Wem gehören meine Daten?

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Wem gehören meine Daten?

Beitragvon Liselle am 21.07.2010, 17:31

Hallo zusammen,

nachdem ich schon viel in diesem Forum gelesen habe und auch zu meiner spezifischen Frage, bin ich leider noch nicht schlauer. Gegebenenfalls bitte ich darum, mir einfach den entsprechenden Thread-Link zu schicken, falls so ein Fall schonmal besprochen wurde. Danke!

Ich bin Doktorandin und WiMi. Als WiMi bin ich seit April 2010 angestellt. Vorher war ich WiMi an einer anderen Uni, aber Doktorandin in dem Arbeitsbereich, wo ich jetzt WiMi seit April 2010 bin.
Meine Daten habe ich Juli 2009 und Januar/Februar 2010 im Arbeitsbereich erhoben. Mein Betreuer, der auch mein Chef ist, hat sich nicht wirklich um meine Diss gekümmert, lästert gern mit anderen Profs über mein Thema und hat mir nun, wo ich in Mutterschutz / Elternzeit bin, gesagt, dass meine Diss (nach 2 Jahren Arbeit) zu banal sein wird, um mich für die Wissenschaft zu qualifizieren bzw. er mich an keiner Uni sehen will und wird. Dennoch würde er mich bis zum Auslaufen meines Vertrags weiter betreuen, damit ich die Diss abschließen kann. Danach kann ich dann gehen. Wenn ich die Diss bis dahin nicht fertig habe, hab ich Pech gehabt.

Nun, wo ich in Elternzeit bin, wollte ich die Promotion fertigmachen. Problem: Er untersagt mir nun jegliche Unterstützung, indem er mir den, mir zur Verfügung gestellten Laptop wieder wegnimmt, sodass mir die Auswertungsprogramme für die Daten fehlen. Damit kann ich die Diss nicht wirklich fertigmachen. Ist ihm aber egal, denn er braucht den Laptop (Zitat). Und wenn ich den Laptop abgebe, solle ich meine Diss-Daten bitte drauf lassen, denn er möchte sie weiterbearbeiten (lassen).

So - Frage: Wem gehören die Daten? Muss ich sie ihm überlassen oder nicht? Ich meine, es sind meine Daten, da ich nicht angestellt war, als ich sie bei ihm im AB erhoben habe. Plus - wenn er die Daten zur Weiterbearbeitung haben will, würde das bedeuten, dass ich meine Diss ja nicht mehr allein gemacht habe, dann könnte ich nicht promovieren (was ja seine Absicht ist, denn er will mich ja nicht promoviert sehen - lange Geschichte).

Viele Dank schonmal!
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Re: Wem gehören meine Daten?

Beitragvon cdp_xe am 21.07.2010, 18:55

Hallo Liselle,

das hört sich aber gar nicht gut an. Möchtest Du bei diesem Betreuer überhaupt weiter an deiner Diss schreiben? Weshalb bist Du, wenn ich fragen darf, an diese Uni gewechselt?

Ich würde an deiner Stelle (kenne mich aber rechtlich nicht aus!) die Diss-Daten vom Laptop erst einmal kopieren und vom Laptop löschen, bevor du ihn zurück gibst. Später könntest du die Diss-Daten noch immer rausrücken, aber wieso bitte soll jmd. anderes deine Diss weiterbearbeiten? Es ist ja letztlich Deine Leistung. Was ich mich frage: Warum will er die Diss weiter bearbeitet haben, wenn er das Thema so schlecht findet? Ist Deine Leistung tatsächlich so mäßig, oder ist zwischen Dir und Deinem DV ein so großer Streit?

Aber wie gesagt: Ich kenne mich rechtlich nicht aus. Steht evtl. etwas in Deinem Arbeitsvertrag?

Liebe Grüße
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Re: Wem gehören meine Daten?

Beitragvon Angara am 21.07.2010, 20:04

Irgendwie seltsam. Ich finde es ziemlich merkwürdig, jemanden als Doktoranden anzunehmen, wenn man hofft, daß es mit seiner Promotion nichts wird. Hat ihn ja niemand dazu gezwungen. Ich würde mir ernsthaft überlegen, ob ich bei dem DV meine Dissertation zu Ende bringe. Immerhin scheint es sehr fraglich, ob Du da auf eine angemessene Bewertung rechnen kannst. In Deinem Seminar/Institut/Arbeitsgruppe wird wohl auch nicht viel zu machen sein, wenn er der Chef ist.

