Probeabgeben vor endgültiger Abgabe

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Probeabgeben vor endgültiger Abgabe

Beitragvon porrione am 30.01.2010, 12:34

Hallo zusammen,

ich promoviere in Literaturwissenschaft und bin Gott sei Dank in den letzten Zügen.
Die Diss hat ziemlcih lange gedauert, weil ich häufig unterbrechen musste, und ich vor allem von Seiten meines Doktorvaters null Hilfe hatte.
Es kam dann der Zweitgutachter dazu, der dann praktisch als mein Berater zuständig war und mir ein paar gute Ratschläge gegeben hat, sich dann aber aus Arbeitsüberlastung auch nicht weiter gekümmert hat. Innerhalb der letzten anderthalb Jahre hab ich ihm sukzessive die wichtigsten Kapitel zugeschickt. Das erste Kapitel hat er abgesegnet, meinte nur, inhaltlich sei es super, ich solle Bibliographie ausbauen und noch stärker einbinden, ansonsten wunderbar.
Die übrigen Kapitel hat er nicht mehr angeschaut, kein Feedback gegeben, aus genannten Gründen.
Ich will jetzt definitiv im März abgeben, treffe mich jetzt im Februar mit ihm, um das mit ihm zu besprechen.
Meine Angst: dass er trotz allem drauf besteht, die Diss mitzunehmen, sie vor der offiziellen Abgabe durchzulesen, um sie mir dann irgendwann zurückzugeben, ich sie überarbeiten muss, etc. und so noch ein Jahr ins Land geht.
Ich hab jetzt aber wirklich Zeitdruck, die Diss ging eh schon zu lange und jetzt auf den letzten Drücker alles noch kontrollieren zu wollen, wenn die Kapitel schon fast jahrelang vorlagen, ist reine Zeitverschwendung.
Was meint Ihr, inwieweit es riskant ist, eine Diss ohne vorherige Korrektur durch den Doktorvater oder Zweitgutachter abzugeben?

Es dankt Euch im Voraus Eure
Porriona
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Re: Probeabgeben vor endgültiger Abgabe

Beitragvon Eva am 30.01.2010, 13:51

Hallo!

Hast du denn Grund zu der Annahme, dass dein Betreuer sich drum reißen wird, deine Diss vorzukorrigieren? Nach deinen Schilderungen klingt er eher wie jemand, der sich nicht unbedingt freiwillig ein Bein ausreißt, warum sollte er sich also ohne Not so viel Arbeit machen?

Mein Prof wird meine Arbeit definitiv nicht vorkorrigieren (er hat einmal ca. 40 Seiten gelesen, mehr wird er nicht mehr bekommen), das ist meines Wissens in Geschichte auch unüblich und käme mir ehrlich gesagt etwas albern vor. Man sollte doch für das bewertet werden, was man alleine geschafft hat, nicht für eine nach Betreuervorgaben aufpolierte Fassung. Trotzdem gibts natürlich viele Fälle, in denen das so gehandhabt wird, aber wie gesagt, ich finds bisschen unaufrichtig. Das schließt natürlich nicht aus, dass man vorher und im Zuge der Bearbeitung Hilfestellung bekommt, aber die fertige Arbeit einmal in den Kontrollwaschgang schicken? :?

Dir viel Erfolg und dass du es bald hinter dir hast!
Eva
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Re: Probeabgeben vor endgültiger Abgabe

Beitragvon Klaus Unruh am 30.01.2010, 14:54

Also, wenn es dir vollkommen gleichgültig ist, wie die Note aussieht und es dir nur auf den Titel ankommt - wogegen nichts spricht - dann würde ich auch darauf setzen, dass es keine weitere Vorkorrektur gibt. Wenn du aber umgekehrt eher doch eine gute Note haben möchtest, würde ich an deiner Stelle darauf dringen, dass es eine Vorkorrektur gibt. Im letzteren Falle könntest du nämlich die Korrekturvorschläge einarbeiten und würdest damit deine Betreuer zufrieden stellen und damit die Wahrscheinlichkeit einer guten Note deutlich erhöhen. Vermute ich mal.

