Überhaupt kein Feedback - als interne Doktorandin

Fragen aus der laufenden Arbeit an der Dissertation.
Literatursuche, Motivationsprobleme, Lehrtätigkeit, Ärger mit dem Prof u.v.m.
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Überhaupt kein Feedback - als interne Doktorandin

Beitragvon xiotres am 22.12.2009, 00:03

Hallo zusammen,

seit einem guten halben Jahr bin ich als WiMi - also quasi "interne" Doktorandin - an einem Lehrstuhl im geisteswissenschaftlichen Bereich tätig. Bei der Bewerbung und zu Anfang dachte ich, diese Stelle sei mein großes Glück, da das Forschungsgebiet des Profs weite Überschneidungen mit meinen Interessen aufweist, er dabei ist, dieses Gebiet aufzubauen und von einer möglichen Beteiligung an Drittmittelprojekten (über meine halbe Stelle hinaus) sprach.

Langsam spitzt sich die Lage aus meiner Sicht allerdings insofern zu, als ich bereits mehrere Anläufe für ein Exposé genommen habe, ihm auch immer mal wieder mündlich und schriftlich (auf seine Anforderung hin) meine Ideen für eine Diss mitgeteilt habe, aber auf all das überhaupt kein inhaltliches Feedback erhalte.

Rein oberflächlich nagt schon an mir, dass ich als einzige aktuelle Doktorandin und seine Mitarbeiterin gerade mal 2 Termine (in 7 Monaten) bei ihm hatte, die meine Diss zum Thema hatten. Dabei betont er bei jeder Gelegenheit - v.a., wenn ich mich stärker am Institut oder für meine Lehre engagieren will - wie wichtig es ihm sei, dass ich meine Promotion rasch in Angriff nähme.

Ich kann auch nicht wirklich behaupten, dass ich ohne ernsthaftes, tiefgehendes Interesse (es ist ja immerhin "mein" Thema und eigentlich auch "mein" Gebiet) an die Sache 'rangehe. Ich habe auch schon einen Haufen Literatur gewälzt und - wie bereits geschrieben - einige Anläufe zu Exposés genommen. Seine Reaktionen bestehen regelmäßig aus schulterzuckendem Zynismus ("du hast eben noch nicht genug gelesen und überblickst es noch nicht ganz") oder einfachem Ingnorieren konkreter Fragen.

Vom Typ her würde ich mich normalerweise so einschätzen, dass ich mir daraus nichts mache, sondern einfach Exposé, Zeit- und Projektplan mache, ggf. Ansprechpartner für den Empirieteil etc. rekrutiere und ihn dann einfach mit einem völlig selbständig durchgeführten Promotionsprojekt (bzw. dem Plan dafür, da das Exposé zuvor in den Promotionsausschuss muss) konfrontiere. Vielleicht erwartet er das ja auch.

Andererseits bin ich völlig verunsichert, da sein fehlendes Feedback ja nicht gerade Begeisterung verrät. Und wenn er mir nicht mehr weiter "helfen" wollte, würde ich erwarten, dass er mir genau das einfach mal gesagt hätte.

Klar ist, ich muss ihn darauf ansprechen. Klar ist auch, dass ich mir entweder konstruktives (inhaltliches/methodisches) Feedback oder eine klare Aufforderung, einfach selbst zu machen, wünsche. Bisher habe ich von meiner Unzufriedenheit nichts durchscheinen lassen. Da diese aber an meiner Arbeit und auch meinem Selbstbewusstsein kratzt, bleibt mir wohl nichts anderes übrig. Die Frage ist: Wie bringe ich ihn am besten dazu, mit mir diesbezüglich Klartext zu reden?

Bin für alle Arten von Tipps und Erfahrungen dankbar!

Grüße
Xiotres
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Re: Überhaupt kein Feedback - als interne Doktorandin

Beitragvon algol am 22.12.2009, 10:25

Ich habe mich mal mit einer ausgetauscht, bei der lief es auch sehr lose. Der Prof hat ihr volle Freiheit gelassen, sich inhaltlich aber gar nicht gekümmert. Das hat sie frustriert, sie hat dann aber das Positive an der Situation für sich gesehen und die Sache selber in die Hand genommen.
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Re: Überhaupt kein Feedback - als interne Doktorandin

Beitragvon Mathilda am 22.12.2009, 10:40

Hi Xiotres,

ich spekulier jetzt mal wild und etwas fies drauflos.

