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Wirtschafts-/Sozialwissenschaften - Der große Hänger?

Fragen aus der laufenden Arbeit an der Dissertation.
Literatursuche, Motivationsprobleme, Lehrtätigkeit, Ärger mit dem Prof u.v.m.
Thema gesperrt
7 Beiträge • Seite 1 von 1

Wirtschafts-/Sozialwissenschaften - Der große Hänger?

Beitragvon Andre_2907 am 10.02.2009, 16:32

Hallo,

ich suche Kontakte, die sich mit ähnlichen Fragestellungen und (man darf das ruhig zugeben) Problemen beschäftigen.

Ich schreibe seit 3,5 Jahren, bin Externer, stehe im Beruf (als Finanzierung der Prom), habe bereits die innere Kündigung geschrieben (kaum verwunderlich bei so einem Projekt) und merke, dass ich langsam auf dem Zahnfleisch gehe. Hatte ich es erwähnt? Vermutlich betrachten es einige von Euch als Stöhnen auf hohem Niveau: Ich bin bereits in der Empirie und damit liegt schon Einiges hinter mir. Aber mittlerweile bin ich zunehmend unkonzentriert und in Teilen unmotiviert. Ich weiss auch kaum, ob ich jemals wieder entspannt einen (!) Tag nichts machen kann. Nach einer 60 Stunden Woche (Prom/Arbeit) habe ich fast schon ein schlechtes Gefühl - nach dem Motto: So werde ich ja nie fertig. Ich brauche kein Mitleid, sondern Meinungen und - das wäre toll - Ratschläge. Meine Gedanken: Weiter machen nach dem bisherigen Schema? Kündigen? Den Prof. fragen? Mit ihm mein Gefühlsleben diskutieren? Arbeitgeber = Null Unterstützung - Mobbing vorhanden (liegt ein paar Monate zurück) Was kommt nach der Prom? Wie gehen Eure Partner/in damit um? Wie holt Ihr Euch aus einem Loch - oder Hänger (daher der Titel) - wieder raus?

Viele Grüße
Andre
Andre_2907
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Re: Wirtschafts-/Sozialwissenschaften - Der große Hänger?

Beitragvon SAH am 11.02.2009, 11:53

Hallo Andre,

ich finde es gerade etwas schwierig dir zu helfen bzw. irgendwie zu beraten. Zu einer Promotion gehören unheimlich viele Faktoren und Umstände, die über ein Gelingen und Nicht-Gelingen entscheiden können. In meinem Umfeld haben ein paar Leute ihre Diss doch beendet (und wollen nie wieder an die Uni und ihr System) oder den DV gewechselt haben. Beides erfordert sehr viel Mut und ich habe wirklich Respekt vor solch einer Entscheidung.

Was ich wichtig finde: man muss ehrlich zu sich sein. Warum will man die Diss machen? Wegen sich oder wegen den Erwartungen anderer z.B. Eltern, Freunde, Partner etc. Letzteres ist ein sehr, sehr schlechter Ausgangspunkt. Man baut sich einen enorm hohen innerlichen Druck auf, hat ständig Angst zu versagen, hat ständig Angst jmd. zu enttäuschen. An sich und seine Bedürfnisse denkt man eher selten... was früher oder später wirklich gefährlich werden kann.

Ich würde es auch nicht "Stöhnen auf hohem Niveau" nennen, sondern einfach nur eine normale menschliche Reaktion. Bei 60 Stunden der Woche kann dein Privatleben nicht wirklich gut funktionieren. Wo bleibt die Zeit für Freunde, Familie, den Partner?
Wenn du unkonzentriert bist, dann werden Zweifel in dir sein. Du wirst dir wohl viele Fragen (privat wie beruflich) stellen und die sollten gelöst werden. Ansonsten wirst du wirklich Probleme mit der Entspannung bekommen.

Zu deinen Fragen, ob du kündigen oder deinen Prof fragen sollst, wird dir niemand eine Antwort geben können. Es wäre auch nicht klug, weil du allein für dein Handeln verantwortlich sein solltest und Ratschläge von Anderen immer eine gute Entschuldigung für Misserfolge sind.

Was ich mache und was mir sehr hilft, wenn ich Hänger habe:
1) Zielplan erstellen (es geht also in den Coaching-Bereich ;) ). Setze dir kleine und realistische Ziele, die du erfüllen kannst. Das motiviert und hilft, den inneren Schweinehund zu besiegen. Die Ziele müssen so formuliert sein, dass sie keine Hintertürchen zu lassen (Also nicht sowas wie: "Ich werde das Kapitel 5 formulieren", sondern "Ich formuliere das Kapitel 5"). Wenn du das Ziel dann erreicht hast, belohne dich! Du hast es dir dann verdient.
2) Wenn du Menschen hast, denen du vertraust, dann rede mit diesen. Über all (!) deine Ängste, Bedenken und Gefühle. Du musst das auch nicht unbedingt aussprechen, du kannst es auch aufschreiben. Aber auch hier gilt wieder: sei ehrlich zu dir. Es sind deine Gedanken, lass sie raus. Deinen ganzen Ärger, deine ganze Verzweiflung, deine Wünsche belasten dich viel mehr, wenn du versuchst sie zu vergraben.
3) Das Schwierigste ist, dass du dir Zeit für dich nimmst. Allerdings klappt das nur, wenn dein Kopf frei ist. Vielleicht können dir einfache Entspannungsübungen helfen.

