DV mit nicht realisierbaren Ansprüchen

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DV mit nicht realisierbaren Ansprüchen

Beitragvon bienah am 24.05.2010, 09:44

Hallo zusammen

Ich zerbreche mir seit Tagen über eine Frage den Kopf und komme einfach nicht weiter. Die Situation ist folgende: Ich promoviere an der Schnittstelle zwischen zwei Gebieten, mein Doktorvater kommt vom einen, ich vom anderen Fach. Das führt zwar zu teilweise unterschiedlichen Ansichten, muss aber ja nicht schlecht sein. Nun hat er jedoch einen Zweitbetreuer bestimmt, der aus einem völlig anderen Fachgebiet kommt, und ich soll dieses fremde Gebiet nun "irgendwie" in mein Promotionsvorhaben einbauen. Dazu muss ich sagen, ich kenne mich auf diesem Gebiet überhaupt nicht aus. Heute muss ich mein überarbeitetes Exposée abliefern und ich habe bisher keine Möglichkeit gefunden, dieses andere Fachgebiet irgendwie mit einzubeziehen.
Mein DV ändert auch irgendwie bei jedem Treffen seine Meinung, z.B. hatte ich ursprünglich eine Studie zu Thema X vorgesehen, er meinte dann, wir sollten besser Thema Y in einer separaten Studie auch noch bearbeiten, woraufhin ich eine Studie zu Thema X und eine zu Thema Y entworfen habe. X und Y sind zwei völlig unterschiedliche Fragestellungen. Beim letzten Treffen meinte er nun, zwei Studien würden nicht gehen, ich solle das Thema von Y "in die erste Studie integrieren". Über das WIE denke ich nun seit einer Woche vergeblich nach und sollte heute eine Lösung liefern.

Ich habe bei der ganzen Sache das Gefühl, dass ich meinem DV ständig widersprechen muss und finde das sehr unangenehm.

Habt ihr Ähnliches erlebt? Was habt ihr gemacht?
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Re: DV mit nicht realisierbaren Ansprüchen

Beitragvon musicus am 24.05.2010, 10:30

Ja, das ist höchst unangenehm. Es gibt Vorgesetzte, die heute nicht mehr wissen, was sie gestern gesagt haben, ich kenne das aus dem beruflichen Umfeld durchaus. Je nachdem, wie stark das ausgeprägt ist, ist ein sinnvolles und konstruktives Zusammenarbeiten schwer bis gar nicht möglich. Wenn du die Möglichkeit hast, dann würde ich mir einen neuen Betreuer suchen, denn erfahrungsgemäß verbessert sich dieser Zustand im weiteren Verlauf nicht.

Daß mit dem fremden Fachgebiet ist ja eine zusätzliche Problematik, oder hat das auch mit der "Wankelmütigkeit" zu tun?
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Re: DV mit nicht realisierbaren Ansprüchen

Beitragvon bienah am 24.05.2010, 11:40

Lieber musicus

Vielen Dank für deine Antwort! Die Frage mit dem fremden Fachgebiet ist eigentlich unabhängig von der "new day - new story"-Thematik. Das eine verschärft das andere allerdings zusätzlich, weil ich nun nicht mehr wie bisher halt eben kurz die neuen Wünsche einbauen kann, sondern die geforderten Änderungen sehr viel Aufwand mit sich bringen und grundsätzliche Fragen aufwerfen - sofern ich sie überhaupt umsetzen kann.
Einen neuen Betreuer suchen geht leider nicht, da ich eine sehr spezielle Thematik bearbeite, für die es so gut wie keine Betreuer gibt, ich an die Uni in der Nähe gebunden bin, da ich auf Labors etc. angewiesen bin, ich die Promotion unter speziellen Umständen anfertige, für die ich zahlreiche Sonderbewilligungen der Uni benötigt habe. D.h. wenn es mit diesem Betreuer nicht klappt, kann ich nicht promovieren. Eigentlich haben wir auch ein sehr gutes Verhältnis, nur durch diesen Zweitbetreuer, den er irgendwie "einschleusen" will, hat sich die Situation verkompliziert.
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Re: DV mit nicht realisierbaren Ansprüchen

