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Nebenjob als Ghostwriter?!

Fragen aus der laufenden Arbeit an der Dissertation.
Literatursuche, Motivationsprobleme, Lehrtätigkeit, Ärger mit dem Prof u.v.m.
Thema gesperrt
46 Beiträge • Seite 2 von 5 • 1, 2, 3, 4, 5

Re: Nebenjob als Ghostwriter?!

Beitragvon Eva am 02.07.2009, 10:25

Hallo

@Bear: Warum wertest du deine eigene Arbeit eigentlich so ab? Wieso soll eine Diss im Labor in jedem Fall wertvoller sein (weil schwieriger?) als zuhause zu schreiben? Wieso ist das in jedem Fall "stressfreier"? Was hat es für einen Sinn, solche Werthierarchien aufzustellen? Ich denke, dass jede Form der Promotion ihre eigenen Herausforderungen birgt, die man nicht unbedingt vergleichen kann. Mir ist eigentlich egal, auf welchem Wege und an welchem Ort andere an ihren Titel kommen, solange es legal zugeht und jeder eine eigenständige wissenschaftliche Leistung erbringt.
Je mehr Leute sich gegen Geld "helfen" lassen, desto mehr geraten doch alle in den Verdacht, so zu handeln, und der Titel verliert an Aussagekraft. Erinnert mich an das Dopingproblem im Sport und die Haltung vieler Sportler "Ich kann gar nicht nicht dopen, weil es alle anderen auch machen"...
Und noch was anderes: Du schreibst, dir seien Doktoranden mit psychischen Problemen und Krisen begegnet, die für dich offenbar automatische Kandidaten von Ghostwritern waren. Wie kommst du darauf? Man kann einer Diss-Krise auch anders begegnen als fremde Hilfe für die Diss in Anspruch zu nehmen! Zum Beispiel über die eigene Arbeitsweise nachdenken, seine Prioritäten im Alltag anders setzen etc.
SO 1.8.: Kap. 2 fertig!
SO 26.9.: Kap. 3 fertig!
Kap. 1 :D ; Kap. 2 :| ; Kap. 3 ; Ausblick
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Eva
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Re: Nebenjob als Ghostwriter?!

Beitragvon la_potranca am 02.07.2009, 11:31

Eva hat geschrieben: solange es legal zugeht und jeder eine eigenständige wissenschaftliche Leistung erbringt.


Auch das ist mir eigentlich egal. Denn: die Promotion weist (berufliche) Fähigkeiten nach (nicht Fachkenntnisse). Wird jemandf für diese Fähigkeiten eingestellt, hat er sie aber nicht (da nicht selbst erworben), wird er schwerlich leisten können, was von ihm erwartet wird. Da isser dann gestraft genug.
Und das bisserl Vorteil, dass man sich durch den Titel im Nicht-Berufsleben erwirbt... mei, das kann meinetwegen auch ein Imposteur gerne haben.
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Re: Nebenjob als Ghostwriter?!

Beitragvon Bear am 02.07.2009, 11:41

Ich seh das genauso. für die Doktorarbeit benötigt man spezifische Fähigkeiten bzw. erwirbt diese durch das Schreiben. Wenn man das nicht kann, wird man im Beruf Probleme bekommen, weil man ja quai in seiner Bewerbung lügt.
Es ging ja um die Frage der Gerechtigkeit, ob es nun rechtmäßig oder unmoralisch ist, wenn Leute sich das schreiben lassen. Und da bin ich der Meinung, dass der ganze Unibetrieb (sorry, vielleicht falsche Einschätzung von mir) auf so ein Gemauschel und Gekruschel aufbaut.
Klar gibt es im Unternehmen auch solche Strukturen, aber ich finde, sie werden da irgendwie anders genutzt- Beziehungen dienen ja dann meistens nicht dazu, sich Arbeit zu sparen oder ein Projekt verschwinden zu lassen, sondern im Gegenteil, sich neue Türen zu öffnen, in neue Projekte reinzuschnuppern, Aufgabengebiete zu erweitern, grössere Verwantwortung zu erhalten.
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Re: Nebenjob als Ghostwriter?!

