Oh, die Motivation

Fragen aus der laufenden Arbeit an der Dissertation.
Literatursuche, Motivationsprobleme, Lehrtätigkeit, Ärger mit dem Prof u.v.m.

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Wichtel-Lise

Oh, die Motivation

Beitragvon Wichtel-Lise » 03.06.2010, 10:40

Hallo...

bisher hab ich ja immer nur fleissig im Forum mitgelesen.
Kurz zu mir: ich bin nun seit 5 Monaten am promovieren (Stipendium) - und hab den Eindruck, dass der "Flow" irgendwie nicht so recht kommen will. Ich steck fest und weiß nicht, wie ich weiter machen soll (und teilweise auch will - aber das ist die Reaktion auf das "kann" :? )

Habt ihr auch manchmal (oder öfter) dieses Gefühl der Orientierungslosigkeit? Für mich ist es sehr ungewohnt. Bisher hat irgendwie immer alles gepasst: eins ist auf das andere gefolgt. Und jetzt ist die Situation eben komisch - noch rund 2,5 Jahre Zeit scheint mir eine lange Zeit, aber wenn ich sehe, wie schnell die 5 Monate vorbeigegangen sind... Puh, da wird mir ganz anders. :shock:

Hmm ich hab mir grad durchgelesen, was ich gerade geschrieben habe. Es ist konfus, aber ich hoffe, dass trotzdem jemand antwortet...

Viele liebe Grüße
Wichtel

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Martin

Re: Oh die Motivation

Beitragvon Martin » 03.06.2010, 11:00

Bei der Bewerbung um das Stipendium hast Du doch sicher ein Exposé mit Arbeitsplan eingereicht? Ist der gut durchstrukturiert oder eher vage gehalten? Der Arbeitsplan in meinem Exposé war ziemlich detailiert ausgearbeitet und gab mir während der ganzen Promotionszeit ziemlich genau die Richtung vor. Ich habe tatsächlich alle Kapitel meiner Diss. mehr oder weniger hintereinander abgearbeitet, also zunächst Theorie und historischer Hintergrund, dann methodisches Design und schließlich meine Untersuchung mit Auswertung. Bei einer sozialwissenschaftlichen Studie geht das sicherlich besser als bei einem rein geisteswissenschaftlichen Thema.
Vielleicht hilft es Dir, wenn Du in den nächsten Wochen erst einmal versuchst, eine detailierte Kapitelstruktur zu entwickeln bzw. Deinen Arbeitsplan zu konkretisieren. Nach meiner Erfahrung lohnt es sich auf jeden Fall, zunächst das konkrete Ziel und die Marschrichtung festzulegen, bevor man losläuft. Vielleicht hilft Dir das aus Deiner Orientierungslosigkeit...

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Eva
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Re: Oh die Motivation

Beitragvon Eva » 03.06.2010, 11:11

Wie sieht es mit festen Strukturen und Arbeitsrhythmen aus? Hast du einen festen Arbeitsplatz? Beginnst du regelmäßig zur gleichen Zeit, machst regelmäßige Pausen? Erlaubst du dir Freizeit? Wochenende? (ohne schlechtes Gewissen!)
Hast du feste Hobbies oder Nebenjobs, z.B. einen festen Sporttermin in der Woche, irgendwas draußen mit Menschen (um der Vereinsamung vorzubeugen), etwas, das dir unmittelbare Bestätigung gibt?
Zur Lektüre empfehle ich ansonsten Writing your dissertation in 15 minutes (Link zu Amazon.de) a day von Joan Bolker.
Geholfen hat mir am Anfang auch Schluss mit dem ewigen Aufschieben. Wie Sie umsetzen was Sie sich vornehmen (Link zu Amazon.de) " von Hans-Werner Rückert

