Tiefphase - gehts hier auch wieder raus?

Fragen aus der laufenden Arbeit an der Dissertation.
Literatursuche, Motivationsprobleme, Lehrtätigkeit, Ärger mit dem Prof u.v.m.
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Tiefphase - gehts hier auch wieder raus?

Beitragvon thomas0815 am 30.06.2009, 23:21

Hallo zusammen,

mich hat mal wieder eine von diesen berühmten Tiefphasen erwischt. Eine von denen wo man Bilanz zieht und dich einfach nur für so stotze dumm hält, dass man ganz davon überzeugt ist das Ding nie fertig zu bekommen.

Ich bin jetzt beim Übergang von der Anfangs- in die Hauptphase der Diss ... und irgendwie fühle ich mich wie auf dem Nullpunkt. Ein Betreuergespräch letzte Woche tat sein übliches. Ich fühle mich z.zt. auch irgendwie Ideenlos. Ich lese Paper, die die Modellgrundlage meiner Arbeit bilden, zum x-ten mal und habe immer wieder das Gefühl ich lese sie zum ersten mal und verstehe wieder die Hälfte nicht oder nicht richtig. Trotzdem ich sie schon mal kurz zusammen gefasst habe. Auch bei den zugrunde liegenden Methoden sehe ich noch mehr Nebel als klar. Ich weiß, dass ich ein Problem damit habe mich vernünftig zu strukturieren, das fällt mir immer wieder auf die Füße. In der Panik dringend Ergebniss produzieren zu müssen fange ich viele Sachen an und sobald es klemmt mache ich eine neue Baustelle auf. Ich weiß, dass das alles nicht so schrecklich clever ist - aber irgendwie bekomme ich mich da selber nicht im Griff.

Kennt ihr solche Phasen? Was kann ich tun um strukturierter vorzugehen? Wie organisiert ihr euch das? Wie systematisiert ihr eure Arbeit? Wie geht ihr beim schreiben vor. Hab in den letzten Beiträgen erst von verzweifelten Schreibern gelesen, die alles zum schluss schreiben. Ich weiß nicht, der kern meiner Arbeit liegt in der Aufstellung eines Berechnungsmodells - jetzt schon schreiben oder erst wenn das Modell fertig und rund ist? Ich meine, der geistige schmalz steht ja letztendlich im Modell!? Wenn ich mich dann mal hinsetzte und modelliere, dann schiebe ich gleich wieder Panik, dass das ja jetzt auch nicht methodisch fundiert genug sein könnte ... und so wird das Loch, in dem die Tiefphase verläuft, größer und größer :(
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Re: Tiefphase - gehts hier auch wieder raus?

Beitragvon emma am 30.06.2009, 23:53

Warte, hab ich das geschrieben?

Mit anderen Worten: Kenne ich alles sehr gut!

Aber jetzt muss ich ins Bett, wegen der Struktur! Also, morgen mehr.

Gruß und gute Nacht, emma.
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Re: Tiefphase - gehts hier auch wieder raus?

Beitragvon jsolawis am 01.07.2009, 01:08

OP, Tiefphasen sind ganz normal bei einem solchen langfristigen Projekt. Sei daher nicht bestürzt. Übrigens, es wird nicht das letzte Mal sein während der Promotion. Sie kommt hin und wieder mal vor. Erwarte sie einfach, dann bist du geistig nicht deprimiert, wenn eine Tiefphase auftritt. Bei einer Tiefphase würde ich einfach etwas unternehmen was mir gute Laune bringt.

Es besteht die Möglichkeit andere Doktoranden in deiner Gegend zu suchen. Ich habe z.B. hier bei uns 4 Doktoranden. Wir haben ein Team gebildet und schreiben meist zusammen, sei es bei einem von uns daheim, in der Bibliothek oder im Park.

Ich erstelle auch ein quantitatives Modell. Ich würde erstmal das Modell bauen und validieren. Das Testen ist wichtig bevor du überhaupt mit dem Schreiben anfängst. Wenn das Modell validiert und mit dem Betreuer abgestimmt ist, würde ich erst anfangen zu schreiben. Es könnte ja sein das dein Modell erhebliche Mängeln aufweist. Sobald das Modell steht ist das Schreiben m.M.n. kein großes Problem mehr.
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Re: Tiefphase - gehts hier auch wieder raus?