Beitragvon wolf am 02.07.2009, 14:46

Also auch wenn man von der ursprünglichen Fragestellung des Threads etwas abgekommen ist, so möchte ich doch sagen, dass der von Spöttern immer wieder vorgebrachte Ausspruch Wilson Minzers

"Aus einem Buch abschreiben = Plagiat;
aus zwei Büchern abschreiben = Essay;
aus drei = Kompilation;
aus vier = Dissertation"

im Kern leider der Wahrheit bzw. der -zumindest von mir- beobachteten akademischen Praxis entspricht. Quer durch die Bank lautet bei Profs die Losung "publish or perish". Da wird Ideen-, Struktur- und Werkraub betrieben das die Heide wackelt!
Und bei Studenten sieht das nicht anders aus. Ein paar Passagen von Hausarbeiten.de und Co., ein paar aus ner passenden verstaubten Diss. aus der Bibliothek, das ganze paraphrasiert und in einen Guss gebracht und fertig ist die Seminararbeit. Wer Geld hat, lässt sich halt was schreiben. Bei ner Diss. läuft das imho nicht anders ab, natürlich auf etwas gehobenem Niveau. Ich möchte das ganze nicht bewerten, aber der Student/Doktorand/Prof., der in seinem Kämmerlein monatelang über Werken brütet und im Schweiße seines Angesichts Zeile um Zeile zu Papier bringt, ist heutzutage eine rara avis in terris. Man schaue sich nur einmal die Publikationslisten mancher Lehrstuhlinhaber an... da kann teilweise ein Stephen King oder Konsalik nicht mal mehr mithalten, und hier geht es um wissenschaftliche Facharbeiten, nicht leicht verfasste Unterhaltungsliteratur; nicht falsch verstehen, möchte den King- und Konsalik-Fans nicht zu nahe treten :D

EDIT: Ich selbst habe einen riesen Spaß mit meinen Thema und nehme die Mühen die mit Recherche, Auswertung und Niederschrift verbunden sind gerne in Kauf. Wenn es einem jedoch weniger um den Weg, sondern vielmehr um den Dr.-Zusatz im Perso geht ist klar, dass er sich nicht die Mühe machen wird, das Rad neu zu erfinden. Bedauerlicherweise geht es, um gleich mal etwas Zeitkritik zu üben :) , heutzutage nur noch darum, alles mit besten Noten und schnellstmöglich "durchzuziehen". Bologna tut sein übriges. Das man sich dabei immer weniger als idealistischer Bücherwurm mit Freude an Wissenschaft und Forschung versteht, sondern vielmehr versucht auf Kosten der Substanz seinen sich durch Alter, Noten und Titel bestimmenden Marktwert zum Zwecke des wirtschaftlichen Wettbewerbsvorteils zu erhöhen, ist traurig, aber gesellschaftliche Realität und letztlich nachvollziehbar. En passant wir dabei natürlich der gesamte Wissenschaftsbegriff pervertiert. Es geht leider kaum noch um wirkliche Bildung und die Fähigkeit in großen Zusammenhängen denken zu können, sondern nur noch darum, eine Prüfungsleistung zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erbringen. Danach kann der ganze Scheiß ja wieder vergessen werden... und das wird er auch!
Selbst die Uni versteht sich zunehmend weniger als dem Ideal der Bildung verpflichtete Institution, sondern als in Konkurenz zu andren stehendes Unternehmen und wird auch dementsprechend geführt; Leistungspunkte und Drittmitteleinwerbung bestimmen das Bild. Aber nicht zum Zwecke der verbesserten Lehre, sondern um die Reputation zu steigern, geradezu schizophren.
Alles Schall und Rauch. Over and out.
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Re: Nebenjob als Ghostwriter?!

Beitragvon Robert am 02.07.2009, 15:10

Ich hoffe, das ihr alle bei der quantitativen Beurteilung total daneben liegt :/

Das ist ja erschreckend. Bei Seminararbeiten etc. kann ich es mir auch vorstellen, da ist es mir aber total egal. Aber dass jemand, der sich für ne Diss entscheidet, sowas machen soll? Da bekomm ich Gänsehaut :/

Naja, man kanns zwar nicht ändern, man kann aber in dem Glauben leben, dass die Leute, die es machen, die Arbeit sowieso nicht zu Ende bringen.