Sowieso kann ich die Laptop-Geschichte nur als zynisch empfinden. Wieso erklärt man sich "gnädig" bereit, die Betreuung zu übernehmen, wenn man dem Doktoranden die Arbeitsmittel wegnimmt?? Das kommt eher meiner Vorstellung von Sabotage als meiner Vorstellung von Betreuung nahe...

Bliebe nur die Möglichkeit, sich an die nächst höhere Stelle zu wenden. Daß Dein Chef das Recht hat, die eigentlich für Deine Diss erhobenen Daten jetzt einfach zur eigenen Verwendung zu bestimmen, kann ich mir allerdings nicht vorstellen. Da sollte sich aber besser einer der hiesigen Juristen zu äußern, es gibt ja manchmal Merkwürdigkeiten in den Abgründen der Gesetze und Verordnungen...
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Re: Wem gehören meine Daten?

Beitragvon Sebastian am 22.07.2010, 01:04

Hallo liselle,

das klingt wirklich übel - und ruft m.E. nach einer rechtlichen Beratung, die hier im Forum u.U. nicht geleistet werden kann. Mitunter haben die Unis eigene Promotionsbüros, die Dir in dieser Situation helfen können.

Erster Gedanke wäre sonst gewesen, dass die Verpflichtung zur Rückgabe des Laptops eine klare Sache ist und deshalb erfüllt werden muß, während man die Rechtslage zu den Daten erst noch prüfen müßte und deshalb u. U. erst später herausgeben kann.
Vielleicht hast Du diese Daten ja sowieso immer auf Deinem eigenen USB-Stick gespeichert und verarbeitet, so dass sie sich gar nie auf der Festplatte des Laptops befanden?
Dann kämest Du auch nicht in die Situation, Dich mit der Frage zu befassen, ob der Einsatz zuverlässiger Löschprogramme wie z.B. "Eraser" in Kombination mit einer externen Datensicherung in diesem Fall zulässig ist.
Was - unabhängig vom Prüfungsergebnis - auf jeden Fall ausscheidet: Eine Datenlöschung mit Windows-Bordmitteln, die jedes Kleinkind fix wiederherstellen kann.
Das wäre dann u.U. auch bei privaten Dateien ein Thema - ich würde jedenfalls nicht wollen, dass so ein Mensch auch noch meine E-Mails etc lesen kann. Denn dann hättest Du keines der beiden Probleme gelöst. Ich weiß gerade nicht mehr, ob es der Eraser war, der die als leer gekennzeichneten Bereiche der Festplatten mehrfach zufallsmäßig überschreibt, so dass sie auch wirklich leer sind, egal mit welchen Methoden man die entsprechenden Bereiche vorher gelöscht hatte (z.B. alte E-Mails o.ä.)

Paß nur gut auf, dass Dir beim Aufräumen des alten PCs nicht aus Versehen etwas verlorengeht!!

Gruß

Sebastian
(der ein schlechtes Gewissen hat, weil er sich zwischen sovielen menschlich-fachlichen Problemen erstmal auf den technischen Bereich zurückzieht...)
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Re: Wem gehören meine Daten?

Beitragvon manutl am 22.07.2010, 09:23

Hallo Liselle,

ich denke wie meine Vorredner, dass du professionelle rechtliche Hilfe in Anspruch nehmen solltest.
Neben der Rückgabe- und Datenproblematik stellt die Frage, ob du unter den genannten Umständen überhaupt zu einem Abschluss gelangen kannst. Ich formuliere einfach mal einige Fragen, die dich hoffentlich weiterbringen (und die du hier nicht öffentlich beantworten sollst :D ):
Warum hat dich dein DV als Doktorandin angenommen? Und nicht nur angenommen, sondern auch angestellt, was ja aus seinem Buget geht und er also nicht für das gleiche Geld einen "besseren" (aus seiner Sicht) Kanditaten haben kann.
Warum interessieren deinen DV deine Daten, wenn sie so nichtig sind, wie er behauptet?
Wie könntest du dir nach der Elternzeit eine weitere Zusammenarbeit mit dem DV vorstellen?
Gibt es alternative Universitäten, Professor(inn)en, Finanzierungen?
Gibt es alternative Themen?
Wie sieht dein Zeitfenster und deine Planung aus und benötigst du die Qualifikation dafür?

@Sebastian: Schlechtes Gewissen? ABER NICHT DOCH! Erstens möge sich jeder auf den Bereich stürzen, der ihm liegt unabhängig von der Geschlechtsrollenverteilung :mrgreen: und zweitens bin ich beeindruckt wie sachlich du wertvolle Informationen zwischen den Zeilen verpacken kannst!