Viel Erfolg!
Eva
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Grund: Bücher verlinkt zu Amazon

saxomanix

Re: Oh die Motivation

Beitragvon saxomanix » 03.06.2010, 12:21

In welchem Bereich promovierst du? Meine Motivation rennt auch gerade nackig mit nem Cocktail in der Hand ueber die Wiese...meine bisherige Arbeit ist zu gut gelaufen und nu bin ich mit meinem eigentlich Problem fertig und dreh däumchen und Cheffe will auch einmal einen "was machen sie die nächsten 1,5 Jahre" Plan von mir haben? Hallo, ich weiss doch nicht mal, was ich morgen mache..argh...(promovier im Ing.bereich, da macht man keine Exposes, da ich ne Haushaltsstelle bin, hab ich auch keine Projektvorgaben! Fuer man einen himmlische Verhältnisse, fuer mich grade nervig!)
LG

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Wierus
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Re: Oh die Motivation

Beitragvon Wierus » 03.06.2010, 13:19

Wichtel-Lise hat geschrieben: Ich steck fest und weiß nicht, wie ich weiter machen soll (und teilweise auch will - aber das ist die Reaktion auf das "kann" :? )
Habt ihr auch manchmal (oder öfter) dieses Gefühl der Orientierungslosigkeit? Für mich ist es sehr ungewohnt. Bisher hat irgendwie immer alles gepasst: eins ist auf das andere gefolgt. Und jetzt ist die Situation eben komisch - noch rund 2,5 Jahre Zeit scheint mir eine lange Zeit, aber wenn ich sehe, wie schnell die 5 Monate vorbeigegangen sind... Puh, da wird mir ganz anders. :shock:

Diese Motivationstiefs kenne ich. Selbstzweifel von wegen "Was mache ich hier überhaupt?" oder "Was soll das eigentlich bringen?" kenne ich und ich bin seit Ende April 2009 "dabei". Ich hab auch letztens in der UB einen Kommilitonen getroffen, der seit einem halben Jahr ebenfalls promoviert, und der war auch ziemlich "orientierungslos". Meinte irgendwas von "Ich habe keine Ahnung wie ich das jetzt angesehen soll, stehe voll auf dem Schlauch und mir fehlt zudem irgendwie der Antrieb."

Aber ich denke solche Sorgen und Nöte sind normal und gehören bei so einem relativ selbstständigen Projekt einfach dazu. Das muss man überwinden, genauso wie ich zB demnächst meinen inneren Schweinehund niederkämpfen muss um mich wieder fokussiert ans eigentliche Schreiben zu setzen. Am besten sagt man sich immer wieder: "Einfach weitermachen! Am Ball bleiben!"
Irgendwas lesen oder exzerpieren geht immer, auch wenn's nur ein fünfseitiger Artikel ist. Und wenn man den anpackt ist man schon wieder mittendrin und kann darauf aufbauend weitermachen.

//edit: Ich sehe, meine Tipps sind ziemlich banal... aber was soll's, das Motivationsproblem ist ebenfalls banal! :mrgreen:

Wichtel-Lise

Re: Oh die Motivation

Beitragvon Wichtel-Lise » 03.06.2010, 14:36

@ Martin
tja... natürlich habe ich ein Exposé geschrieben (musste ich zur Bewerbung bei der Stiftung)... Der Zeitplan ist aber bei näherer Betrachtung doch sehr vage und zudem noch auf zwei Jahre ausgelegt (müssen die ja, auch wenn dann eigentlich doch immer 3 Jahre gefördert werden)... Den könnte ich aber konkretisieren. Nur stellt sich da das Problem, dass ich halt eben selbst nicht so genau weiß, wie ich weiter machen soll.
Das mit den Kapiteln hab ich mal ansatzweise versucht. Nur kommt noch eine Sache dazu, die das ganze verkompliziert: die Fragestellung muss ich ernsthaft in Frage stellen... Irgendwie scheint mir das nicht so recht zu funktionieren, wie ich mir das vorgestellt habe. Ach ja, fachlich gesehen ordne ich meine Diss den Sozialwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften zu - eine eher theorielastige Arbeit mit qualitativen Interviews die dann meine Theorieentwicklung (oder was da auch immer herauskommen wird) nochmal überprüft.

