Darf ich, vorsichtig ausgedrückt, es etwas befremdlich finden, wenn hier große Lobpreisungen auf diverse Anbieter geschwungen werden, diese aber durchweg von Mitgliedern mit genau einem (1) Beitrag kommen? Gar nicht davon zu reden, daß ich bei einer Website schon auf der Startseite einen kapitalen Grammatikfehler gefunden habe (zwei Subjekte, Prädikat aber im Singular!), widersprüchliche Rechtschreibung (Orthographie, aber Typografie), typographische u. ä. Fehler (Gedanken- statt Bindestrich bei Wort-Zusammensetzungen, LaTex statt LaTeX)...
Egal ob kommerziell oder Freunde: Die Endüberarbeitung ist bei allen Ausarbeitungen wichtig, und je umfangreicher und komplexer die Arbeit wird, umso wichtiger wird der Endschliff; bei einer Diss also sehr. Schau Dir gründlich und kritisch an, wer das für Dich übernehmen will/soll/kann: Wie kompetent ist die Person oder der Anbieter? (Und zwar nicht nur nach eigenen Behauptungen, sondern für Dich überprüfbar!) Wie zuverlässig, sowohl im Hinblick auf die eigentliche Aufgabe wie auch auf die Einhaltung zeitlicher Vorgaben?
Einige Fragen wirst Du auch selbst beantworten müssen: Was genau erwartest Du eigentlich? Soll da nur jemand Komma- und Rechtschreibfehler ausbügeln? (Das geht regelmäßig auch kurzfristig, und das kann jeder, der wirklich firm ist in der von Dir verwendeten Rechtschreibung sowie Grammatik und Zeichensetzung.) Sollen auch gelegentliche Stilklöpse beseitigt werden? Oder soll jemand wirklich alles kritisch vorweglesen, von Strukturfragen über Wiederholungen bis zu inhaltlichen Widersprüchen oder gar wissenschaftlichen Schwächen? Wenn ja: Soll er Dich nur darauf aufmerksam machen u. ggf. Optimierungsmöglichkeiten aufzeigen? Oder soll er das alles dann auch gleich für Dich korrigieren? Da wird's dann irgendwann brenzlig: Willst Du wirklich diese sich teils auch inhaltlich auswirkenden Fragen aus der Hand geben? Ganz abgesehen davon, daß man sich dann auch rechtlich jedenfalls in einem Grenzbereich bewegt...
Bei kommerziellen Anbietern gilt wie fast überall: Wer was Ordentliches will, wird auch entsprechend dafür zahlen müssen. (Was aber umgekehrt längst nicht heißt, daß alles Teure auch gut ist!) Wenn Dir jemand für € 1,50 pro Seite die volle Bandbreite an Korrektur und Lektorat anbietet, dann kann ich nur sagen: Das geht nicht. Gerade ein gutes Lektorat verlangt ein penibles Wahrnehmen und gründliches gedankliches Eindringen, das selbst bei Schnellesern eine gewisse Zeit verlangt, und Zeit ist eben Geld – gerade bei Leuten, die das auch wert sind. Nur zum Vergleich: Für einen x-beliebigen Automechaniker-Gesellen zahlst Du ohne Murren um die 70 €/h... und wer Dir beim Endschliff einer Abschluß- oder Doktorarbeit kompetente Unterstützung sein soll, der braucht etwas mehr an Ausbildung und Erfahrung. Überleg Dir, welchen Einfluß das Ergebnis der Arbeit auf Deine Zukunft hat (nicht nur die Note, sondern auch der Stolz auf die eigene Leistung); berücksichtige, daß Du die Kosten ggf. von der Steuer absetzen kannst; und dann mach die Entscheidung zwischen Anbietern nicht von ein paar Euro mehr oder weniger abhängig, sondern davon, wer Dir am besten zu leisten verspricht, was Du willst. Seriöse Lektoren finden sich etwa über
http://www.vfll.de/pages/lektorenfinden ... he.php?m=5 (Verband der freien Lektorinnen und Lektoren, gleich die Suche) oder
http://www.netzwerk-wissenschaftsberatung.net/ (Netzwerk Wissenschaftsberatung, dort unter "Datenbank").
Wenn Du auf Freunde zurückgreifst, ist weniger der Preis das Problem, mehr sind es Kompetenz und vor allem Zuverlässigkeit: Was nützt Dir der netteste Kumpel, wenn er Dich dann doch kurz vor knapp hängen läßt, weil sein Meerschweinchen depressiv verstimmt scheint? Und was Du vermeiden solltest: verschiedene Teile der Arbeit an unterschiedliche Leute zum Lektorieren geben, weil Du niemanden übermäßig belasten willst. Glaub mir: Wenn Du nicht gerade auf alle kritischen Anmerkungen völlig eigenständig reagierst, wird man das sehen. Wenn überhaupt, dann lieber nach Aufgaben splitten als nach Seiten.
In jedem Fall: unbedingt reichlich Zeit einplanen! Wer Monate oder gar Jahre an einer Arbeit sitzt, sollte diesen wichtigen letzten Arbeitsschritt nicht übers Knie brechen; man kann damit viel an Leistung kaputtmachen oder eben umgekehrt erst richtig aufscheinen lassen.
(Für die, die auf Englisch schreiben oder sich von der Sprache jedenfalls nicht abschrecken lassen, finden sich Hinweise zur Endüberarbeitung auch noch unter
http://www.nataliestruve.de/?%28Alte_We ... our_thesis.)