Gruß,
manutl :D
Statistik ist die mathematische Form der Lüge.
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Re: Wem gehören meine Daten?

Beitragvon Liselle am 22.07.2010, 09:56

Hallo Ihr Lieben,

vielen Dank für die vielen Antworten - die mich alle erstmal beruhigt haben, dass ich offensichtlich nicht ganz im Unrecht bin, wenn ich meine Diss-Daten vom Rechner lösche und nur für mich selbst abspeichere.

Zu der Gesamtlage, ichversuche, mich kurz zu fassen -: Ich hab noch als Diplomandin Projektgelder zur Sicherung einer Finanzierung als WiMi für mich mit einer Professorin eingeworben, die früher an der Uni gearbeitet hat und mit einem Professor an einer anderen Uni, der, da die Professorin im Ausland arbeitet, als Projektleiter stand. Er hat mich dann mit den Geldern an der anderen Uni angestellt, da mein jetziger Chef nichts mit dem Projekt zu tun hatte. Mein jetziger Chef hat mich aber als Doktorandin angenommen, damit ich an meiner jetzigen Uni bleiben kann. Und hat mir eben Arbeitsmittel zur Verfügung gestellt. Ich sollte dafür für ihn, quasi als Entschädigung, kleiner Arbeiten miterledigen (unentgeltlich ...). War ok, ich war schließlich in seinem AB integriert als Doktorandin. Hab dann aber zunehmend auch mehr mit Anträge geschrieben und als ich dann zum ersten Mal publiziert habe in dem Projekt, wo ich angestellt war, gab es zum ersten Mal Ärger, weil mein jetziger Chef nicht mit draufstand (das haben ihm die Projektleiter natürlich nicht zugestanden, hat ja nichts dafür getan). Und das, obwohl ich immer unter meiner jetzigen Uni aufgeführt war und nicht dort, wo ich angestellt war, und mein jetziger Chef quasi Geld von der Uni für die Publikation bekommen hat.
Im August letzten Jahres gab es dann die Möglichkeit zur Neubeantragung von Geldern zur Sicherung meiner Stelle und mein jetziger Chef hat sich dafür ausgesprochen, mich dann bei sich anzustellen, wenn ich die Gelder mit ihm als Projektleiter beantrage. Und so ist es geschehen. Geld ist gekommen, ich bin schwanger geworden und nun werde ich vertreten und wenn das Geld dann alle ist, wenn ich wiederkomme, werde ich nicht mehr wieder für ihn eingestellt, hat er gesagt, da ich nun ja nicht mehr leistungsfähig genug bin. Das ist die andere Geschichte.
So jedenfalls kam es zu der Anstellung. Die war eben ideal, weil ich eh bei ihm promovierte. Und bis vor Kurzem war ich ja auch noch die Leistungsfähigste der Abteilung und er war voll zufrieden, wie er mir immer mitteilte.

@CDP_XE: Ich werde den Betreuer wechseln. Garantiert mir ja keine faire Bewertung mehr.Warum er mein Thema weiterbearbeiten will, wenn er es zu banal findet, ist mir auch schleierhaft. Ich nehme an, es ist nicht so banal, das sagt er nur, um mich zu demotivieren, denn eigentlich ist das Thema momentan in den internationalen Publikationen allgemein hochaktuell ... Vielleicht will er die Daten auch haben, für den Fall, ich gehe und nehme sie mit und er hat dann gar nichts mehr davon?In meinem Arbeitsvertrag steht nichts von Promotion drin - ich promoviere nicht in einem Forschungsprojekt, d.h. ich bin in einem anderen Projekt angestellt.

@Angara: Ja, Sabotage ist das richtige Wort ... den Schlüssel zum Büro hat er auch eingefordert.

@sebastian: Ist ein MacBook. Ich habe den freien Speicher mit Einsern und Nullen überschrieben. Sollte eigentlich ausreichen, hoffe ich. Unser Admin müsste dann ja auch erstmal wissen, was er wiederherstellen muss. Ich bezweifle, dass der Aufwand betrieben wird. Rechtsberatung hatte ich auch schon überlegt. Geht ja um geistiges Eigentum und Urheberrecht, oder?