@Eva
Die Bücher schau ich mir mal an! Was feste Arbeitszeiten angeht: Fehlanzeige. Das klappt nie so ganz wie ich mir das vornehme. Hab zwar ein Büro an der Uni (und bin da auch zweimal die Woche) und einen Schreibtisch samt Zimmer zu Hause, aber die Regelmäßigkeit fehlt. In der Diplomarbeit war das eigentlich gar kein Problem. Nur habe ich, wie schon gesagt, so das Gefühl, dass ich nicht so richtig reinkomme...

@Saxomanix
Hihihi die Motivation rennt nackig mitm Cocktail in der Hand über die Wiese... :D ich muss lachen... hast du dir das mal bildlich vorgestellt? Das tut gut. :lol: Mein Bereich ist so Sozialwissenschaften/Wirtschaftswissenschaften - das kann bei mir nicht so ganz klar gesagt werden. Der DV meinte mal, ja er habe damals seine Diss geschrieben, musste die aber wohl weitreichend überarbeiten. Er kenne das mit dem strukturierten promovieren überhaupt nicht. Ein weiterer Kommentar war auch mal, dass sich die Fragestellung des Exposés sich sowieso noch ändern wird... Das alles hilft mir dann nur nicht so weiter. Das Thema scheint mir so handfest, wenn ich mein Exposé lese - und wenn ich dann mit was anfange, scheint es mir doch irgendwie zu schwammig.

@Wierus
Banal mag das sein - heißt aber ja noch lange nicht, das es unwichtig wäre :) Tja... lesen tu ich ja auch und exzerpieren auch - nur mir fehlt der Plan. Ich knoddel so vor mich hin, aber ob das im Hinblick auf die Diss was bringt, steht auf einem anderen Blatt (das ich nicht vorliegen habe :P ) Ist halt alles mehr oder weniger planlos. Ahpühhhh. Und dann hab ich ja nächste Woche noch einen Vortrag im Kolloquium. :stressed:

p.s. ich mag die smilies und auslassungspunkte - hat das schon jemand gemerkt :)

kivio

Re: Oh die Motivation

Beitragvon kivio » 03.06.2010, 14:58

Hallöchen Wichtel,

so schlimm, wie das jetzt aussieht, ist es im Endeffekt gar nicht. Mein Ausgangsexposé musste ich auch komplett umschmeißen im Laufe der Forschungsarbeit, weil sich schlicht und hergreifend herausstellte, dass ich Kausalbeziehungen, die ich darstellen wollte, so gar nicht abbilden konnte. In Absprache mit dem DV hab ich dann die Forschungsfrage umgestellt, das war kein Problem.

Mir persönlich hat geholfen, dass ich versucht habe, das Exposé in einen konkreten Projektplan umzustellen (ja, so echt mit MS-Project und Meilensteinen und Zeugs). Dass der Plan dann im Nachhinein auch nicht so funktionierte, hat eher was mit äußeren Faktoren zu tun gehabt. Mir hat es aber sehr geholfen, einfach mal eine Struktur in das Ganze zu bekommen, und das Ganze sah am Anfang aus wie ein unüberwindlicher Berg. Aber warum steigen Menschen auf Berge? Ganz einfach, weil sie es können.

kivi* avec Gruß

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Re: Oh die Motivation

Beitragvon Aguti » 03.06.2010, 16:33

Hi Lise,
vielleicht hilft dir auch der Austausch mit anderen Externen. Komm doch in den Schreibtreff hier im Forum:
vorstellungsrunden-f18/schreib-treff-so-geht-s-vorstellen-mitmachen--t1807.html
Da motivieren wir uns gegenseitig, ich finde es sehr hilfreich.
Gruß
Aguti
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Re: Oh die Motivation