Ich wünsche dir viel Kraft für die nächste Zeit!
SAH
 
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Re: Wirtschafts-/Sozialwissenschaften - Der große Hänger?

Beitragvon larajus am 11.02.2009, 12:46

Überlege Dir doch einmal zuerst, ob Du die Diss wirklich (um jeden Preis) willst.

Wenn das beantwortet ist, frag Dich, ob Du die derzeitige Situation weiter in Kauf nehmen kannst - oder ob diese Entscheidung in Deinem tiefsten inneren nicht vielleicht schon gefallen ist.

Wenn Du ein Licht am Horizont siehst, sei es, weil Du bald fertig bist, weil Du einen eleganten Jobwechsel vollziehen kannst oder Du einfach genug Kraft hast, das noch ein paar Monate oder Jahre weiterzumachen, dann geh den Weg weiter und freu Dich auf das Ziel. Das motiviert und holt einen aus jedem Tief wieder raus. (wie jemand, der einen Marathon läuft, der freut sich auch nicht zwingend in jeder Phase seines Laufs, aber er freut sich tierisch auf das Ziel und steuert nur das an, und das reicht in aller Regel.)

Zur Partnerfrage... naja, was soll man da raten. Entweder man hat einen Partner, der auch das Licht am Ende des Tunnels sieht und das so akzeptiert, oder man hat ein weiteres Problem an seiner Seite, das man irgendwie lösen muss. Wie auch immer.

Viel Glück und Entscheidungsfreude!
larajus
 
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Re: Wirtschafts-/Sozialwissenschaften - Der große Hänger?

Beitragvon Pholi am 11.02.2009, 22:29

Hi Andre,

Ich kann nur sagen, du bist nicht der einzige! Auch wenn es manchmal schwer faellt zu glauben, aber es gibt noch mehr von deiner Sorte. Ich bin seit einem Jahr an meiner Diss, und arbeite genau wie du auch vollzeit. Der Job ist ziemlich anstrengend, die Wochenenden sind kurz, die Abende teilweise sehr lange, und teilweise leider auch sehr unproduktiv. Der staendige stress schneller machen zu muessen, aber gleichzeitig auch das extreme beduerfnis einfach mal nix zu machen.
Bei mir war verabredet, dass ich waehrend meiner arbeitszeit auch an der diss arbeite, leider sieht die realitaet da ganz anders aus. erschwerend kommt bei mir noch hinzu, dass ich in afrika bin, das heisst das wetter ist gut (was es nicht gerade erleichtert am wochenende in der bude zu sitzen, der strand ist von meinem fenster aus zu sehen..., aber die uni beschiss......
Ich will weder dich noch mich bemitleiden, denn das hilft wohl am wenigstens. Aber: wenn ich mal wieder einen durchhaenger habe, denke ich daran warum ich mich dafuer entschlossen habe, und sehe das ziel vor meinen augen. gleucklicherweise habe ich ein sehr spannendes thema, da ist es nicht ganz so schlimm. aber ja, ich denke ich verstehe deine lage sehr gut, trotzdem wuerde ich dir lieber einen arschtritt geben als alles andere. durchhaengen und entspannen kannste spaeter noch genug, sieh zu dass du dass du in die gaenge kommst und das ganze unter dach und fach bringst. bist doch schon so weit, also fast schon vor dem ziel!!!! Bin sicher du schaffst es - und ich auch :-)
Viel Kraft und Ausdauer!
Pholi
 
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Re: Wirtschafts-/Sozialwissenschaften - Der große Hänger?

Beitragvon Sebastian am 12.02.2009, 01:20

Habe jetzt nicht nachgesehen, ob Ihr beiden - Pholi und Andre - Euch schon den "Externen Doktoranden" und dem Schreibtreff angeschlossen habt, wo man sich mitunter etwas diskreter und damit auch fachnäher austauschen kann (zusätzlich zur Registrierung muss man der Benutzergruppe beitreten) - das kann durchaus helfen, um positiv nach vorn zu kommen. Die ca. 50 Mitglieder dort motivieren sich gegenseitig - und sei es durch die gemeinsame Erkenntnis, dass man heute trotz allerm wieder etwas (oder eben auch mal nichts) geschafft hat.

Gern biete ich auch an, nach dieser Bauart einen weiteren Bereich aufzubauen, der sich z.B. einzelne, hier noch nicht abgedeckte Fächer konzentrieren kann.

