer Publikation noch den letzten Feinschliff verpasst. Aber Wunder erwarten sollte man nicht.

Zum Thema:
Ich finde die Frage ungenau, weil das Wort "komplex" nicht eindeutig definiert wurde. Jeder hat da seine eigene Definition.

In meinen Publikationen versuche ich wo es nur geht Formeln zu verwenden, um etwas auszudrücken. Klar, man benötigt länger, um die Aussage zu verstehen, aber es ist dafür sehr präzise. Manche finden es komplex, manche sagen Danke dafür. Und jedem recht machen kann man es sowieso nicht.

Ich finde eine Publikation "komplex", wenn die Struktur schlecht ist. Wenn ich dem Gedankengang nicht mehr folgen kann, weil der Author sich keine Gedanken über die Anordnung seiner Aussagen macht. Auch finde ich es schlecht, wenn ständig zwischen persönlicher Meinung und wissenschaftlichen Fakten hin und her gesprungen wird.
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Re: Wie wichtig ist der Schreibstil?

Beitragvon postscriptum am 13.10.2010, 19:08

Hallo zusammen,

diese für mich sehr interessante Diskussion veranlasste mich, mal aus meinem Lurker-Dasein aufzutauchen.

Ich bin beileibe kein Doktorand, habe aber beruflich bedingt oft mit wissenschaftlichen Arbeiten zu tun. Nebenbei bin ich auch ein kleiner Stilfetischist, davon mal ganz abgesehen... *Mir* wäre als Prüfender ein Stil sehr wichtig! :stressed: Ich reagiere absolut allergisch auf Monstersatzbauten und verschwurbeltes, unnötig kompliziertes Bla.

Wie auch immer - eine Software, die den Stil überwacht, wäre mir auch neu. Natürlich gibt es den "DUDEN Korrektor", den ich auch gerne nutze. Auch wenn die Kontrolle m. E. besser ist als die, die bei Word serienmäßig dabei ist, dürften stilistische Fragen nur höchst selten automatisiert lösbar sein. Wie sollte das auch funktionieren? Vorstellen könnte ich mir höchstens eine "Warnung", wenn Sätze zu lang werden.

Ich fürchte, dabei kann man auf menschlichen Verstand und Sprachgefühl nicht verzichten. Dafür gibt es ja schließlich diese komische Spezies Mensch, genannt Lektoren. :)

Ansonsten gibt es eine ganze Reihe schlaue Bücher zum Thema. Wolf Schneider wurde ja bereits genannt und ist auch ein Tipp von mir. Reiners Stilfibel wäre ein weiterer Klassiker, der allerdings kaum (oder vielmehr gar nicht) auf wissenschaftliches Schreiben eingeht. Dennoch für alle Schreibende eine lohnende Lektüre.

(Ich will eigentlich keine Werbung machen, aber ich bin freier Lektor und habe mit dieser "Problematik" täglich zu tun... also, liebe Schreibenden, könnt euch ein Lektorat. Eure Leser werden es euch danken. Nicht als plumpe Werbung gemeint - ist aber so.)

Weiterhin gute Inspiration!

Herzliche Grüße
Michael
postscriptum
 
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