(Wehe einer von Euch versucht noch einmal, mir diesen Glauben zu nehmen :) )
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Re: Nebenjob als Ghostwriter?!

Beitragvon Mathilda am 02.07.2009, 17:37

Hallo zusammen,

zwar nehme ich mal an, dass @Wolf auch ein bisschen übertreibt, aber trotzdem muss ich schon sagen - nee. Bestimmt bin ich wiederum auch ziemlich optimistisch veranlagt, aber trotzdem - nee.
Ja, es gibt Leute, die ihre Arbeiten schreiben lassen. Aber ich würde schon sagen, dass es weit weniger krass ist als dargestellt.

Was die Gepflogenheiten in anderen Fächern und an anderen Lehrstühlen angeht, kenne ich mich natürlich nicht so aus, ich kann nur von "uns" sprechen. Da läuft sicherlich auch nicht alles supergut, aber ganz ehrlich - so sehr Massenbetrieb ist noch nicht mal unsere Massenuni, dass man nicht unterscheiden könnte, wer schreiben lässt und wer selber schreibt.
Aus LS-Sicht: Wir kennen ja die Studierenden. Die schreiben viele Klausuren bei uns. Dann Seminare, und dann die Diplomarbeit oder Bachelor-/Masterarbeit. Wenn plötzlich eine Hausarbeit von der Leistung her total anders ist als das, was man aus den Klausuren und den sonstigen Vorleistungen gewöhnt ist, dann fällt das auf. Klar kann man dann nicht eingreifen, sofern man nichts beweisen kann. Aber ich bilde mir zumindest ein, dass es verschwindend Wenige sind, die schreiben lassen. Ich hatte in meinen 5,5 Jahren LS-Arbeit und über 20 von mir betreuten Diplomarbeiten wirklich nie das Gefühl. Wie gesagt, wir kennen die Studis - abgesehen von den Klausuren laufen sie ja auch ziemlich häufig in der Sprechstunde auf zu Diplomarbeitszeiten. Bei einer einzigen Diplomandin am Lehrstuhl (nicht "meine") - in 5,5 Jahren, wo bestimmt bald 80 oder 90 geschrieben wurden, sind wir ziemlich sicher, dass sie nicht selbst geschrieben hat. Die Differenz zwischen der zuvor gezeigten Leistung und den Sprechstundendiskussionen zu der Diplomarbeit war doch recht frappierend.

Kann sein, dass es bei welchen nicht aufgefallen ist. Aber trotzdem - die Studierenden hängen ja nicht im luftleeren Raum. Gerade die Hauptfächler, die dann auch die Diplomarbeit bei uns schreiben, die kennt man und kann die Leistungen einschätzen. Außerdem glaube ich auch, dass viele Studierende durchaus clever genug sind und wissen, dass sie sich nur selbst schaden.

Mathilda

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Re: Nebenjob als Ghostwriter?!

Beitragvon musicus am 02.07.2009, 20:52

Den Beitrag von Wolf muß man sich ausdrucken, einrahmen und übers Bett hängen. Er hat bzgl. der Durch-Ökonomisierung des Universitäts- und Wissenschaftsbetriebs vollkommen recht! Diese findet man aber mittlerweile in beinahe jedem Lebensbereich, übrigens ein Schwerpunkt meiner Diss und ein super Einstieg für das nächste Doktorandenseminar *Notiz mach*. Zur Sache selbst kann ich nichts beitragen, ich schreibe selbst. 8)
Aber die Unterschiede zwischen Abschlußarbeiten durfte ich kürzlich erfahren. Eine Arbeitskollegin gab mir ihre Diplomarbeit zum Gegenlesen (Universität, keine FH), die sie bei uns im Unternehmen schrieb. Die Tätigkeit selbst wird normalerweise von Praktikanten gemacht und wissenschaftlich war die Arbeit kaum. Hätte ich als Seminar- oder Hausarbeit akzeptiert, aber keinesfalls als Diplom. Naja, sie hat bestanden und soweit ich weiß, auch eine gute Note bekommen. Ihr Prof ist übrigens sehr "renommiert".
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Re: Nebenjob als Ghostwriter?!