Gruß

Klaus
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Re: Probeabgeben vor endgültiger Abgabe

Beitragvon Mathilda am 01.02.2010, 11:13

Hallo porrione,

ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie Du es umgehen solltest, falls der Korrektor darauf besteht. Insofern fürchte ich, dass Du gar nicht so wirklich Einfluss drauf hast, oder? Was ich nicht täte wäre, ihm die Arbeit aus der Hand zu reißen und dann direkt offiziell abzugeben, wenn er sagt, er will sie mitnehmen :wink: . Oder mich weigern. Im schlimmsten Fall wird er Dich zwar vermutlich nicht durchfallen lassen, aber sich möglicherweise dazu berufen fühlen, a) umfangreiche, besonders penible Änderungen vor Veröffentlichung zu fordern (damit hast Du auch nichts gewonnen) oder b) Deine Arbeit erst mal nach ganz unten in den Stapel zu legen. Insofern - wenn er es lesen will, dann würde ich es ihm auch geben.

Schöne Grüße
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Re: Probeabgeben vor endgültiger Abgabe

Beitragvon algol am 01.02.2010, 13:51

Eine Bekannte hat das gemacht: Weil ihr Prof sich nicht so stark um ihre Rückfragen kümmerte, hatte sie irgendwann die Nase voll und hat die Arbeit nach eigenen Überlegungen fertig gestellt und einfach abgegeben. Der Prof hat ihr die Arbeit zurückgegeben zur Überarbeitung. Nach einem halben Jahr hat sie erneut abgegeben. Für die Veröffentlichung hat sie Auflagen bekommen. Ich fand es zwar schade, dass sich der Prof zunächst nicht so richtig gekümmert hat. Aber ansonsten fand ich es nachvollziehbar, weil die Arbeit ziemlich daneben lief.
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Re: Probeabgeben vor endgültiger Abgabe

Beitragvon porrione am 02.02.2010, 18:24

Hallöchen,

erst mal Danke für Eure Einschätzungen! Hilft einfach unheimlich, wenn man merkt, dass andere in der gleichen Diss-Lage sind!
Übermorgen hab ich meinen Termin mit dem Zweitgutachter.
Ich werde locker fragen, wie es aussieht.
Inzwischen hab ich über einen befreundeten Prof. gehört, welche Modi es gibt hinsichtlich Probe-Abgeben: er meinte, wenn der Prof sich während der gesamten Diss-Zeit nicht die Zeit nimmt, was zu lesen, berechnet er die Eigenständigkeit der Arbeitsweise mit ein, und erlaubt auch teilweise, dass bis zur Drucklegung noch einiges verändert wird. Das fließt dann alles mit in die Notengebung ein.
Er selbst liest alles Korrektur, was ihm zugeschickt wird und hat dadurch natürlich die völlige Kontrolle vor der offiziellen Abgabe.
Jetzt hoff ich mal, wie auch Eva meinte, dass mein Prof das eh nicht lesen will, weil er sich auch bis jetzt kein Bein ausgerissen hat, um das Vorliegende zu lesen und dafür im Gegenzug mein selbständiges Arbeiten honoriert.
Ich berichte am Donnerstag!
Liebe Grüße und herzlichen Dank an alle!
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Re: Probeabgeben vor endgültiger Abgabe

Beitragvon porrione am 07.02.2010, 12:12

Hallöchen,

kurzer Zwischenbericht! Am Vorabend vor dem Termin hab ich eine Mail von einem Kollegen meines Zweitutachters erhalten, dessen Sprechstunde fiele aus und damit auch mein Termin, er sei unterwegs, würde sich aber am Wochenende bei mir melden.
Bis jetzt keine Nachricht und mittlerweile glaube ich, ich bin die einzige, die es noch nicht begriffen hat: er will sich nicht damit beschäftigen und erwartet, dass ich das alleine hinbekomme und abgebe. Wenn seit einem halben Jahr ständig Termine verschoben, abgesagt werden, auf Anfragen nicht geantwortet wird, selbst per Mail kein Feedback kommt, das irgendwie sachlich zur Fragestellung beiträgt, dann besteht da entweder eine persönliche Aversion, was ich nicht glaube, oder nicht die Einsicht in die Notwendigkeit.

