Externe Promotion - Vertragsabschluss

Anfangen mit der Diss: Abgeschlossene Diskussionen (Doktorvatersuche, Expose...)
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Re: Externe Promotion - Vertragsabschluss

Beitragvon nK am 12.07.2010, 13:13

Mit der selben Argumentation könnte dieser Prof. auch von allen anderen Studierenden Bezahlung verlangen. Auch eine Vorlesung oder ein Seminar macht schließlich eine Menge Arbeit und will ebenso finanziert werden wie die Betreuung einer Diss. An öffentlichen Hochschulen erfolgt diese Finanzierung durch das jeweilige Bundesland. Soweit ich weiß, erhält ein Prof. für jeden betreuten Doktoranden auch einen Betrag X, um diesen Mehraufwand abzugelten. Ob und inwieweit das Bundesland von seinen Studierenden für die Finanzierung dieser Leistungen Gebühren verlangt, hat das Bundesland zu entscheiden, nicht aber der Prof. selbst.

Ob freilich der Prof. Dich als Doktoranden annimmt, kann er selbst entscheiden. Und auch wenn er das mit sachfremden Erwägungen ablehnt, sehe ich keine erfolgversprechende Möglichkeit, ihn dazu zu zwingen. Es gibt doch aber bestimmt noch andere Profs, die einen motivierten und geeigneten Doktoranden, der sich selbst bereits eine passende Finanzierung organisiert hat, gerne nehmen, oder?

Erfahrungen mit derartigen Konstellationen - Du wirst es Dir schon gedacht haben - habe ich (zum Glück) keine.

Viel Erfolg!
Martin
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Re: Externe Promotion - Vertragsabschluss

Beitragvon Mathilda am 12.07.2010, 13:15

Hallo FPN,

so ganz verstehe ich die Konstruktion noch nicht, die Deinem Prof vorschwebt. Sehe ich das richtig: Dein Gehalt geht an die Uni und Du wirst daraus finanziert? Sprich, Du wärest an der Uni auf einer Drittmittelstelle angestellt?

Da gibt es in der Tat einen ziemlich hohen Anreiz für den Prof, das so zu regeln, denn er wird (auch) an den eingeworbenen Drittmitteln gemessen. Mir scheint aber, dass das etwas komplett anderes ist, als Dir vorschwebt, denn dann wärest Du an der Uni angestellt. Oder verstehe ich was falsch?

Solche Konstruktionen kenne ich durchaus, so ein Modell hat mein DV auch bei einigen Kollegen von mir :wink: - in dem Fall wurde das dann so berechnet, dass für den Doktoranden eine x%-TVL-Stelle rauskam. Das Unternehmen zahlt also an die Hochschule eine Summe, die sich Arbeitgeberbrutto und - nicht zu vergessen - den Anteil an den eingeworbenen Drittmitteln, die auf dem Weg von der Hochschulverwaltung in die Lehrstühle "verschwinden" ("Verwaltungsgebühren", macht gar nicht mal sooo wenig aus) ergibt.

Keine Ahnung, wie die Machtposition vom den DV aussieht, aber könnte es sein, dass er erstmal pokert? Das wäre nämlich für ihn die bequemste Vorgehensweise, er hätte Drittmittel eingeworben - und das ist aus professoraler Sicht sehr wichtig - und er hätte einen neuen Mitarbeiter, nämlich Dich. Ob und wie weit er Dich auch als Drittmittel-Mitarbeiter in die LS-Tätigkeiten einbindet, ist noch fraglich, lässt sich evtl. auch vertraglich regeln - aber bedenke die doppelte Abhängigkeit, in die Du Dich begibst (Dein DV wird dann auch Dein Arbeitgeber), da lässt sich nicht sooo einfach mal eben was abblocken. Plus, Du sitzt noch mal zwischen den Stühlen, weil das Unternehmen Dich ja finanziert und auch noch was von Dir will. Wie soll das denn aussehen - wo würdest Du arbeiten? Wer hat welchen Zugriff auf Dich?

Alles Gute
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Re: Externe Promotion - Vertragsabschluss

Beitragvon FPN am 13.07.2010, 10:19

Moin Mathilda,

du hast es auf den Punkt gebracht.

Wie ich schon geschrieben habe, ist es mir reichlich egal, ob das Geld vom Unternehmen an mich geht, oder zu erst über ein Uni Konto. Das einzige was ich nicht möchte, ich dass ich mich hierfür noch zusätzlich an der Uni einbringen muss. Ich habe keine Lust meine Zeit zusätzlich am Lehrstuhl zu verbringen und dort Klausuren zu korrigieren. Hätte ich diesen Schritt gewählt, wäre eine traditionelle, interne Promotion das richtige für mich gewesen - das wollte ich aber definitiv nicht!

Hier werde ich meine Pflichtkurse besuchen und damit sollen meine Verpflichtungen abgehandelt sein. Mein Prof. soll sich damit zufrieden geben, dass er 150.000.-€ mehr Drittmitteleinwerbung bekommt und ich bin aus dem Schneider.

