Hallo,
ich habe eine Frage zu euren Erfahrungen mit den Möglichkeiten den Doktorvater zu wechseln. Grundsätzlich hätte ich ja nie gedacht, dass das für mich ein Problem werden könnte, aber mir kommen nun doch erhebliche Zweifel.
Es handelt sich um eine juristische Dissertation.
Ich habe meine Arbeit eigentlich fertig geschrieben, sie hat den normalen Umfang von Dissertation vergleichbarer Themen, das Literaturverzeichnis hat eine "übliche" Länge, die Anzahl der Fußnoten ist im Rahmen dessen, was ich bei anderen Arbeiten gesehen habe.
Ich habe ihm die Arbeit eingereicht und mein DV ist nun der Meinung, ich soll alles neu schreiben, da es 1. nicht umfangreich und nur oberflächlich sei, mein Stil einfach gräßlich wäre und 3. meine Ergebnisse unhaltbar seien.
Zu 1. habe ich schon geschrieben, dass ich den normalen Umfang eigentlich mit 320 Seiten als erreicht ansehe. Wenn ich alle Punkte aufgreife, die er als oberflächlich ansieht, dann habe ich zum Schluss 3 Arbeiten geschrieben.
Zu 2.: Die Stilfrage finde ich ist einerseits Geschmackssache. Den Aufsatz, den er mal ganz toll fand, fand ich nun wieder grauenhaft. Da kamen mir schon erste Zweifel, ob er der richtige ist, aber ich habe nunmal nicht auf mein Bauchgefühl gehört.
Er bezeichnet meine Ausdrucksweise aber beispielsweise an Passagen als Laienhaft, obwohl ich die entsprechenden Termini aus Standardkommentaren habe und die dort auch so verwendet werden. Würde er seinen Kollegen dann auch sagen, sie schreiben im Kommentar laienhaft? Aber was soll ich dann anders machen, wenn ich die Begriffe aus dem Kommentar nicht benutzen darf.
Zu 3.: Er findet nun sowohl Aufbau als auch Ergebnis unhaltbar. Der Aufbau war aber eigentlich mit ihm mal so abgesprochen. Die Ergebnisse habe ich "allein" und ohne große Besprechungssitzungen erarbeitet. Er meint, das könne alles nicht richtig sein, weil die herrschende Meinung dann ja alles falsch machen würde. Mein Verständnis einer Diss. ist es aber nicht, dass ich zu allen ja und amen sage. Ich schreibe ja, warum ich der Meinung bin, dass die herrschende Meinung nicht weit genug denkt (ich schließe mich im ersten Schritt bei der Auslegungsfrage der herrschenden Meinung an und prüfe dann aber weiter und komme auf Probleme, die die herrschende Meinung nicht bearbeitet).
Das führt mich nun zu der Frage, ob man eigentlich den DV wechseln kann. Denn sowohl Stil als auch Ergebnis werde ich ihm nicht recht machen können. Ich weiss nicht, wie ich formulieren soll, wenn er die Begriffe aus dem Kommentar (und übrigens auch der Rechtsprechung) kritisiert. Und meine Ergebnisse halte ich für richtig und auch vertretbar. Sonst käme die Lehre ja nie weiter, wenn alles immer nur "friedefreudeeierkuchen" wäre. Und das mit dem Aufbau verwundert mich auch sehr. Das hätte er doch mit einem Blick bei Abgabe feststellen können, dass er das so nicht will und es war ja auch abgesprochen so. Warum braucht er jetzt ein halbes Jahr, um mir dann zu sagen, der Aufbau sei völlig verfehlt und unverständlich.
Ich hab aber nun auch Angst, dass ich a) wieder an einen ähnlichen Prof. gerate. Woher soll ich wissen, was er für Ergebnisse für vertretbar hält, welcher Aufbau toll ist oder nicht oder welcher Stil dem nächsten gefällt.
b) habe ich die Sorge, dass der neue, den ich frage, den alten anspricht, der neue mich dann nicht nimmt und es mit dem alten noch schlimmer wird.
Hat jemand Erfahrungen, was man da machen kann? Kann man mit der Begründung "wissenschaftliche Differenzen" einen Wechsel versuchen? Oder ist das so unüblich, dass ich damit alles gleich begraben kann. 3 Jahre sollen nicht verloren gehen!
Bin für jeden Tipp dankbar. Mein Chef (arbeite Vollzeit, weil es anders irgendwann nicht mehr finanzierbar war) sitzt mir im Nacken, dass ich fertig werden soll. Ich sehe mich nun in der Zwickmühle, weil ich 1. kaum noch Kraft habe, immer am WE zu schreiben und nicht mich von der Arbeit zu erholen und 2. auch den Eindruck habe, ich kann machen, was ich will, ich komme ja doch nicht zum Ziel.
LG,
Primavera