Inhaltlich sind ein paar Motivationsthemen, die hier schon diskutiert wurden, auch im redaktionellen Bereich unter Arbeiten / Motivationstiefs zusammengefasst.
Von den Diskussionen, die hier auch schon geführt wurden, möchte ich die Threads "Aufgeben?" und "Abbruch und Neuorientierung" hervorheben, weil sie so kontrovers bis radikal geführt wurden. Ich hoffe, Ihr beiden seht dort, wo Ihr hoffentlich noch nicht seid?!
Wie holt Ihr Euch aus einem Loch - oder Hänger (daher der Titel) - wieder raus?


Ganz klar: Mit selbstgebauten positiven Erlebnissen und angemessenen Pausen/Erholungszeiten. Ich war glaube ich körperlich nie so fit, wie während der Promotion- mindestens jeden zweiten Tag absolut ohne schlechtes Gewissen beim Sport (allerdings ohne Beruf daneben!). Und wenn Du nebenberuflich promovierst, gilt es m.E. erst recht, sich auch die schönen Dinge im Leben zu suchen. Nicht immer nur die Sechs-Monate- Weltreisen oder vier Wochen Karibik, sondern ein schöner entspannter Spaziergang, eine Runde Joggen, Besuch im Theater ... woran Du eben Freude hast. Das alles nicht krampfhaft - und für etwaige echte Geistesblitze kannst Du ja ggf. ein Notizbuch mitnehmen.
Ansonsten kommen danach die kleinen Häppchen und Erfolgserlebnisse bei der Arbeit, die SAH schon erwähnt hat.
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Re: Wirtschafts-/Sozialwissenschaften - Der große Hänger?

Beitragvon bella am 12.02.2009, 12:48

Hallo Andre,

ich kann Dich nur zu gut verstehen. Habe das Abi, das komplette Studium neben einem Vollzeitjob durchgezogen - und versuche mich nun an der Diss.
Wie Pholi schreibt, Du bist nicht der Einzige und ich glaube den Durchhänger hat jeder mal. Frag mich nicht, wie oft ich schon dran war, dass Studium zu schmeißen. Auch Mobbing durch den Chef durfte ich während der Diplomarbeit kennenlernen und lauter so feine Sachen.
Ob ich Dir einen guten Rat geben kann, weiß ich nicht (hänge leider derzeit selbst wieder etwas arg durch und der Gedanke ans Aufgeben spuckt schon wieder im Kopf ...). Was mir hierbei oft hilft, ist die Vorstellung, ob ich den zufriedener wäre, wenn ich wirklich aufgeben würde - und das kann ich dann eigentlich mit einem klaren "Nein" beantworten. Spätestens nach ein paar Wochen (oder auch Monaten) würde ich es bereuen, da bin ich mir sicher.
Ohne schlechtem Gewissen (manchmal gegenüber dem Job, dann wieder gegenüber der Diss und meistens hinsichtlich beidem) geht das ganze wohl sowieso nicht, aber daran gewöhnt man sich sogar. Sport tut mir hierbei manchmal ganz gut. Hin und wieder denke ich auch an einen Marathonlauf, da vergeht mir auch die Lust ab Kilometer 35 oder 38 und ich würde am liebsten Aufhören und laufe dennoch weiter - und hinterher war's dann gar nicht so schlimm und ich bin froh, dass ich weitergemacht habe.

Also Kopf hoch, lass Dich nicht unterkriegen,
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Re: Wirtschafts-/Sozialwissenschaften - Der große Hänger?

Beitragvon Andre_2907 am 13.02.2009, 08:48

Hallo,

vielen Dank für die Anmerkungen und Tipps und damit ein Stück weit ebenso Danke für das Posting Eurer persönlicher Erfahrungen.

Ich finde es mehr als hilfreich, einfach mal das Offensichtliche anonym und ohne viel Rumeiern zu lesen. Das hilft, wenngleich es die eigene Situation nicht löst. Aber ist ist ja ein erster Schritt dazu. Ich habe nun knapp 2 Wochen ohne Prom hinter mir - es geht mir gesundheitlich besser. Gekrönt wird diese Zwangspause (so möchte ich es nennen) von einem Winterurlaub.

Vielleicht interessiert es den einen oder anderen, wie es weiter geht? Nun, mit Blick auf das Forum werde ich mich bestimmt weiterhin hier tummeln - ich fand die Aussagen der Promotionsdauer Externer sehr interessant. Wunsch und Naivität liegen hier eng beieinander. Mit Blick auf das private Umfeld wird der Urlaub Licht bringen und hier denke ich insbesondere an den leidigen Job, der zwar Geld bringt, aber auch Ärger (ich hatte die Jobsituation (sehr höflich) dargestellt). Mit Blick auf Eure Anmerkungen: Mit der Prom höre ich nicht auf - nicht so kurz vorm Ziel, nicht mit den Entbehrungen und dem Stress der Vergangenheit und auch nach 3,5 Jahren sage ich immer noch: spannend, interessant und wissenschaftlich erkenntnisbringend.

Man liest sich also - viele Grüße
André
Andre_2907
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