Beitragvon Natika » 04.06.2010, 16:59

Hi Wichtel,

ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Austausch mit anderen Promovierenden - insbesondere aus dem gleichen Fachbereich - sehr motivationssteigernd sein kann. Eine Zeit lang habe ich alleine im sprichwörtlichen 'stillen Kämmerlein' gearbeitet. Hinzu kam, dass mein früherer Doktorvater bereits pensioniert und verzogen war. Damals lief es nur schleppend. Mittlerweile habe ich die Uni gewechselt und bin Kollegiatin in einem Promotionsprogramm. Dort erhalte ich genug Feedback im Rahmen von Kolloquien, Tagungen, Oberseminaren, informellen Gesprächskreisen etc. Demnächst werde ich vielleicht sogar einen Lehrauftrag antreten können, den ich über das Promotionsprogramm vermittelt bekomme. Das wünsche ich mir schon seit langer Zeit. Mit der Arbeit läuft es richtig gut. Natürlich kann man immer mal einen Durchhänger bekommen, doch ich bin der Überzeugung, dass gute Rahmenbedingungen dem vorbeugen können. Überprüfe doch einmal, ob Du mit Deinen Rahmenbedingungen im Wesentlichen zufrieden bist. Finanzierung? Promotionsprogramm/Graduiertenkolleg? Promotionsstelle? Betreuer? Uni?

Ich wünsche Dir alles Gute und v. a., dass die Motivation sich bald wieder einstellt!
Lieben Gruß,
Natika
"Nichts ist so aufreizend wie Gelassenheit." (Oscar Wilde)

 

 




bioldoktorandin

Re: Oh die Motivation

Beitragvon bioldoktorandin » 04.06.2010, 21:22

Jaja, das kritische erste Semester....
Kann das ganze nur zu gut nachvollziehen, auch wenn mein Promotionsthema, wie mein Name schon sagt, in einem etwas anderen Bereich liegt.
Habe auch zur Zeit das Gefühl, gar nicht voranzukommen - und gleichzeitig trotzdem kaum Freizeit zu haben. Das ist richtig ärgerlich, ich würde mir manchmal sogar wünschen, ich könnte alles bei mir zu Hause machen und müsste nur ab und zu mal zu irgendwelchen Treffen, Vorträgen o.ä. Ich weiß zwar wie es dann laufen würde: Morgens 1 Stunde Arbeit, dann Surfen im Internet, Herumstreifen in der Stadt o.ä. und abends das schlechte Gewissen mit Nachtarbeit bis Mitternacht. Aber manchmal denke ich mir, das würde mir immer noch besser passen als 9h täglich im Labor herumzuhocken, Zeit damit zu verschwenden, mir das Gelaber/Probleme der Kollegen anhören zu müssen oder ab und zu nur "vorzugeben" zu arbeiten, weil es manchmal einfach körperlich-psychisch nicht geht; und dann abends zwar einigermaßen pünktlich heimzukommen, aber nur noch müde und fertig auf dem Sofa vor dem Laptop oder Fernseher zu hocken, in der Gewissheit, dass es wahrscheinlich mein lebenslanges Schicksal sein wird, den schönsten Teil des Tages in Kunstlicht-erhellten Laborräumen zu fristen. Ja, es hat beides seine Vor- und Nachteile :cry:

Dazu kommt noch, dass ich mich überfordert und behindert fühle. Es wird sehr viel Eigeninitiative von mir verlangt - und gleichzeitig wird mir immer wieder indirekt vermittelt, dass das was ich plane, mit der Technik im Labor überhaupt nicht möglich ist. Das ärgert mich besonders - einfach so ein Projekt zu entwerfen und dann dem zuständigen Doktoranden sagen zu müssen, dass das Labor für ca 75% der dazu nötigen Experimente überhaupt nicht ausgestattet ist, finde ich schon ziemlich dreist. Ich sehe zwar auch deutlich die positiven Aspekte der Arbeitsgruppe, und die Gefahr, bei einem Wechsel eher noch schlechter wegzukommen ist mir zu hoch, aber dennoch frustriert mich das ganze sehr stark. Was mir eigentlich am meisten Spaß macht, ist der Austausch mit anderen Doktoranden, die Zusatzkurse etc. die von meinem Stipendiengeber angeboten werden. Das gibt mir doch ein wenig das Gefühl in einer Gruppe von Gleichgesinnten und nicht allein zu sein. Leider hat das nichts mit meiner Doktorarbeit an sich zu tun, sondern wirkt höchstens förderlich auf mein Gesamtbefinden und -motivation.


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