Beitragvon Amalia am 24.05.2010, 12:15

Liebe bierah,
ich habe schon mehrfach die Erfahrung gemacht, dass es ein grundsätzliches Missverständnis zwischen Studenten/Doktoranden und Professoren geben kann. Es gibt Wissenschaftler die, wenn man ihnen eine Frage stellt, nur so überschäumen mit möglichen, z. T. aber undurchdachten und unausgereiften Ideen. Der Student / Doktorand glaubt nun aber, dies seien gut durchdacht Arbeitsanweisungen und verzweifelt, da er nicht weiß, wie er sie umsetzen soll und ist vollkommen verwirrt, wenn sie in der nächsten Sprechstunde wie vergessen erscheinen. Das eigentliche Problem ist jetzt: Es war nur eine Anregung, die man interpretieren sollte mit „Denken Sie darüber nach, ob das helfen könnte, könnte aber auch sein, dass es nicht hilft.“ es handelte sich nicht um eine Arbeitsanweisung!
Ich habe so einen Zweitbetreuer. Ich erhalte in jeder Sprechstunde mindestens ein halbes Dutzend Anregungen. Wenn ich jede von Ihnen gewissenhaft umsetzten würde, wäre aus meiner Diss schon lange ein Sonderforschungsbereich geworden. Ich nehme diese Anregungen also nur insofern ernst, als dass ich darüber nachdenke, ob sie wirklich helfen könnte und ob sie mit vertretbarem Aufwand zu realisieren sind. Alle anderen lasse ich unter den Tisch fallen. Und siehe da, nur ganz ganz wenige werden je wieder thematisiert. (Wenn es eine zweite Erwähnung von Seiten des Betreuers gibt, gewinnen sie allerdings für mich auch erheblich an Priorität.)
Es ist Dein Projekt, Du musst es machen und selbstbewusst vertreten.
Hilft Dir meine persönliche Erfahrung?
Alles Gute!
A.
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Re: DV mit nicht realisierbaren Ansprüchen

Beitragvon Aguti am 24.05.2010, 14:50

Wie ist denn die Lage genau: Ist der Zweitbetreuer schon konkret mit im Boot, auch angesprochen etc. oder war es bis jetzt ein Vorschlag deines DV, zu dem du auch noch sagen könntest: "Aus den und den Gründen wäre es mir anders lieber." Ich weiß ja nicht, wie dein DV tickt, aber wenn du schreibst, dass ihr euch eigentlich gut versteht, kannst du ja durchaus widersprechen. Wie Amalia sagt, ist es dein Projekt. Ich bin mit meiner DM auch nicht in allem einer Meinung und sage auch, wenn ich nicht möchte, dass mein Thema zu sehr in Richtung xy driftet, wie von ihr vorgeschlagen.
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Re: DV mit nicht realisierbaren Ansprüchen

Beitragvon bienah am 24.05.2010, 15:34

@Aguti: Ich hatte bei der Wahl des Zeitbetreuers kein Mitspracherecht. Die beiden verstehen sich blendend, was wohl in diesem Fall das Hauptkriterium für die Wahl gewesen sein dürfte. Denn inhaltliche Überlegungen können nicht dahinter stehen.
Ich widerspreche schon, wenn ich es für angezeigt halte, aber momentan widerspreche ich eben nur noch und es hat von aussen vermutlich den Anschein, als würde ich mich einfach quer stellen, was ich natürlich vermeiden will.

Ich denke, ich werde das Proposal mal so schicken und dazu schreiben, dass mir einige Punkte Mühe bereiten, ob wir sie bei Gelegenheit zusammen anschauen könnten.
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Re: DV mit nicht realisierbaren Ansprüchen

Beitragvon algol am 25.05.2010, 08:35

@birah: Irgendwie klingt das alles nicht gesund. Wenn Ihr in der Expose-Phase schon so viel Schwierigkeiten habt... Es stimmt, dass viele Professoren irgendwelche Ideen in die Welt setzen und vergessen. So einen Prof hatte ich auch mal. Das habe ich schnell gelernt, die Dinge höflich entgegenzunehmen und ebenso höflich zu vergessen. Aber ich hatte einen netten Projektleiter, der mir dabei geholfen hat.
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Re: DV mit nicht realisierbaren Ansprüchen

Beitragvon AGH am 25.05.2010, 20:29

Liebe Bierah!

Auch ich kenne die von Dir beschriebene Situation! Ich dachte, sämtliche Kommentare des Professors wären Arbeitsaufträge an mich, bis einmal ein Assistent bei einer Besprechung dabei war, so ein Kommentar mitbekommen hat und mir beim Rausgehen danach gesagt hat, dass der Professor dazu neigt, aus dem Bauch heraus Ideen zu formulieren, ohne in die bisherige Arbeit ausreichend eingedacht zu sein und ohne diese Ideen auch nur kurz überlegt zu haben. Aus dem Bauch heraus eben. Das zu hören, hat mir sehr geholfen, denn danach habe ich bei so unausgegorenen Dingen immer gesagt, dass ich mich über die Anregung freue und darüber nachdenken werde. Wenn dann etwas vereinbart wurde, habe ich ein "Protokoll" geschrieben (und sei es nur kurz als Mail die vereinbarten Punkte kurz aufgezählt). Dadurch war nicht nur ich bißchen abgesichert, das Arbeiten wurde leichter.

Würde Dir in Deiner Situation eine ähnliche Vorgehensweise helfen?

Liebe Grüße!
AGH
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Re: DV mit nicht realisierbaren Ansprüchen

Beitragvon bienah am 25.05.2010, 21:04

Vielen Dank für die Antworten! Diese Verhaltensweisen scheinen bei den DVs und DMs ziemlich weit verbreitet zu sein.

@AGH: Das mit dem Protokoll bzw. der kurzen Zusammenfassung per Mail ist eine sehr gute Idee! Ich werde auch versuchen, in Zukunft am Ende der Besprechungen nochmals zusammenzufassen, was ich nun KONKRET machen soll. Auch wenn dadurch halt klar wird, dass eben nichts klar ist :-)
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