Beitragvon jsolawis am 03.07.2009, 16:17

OP, Ich bin seit zwei Jahren für eine Agentur in München als Ghostwriter tätig. Ich schreibe meistens Bachelor/Seminar- und Diplomarbeiten im Umfang von 20 - 50 Seiten. Es arbeiten je zwei Ghostwriter an einem Auftrag. Die Kunden der Agentur werden beim Schreiben der Arbeit voll eingebunden - Literaturreche, Bücher von der Bibliothek holen, Aufbau, Zitate in den Fußnoten, Literaturverzeichnis, Abbildungen, Diskussion über den Inhalt, Erwartungen des Betreuers, Formattierungsrichtlinien, usw.. Die Ghostwriter schreiben daher die Arbeit nie allein, sondern im Tandem mit dem Kunde. Die Erstellung einer Seminararbeit dauert i.d.R. 5 Tage, eine Diplomarbeit 10 Tage.
Für Seminararbeiten bezahlen die Kunden zwischen €600 - €800, Diplomarbeiten €1000 - 2000. Finanziell lohnt es sich für mich ganz gut - ich kann dazu verdienen.

Die Agentur akzeptiert keine Doktorarbeiten, weil sich der Aufwand finanziell nicht lohnt.

Ich würde mir eine Ghostwriter-Agentur aussuchen bei der die Kunden in der Erstellung der Arbeit eingebunden werden. Ansonsten, lohnt sich die Arbeit finanziell nicht. Konzentrier dich zudem nur auf Bachelor/Seminar- und Diplomarbeiten, weil sie schneller gschrieben werden können.
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Re: Nebenjob als Ghostwriter?!

Beitragvon Bear am 03.07.2009, 22:26

Aber, sorry, wenn nun ausgerechnet ich daherkomme...findest Du das nicht unmoralisch?!?????

Ich meine, ich habe das genau 8 Monate gemacht mit dem Ghostwriting (in meinen Agenturen habe ich übrigens alleine die Dinger geschrieben, bei Diplomarbeit erst Expose, das hat der Kunde dann dem Prof. vorgelegt und dann weitere, meistens drei Teile..Doktorarbeit gibt übrigens auch für 3500 Euro in einem Zeitraum von 3 Monaten..) und bin schier zerflossen vor schlechten Gewissen!!!!!!!! Ich hätte nie, und zwar wirklich nie gedacht, dass ich mal promoviere, ich fand den ganzen Unibetrieb immer extrem doof (hatte aber trotzdem zwei Abschlüsse mit guten Noten) aber ich finde das nun tausendmal besser als Ghostwriting. Man lernt neue Leute kennen und es ist eine nette Erfahrung bzw. Freizeitbeschäftigung, man muss sich nicht mehr in der Bücherei verstecken und Promotion kann ja auch nicht schaden.
Und zum Job als Ghostwriter: Es ist nix zum Brötchenverdienen! Was machst Du, wenn das mal gesetzlich verboten wird? Dann hast Du keinen Job mehr...
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Re: Nebenjob als Ghostwriter?!

Beitragvon SAH am 04.07.2009, 09:15

jsolawis hat geschrieben:Für Seminararbeiten bezahlen die Kunden zwischen €600 - €800, Diplomarbeiten €1000 - 2000. Finanziell lohnt es sich für mich ganz gut - ich kann dazu verdienen.

Ich hätte mal kurz ein paar Fragen (bzw. Feststellung):

1) Ich hätte nie so viel Geld für geschriebene Arbeiten gehabt.
2) Kommt nicht irgendwann die Quittung, wenn man sowas in Anspruch nimmt? Das Schreiben (und Lesen der Texte ;) ) ist ja auch ein Training. Wenn man es nie selbst gemacht hat, dass fliegt doch irgendwann auf, oder bin ich zu blauäugig?
3) Mich würde es arg wurmen, wenn Leute mit meiner Arbeit Erfolg haben. Es sind doch meine Gedanken, wie kann ich diese einfach so verkaufen? Das hat nichts mit moralischen, sondern mit persönlichen Problemen zu tun.
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