Immerhin hat mein Alleingangs-Entschluss befreiendes Potential!
Ich werde dem Prof in den nächsten Tagen eine Mail schreiben, dass ich in den nächsten Wochen abgeben werde und noch um Formalia-Hinweise bitten möchte.

A propos: weiß jemand von Euch, ob es feststehende Formalia-Regeln gibt, also in welcher Schriftart- und Größe man abgeben muss, etc.? In unserer Promotionsordnung steht diesbezüglich nichts drin!

Liebe Grüße und vielen Dank an Euch!
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Re: Probeabgeben vor endgültiger Abgabe

Beitragvon Mathilda am 08.02.2010, 10:31

Hallo porrione,

na, das ist aber wirklich ein komischer Kauz :wink:
Kann verstehen, dass Du jetzt nicht länger warten willst und wünsche Dir, dass da nicht noch was kommt, sondern Du jetzt einfach abgeben kannst. Viel Erfolg!

Wg. Formalia: Bei uns steht das auch nicht in der PromO, sondern mein DV hat für unsere Arbeiten Vorgaben gemacht, was Schriftart und -größe sowie Ränder etc. angeht. Wurde das nie angesprochen? Bei uns steht das auf der Tagesordnung, wenn einer anfängt mit dem Schreiben. Insofern - vielleicht ist ihm das auch schnuppe :wink:

Schöne Grüße und alles Gute weiterhin!
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Re: Probeabgeben vor endgültiger Abgabe

Beitragvon porrione am 12.05.2010, 11:17

Hallo,

hier ein kurzer Nachtrag!
Nachdem ich weder an DV noch an Zweitgutachter über Termine oder E-Mails herankam, bin ich einfach in die normale Sprechstunde des Letzteren gerauscht.
Hab ihm Gliederung vorgelegt und einfach gesagt, dass ich in zwei Wochen abgeb.
Gliederung hat er so ein bißchen angeschaut, meinte, ja, ist doch alles ok, einfach abgeben.
Hab dann nachgebohrt und gefragt, ob er nicht noch vorher einen Blick reinwerfen will (konnte mein Glück nicht fassen!), was lächelnd verneint wurde.
Hab dann noch eine sachliche Frage wegen Schluss und Literatur gestellt, die dann auch etwas unkonzentriert beantwortet wurde, und das wars.
Mein Eindruck: ich hatte recht, ich war die einzige, die nicht kapiert hatte, dass sich keiner Mühe machen will und dass von mir erwartet wird, dass ich das selbständig durchziehe und völlig unabhängig von meinen Gutachtern und "Betreuern" einreiche.
Fühl mich wie befreit und arbeite wie eine Verrückte jetzt dran, das so schnell wie möglich abzugeben.
Note etc. werden wir dann sehen, meine Korrekturleser haben mir bisher sehr zufriedene Feedbacks gegeben (sind aber alles keine Literaturwissenschaftler, insofern "fachfremd"), darauf muss ich mich jetzt einfach verlassen.
Also durchfallen werd ich hoffentlich nicht.
Das Desinteresse daran, die Arbeit vorher durchzulesen interpretiere ich jetzt für mich mal ganz eupemistisch als unglaublichen Vertrauensvorschuss in meine Fähigkeiten!

HA!

Vielen Dank für Eure unterstützenden Beiträge, es hat mir viel gebracht, mich mit Euch auszutauschen!
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Re: Probeabgeben vor endgültiger Abgabe

Beitragvon porrione am 12.05.2010, 11:19

ICH MEINTE NATÜRLICH EUPHEMISTISCH!
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