Beitragvon manutl am 01.07.2009, 07:33

Hallo Thomas,

ja, diese Tiefs kenne ich auch! :(
Ich stehe jetzt kurz vor der Abgabe und merke, wie die ganze Entwicklung unheimlich stark in Wellen verläuft. Manchmal bin ich hochmotiviert, alles klappt, ich kann 5 sinnvolle Seiten auf einmal schreiben. Dann wieder ist alles Zwang und ich ertappe mich alle 3 Minuten mit dem Radiergummi in der Hand oder dem Bleistift kauend im Mund.
Ich versuche dann mir die Arbeitsatmosphäre zu verbessern. Ich steh auf und hol mir einen Kaffee, räume die Wäsche weg, die mir auf den Keks geht oder strecke mich einfach und höre ein nettes Hörspiel (ich stehe auf die Drei Fragezeichen :oops: ). Danach geht es besser.
Bei den tieferen Tiefs habe ich eine Pause gemacht, mal eine Woche die Diss nicht angefasst (geht jetzt gerade mal gar nicht mehr).
Ich drück dir die Daumen, dass du schnell wieder reinfindest.
Gruß,
manutl :D
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Re: Tiefphase - gehts hier auch wieder raus?

Beitragvon Mathilda am 01.07.2009, 17:10

Hallo Thomas,

ich kann mich @manutl nur anschließen. Mir geht es da sehr ähnlich und ich habe da ähnliche Überwindungs-Strategien. Es kann ungemein helfen - gerade von man in so einer Panik-Phase ist und sich total blöd vorkommt - einfach mal 1-2 Tage oder auch mal eine Woche Pause zu machen. Dann mal wieder ein bisschen reinlesen (am besten in einen Teil, der schon relativ gut steht) und schon geht es viel besser.

Zur Frage mit dem Modell. Einerseits stimme ich @jsolawis zu. Es macht "vernunftmäßig" Sinn, sich das Modell schon so gut wie möglich zu bauen und zu validieren und dann zu schreiben. Andererseits muss ich wiederum sagen, dass ich derzeit leider in der Realität andere Erfahrungen mache. Ich habe es nämlich so gemacht, allerdings gezwungendermaßen: Mein Diss-Projekt ist eingebunden in ein Praxisprojekt. Also musste ich relativ schnell Daten liefern und habe daher erst mal ein, wie ich finde/fand :roll: schlüssiges Modell gebaut. DANN habe ich angefangen, richtig zu schreiben - und was soll ich sagen? Nachdem ich jetzt alles an Theorie und Stand der Forschung noch mal strukturiert zu Papier gebracht habe, stelle ich fest, dass mein Modell vielleicht doch ein bisschen anders sinnvoller gewesen wäre. Und ja, ich habe vorher durchaus die relevante Literatur gelesen und ja, mein Modell ist laut diversen Gütemaßen valide - aber trotzdem hätte ich es jetzt etwas anders gemacht und auch die Messung im Haupttest ein bisschen anders angegangen. Das ist ärgerlich.
Leider eine "kommt drauf an"-Antwort, mit der sich wahrscheinlich nicht viel anfangen lässt. Im Nachhinein würde ich eher zu "erst schreiben, dann Modell endgültig bauen" tendieren. Auch, wenn man dann wahrscheinlich einiges schreibt, was man später gar nicht mehr benötigt.

Schöne Grüße
Mathilda
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Re: Tiefphase - gehts hier auch wieder raus?

Beitragvon Koenigsportal am 01.07.2009, 19:36

Hallo Thomas,

das Problem, anders arbeiten zu wollen, als man es tut, kenne ich sehr gut. Ich habe zum Beispiel einen assoziativen Arbeitsstil und kann nicht stur ein Buch nach dem anderen beackern, sondern mache das meist punktuell. Das hat auch mit dem Thema und Aufbau meiner Arbeit zu tun und mit den Ansprüchen des Profs. Bereits die M.A. lief so. Deshalb wollte ich es von Anfang der Diss. an anders machen. Aber das hat nicht funktioniert. Es hat mir viel Zeit gekostet. Erstens, weil ich ständig versucht habe, gegen meine Natur zu arbeiten, zweitens, weil ich mich dadurch in Bereiche vertieft habe, die zwar bzgl. meines Themas sehr gewinnbringend waren/sind, aber im Grunde weit über meinen (und des Profs) ursprünglichen Anspruch an diese Diss. hinausgeführt haben.

Es klingt ein bisschen, als sei es bei Dir auch so, dass Du Dein eigenes Vorgehen nur schwer akzeptieren kannst. Es gibt aber durchaus Wissenschaftler, Studien-/Prom.berater etc., die zu genau dem Stil raten: Wenn's irgendwo hakt, woanders weitermachen. In einem Seminar wurde uns auch mal gesagt, einfach irgendwo in der Arbeit anzufangen zu schreiben, Hauptsache man schreibt! Auch das Umschreiben gehört dazu, was ja auch nicht ganz leicht zu akzeptieren ist.

Möglicher Weise baut Dich ein Blick in das Buch von Joan Bolker 'Writing your dissertation...' etwas auf. Da werden viele Probleme, die so auftauchen, beschrieben, und das Beruhigende ist, dass man lernt, dass es anderen ähnlich geht.

Kopf hoch, das wird! /:dr)
Viel Erfolg, Königsportal
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