ich schreibe seit einem guten halben Jahr an einer historisch-medienwissenschaftlichen Dissertation.
ich muss dazu sagen, dass ich Journalist bin und quasi täglich mit Zitaten zu tun habe, auch wenn diese journalistisch völlig anders zu handhaben sind. Zumindest gibt es im Journalismus klare Regeln, in der Wissenschaft bezüglich der Formalitäten direkter Zitate ebenso. Ich tue mich sehr schwer mit indirekten Zitaten und vermeide sie, wo ich kann.
Ich lese auch äußerst ungerne Arbeiten, in denen in jedem zweiten Absatz vgl XY steht und ich nicht mehr auseinander dividieren kann, was genau ich jetzt vergleichen soll und was nun Gedankengut des Verfassers ist. Auch hinsichtlich der eigenen Zitierbarkeit, finde ich das sehr ungünstig. Von der flüssigen Lesbarkeit sowieso.
Ich möchte irgendwie sicher gehen, dass sich meine eigenen Interpretationen und Erklärungsansätze nicht mit denen fremder Autoren vermischen. Daher schreibe ich frei und beziehe mich durch eingebundene, direkte Zitate auf fremde Autoren. Etwa: XY schreibt 1970 dazu: "....", daraus lässt schlussfolgern, dass ..
Wenn ich indirekte Zitate benutze, bleibe ich strikt im Konjunktiv, so dass ich so den Abschnitt dem jeweiligen Autor zuordnen kann.
Ich möchte es einfach nicht einsehen, eigene Schlussfolgerungen oder Erklärungen mit einem Vgl. zu versehen, nur weil sich ein anderer Autor ähnlich geäußert hat.
Dazu noch folgende Frage:
Wenn ich mich mit einem Thema beschäftige, ist das erste was ich tue: Recherchieren. Ich ziehe Lexika heran, schaue Filme, lese Fachzeitschriften. Daraus entwickelt sich irgendwann ein Verständnis für das Thema und eine konkrete Vorstellung eines Sachverhaltes, zu dem ich mir ein eigenes Urteil bilde und das ich in der Lage bin zu formulieren und eigens zu definieren.
Es lässt sich nunmal nicht vermeiden, dass ich bei meiner eigenen Urteilsbildung von fremden Autoren beeinflusst bin. Aber wo ist nun mein geistiges Eigentum und wo verletze ich das jemand anderem?
Ich kann doch nicht zu allem, was ich schreibe, Vgl. auch Autoren A, B, C, D, E usw.anführen, nur weil ich sie zur Vorbereitung auf meine Erörterung gelesen habe.
Also, ist es korrekt, was ich mache? Zu meinen eigenen Folgerungen gehe ich im Rahmen eingebundener direkter Zitate auf die Forschungen anderer Autoren ein, die sich mit dem Sachverhalt beschäftigt haben und auf die ich mich stütze. Hier kann ich aber klar trennen. Oder ich wähle konjunktivistische Paraphrasen mit Vgl. oder setze, wenn ich es für nötig halte ein Vgl. für "further reading".
Was haltet Ihr davon?
ist es darüber hinaus passabel, seinen eigenen Zitierstil zu entwickeln? Meines Erachtens, gibt es außer den formalen Kriterien, keine konkreten Richtlinien, wann, wo und wie oft man zitieren sollte.