Zitate aus nicht-schriftlichen Quellen wortgetreu?

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Zitate aus nicht-schriftlichen Quellen wortgetreu?

Beitragvon musicus am 15.06.2010, 23:00

Hallo zusammen,

wie geht ihr (vornehmlich Geisteswiss./Historiker) mit nicht-schriftlichen Quellen und deren Zitation um: gebt ihr das Zitat im Charakter der mündlichen Kommunikation unverändert wortgetreu wieder, oder macht ihr daraus eine inhaltlich entsprechende "Schriftform"? Beispiel: Primärquelle ist eine Aussage in einem Fernsehinterview. Sprecher sagt dort:

"Ich mag ja, äh, diese neuen Materialien, hübsch hübsch, Sie wissen ja, wie soll ich sagen, ich glaube nicht, daß es gut ist, sowas dann aber gleich als Schreibtischplatte zu machen, daraus zu machen, und dann sozusagen in dieser Hinsicht als Möbelstück zu verkaufen. Daran habe ich kein Interesse, weil ich finde, da gibt es doch, wenn man sich das mal überlegt, so ist das einfach nicht zweckmäßig, unpraktisch, das funktioniert einfach nicht."

Ich möchte jetzt gerne daraus ein kürzeres Zitat machen, z.B.: Der Künstler Pablo Pikusso lehnt den Einsatz des neuen Materials in funktionalen Zusammenhängen ab: "........."

Würdet ihr es hier als ok ansehen, das ganze etwas zu "verschriftlichen"? So z.B: "Ich mag ja das neue Material, glaube aber nicht, daß man daraus gleich eine Schreibtischplatte machen sollte. Daran habe ich kein Interesse, es ist nicht zweckmäßig und unpraktisch, das funktioniert einfach nicht." (Pikusso im Interview von Frau-TV am 6.6.66)

Wenn ok, wie mache ich das aber kenntlich? Wie lautet der Fachbegriff dafür?
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Re: Zitate aus nicht-schriftlichen Quellen wortgetreu?

Beitragvon Dr. House am 16.06.2010, 14:42

Ich würde sagen, das kannst Du machen!

Im Printjournalismus ist das Gang und Gäbe. Also, Du solltest einen Wissenschaftler da nicht blöd rüberkommen lassen. Wenn Du es nicht besonders betonen möchtest, solltest Du Füllwörter streichen, Umgangssprache und Grammatik eventuell auch.

Der Einfachheit halber würde ich vorschlagen, dass Du kein direktes Zitat nimmst, sondern paraphrasierst.

Oder erläre es in der Fussnote, wenn es O-Ton sein soll.

Gib als Beleg, wenn möglich eine Längenangabe mit an!

Gruß,

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Re: Zitate aus nicht-schriftlichen Quellen wortgetreu?

Beitragvon Frl.Schröder am 17.06.2010, 14:44

Das geht, hat aber mit Printjournalismus nichts zu tun.

Würdest Du es mit allen Interjektionen, Füllwörtern und falschen Satzanfängen transkribieren, dann wäre der Fachbegriff "isomorph". Also kannst Du schreiben, dass Du eben nicht isomorph transkribierst, da es Dir um den Inhalt, und weniger um die Gesprächsführung (die ist in manchen Arbeiten ja auch wichtig) geht.
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Re: Zitate aus nicht-schriftlichen Quellen wortgetreu?

Beitragvon claudia am 17.06.2010, 15:16

Hi musicus,

ich würde schon das Originalzitat angeben- allerdings die Füllworter (ähs, hs, etc.) rauslassen, stattdessen (...) in das Zitat stecken, das ist doch üblich und entstellt den Sinn nicht. und der Zitierte kommt nicht doof rüber.

LG Claudia :)
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... ist nicht mehr dabei.
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Re: Zitate aus nicht-schriftlichen Quellen wortgetreu?

Beitragvon musicus am 17.06.2010, 15:42

Vielen Dank für die Antworten! Habe auch erst versucht, mit [...] zu arbeiten, aber dann muß man [häufig] noch ein [Wort] einfügen, um es rund zu bekommen, das ist dann etwas unhübsch. Ich denke, ich werde es so machen, wie von Frl. Schröder vorgeschlagen. Auch der Hinweis auf die Zeitangabe ist sicher wichtig, hatte ich nicht bedacht, viele Quellen sind aber ohnehin nicht öffentlich zugänglich.
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Re: Zitate aus nicht-schriftlichen Quellen wortgetreu?

Beitragvon deliliah am 19.06.2010, 10:24

Zitierst du direkt aus einer Quelle (und die ist meist nicht vollständig oder schön formuliert), dann musst du sie wortgenau zitieren. Sonst würdest du das Zitat verfälschen.

Wenn du indirekt auf eine Quelle eingehst, kannst du paraphrasieren.

Bei direkten Zitaten auch mal ein : [Füllwort] einzusetzen (oder sogar mehrere) ist völlig normal. Sieht vielleicht nicht schön aus, ist aber wissenschaftlich korrekt.
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