Die interessante Konstellation ist, dass mein Prof. mich will (oder auch das Unternehmen), ich aber auch sehr gerne zu ihm gehen würde und das Unternehmen mich als Doktoranden haben möchte. (zum DV: Nur gutes Feedback von Dritten erhalten, sehr anspruchsvoll, zugleich aber auch hilfsbereit). Die Abhängigkeit ist somit eine Dreieckskonstellation.

Wir haben morgen unsere ersten Vertragsverhandlungen, auch mit Mitgliedern der beiden Rechtsabteilungen, dann mal schauen was da zu Tage kommt. Ich danke Euch auf jeden Fall schon einmal für das zahlreiche Feedback!

Grüße

FPN
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Re: Externe Promotion - Vertragsabschluss

Beitragvon claudia am 13.07.2010, 11:25

Hallo zusammen,

nach Überfliegen der Beiträge bin ich ehrlich gesagt auch etwas verwundert über die Haltung des Profs. :shock:

Vorweg, es geht mir nicht darum, dass der Prof ausschließlich an den wissenschaftlichen Neuerungen deiner Diss interessiert sein soll, aber hier besteht mE ein großes Missverhältnis zwischen den wissenschaftlichen und den finanziellen interessen- sehe das so wie nK; es ist auch die Aufgabe des Profs Doktoranden anzunehmen und zu betreuen; er bekommt hierfür ggf. Leistungszulagen zu seiner Vergütung; das Institut bekommt für jede abgeschlossene Diss Geld; und (dies scheint der Hintergrund zu sein); die meisten UNis legen auf jeden eingeworbenen Drittmittel-Euro noch einen weiteren drauf, so kommt schnell ein hübsches Sümmchen zusammen. Wenn dies das primäre Ziel dieses Profs ist, dann schließe ich mich auch hier nK an; es gibt bestimmt noch mehrere Profs, die an den Erkenntnissen deiner Diss interessiert sind und froh wären, wenn Du Dich um die Finanzierung Deiner Diss selbst kümmerst (mit nen 50%-Anstellung in einem Unternehmen, dass auch noch Dein Thema betrifft).

:idea: Vorschlag: Nimm den 50%-Job beim Unternehmen als Diss-Finanzierung und such dir nen anderen DV, als externer ist der betreuungsaufwand nicht sooooooooooooo hoch, bei mir ists auch nur ein tendenzgespräch....

viel erfolg...!

claudia :)
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Re: Externe Promotion - Vertragsabschluss

Beitragvon Laplace am 13.07.2010, 12:55

Bei dieser Frage registriere ich mich doch auch mal (ich lese schon lange hier im Form mit. Das ist sehr fein zu hören, dass andere Leute genau die gleichen Stolpersteine haben)

Ich selbst bin in an einer Uni angestellt, arbeite aber in einem Unternehmen in einer ganz anderen Stadt. Das ist genau die hier besprochene "Problematik".

Unabhängig von moralischen Überlegungen (darf der Prof sowas fordern) berichte ich mal zu den Vor- und Nachteilen so eine Konstruktion. In meinem Arbeitsvertrag (TVL 100%, wie bei Ingenieuren üblich) steht drin, dass bei Drittmittelstellen keine Lehrverpflichtung anfällt. In der Praxis ist es fast gar nichts: Ein bisschen bei sowas mitzumachen, finde ich gar nicht schlecht (man lernt ja auch etwas dazu). Aber es hält sich extrem in Grenzen. Ich bin auch sehr selten an der Uni; am Anfang fast gar nicht, vielleicht im Schnitt alle 10 Wochen mal.

Ein unschlagbarer Vorteil bei der Arbeit in der Firma: Weil ich nicht direkt bei der Firma angestellt bin, kann ich mich ganz und gar auf mein Projekt konzentrieren und muss fast nix anderes machen. In Ausnahmen natürlich schon, man will ja auch nicht zu allem "Nein!" sagen. Aber hier gilt auch wieder: Das hält sich sehr in Grenzen. Ich kenne auch Leute, die direkt in einer Firma angefangen haben und entnervt abgebrochen haben, als zu Kriesenzeiten mehr auf den Umsatz als auf die Diss geschaut werden musste.

Grundsätzlich spricht für mich nix dagegen. Der Prof freut sich über gute Drittmittelzahlen, du hast oben genannte Vorteile und die Firma kostet es auch nicht mehr (in großen Firmen lassen sich externe Aufträge sogar in der Töpfchenwirtschaft gut unterbringen, wen sie mitmachen wollen).

Allerdings musst du so eine Konstruktion mit allen beteiligten vorher auch gut absprechen. Du hast dann mindestens zwei Chefs (in der Firma und in der Uni), die etwas von dir erwarten. Und Profs ist es (dem Hörensagen nach) mitunter auch egal, was formal im Arbeitsvertrag steht - und gleichzeitig bist du von allen Seiten abhängig. Wie alles klappt, musst du selbst entscheiden. Du kennst die beteiligten selber am besten.
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