Dein DV bindet Dich stark in Lehre etc. ein? Dann hat er gar kein Interesse daran, dass Du schnell promovierst. Er möchte Dich natürlich bei der Stange halten, also sagt er immer wieder, wie wichtig ihm eine schnelle Promotion ist :wink:
Ist nur ein Gedanke, wie gesagt, Spekulation. Bei uns ist es allerdings definitiv so. In den ersten 1-2 Jahren hat mein DV jeden Vorstoß in Richtung Diss völlig ignoriert, es hinausgezögert usw. Irgendwann hab ich seine Strategie durchschaut :wink: Und siehe da, bei meinen neueren Kollegen macht er es ganz genauso.
Er möchte natürlich, dass Du so lange wie möglich am LS bist. Ist ja auch nervig, immer neue Mitarbeiter einzuarbeiten...
Hast Du denn schon ein konkretes Thema? Habt Ihr Kolloquien? Vielleicht könntest Du eins anleiern und dann MUSS er ja Feedback geben, und praktischerweise sogar vor anderen. Ach so, ich lese gerade, Du bist die einzige Doktorandin. Mmh. Gibt es einen LS bei Euch, der einigermaßen "verwandt" ist? Vielleicht könntest Du dort eine Kolloquien-Kooperation anregen? Damit das Ganze mal ein bisschen ins Rollen kommt...

Schöne Grüße
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Re: Überhaupt kein Feedback - als interne Doktorandin

Beitragvon Eva am 22.12.2009, 10:45

@xiotres: Ich würde es an deiner Stelle schon ansprechen und die Modalitäten der Betreuung mal grundsätzlich klären. So wie es sich anhört hättest du ja offenbar kein großes Problem damit, selbständig zu arbeiten, du wüsstest eben nur gerne, woran du bist. Mein Prof. meinte damals zu mir, als es darum geht, wie viel Text er vorab liest, das komme ganz auf mich an, manche hätten da mehr Rückversicherungsbedarf, andere weniger. Ein anderer Prof erzählte mir, dass einer seiner aktuellen Doktoranden sehr viel mehr Betreuung aktiv einfordert, als er das bisher so gewöhnt war, er hat sich dann aber auf den Doktoranden eingestellt. - Kann also doch sein, dass dein Prof auch wartet, was von dir kommt? Das sind allerdings Beispiele externer Promotionen! Insofern ist Mathildas Sichtweise für dich wahrscheinlich hilfreicher (?).
Zum konkreten Vorgehen würde ich sagen, mach einen Termin um das Ganze mündlich zu klären. Alternativ könntest du vielleicht überlegen, die Anfrage schriftlich zu formulieren? Kommt wohl auch darauf an, wie oft ihr euch ohnehin seht, wie viel Zeit da ist, wie du ihn einschätzt...

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Re: Überhaupt kein Feedback - als interne Doktorandin

Beitragvon xiotres am 22.12.2009, 12:26

Hallo ihr,

danke für eure Antworten, die alle hilfreich sind, weil sie mir unterschiedliche Sichtweisen auf meine Situation aufzeigen.

@algol: Das (also die Sache selbst in die Hand zu nehmen), käme meiner Persönlichkeit wahrscheinlich am nächsten. Irgendwie zögere ich derzeit noch, aber...

@mathilda: Ich glaube, du gehst im Prinzip und nach allem, was man an deutschen Hochschulen so hört, in die richtige Richtung. Allerdings: mein Prof bindet mich überhaupt nicht stark in die Lehre ein. Ich habe 1 Lv à 2 SWS, und die ist nicht mal besonders wichtig. Er sagt mir auch bei etwaigen Vorstößen immer wieder und mit Nachdruck, ich solle mich auf meine Promotion konzentrieren. Es kann natürlich sein, dass das alles ein Versteckspiel mit seinen "wahren Motiven" ist. Aber so schätze ich und schätzen andere ihn nicht ein.
Dennoch: Wenn es so wäre, wie kann ich meine Interessen zumindest teilweise durchsetzen, ohne ihm einen so großen Strich durch seine verdeckten Pläne zu machen, dass es Probleme gibt?

@Eva: Ich muss tatsächlich die Modalitäten klären. Genau das fällt mir aber schwer. Persönlich hätte ich gern einen gelegentlichen, dann aber tiefergehenden fachlichen Austaush, der sich nicht unbedingt an meiner Promotion aufhängen muss. Ich will in das akademische Geschehen in meinem Fach eingebunden sein, und bin deshaln an den Lehrstuhl gegangen. Bezüglich der Diss könnte ich mit viel Eigeninitiative leben - vorausgesetzt, ich räume das Damoklesschwert des "dicken Endes" aus.

Danke! Grüße
Xiotres
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