@manutl:Ich glaube, im Endeffekt ging es meinem DV nur darum, eine zusätzliche Arbeitskraft zu haben, die ihm Geld und Publikationen bringt (was geschehen ist). Jetzt hab ich Familie und werde nicht mehr 60h für 20h arbeiten gehen können. Also investiert er nichts mehr in mich, sondern will mich loswerden. Ich glaube wirklich, er wollte mich nur für sich ausnutzen. Das Geld, mit dem ich angestellt bin, hab ich letztlich selbst eingeworben. Er hat noch nie Geld für mich eingeworben. Ich hab immer meine Stelle selbst geschrieben.

Dann schaue ich mal, was rechtlich geht. Vielen lieben Dank!!!

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Re: Wem gehören meine Daten?

Beitragvon musicus am 22.07.2010, 14:29

Wie kann man sich diese "Daten", um die es geht, vorstellen? Sind das "Messungen" oder qualitative Daten (wie z.B. Interviews, Inhaltsanalysen, o.ä.). An rein quantitativen Daten kann man nur unter bestimmten Bedingungen Urheberrechtschutz geltend machen (gilt bei veröffentlichten Daten). Hier handelt es sich aber um unveröffentlichte Daten, mit denen du grundsätzlich machen kannst, was du willst (z.B. Backup und sicheres Löschen wie vorgeschlagen), solange du diese Daten nicht im Auftrag deines Professors (das müßte ja schriftlich irgendwo fixiert sein) als Arbeitsleistung in einem Angestelltenverhältnis erhoben hast.

Von daher sehe ich nur einen richtigen Weg: Laptop zurückgeben so, wie er an dich ausgegeben wurde (sprich ohne deine eigenen Dokumente), Schlüssel zurückgeben und abwarten, wie er dann seinen vermeintlichen Anspruch durchsetzen will. :roll:

Kann es aber nicht auch sein, daß ein gewisses Kommunikationsproblem vorliegt? Du könntest ihn ja z.B. einfach mal fragen, was er denn mit den Daten zu tun gedenkt und dabei darauf verweisen, daß du sie ja für deine Diss erstellt hast und ggf. dann nicht mehr verwenden könntest. Nach VÖ deiner Diss käme er ja ohnehin an das Material, vielleicht kann er ja solange warten? :wink:
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Re: Wem gehören meine Daten?

Beitragvon Amalia am 22.07.2010, 22:35

Liebe Lisselle,
fachlich kann ich nicht zu Deinem sehr traurigen Problem sagen, aber ich möchte die Überlegung in den Raum stellen, Dich an die Gleichstellungsbeauftragte Deines Fachbereichs oder auch der Uni zu wenden, denn Dein Mutterschutz / Elternzeit scheint doch ein wesentlicher Faktor in der Eskalation des Problems zu sein. Deshalb sollte die Gleichstellungsbeauftragte Deine Situation interessieren und sie sollte Dir Hilfestellungen anbieten können.
Alles Gute!
A.
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Re: Wem gehören meine Daten?

Beitragvon Liselle am 23.07.2010, 19:25

Liebe Amalia, lieber musicus,

@musicus: Kommunikationsproblem - ja, klar. Er redet ja nur über Dritte über mich und mit mir. Wir haben seit mindestens einem halben Jahr nicht mehr über meine Dissertation gesprochen, weil sie ihn ja angeblich nicht interessiert. Erst seit auf einer Tagung andere darauf aufmerksam wurden (was zeitgleich mit Beginn meines Mutterschutzes war), interessieren ihn die Daten bzw. hält er die Diss auf einmal für "zu banal". Klingt paradox, aber genau so ist es.
Schriftlich fixiert ist gar nichts, nur dass er mein Betreuer ist und ich ein bestimmtes Thema bearbeite (bei der Promotionsanzeige, die man ja stellen muss, wenn man sich als Promotionsstudent immatrikuliert). Im Arbeitsvertrag steht nur, in welchem Projekt ich arbeite und da hat meine Diss gar nichts mit zu tun.

@Amalia: Gleichstellungsbeauftragte ist eine gute Idee. Ich hoffe nur, dass die auch was ausrichten kann. Personalrat ist auch informiert.

Liebe Grüße,
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Re: Wem gehören meine Daten?

Beitragvon jsolawis am 26.07.2010, 00:50

Liselle,

das ist natürlich eine unanagnehme Situation in der du dich befindest.
Die Massnahmen jene du unternimmst sollten sich aber danach orientieren, ob du weiterhin beim betreffenden Professor bleiben möchtest oder nicht.

Wenn du die Gleichstellungsbeauftragte oder den Personalrat anrufst, dann solltest du davon ausgehen, dass der Prof. dich wahrscheinlich nicht mehr betreuen wird.

Denk also erst daran was dein Ziel ist.
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