von Agalla am 23.11.2010, 12:33
Hallo Naftet,
bei mir hats geklappt - endlich! - und die Gespräche waren allesamt sehr nett und sehr entspannt (zuvor hatte ich andere Erfahrungen gemacht...).
Das "geistliche Gutachten" hängt sehr von Deinem Gutachter ab, hier ist es empfehlenswert, dort anzufragen, wo Du Schnittstellen mit Deinen Vorstellungen vermutest. Ich bin bei einem modernen und liberalen Gutachter gelandet, bei dem es keine Rolle gespielt hat, ob man jeden Sonntag in die Messe geht. Ihm war vielmehr wichtig, dass man sich sozial engagiert und sich mit kirchlichen, kirchenpolitischen und religiösen Fragen kritisch auseinandersetzt und informiert ist - auf die Frage, warum man noch nicht ausgetreten ist, sollte man sich allerdings eine Antwort zurechtlegen.
Das Kolloquium war sehr nett und völlig entspannt. Ein Mitglied der Geschäftsstelle und ein anderer Bewerber aus einem anderen Fachbereich - also nicht Dein Konkurrent in der Auswahl - werden anwesend sein. Bei mir ging es um tagespolitische Fragen (Zeitung lesen - und am besten nicht nur eine) und darum, das eigene Thema und die eigene Biografie vorzustellen und auch auf den anderen Kandiaten einzugehen. Ich hatte das Gefühl, dass Dialogfähigkeit und Kritikfähigkeit eine große Rolle spielten, dass Wissen um die eigene Zugehörigkeit zu einer "Elite" und die damit verbundene Verantwortung, die Erkenntnis, dass man im interdisziplinären und persönlichen Austausch voneinander profitieren kann, außerdem natürlich Begeisterung für Dein Forschungsprojekt. Nicht verkehrt ist es auch, wenn Du Dich mit den Bildungsangeboten (Graduiertentagungen und Fachschaftstagungen, die man selbst organisieren kann) ein bisschen auseinadergesetzt hast. Lange Monologe waren nicht vorgesehen. Der Referent stellte eine Frage bzw. eine Aufgabe (Stellen Sie Ihre Biografie / Ihr Thema / ein tagespolitisches Diskussionsfeld vor), auf das man einzeln kurz einging und dann aber auch miteinander ins Gespräch kam. Der beste Rat für mich war, authentisch zu sein und nicht zu überlegen, was das Gegenüber wohl für eine Antwort hören möchte. Also immer eine eigene Meinung haben und diese auch vertreten - auch wenn sie sehr kritisch ist und Du sie vielleicht auf den ersten Blick als nicht zum Cusanuswerk "passend" erachtest.
Ich drücke die Daumen, dass es klappt!